Kinder- und Hausmärchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm. Zweiter Band.
Published 1840
MÄRCHENFRAU. L. E. Grimm Stahlstich v H.Leedel Göttg Kinder u: Haus Märchen. Kinder und Hausmärchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm . Zweiter Band. Große Ausgabe. Mit zwei Kupfern. Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. Göttingen , Druck und Verlag der Dieterichischen Buchhandlung . 1840 .
87. Der Arme und der Reiche.
Vor alten Zeiten, als der liebe Gott noch selber auf Erden unter den Menschen wandelte, trug es sich zu, daß er eines Abends müde war, und ihn die Nacht überfiel, ehe er zu einer Herberge kommen konnte. Nun standen auf dem Weg vor ihm zwei Häuser einander gegenüber, das eine groß und schön, das andere klein und ärmlich anzusehen, und gehörte das große einem Reichen, das kleine einem armen Manne.
Da dachte unser Herr Gott 'dem Reichen werde ich nicht beschwerlich fallen, bei ihm will ich anklopfen.' Der Reiche, als er an seine Türe klopfen hörte, machte das Fenster auf, und fragte den Fremdling was er suche?
Der Herr antwortete 'ich bitte nur um ein Nachtlager.' Der Reiche guckte den Wandersmann vom Haupt bis zu den Füßen an, und weil der liebe Gott schlichte Kleider trug, und nicht aussah wie einer, der viel Geld in der Tasche hat, schüttelte er mit dem Kopf, und sprach 'ich kann euch nicht aufnehmen, meine Kammern liegen voll Kräuter und Samen, und sollte ich einen jeden beherbergen, der an meine Türe klopft, so könnte ich selber den Bettelstab in die Hand nehmen. Sucht anderswo ein Auskommen.' Schlug damit sein Fenster zu, und ließ den lieben Gott stehen.
Also kehrte ihm der liebe Gott den Rücken, ging hinüber zu dem kleinen Haus, und klopfte an. Kaum hatte er angeklopft, so klinkte der Arme schon sein Türchen auf, und bat den Wandersmann einzutreten, und bei ihm die Nacht über zu bleiben. 'Es ist schon finster,' sagte er, 'und heute könnt ihr doch nicht weiter kommen.' Das gefiel dem lieben Gott, und er trat zu ihm ein: die Frau des Armen reichte ihm die Hand, hieß ihn willkommen, und sagte er möchte sich_es bequem machen, und vorlieb nehmen, sie hätten nicht viel, aber was es wäre, gäben sie von Herzen gerne. Dann setzte sie Kartoffeln ans Feuer, und derweil sie kochten, melkte sie ihre Ziege, damit sie ein Bisschen Milch dazu hätten. Und als der Tisch gedeckt war, setzte sich der liebe Gott zu ihnen, und aß mit, und schmeckte ihm die schlechte Kost gut, denn es waren vergnügte Gesichter dabei.
Wie sie gegessen hatten und Schlafenszeit war, rief die Frau heimlich ihren Mann, und sprach 'höre, lieber Mann, wir wollen uns heute Nacht eine Streue machen, damit der arme Wanderer sich in unser Bett legen und ausruhen kann, er ist den ganzen Tag über gegangen, da wird einer müde.' 'Von Herzen gern,' antwortete er, 'ich will_es ihm anbieten,' ging zu dem lieben Gott, und bat ihn, wenn_es ihm recht wäre, möchte er sich in ihr Bett legen und seine Glieder ordentlich ausruhen. Der liebe Gott wollte den beiden Alten ihr Lager nicht nehmen, aber sie ließen nicht ab, bis er es endlich tat, und sich in ihr Bett legte: sich selbst aber machten sie eine Streue auf die Erde.
Am anderen Morgen standen sie vor Tag schon auf, und kochten dem Gast ein Frühstück, so gut sie es hatten. Als nun die Sonne durchs Fensterlein schien, und der liebe Gott aufgestanden war, aß er wieder mit ihnen, und wollte dann seines Weges ziehen. Als er in der Türe stand, sprach er 'weil ihr so mitleidig und fromm seid, so wünscht euch dreierlei, das will ich euch erfüllen.' Da sagte der Arme 'was soll ich mir sonst wünschen, als die ewige Seligkeit, und daß wir zwei, so lang wir leben, gesund sind, und unser notdürftiges tägliches Brot haben; fürs dritte weiß ich mir nichts zu wünschen.'
Der liebe Gott sprach 'willst du dir nicht ein neues Haus für das alte wünschen?' Da sagte der Mann ja, wenn das ginge, wäre_es ihm wohl lieb. Nun erfüllte der Herr ihre Wünsche, und verwandelte ihr altes Haus in ein schönes neues, und als das geschehen war, verließ er sie, und zog weiter.
Als es voller Tag war, der Reiche aufstand, und sich ins Fenster legte, sah er gegenüber ein schönes neues Haus da wo sonst eine alte Hütte gestanden hatte. Da machte er Augen, rief seine Frau, und sprach 'Frau, sieh einmal, wie ist das zugegangen? Gestern Abend stand dort eine elende Hütte, und nun ist_es ein schönes neues Haus; Lauf doch einmal hinüber, und höre wie das gekommen ist.' Die Frau ging hin, und fragte den Armen aus, der erzählte ihr 'gestern Abend kam ein Wanderer, der suchte Nachtherberge, und heute Morgen beim Abschied hat er uns drei Wünsche gewährt, die ewige Seligkeit, Gesundheit in diesem Leben und das notdürftige tägliche Brot dazu, und statt unserer alten Hütte ein schönes neues Haus.' Als die Frau des Reichen das gehört hatte, lief sie fort, und erzählte ihrem Manne wie es gekommen war. Der Mann sprach 'ich möchte mich zerreißen und zerschlagen; hätte ich das nur gewußt! der Fremde ist auch bei mir gewesen, ich habe ihn aber abgewiesen.' 'Eile dich,' sprach die Frau, 'und setze dich auf dein Pferd, der Mann ist noch nicht weit, du mußt ihn einholen, und dir auch drei Wünsche gewähren lassen.'
Da setzte sich der Reiche auf, und holte den lieben Gott ein, redete fein und lieblich zu ihm, und sprach er möchts nicht übel nehmen daß er nicht gleich wäre eingelassen worden, er hätte den Schlüssel zur Haustür gesucht, derweil wäre er weggegangen: wenn er des Weges zurück käme, müßte er bei ihm einkehren. 'Ja,' sprach der liebe Gott, 'wenn ich einmal zurückkomme, will ich es tun.' Da fragte der Reiche ob er nicht auch drei Wünsche tun dürfte, wie sein Nachbar?
'Ja,' sagte der liebe Gott, 'das dürfte er wohl, es wäre aber nicht gut für ihn, und er sollte sich lieber nichts wünschen.'
Der Reiche aber meinte er wollte sich schon etwas Gutes aussuchen, wenn es nur gewiß erfüllt würde.
Sprache der liebe Gott 'reit nur heim, und drei Wünsche, die du tust, die sollen erfüllt werden.'
Nun hatte der Reiche, was er wollte, ritt heimwärts, und besann sich was er sich wünschen sollte. Wie er so nachdachte, und die Zügel fallen ließ, fing das Pferd an zu springen so daß er immerfort in seinen Gedanken gestört wurde, und sie gar nicht zusammen bringen konnte. Da wurde er über das Pferd ärgerlich, und sprach in Ungeduld 'so wollt ich, daß du den Hals zerbrächst!' und wie er das Wort ausgesprochen hatte, plump, fiel er auf die Erde, und lag das Pferd tot und regte sich nicht mehr; und war der erste Wunsch erfüllt. Weil er aber geizig war, wollte er das Sattelzeug nicht im Stich lassen, Schnitts ab, hing auf den Rücken, und mußte nun zu Fuß nach Haus gehen. Doch tröstete er sich damit, daß ihm noch zwei Wünsche übrig wären.
Wie er nun dahin ging durch den Sand, und als zu Mittag die Sonne heiß brannte, wurde es ihm so warm und verdrießlich zu Mut: der Sattel drückte ihn dabei auf den Rücken, auch war ihm noch immer nicht eingefallen was er sich wünschen sollte.
'Wenn ich mir auch alle Reiche und alle Schätze der Welt wünsche,' dachte er bei sich selbst, 'so habe ich hernach doch noch allerlei Wünsche, dieses und jenes, das weiß ich im voraus: ich will aber meinen Wunsch so einrichten, daß mir gar nichts mehr übrig bleibt, wonach ich noch Verlangen hätte.' Meinte er diesmal hätte er etwas, so schien ihm hernach doch viel zu wenig und zu gering. Da kam ihm so in die Gedanken was es doch seine Frau jetzt gut habe, sie sitze daheim in einer kühlen Stube, und lasse sich es wohl schmecken. Das ärgerte ihn ordentlich, und ohne daß er es wußte, sprach er so hin 'ich wollte die säße daheim auf dem Sattel, und könnte nicht herunter, statt daß ich ihn da mit mir auf dem Rücken schleppe.' Und wie das letzte Wort aus seinem Munde kam, so war der Sattel von seinem Rücken verschwunden, und er merkte daß sein zweiter Wunsch auch in Erfüllung gegangen war. Da wurde ihm erst recht heiß, und er fing an zu laufen, und wollte sich daheim ganz einsam hinsetzen, und auf was Großes für den letzten Wunsch nachdenken. Wie er aber ankommt, und seine Stubentür aufmacht, sitzt da seine Frau mittendrein auf dem Sattel, und kann nicht herunter, jammert und schreit. Da sprach er 'gib dich zufrieden, ich will dir alle Reichtümer der Welt herbei wünschen, nur bleibe da sitzen.' Sie antwortete aber 'was helfen mir alle Reichtümer der Welt, wenn ich auf dem Sattel sitze; du hast mich darauf gewünscht, du mußt mir auch wieder herunter helfen.' Er mochte wollen oder nicht, er mußte den dritten Wunsch tun, daß sie vom Sattel ledig wäre, und heruntersteigen könnte; und der Wunsch wurde auch erfüllt. Also hatte er nichts davon als Ärger, Mühe und ein verlorenes Pferd: die Armen aber lebten vergnügt still und fromm bis an ihr seliges Ende.
88. Das singende springende Löweneckerchen.
Es war einmal ein Mann, der hatte eine große Reise vor, und beim Abschied fragte er seine drei Töchter was er ihnen mitbringen sollte. Da wollte die älteste Perlen, die zweite wollte Diamanten, die dritte aber sprach 'lieber Vater, ich wünsche mir ein singendes springendes Löweneckerchen (Lerche).' Der Vater sagte 'ja, wenn ich es kriegen kann, sollst du es haben,' küßte alle drei, und zog fort. Als nun die Zeit kam, daß er wieder auf dem Heimweg war, hatte er Perlen und Diamanten für die zwei ältesten gekauft, aber das singende springende Löweneckerchen für die jüngste hatte er umsonst aller Orten gesucht, und das tat ihm leid, denn sie war sein liebstes Kind. Da führte ihn sein Weg durch einen Wald, und mitten darin war ein prächtiges Schloß, und nah am Schloß stand ein Baum, ganz oben auf der Spitze des Baums aber sah er ein Löweneckerchen singen und springen. 'Ei, du kommst mir gerade recht' sagte er ganz vergnügt, und rief seinem Diener, er sollte hinaufsteigen und das Tierchen fangen. Wie der aber an den Baum herantrat, sprang ein Löwe darunter auf, schüttelte sich, und brüllte, daß das Laub an den Bäumen zitterte; 'wer mir mein singendes springendes Löweneckerchen stehlen will,' rief er, 'den fresse ich auf.' Da sagte der Mann 'ich habe nicht gewußt daß der Vogel dir gehört; ich will mein Unrecht wieder gut machen, und mich mit schwerem Golde loskaufen, laß mir nur das Leben.' Der Löwe sprach 'dich kann nichts retten, als wenn du mir zu eigen versprichst, was dir daheim zuerst begegnet; willst du das aber tun, so schenke ich dir das Leben und den Vogel für deine Tochter obendrein.' Der Mann aber weigerte sich, und sprach 'das könnte meine jüngste Tochter sein, die hat mich am liebsten, und läuft mir immer entgegen, wenn ich nach Haus komme.' Dem Diener aber war Angst, und er sagte 'muß euch denn gerade eure Tochter begegnen, es könnte ja auch eine Katze oder ein Hund sein.' Da ließ sich der Mann überreden, nahm das singende springende Löweneckerchen, und versprach dem Löwen zu eigen was ihm daheim zuerst begegnen würde. Wie er daheim anlangte und in sein Haus eintrat war das erste, was ihm begegnete, niemand anders, als seine jüngste liebste Tochter; die kam gelaufen, und küßte und herzte ihn, und als sie sah, daß er ein singendes springendes Löweneckerchen mitgebracht hatte, freute sie sich noch mehr. Der Vater aber konnte sich nicht freuen, sondern fing an zu weinen, und sagte 'mein liebstes Kind, den kleinen Vogel habe ich teuer gekauft, ich habe dich dafür einem wilden Löwen versprechen müssen, und wenn er dich hat, wird er dich zerreißen und fressen,' und erzählte ihr da alles, wie es zugegangen war, und bat sie nicht hin zu gehen, es möchte auch kommen was da wollte. Sie tröstete ihn aber, und sprach 'liebster Vater, was ihr versprochen habt muß auch gehalten werden; ich will hingehen, und will den Löwen schon besänftigen, daß ich wieder gesund zu euch heim komme.' Am anderen Morgen ließ sie sich den Weg zeigen, nahm Abschied, und ging getrost in den Wald hinein. Der Löwe aber war ein verzauberter Königssohn, und war bei Tag ein Löwe, und mit ihm wurden alle seine Leute Löwen, in der Nacht aber hatten sie ihre natürliche menschliche Gestalt wieder. Als sie nun ankam, empfing er sie freundlich, und wurde Hochzeit gehalten, und zu der Nacht war er ein schöner Mann, und da wachten sie in der Nacht, und schliefen am Tag, und lebten eine lange Zeit vergnügt mit einander. Zu einer Zeit kam er, und sagte 'morgen ist ein Fest in deines Vaters Haus, weil deine älteste Schwester sich verheiratet, und wenn du Lust hast hinzugehen, so sollen dich meine Löwen hinführen.' Da sagte sie ja, sie möchte gern ihren Vater wiedersehen; und fuhr hin, und wurde von den Löwen begleitet. Da war große Freude, als sie ankam, denn sie hatten alle geglaubt sie wäre schon lange tot, und wäre von dem Löwen zerrissen worden. Sie erzählte aber wie gut es ihr ginge, und blieb bei ihnen so lang die Hochzeit dauerte, dann fuhr sie wieder zurück in den Wald. Wie die zweite Tochter heiratete, und sie wieder zur Hochzeit eingeladen war, sprach sie zum Löwen 'diesmal will ich nicht allein sein, du mußt mitgehen.' Der Löwe aber wollte nicht, und sagte es wäre zu gefährlich für ihn, denn wenn dort der Strahl eines brennenden Lichts ihn berührte, so würde er in eine Taube verwandelt, und müßte sieben Jahre lang mit den Tauben fliegen. Sie ließ ihm aber keine Ruhe, und sagte sie wollte ihn schon hüten und vor allem Licht bewahren. Also zogen sie zusammen, und nahmen auch ihr kleines Kind mit. Sie aber ließ dort einen Saal mauern, so stark und dick, daß kein Strahl durchdringen konnte, darin sollt er sitzen wann die Hochzeitslichter angesteckt würden. Die Tür aber war von frischem Holz gemacht, das sprang, und bekam einen kleinen Ritz, den kein Mensch bemerkte. Nun wurde die Hochzeit mit Pracht gefeiert, wie aber der Zug aus der Kirche zurückkam mit den vielen Fackeln und Lichtern an dem Saal vorbei, da fiel ein haarbreiter Strahl auf den Königssohn, und wie dieser Strahl ihn berührt hatte, in dem Augenblick war er auch verwandelt, und als sie hineinkam, und ihn suchte, sah sie ihn nicht, aber es saß da eine weiße Taube. Die Taube sprach zu ihr 'sieben Jahr muß ich nun in die Welt fortfliegen, alle sieben Schritte aber will ich einen roten Blutstropfen und eine weiße Feder fallen lassen, die sollen dir den Weg zeigen, und wenn du der Spur folgst, kannst du mich erlösen.' Da flog die Taube zur Tür hinaus, und sie folgte ihr nach, und alle sieben Schritte fiel ein rotes Blutströpfchen und ein weißes Federchen herab, und zeigte ihr den Weg. So ging sie immer zu in die weite Welt hinein, und schaute nicht um sich, und ruhte sich nicht, und waren fast die sieben Jahre herum; da freute sie sich, und meinte sie wären bald erlöst, und war noch so weit davon. Einmal, als sie so fortgieng, fiel kein Federchen mehr, und auch kein rotes Blutströpfchen, und als sie die Augen aufschlug, so war die Taube verschwunden. Und weil sie dachte 'Menschen können dir da nichts helfen,' so stieg sie zur Sonne hinauf, und sagte zu ihr 'du scheinst in alle Ritzen und über alle Spitzen, hast du keine weiße Taube fliegen sehen?' 'Nein,' sagte die Sonne, 'ich habe keine gesehen, aber da schenke ich dir ein Kästchen, das mache auf, wenn du in großer Not bist.' Da dankte sie der Sonne, und ging weiter bis es Abend war, und der Mond schien, da fragte sie ihn 'du scheinst ja die ganze Nacht, durch alle Felder und Wälder, hast du keine weiße Taube fliegen sehen?' 'Nein,' sagte der Mond, 'ich habe keine gesehen, aber da schenke ich dir ein Ei, das zerbrich wenn du in großer Not bist.' Da dankte sie dem Mond, und ging weiter, bis der Nachtwind wehte, da sprach sie zu ihm 'du wehst ja über alle Bäume und unter allen Blättchen weg, hast du keine weiße Taube fliegen sehen. 'Nein,' sagte der Nachtwind, 'ich habe keine gesehen, aber ich will die drei anderen Winde fragen, die haben sie vielleicht gesehen.' Der Ostwind und der Westwind kamen, und sagten sie hätten nichts gesehen, der Südwind aber sprach 'die weiße Taube habe ich gesehen, sie ist zum roten Meer geflogen, da ist sie wieder ein Löwe geworden, denn die sieben Jahre sind herum, und der Löwe steht dort im Kampf mit einem Lindwurm, der Lindwurm ist aber eine verzauberte Königstochter.' Da sagte der Nachtwind zu ihr 'ich will dir Rat geben, gehe zum roten Meer, am rechten Ufer da stehen große Ruten, die zähle, und die elfte schneide dir ab, und Schlag den Lindwurm damit, dann kann ihn der Löwe bezwingen, und beide bekommen auch ihren menschlichen Leib wieder; hernach schau dich um, und du wirst den Vogel Greife sehen, der am roten Meer sitzt, schwinge dich mit deinem Liebsten auf seinen Rücken, der Vogel wird euch übers Meer nach Haus tragen.
Da hast du auch eine Nuß, wenn du mitten über dem Meer bist, laß sie herab fallen, alsbald wird sie aufgehen, und ein großer Nussbaum aus dem Wasser hervorwachsen, auf dem sich der Greife ausruht, und könnte er nicht ruhen, so wäre er nicht stark genug euch hinüber zu tragen, und wenn du vergißt die Nuß herab zu werfen, so läßt er euch ins Meer fallen.' Da ging sie hin, und fand alles wie der Nachtwind gesagt hatte. Sie zählte die Ruten am Meer, und schnitt die elfte ab, damit schlug sie den Lindwurm, und der Löwe bezwang ihn, alsbald hatten beide ihren menschlichen Leib wieder. Aber wie die Königstochter, die vorher ein Lindwurm gewesen war, vom Zauber frei war, nahm sie den Jüngling in den Arm, setzte sich auf den Vogel Greife, und führte ihn mit sich fort. Da stand die arme weitgewanderte, und war wieder verlassen, und setzte sich nieder und weinte; endlich aber ermutigte sie sich, und sprach 'ich will noch so weit gehen als der Wind weht, und so lang als der Hahn kräht, bis ich ihn finde.' Und ging fort, lange lange Wege, bis sie endlich zu dem Schloß kam, wo beide zusammen lebten, da hörte sie daß bald ein Fest wäre, wo sie Hochzeit mit einander machen wollten. Sie sprach aber 'Gott hilft mir noch,' und nahm das Kästchen, das ihr die Sonne gegeben hatte, da lag ein Kleid darin, so glänzend wie die Sonne selber. Da nahm sie es heraus, und zog es an, und ging hinauf in das Schloß, und alle Leute, und die Braut selber, sahen sie mit Verwunderung an; und das Kleid gefiel der Braut so gut, daß sie dachte es könnte ihr Hochzeitkleid geben, und fragte ob es nicht feil wäre? 'Nicht für Geld und Gut,' antwortete sie, 'aber für Fleisch und Blut.' Die Braut fragte was sie damit meinte? Da sagte sie 'laßt mich eine Nacht in der Kammer schlafen, wo der Bräutigam schläft.' Die Braut wollte nicht, und wollte doch gerne das Kleid haben, endlich willigte sie ein, aber der Kammerdiener mußte dem Königssohn einen Schlaftrunk geben. Als es nun Nacht war, und der Jüngling schon schlief, wurde sie in die Kammer geführt. Da setzte sie sich ans Bett, und sagte 'ich bin dir nachgefolgt sieben Jahre, bin bei Sonne und Mond und beiden Winden gewesen, und habe nach dir gefragt, und habe dir geholfen gegen den Lindwurm, willst du mich denn ganz vergessen?' Der Königssohn aber schlief so hart, daß es ihm nur vorkam, als rauschte der Wind draußen in den Tannenbäumen. Wie nun der Morgen anbrach, da wurde sie wieder hinausgeführt, und mußte das goldene Kleid hingeben. Und als auch das nichts geholfen hatte, wurde sie traurig, ging hinaus auf eine Wiese, setzte sich da hin, und weinte. Und wie sie so saß, da fiel ihr das Ei noch ein, das ihr der Mond gegeben hatte; sie schlug es auf, da kam eine Glucke heraus mit zwölf Küchlein ganz von Gold, die liefen herum, und piepten und krochen der Alten wieder unter die Flügel, so daß nichts schöneres auf der Welt zu sehen war. Da stand sie auf, trieb sie auf der Wiese vor sich her, so lange bis die Braut aus dem Fenster sah, und da gefielen ihr die kleinen Küchlein so gut, daß sie gleich herab kam, und fragte ob sie nicht feil wären? 'Nicht für Geld und Gut, aber für Fleisch und Blut; laßt mich noch eine Nacht in der Kammer schlafen, wo der Bräutigam schläft.' Die Braut sagte ja, und wollte sie betrügen wie am vorigen Abend. Als aber der Königssohn zu Bett ging, fragte er seinen Kammerdiener was das Murmeln und Rauschen in der Nacht gewesen sei. Da erzählte der Kammerdiener alles, daß er ihm einen Schlaftrunk hätte geben müssen, weil ein armes Mädchen heimlich in der Kammer geschlafen hätte, und heute Nacht sollte er ihm wieder einen geben. Sagte der Königssohn 'gieße den Trank neben das Bett aus.' Zur Nacht wurde sie wieder hereingeführt, und als sie anfing zu erzählen wie es ihr traurig ergangen wäre, da erkannte er gleich an der Stimme seine liebe Gemahlin, sprang auf, und rief 'jetzt bin ich erst recht erlöst, mir ist gewesen, wie in einem Traum, denn die fremde Königstochter hatte mich bezaubert, daß ich dich vergessen mußte, aber Gott hat noch zu rechter Stunde die Betörung von mir genommen.' Da gingen sie beide in der Nacht heimlich aus dem Schloß, denn sie fürchteten sich vor dem Vater der Königstochter, der ein Zauberer war, und setzten sich auf den Vogel Greife, der trug sie über das rote Meer, und als sie in der Mitte waren, ließ sie die Nuß fallen. Alsbald wuchs ein großer Nussbaum, darauf ruhte sich der Vogel, und dann führte er sie nach Haus, wo sie ihr Kind fanden, das war groß und schön geworden, und sie lebten von nun an vergnügt bis an ihr Ende.
89. Die Gänsemagd.
Es lebte einmal eine alte Königin, der war ihr Gemahl schon lange Jahre gestorben, und sie hatte eine schöne Tochter. Wie die erwuchs, wurde sie weit über Feld auch an einen Königssohn versprochen. Als nun die Zeit kam, wo sie vermählt werden sollten, und das Kind in das fremde Reich abreisen mußte, packte ihr die Alte gar viel köstliches Gerät und Geschmeide ein, Gold und Silber, Becher und Kleinode, kurz alles, was nur zu einem königlichen Brautschatz gehörte, denn sie hatte ihr Kind von Herzen lieb. Auch gab sie ihr eine Kammerjungfer bei, welche mitreiten und die Braut in die Hände des Bräutigams überliefern sollte, und jede bekam ein Pferd zur Reise, aber das Pferd der Königstochter hieß Falada, und konnte sprechen. Wie nun die Abschiedsstunde da war, begab sich die alte Mutter in ihre Schlafkammer, nahm ein Messerlein, und schnitt damit in ihre Finger, daß sie bluteten: darauf hielt sie ein weißes Läppchen unter, und ließ drei Tropfen Blut hineinfallen, gab sie der Tochter, und sprach 'liebes Kind verwahre sie wohl, sie werden dir unterwegs Not tun.' Also nahmen beide von einander betrübten Abschied: das Läppchen steckte die Königstochter in ihren Busen vor sich, setzte sich aufs Pferd, und zog nun fort zu ihrem Bräutigam. Da sie eine Stunde geritten waren, empfand sie heißen Durst, und rief ihre Kammerjungfer 'steige ab, und schöpfe mir mit meinem Becher, den du aufzuheben hast, Wasser aus dem Bache, ich möchte gern einmal trinken.' 'Wenn ihr Durst habt,' sprach die Kammerjungfer, 'so steigt selber ab, legt euch ans Wasser und trinkt, ich mag eure Magd nicht sein.' Da stieg die Königstochter vor großem Durst herunter, neigte sich über das Wässerlein im Bach, und trank, und durfte nicht aus dem goldenen Becher trinken. Da sprach sie 'ach Gott!' da antworteten die drei Blutstropfen 'wenn das deine Mutter wüßte, das Herz im Leibe täte ihr zerspringen.' Aber die Königsbraut war demütig, sagte nichts, und stieg wieder zu Pferd. So ritten sie etliche Meilen weiter fort, aber der Tag war warm, die Sonne stach, und sie durstete bald von neuem: da sie nun an einen Wasserfluß kamen, rief sie noch einmal ihrer Kammerjungfer 'steige ab, und gib mir aus meinem Goldbecher zu trinken,' denn sie hatte aller bösen Worte längst vergessen. Die Kammerjungfer sprach aber, noch hochmütiger, 'wollt ihr trinken, so trinkt allein, ich mag nicht eure Magd sein.' Da stieg die Königstochter hernieder vor großem Durst, und legte sich über das fließende Wasser, weinte und sprach 'ach, Gott!' und die Blutstropfen antworteten wiederum 'wenn das deine Mutter wüßte, das Herz im Leibe täte ihr zerspringen.' Und wie sie so trank, und sich recht überlehnte, fiel ihr das Läppchen, worin die drei Tropfen waren, aus dem Busen, und floß mit dem Wasser fort ohne daß sie es in ihrer großen Angst merkte. Die Kammerjungfer hatte aber zugesehen, und freute sich daß sie Gewalt über die Braut bekäme: denn damit, daß diese die Blutstropfen verloren hatte, war sie schwach und machtlos geworden. Als sie nun wieder auf ihr Pferd steigen wollte, das da hieß Falada, sagte die Kammerfrau 'auf Falada Gehör ich, und auf meinen Gaul gehörst du;' und das mußte sie sich gefallen lassen. Dann befahl ihr die Kammerfrau mit harten Worten die königlichen Kleider auszuziehen und ihre schlechten anzulegen, und endlich mußte sie sich unter freiem Himmel verschwören daß sie am königlichen Hof keinem Menschen etwas davon sprechen wollte; und wenn sie diesen Eid nicht abgelegt hätte, wäre sie auf der Stelle umgebracht worden. Aber Falada sah das alles an, und Nahms wohl in Acht. Die Kammerfrau stieg nun auf Falada, und die wahre Braut auf das schlechte Roß, und so zogen sie weiter, bis sie endlich in dem königlichen Schloß eintrafen. Da war große Freude über ihre Ankunft, und der Königssohn sprang ihnen entgegen, hob die Kammerfrau vom Pferde, und meinte sie wäre seine Gemahlin: und sie wurde die Treppe hinaufgeführt, die wahre Königstochter aber mußte unten stehen bleiben. Da schaute der alte König am Fenster, und sah sie im Hofe halten, und sah wie sie fein war, zart und gar schön: ging alsbald hin ins königliche Gemach, und fragte die Braut nach der, die sie bei sich hätte, und da unten im Hofe stände, und wer sie wäre? 'Die habe ich mir unterwegs mitgenommen zur Gesellschaft, gebt der Magd was zu arbeiten, daß sie nicht müßig steht.' Aber der alte König hatte keine Arbeit für sie, und wußte nichts, als daß er sagte 'da habe ich so einen kleinen Jungen, der hütet die Gänse, dem mag sie helfen.' Der Junge hieß Kürdchen (Konrädchen), dem mußte die wahre Braut helfen Gänse hüten. Bald aber sprach die falsche Braut zu dem jungen König 'liebster Gemahl, ich bitte euch tut mir einen Gefallen.' Er antwortete 'das will ich gerne tun.' 'Nun so laßt den Schinder rufen, und da dem Pferde, worauf ich hergeritten bin, den Hals abhauen, weil es mich unterwegs geärgert hat,' eigentlich aber fürchtete sie daß das Pferd sprechen möchte wie sie mit der Königstochter umgegangen wäre. Nun war das so weit geraten, daß es geschehen und der treue Falada sterben sollte, da kam es auch der rechten Königstochter zu Ohr, und sie versprach dem Schinder heimlich ein Stück Geld, das sie ihm bezahlen wollte, wenn er ihr einen kleinen Dienst erwiese.
In der Stadt war ein großes finsteres Tor, wo sie Abends und Morgens mit den Gänsen durch mußte, 'unter das finstere Tor möchte er dem Falada seinen Kopf hinnageln, daß sie ihn doch noch mehr als einmal sehen könnte.' Also versprach das der Schindersknecht zu tun, hieb den Kopf ab, und nagelte ihn unter das finstere Tor fest.
Des Morgens früh, als sie und Kürdchen unterm Tor hinaus trieben, sprach sie im Vorbeigehen
'o du Falada, da du hangest,'
da antwortete der Kopf
'o du Jungfer Königin, da du gingst, wenn das deine Mutter wüßte, ihr Herz täte ihr zerspringen.'
Da zog sie still weiter zur Stadt hinaus, und sie trieben die Gänse aufs Feld.
Und wenn sie auf der Wiese angekommen war, saß sie hier, und machte ihre Haare auf, die waren eitel Gold, und Kürdchen sah sie, und freute sich wie sie glänzten, und wollte ihr ein paar ausraufen.
Da sprach sie
'weh, weh, Windchen, nimm Kürdchen sein Hütchen, und laß'n sich mit jagen, bis ich mich geflochten und geschnatzt, und wieder aufgesatzt.'
Und da kam ein so starker Wind, daß er dem Kürdchen sein Hütchen wegwehte über alle Land, daß es ihm nachlief, und bis es wiederkam war sie mit dem Kämmen und Aufsetzen fertig, und er konnte keine Haare kriegen.
Da war Kürdchen bös, und sprach nicht mit ihr, und so hüteten sie die Gänse bis daß es Abend wurde, dann fuhren sie nach Haus.
Den anderen Morgen, wie sie unter dem finsteren Tor hinaus trieben, sprach die Jungfrau
'o du Falada, da du hangest,'
Falada antwortete
'o du Jungfer Königin, da du gingst, wenn das deine Mutter wüßte, das Herz täte ihr zerspringen.'
Und in dem Feld setzte sie sich wieder auf die Wiese, und fing an ihr Haar auszukämmen, und Kürdchen lief, und wollte danach greifen, da sprach sie schnell
'weh, weh, Windchen, nimm Kürdchen sein Hütchen, und laß'n sich mit jagen, bis ich mich geflochten und geschnatzt, und wieder aufgesatzt.'
Da wehte der Wind, und wehte ihm das Hütchen vom Kopf weit weg, daß Kürdchen nachlaufen mußte, und als es wieder kam, hatte sie längst ihr Haar zurecht, und es konnte keins davon erwischen, und sie hüteten die Gänse bis es Abend wurde.
Abends aber, nachdem sie heim kamen, ging Kürdchen vor den alten König, und sagte 'mit dem Mädchen will ich nicht länger Gänse hüten.' 'Warum denn?' fragte der alte König.
'Ei, das ärgert mich den ganzen Tag.' Da befahl ihm der alte König zu erzählen wies ihm denn mit ihr ginge.
Da sagte Kürdchen 'Morgens, wenn wir unter dem finsteren Tor mit der Herde durchkommen, so ist da ein Gaulskopf an der Wand, zu dem redet sie
'Falada, da du hangest,'
da antwortet der Kopf
'o du Königsjungfer, da du gingst, wenn das deine Mutter wüßte, das Herz täte ihr zerspringen.'
Und so erzählte Kürdchen weiter, was auf der Ganswiese geschähe, und wie es da dem Hut im Winde nachlaufen müßte.
Der alte König befahl ihm aber den nächsten Tag wieder hinaus zu treiben, und er selbst, wie es Morgens war, setzte sich hinter das finstere Tor, und hörte da wie sie mit dem Haupt des Falada sprach: und dann ging er ihr auch nach in das Feld, und barg sich in einem Busch auf der Wiese.
Da sah er nun bald mit seinen eigenen Augen wie die Gänsemagd und der Gänsejunge die Herde getrieben brachte, und nach einer Weile sie sich setzte, und ihre Haare losflocht, die strahlten von Glanz.
Gleich sprach sie wieder:
'weh, weh, Windchen, faße Kürdchen sein Hütchen, und laß'n sich mit jagen, bis daß ich mich geflochten und geschnatzt, und wieder aufgesatzt.'
Da kam ein Windstoß und fuhr mit Kurtchens Hut weg, daß es weit zu laufen hatte, und die Magd kämmte und flocht ihre Locken still fort, welches der alte König alles beobachtete.
Darauf ging er unbemerkt zurück, und als Abends die Gänsemagd heim kam, rief er sie bei Seite, und fragte 'warum sie dem allem so täte?' 'Das darf ich euch nicht sagen, und darf auch keinem Menschen mein Leid klagen, denn so habe ich mich unter freiem Himmel verschworen, weil ich sonst um mein Leben gekommen wäre.'
Er drang in sie, und ließ ihr keinen Frieden, aber er konnte nichts aus ihr herausbringen.
Da sprach er 'wenn du mir nichts sagen willst, so klage dem Eisenofen da dein Leid,' und ging fort.
Da kroch sie in den Eisenofen, fing an zu jammern und zu weinen, schüttete ihr Herz aus, und sprach 'da sitze ich nun von aller Welt verlassen, und bin doch eine Königstochter, und eine falsche Kammerjungfer hat mich mit Gewalt dahin gebracht daß ich meine königlichen Kleider habe ablegen müssen, und hat meinen Platz bei meinem Bräutigam eingenommen, und ich muß als Gänsemagd gemeine Dienste tun.
'Wenn das meine Mutter wüßte, das Herz im Leib täte ihr zerspringen.'
Der alte König stand aber außen an der Ofenröhre, lauerte ihr zu, und hörte was sie sprach.
Da kam er wieder herein, und hieß sie aus dem Ofen gehen.
Da wurden ihr königliche Kleider angetan, und es schien ein Wunder wie sie so schön war.
Der alte König rief seinen Sohn, und offenbarte ihm daß er die falsche Braut hätte, die wäre bloß ein Kammermädchen: die wahre aber stände hier, als die gewesene Gänsemagd.
Der junge König aber war herzensfroh, als er ihre Schönheit und Tugend erblickte, und ein großes Mal wurde angestellt, zu dem alle Leute und guten Freunde gebeten wurden.
Obenan saß der Bräutigam, die Königstochter zur einen Seite und die Kammerjungfer zur anderen, aber die Kammerjungfer war verblendet, und erkannte jene nicht mehr in dem glänzenden Schmuck.
Als sie nun gegessen und getrunken hatten, und gutes Muts waren, gab der alte König der Kammerfrau ein Rätsel auf, was eine solche wert wäre, die den Herrn so und so betrogen hätte, erzählte damit den ganzen Verlauf, und fragte 'welches Urteils ist diese würdig?' Da sprach die falsche Braut 'die ist nichts besseres wert, als daß sie splitternackt ausgezogen und in ein Fass gesteckt wird, das inwendig mit spitzen Nägeln beschlagen ist: und zwei weiße Pferde müssen vorgespannt werden, die sie Gasse auf Gasse ab zu Tode schleifen.' 'Das bist du,' sprach der alte König, 'und hast dein eigen Urteil gefunden, und danach soll dir widerfahren.' Und als das Urteil vollzogen war, vermählte sich der junge König mit seiner rechten Gemahlin, und beide beherrschten ihr Reich in Frieden und Seligkeit.
90. Der junge Riese.
Ein Bauersmann hatte einen Sohn, der war so groß wie ein Daumen, und wurde gar nicht größer, und wuchs zu etlichen Jahren nicht haarbreit.
Einmal wollte der Bauer ins Feld gehen, und pflügen, da sagte der Kleine 'Vater, ich will mit hinaus.' 'Nein,' sprach der Vater, 'bleibe du nur hier, draußen bist du zu nichts Nutz, du könntest mir auch verloren gehen.' Da fing der Däumling an zu weinen, und wollte der Vater Ruhe haben, so mußte er ihn mitnehmen.
Also steckte er ihn in die Tasche, und auf dem Felde tat er ihn heraus, und setzte ihn in eine frische Furche.
Wie er da so saß, kam über den Berg ein großer Riese daher.
'Siehst du dort den großen Butzemann?' sagte der Vater, und wollte den Kleinen schrecken, damit er artig wäre, 'der kommt und holt dich.' Der Riese aber hatte mit seinen langen Beinen nur ein paar Schritte getan, so war er bei der Furche, nahm den kleinen Däumling heraus, und ging mit ihm fort.
Der Vater stand dabei, konnte vor Schreck kein Wort sprechen, und glaubte sein Kind wäre nun verloren, also daß er_es sein Lebtag nicht wieder sehen würde.
Der Riese aber nahm es mit sich, und ließ es an seiner Brust saugen, und der Däumling wuchs, und wurde groß und stark nach Art der Riesen, und als zwei Jahre herum waren, ging der Alte mit ihm in den Wald, und wollte ihn versuchen, und sprach 'zieh dir da eine Gerte heraus.' Da war der Knabe schon so stark, daß er einen jungen Baum mit den Wurzeln aus der Erde riß.
Der Riese aber dachte 'das muß besser kommen,' und nahm ihn wieder mit, säugte ihn noch zwei Jahre, und als er ihn abermals in den Wald führte, sich zu versuchen, riß er schon einen viel größeren Baum heraus.
Das war aber dem Riesen noch nicht genug, und er säugte ihn noch zwei Jahre, ging dann mit ihm in den Wald, und sprach:
'nun reiße einmal eine ordentliche Gerte aus.' Da riß der Junge den dicksten Eichenbaum aus der Erde, daß es krachte, und war ihm nur ein Spaß.
Wie der alte Riese das sah, sprach er 'nun ist_es gut, du hast ausgelernt,' und führte ihn zurück auf den Acker, wo er ihn geholt hatte.
Sein Vater pflügte gerade wieder, da ging der junge Riese auf ihn zu, und sprach 'sieht er wohl, Vater, wies gekommen ist, und was sein Sohn für ein Mann geworden ist.' Da erschrak der Bauer, und sagte 'nein, du bist mein Sohn nicht, gehe weg von mir.' 'Freilich bin ich sein Sohn, laß er mich einmal pflügen, ich kann_es so gut, wie er auch.' 'Nein, du bist mein Sohn nicht, du kannst auch nicht pflügen, gehe nur weg von mir.' Weil er sich aber vor dem großen Mann fürchtete, ließ er den Pflug los, ging weg, und setzte sich zur Seite ans Land.
Da nahm der Junge das Geschirr, und wollte pflügen, und drückte bloß mit der einen Hand darauf, aber der Druck war schon so gewaltig, daß der Pflug tief in die Erde ging.
Der Bauer konnte das nicht mit ansehen, und rief ihm zu 'wenn du pflügen willst, mußt du nicht so gewaltig drücken, das gibt ja schlechte Arbeit.' Der Junge aber spannte die Pferde aus, und spannte sich selber vor den Pflug, und sagte 'geh er nur nach Haus, Vater, und sage er der Mutter, sie sollte eine große Schüssel voll zu essen kochen; ich will derweil den Acker schon herumreißen.' Da ging der Bauer heim, und bestellte es bei seiner Frau, und die kochte eine tüchtige Schüssel voll; der Junge aber pflügte das Land, zwei Morgen Felds, ganz allein, und dann spannte er sich auch selber vor die Egge, und eggte alles mit zwei Eggen zugleich.
Wie er fertig war, ging er in den Wald, und riß zwei Eichenbäume aus, legte sie auf die Schultern, und hinten und vorn eine Egge darauf, und hinten und vorn auch ein Pferd, und trug das alles wie ein Bund Stroh nach Haus.
Wie er in den Hof kam, erkannte ihn seine Mutter nicht, und fragte 'wer ist der entsetzliche, große Mann?' Der Bauer sagte 'das ist unser Sohn.'
Sie sprach 'nein, unser Sohn ist das nimmermehr, so groß haben wir keinen gehabt, unser war ein kleines Ding. 'Gehe nur weg,' rief sie ihm zu 'wir wollen dich nicht.' Der Junge aber schwieg still, zog seine Pferde in den Stall, gab ihnen Hafer und Heu, und brachte alles in Ordnung; und wie er fertig war, ging er in die Stube, und setzte sich auf die Bank, und sagte 'Mutter, nun hätte ich Lust zu essen, ist es bald fertig?' Da sagte sie 'ja,' getraute sich nicht ihm zu widersprechen, und brachte zwei große große Schüsseln voll herein, daran hätte sie und ihr Mann acht Tage lang satt gehabt. Er aber aß sie allein auf, und fragte ob sie nicht mehr hätten? 'Nein,' sagte sie, 'das ist alles, was wir haben.' 'Das war ja nur zum schmecken, ich muß noch mehr haben.' Da ging sie hin, und setzte einen großen Schweinekessel voll übers Feuer, und wie es gar war, trug sie es herein. 'Nun, da ist noch ein Bisschen' sagte er, und aß das alles noch hinein; es war aber doch noch nicht genug. Da sprach er 'Vater, ich sehe wohl, bei ihm werde ich nicht satt, will er mir einen Stab von Eisen verschaffen, der stark ist, und den ich vor meinen Knien nicht zerbrechen kann, so will ich wieder fort gehen.' Da war der Bauer froh, und spannte seine zwei Pferde vor den Wagen, fuhr zum Schmied, und holte einen Stab so groß und dick, als ihn die zwei Pferde nur fahren konnten. Der Junge aber nahm ihn vor die Knie und ratsch! zerbrach er ihn wie eine Bohnenstange in der Mitte entzwei. Der Vater spannte da vier Pferde vor, und holte einen Stab so groß und dick, als ihn die vier Pferde fahren konnten. Den nahm der Sohn auch, knickte ihn vor dem Knie entzwei, warf ihn hin, und sprach 'Vater, der kann mir nicht helfen, er muß besser vorspannen, und einen stärkeren Stab holen.' Da spannte der Vater acht Pferde vor, und holte einen so groß und dick, als ihn die acht Pferde nur fahren konnten. Wie der Sohn den kriegte, brach er gleich oben ein Stück davon ab, und sagte 'Vater, ich sehe er kann mir doch keinen Stab anschaffen, ich will nur so weggehen.' Da ging er fort, und gab sich für einen Schmiedegesellen aus. Er kam in ein Dorf, darin wohnte ein Schmied, der war ein Geizmann, gönnte keinem Menschen etwas, und wollte alles allein haben; zu dem trat er in die Schmiede, und fragte ihn ob er keinen Gesellen brauchte. 'Ja,' sagte der Schmied, und sah ihn an, und dachte das ist ein tüchtiger Kerl, der wird gut vorschlagen, und sein Brot verdienen, 'wie viel willst du Lohn haben?' 'Gar keinen will ich haben,' sagte er, 'nur alle vierzehn Tage, wenn die anderen Gesellen ihren Lohn bezahlt kriegen, will ich dir zwei Streiche geben, die mußt du aushalten.' Das war der Geizmann von Herzen zufrieden, und dachte damit viel Geld zu sparen. Am anderen Morgen sollte der fremde Geselle zuerst vorschlagen, wie aber der Meister den glühenden Stab brachte, und der Geselle den ersten Schlag tat, da flog das Eisen von einander, und der Amboß sank in die Erde, so tief, daß sie ihn gar nicht wieder herausbringen konnten. Da wurde der Geizmann bös, und sagte 'ei was, dich kann ich nicht brauchen, du schlägst gar zu grob, was willst du für den einen Zuschlag haben?' Da sprach er 'ich will dir nur einen ganz kleinen Streiche geben, weiter nichts.' Und hob seinen Fuß auf, und gab ihm einen Tritt, daß er über vier Fuder Heu hinausflog. Darauf nahm er den dicksten Eisenstab aus der Schmiede als einen Stock in die Hand, und ging weiter. Als er eine Weile gezogen war, kam er zu einem Amt, und fragte den Amtmann ob er keinen Großknecht nötig hätte. 'Ja,' sagte der Amtmann, 'er könnte einen brauchen, er sehe aus wie ein tüchtiger Kerl, der schon was vermöchte, wie viel er Jahrslohn haben wollte.' Da sprach er wieder er wollte gar keinen Lohn, aber alle Jahre wollte er ihm drei Streiche geben, die müßte er aushalten. Das war der Amtmann zufrieden, denn er war auch ein Geizhals. Am anderen Morgen, da sollten die Knechte ins Holz fahren, und die anderen waren schon auf, er aber lag noch im Bett. Da rief ihn einer an 'nun stehe auf, es ist Zeit, wir wollen ins Holz, du mußt mit.' 'Ach,' sagte er ganz grob und trotzig, 'geht ihr nur hin, ich komme doch eher wieder, als ihr alle mit einander.' Da gingen die anderen zum Amtmann, und erzählten ihm der Großknecht läge noch im Bett, und wollte nicht mit ins Holz fahren. Der Amtmann sagte sie sollten ihn noch einmal wecken, und ihn heißen die Pferde vorspannen. Der Großknecht sprach aber wie vorher 'geht ihr nur hin, ich komme doch eher wieder, als ihr alle mit einander.' Darauf blieb er noch zwei Stunden liegen, da stieg er endlich aus den Federn, holte sich aber erst zwei Scheffel voll Erbsen vom Boden, kochte sie, und aß sie mit guter Ruhe, und wie das alles geschehen war, ging er hin, spannte die Pferde vor, und fuhr ins Holz. Bald vor dem Holz war ein Hohlweg, wo er durch mußte, da fuhr er den Wagen erst vorwärts, dann mußten die Pferde stille halten, und er ging hinter den Wagen, und nahm Bäume und Reisig, und machte da eine große Hucke (Verhack), so daß kein Pferd durchkommen konnte. Wie er nun vors Holz kam, fuhren die anderen eben mit ihren beladenen Wagen heraus, und wollten heim, da sprach er zu ihnen 'fahrt nur hin, ich komme doch eher als ihr nach Haus.' Er fuhr aber gar nicht weit ins Holz, und riß gleich zwei von den allergrößten Bäumen aus der Erde, die lud er auf den Wagen, und drehte um. Wie er vor die Hucke kam, standen die anderen noch da, und konnten nicht durch. 'Seht ihr wohl,' sprach er, 'wärt ihr bei mir geblieben, so wärt ihr eben so gerade nach Haus gekommen, und hättet noch eine Stunde schlafen können.' Er wollte nun zufahren, aber seine vier Pferde die konnten sich nicht durcharbeiten, da spannte er sie aus, legte sie oben auf den Wagen, spannte sich selber vor, hüf! zog er alles durch, und das ging so leicht, als hätte er Federn geladen. Wie er drüben war, sprach er zu den anderen 'seht ihr wohl, ich bin eher durchgekommen als ihr,' und fuhr fort, die anderen mußten stehen bleiben. In dem Hof aber nahm er einen Baum in die Hand, und zeigte ihn dem Amtmann, und sagte 'ist das nicht ein schönes Klafterstück?' Da sprach der Amtmann zu seiner Frau 'der Knecht ist gut; wenn er auch lang schläft, er ist doch eher wieder da, als die anderen.' Nun diente er dem Amtmann ein Jahr; wie das herum war, und die anderen Knechte ihren Lohn kriegten, sprach er nun wäre es Zeit, er wollte auch gern seinen Lohn sich nehmen. Dem Amtmann wurde aber Angst dabei, daß er die Streiche kriegen sollte, und bat ihn gar zu sehr er möchte sie ihm schenken, lieber wollte er selbst Großknecht werden, und er sollte Amtmann sein. 'Nein,' sprach er, 'ich will kein Amtmann werden, ich bin Großknecht, und will es bleiben, ich will aber austeilen was bedungen ist. Der Amtmann wollte ihm geben was er nur verlangte, aber es half nichts, der Großknecht sprach zu allem nein. Da wußte sich der Amtmann keinen Rat, und bat ihn nur um vierzehn Tage Frist, er wollte sich auf etwas besinnen; da sprach der Großknecht die Frist sollte er haben. Der Amtmann berief alle seine Schreiber zusammen, die sollten sich bedenken, und ihm einen Rat geben; die Schreiber besannen sich lange, endlich sagten sie man müßte den Großknecht ums Leben bringen; er sollte große Mühlsteine um den Brunnen im Hof anfahren lassen, und dann ihn heißen hinabsteigen, und den Brunnen rein machen, und wenn er unten wäre, wollten sie ihm die Mühlsteine auf den Kopf werfen. Der Rat gefiel dem Amtmann, und da wurde alles eingerichtet, und wurden die größten Mühlsteine herangefahren. Wie nun der Großknecht im Brunnen stand, rollten sie die Steine hinab, und die schlugen hinunter, daß das Wasser in die Höhe spritzte. Da meinten sie gewiß der Kopf wäre ihm eingeschlagen, aber er rief 'jagt doch die Hühner vom Brunnen weg, die kratzen da oben im Sand, und werfen mir die Körner in die Augen, daß ich nicht sehen kann.' Da rief der Amtmann 'husch! husch!' und tat als scheuchte er die Hühner weg. Wie nun der Großknecht fertig war, stieg er herauf und sagte 'seht einmal, ich habe doch ein schönes Halsband um,' da waren es die Mühlensteine, die trug er um den Hals. Wie der Amtmann das sah, wurde ihm wieder Angst, denn der Großknecht wollt ihm nun seinen Lohn geben. Da bat er wieder um vierzehn Tage Bedenkzeit, und ließ die Schreiber zusammen kommen, die gaben endlich den Rat er sollte ihn in die verwünschte Mühle schicken, und ihn heißen dort in der Nacht Korn malen, da sei noch kein Mensch Morgens lebendig herausgegangen. Der Anschlag gefiel dem Amtmann; also rief er ihn noch denselben Abend, und sagte er sollte acht Malter Korn in die Mühle fahren, und in der Nacht noch malen, sie hätten es nötig. Da ging der Großknecht auf den Boden, und tat zwei Malter in seine rechte Tasche, zwei in die linke, vier nahm er in einem Quersack halb auf den Rücken, halb auf die Brust, und ging so nach der verwünschten Mühle. Der Müller aber sagte ihm bei Tag könnte er recht gut da malen, aber nicht zu der Nacht, da wäre die Mühle verwünscht, und wer da noch hineingegangen wäre, den hätte man am Morgen tot darin gefunden. Er sprach 'ich will schon durchkommen, macht euch nur fort, und legt euch aufs Ohr.' Darauf ging er in die Mühle, und schüttete das Korn auf, und wies bald elf schlagen wollte, ging er in die Müllerstube, und setzte sich auf die Bank. Als er ein Bisschen da gesessen hatte, tat sich auf einmal die Tür auf, und kam eine große große Tafel herein, und auf die Tafel stellte sich Wein und Braten, und viel gutes Essen, alles von selber, denn es war niemand da, des auftrug. Und danach rückten sich die Stühle herbei, aber es kamen keine Leute, bis auf einmal sah er Finger, die hantierten mit den Messern und Gabeln, und legten Speisen auf die Teller, aber sonst konnte er nichts sehen. Nun war er hungrig, und sah die Speisen, da setzte er sich auch an die Tafel, und aß mit, und ließ sich es gut schmecken.
Wie er aber satt war, und die anderen ihre Schüsseln auch ganz leer gemacht hatten, da wurden die Lichter auf einmal alle ausgeputzt, das hörte er deutlich, und wies nun stockfinster war, so kriegte er so etwas wie eine Ohrfeige ins Gesicht.
Da sprach er 'wenn noch einmal so etwas kommt, so Teil ich auch wieder aus.'
Und wie er zum zweiten Mal eine Ohrfeige kriegte, da schlug er gleichfalls mit hinein.
Und so ging das fort die ganze Nacht, er ließ sich nicht schrecken, und schlug nicht faul um sich herum; bei Tagesanbruch aber hörte alles auf.
Wie der Müller aufgestanden war, wollt er nach ihm sehen, und verwunderte sich daß er noch lebte.
Da sprach er 'ich habe Ohrfeigen gekriegt, aber ich habe auch Ohrfeigen ausgeteilt, und habe mich satt gegessen.' Der Müller freute sich, und sagte nun wäre die Mühle erlöst, und wollte ihm gern zur Belohnung viel Geld geben.
Er sprach aber 'Geld will ich nicht, ich habe doch genug.' Dann nahm er sein Mehl auf den Rücken, und ging nach Haus, und sagte dem Amtmann er hätte die Sache ausgerichtet, und wollte nun seinen bedungenen Lohn haben.
Wie der Amtmann das hörte, da wurde ihm erst recht Angst, und er wußte sich nicht zu lassen, und ging in der Stube auf und ab, daß ihm die Schweißtropfen von der Stirn herunterliefen.
Da machte er das Fenster auf nach ein wenig frischer Luft, ehe er sich_es aber versah, hatte ihm der Großknecht einen Tritt gegeben, daß er durchs Fenster in die Luft hinein flog, immer fort, bis ihn niemand mehr sehen konnte.
Da sprach der Großknecht zur Frau des Amtmanns, nun müßt ihr den anderen Streiche hinnehmen, sie sagte aber 'ach nein, ich kann_es nicht aushalten,' und machte auch ein Fenster auf, weil ihr die Schweißtropfen die Stirn herunter liefen.
Da gab er ihr gleichfalls einen Tritt, daß sie auch hinaus flog, und noch viel höher als ihr Mann.
Der Mann rief 'komme doch zu mir;' sie aber rief 'komme du lieber zu mir, ich kann nicht zu dir kommen.' Und sie schwebten da in der Luft, und konnte keins zum anderen, und ob sie da noch schweben, das weiß ich nicht; der junge Riese aber nahm seine Eisenstange, und ging weiter.
91. Das Erdmänneken.
Et was Mal en rik König Weste, de hatte drei Töchter had, de wören alle Dage in den Schlottgoren spazieren gaen, un de König, das was so en Leivhawer von allerhand wackeren Böhmen Weste; un einen, den hatte he so leiv had, das he denjenigen, de ünne en Appell davon plückede, hunnerd Klafter unter de Eere verwünschede.
As et nun Herbst war, da worden de Appell an den einen Baume so raut Ase Blaud.
De drei Töchter gungen alle Dage unter den Baum, un seihen to ov nig de Wind 'n Appell herunter schlagen hädde, awerst se fannen ihr Levedage kienen, un de Baum de satt so vull, das he brechen will, un de Telgen (Zweige) hungen bis up de Eere.
Da gelustede den jungesten Königskinde gewaltig, un et segde to seinen Süstern 'use Teite (Vater), de hat us viel to leiv, Ase das he us verwünschen deihe: ik glaube das he das nur wegen de fremden Lude dahen hat.' Un indes plücked das Kind en gans dicken Appell af, un sprunk für seinen Süstern, un segde 'a, nun schmecket Mal, mine lewen Süsterkes, nun hew ik doch mein Levedage so was schone no nig schmecket.' Da Beeten de beiden anderen Königstöchter auch Mal in den Appell, un da versinken se alle drei deip, so deip unter de Eere, das Kien Haan mehr danach krähte.
As et da Mittag is, da will se de König da Diske roopen, da sind se nirgends to finnen: he söket se so viel im Schlott un in Goren, awerst he kun se nig finnen.
Da werde he so bedröwet, un let das ganse Land upbeien (aufbieten), un wer ünne sine Töchter wir brechte, de soll eine davon Tor Fruen hewen.
Da gahet so viele junge Lude uwer Feld, un söket, das is gans ut der Wiese (über alle Maßen); denn jeder hatte de drei Kinder gern had, weil se wören gegen jedermann so freundlich un so schön von Angesichte Weste.
Un et togen auch drei Jägerburschen ut, un Ase da wohl en acht Dage rieset hadden, da kommt se up en großes Schlott, da woren so hübsche Stoben inne Weste, un in einen Zimmer is en Disch deckt, darup wören so söte Speisen, de sied noch so warme das se dampet, awerst in den ganzen Schlott is Kien Minsk to hören noch to seihen.
Da wartet se noch en halben Dag, un de Speisen bliewet immer warme un dampet, bis up et lest, da wärt se so hungrig, das se sich derbie settet un ettet, un macket mit en anner ut se wollen up den Schotte wohnen bliewen, un wollen darum losen, das eine in Huse blev, un de beiden anderen de Tochter söketen; das doet se auk, un das Los dreppet den ölesten.
Den anderen Dag da gaet de twei jüngsten söken, un de öleste mot to Huse bliewen.
Am Mittage kommt der so en klein klein Männeken, un hält um 'n Stükesken Braud ohne, da nimmt he von dem Braute, was he da funnen hädde, un schnitt en Stücke rund umme den Braud weg, un will ünne das geben, indes das he et ünne reiket, lett et das kleine Männeken fallen, un segd he sulle doch so gut sin un geben ün das Stücke wir.
Da will he das auk doen, un bucket sich, mit des nimmt das Männeken en Stock, un packt ünne bie den Haaren, un giwt ünne tüte Schläge.
Den anneren Dag, da is de tweide to Hause bliewen, den geit et nicks better.
Ase de beiden anderen da den Abend nah Hause kümmet, da segd de öleste 'no, wie hätte et die dann gaen?' 'O, et geit mie gans schlechte.' Da klaget se sich enanner ehre Naud, awerst den jungesten hadden se nicks davon sagd, den hadden se gar nig lien (leiden) mogt, un hadden ünne jummer den dummen Hans heiten, weil he nig recht van de Welt was.
Den dritten Dag, da bleibt de jungeste to Hause, da kümmet das kleine Männeken wir, un hält um en Stücksken Braud an; da he ünne das geben hätte, let he et wir fallen, un segd he mügte dock so gut sein un reicken ünne das Stücksken wir.
Da segd he to den kleinen Männeken 'was! kannst du das Stücke nig sulwens wir up nummen, wenn du die de Möhe nig Mal um dine däglichge Narunge geben wusste, so bist du auch nig wert, das du et etest.' Da word das Männeken so bös, un sehde he möst et doen; he awerst nig fuhl, nahm mein lewe Männeken, un drosch et Duett dör (tüchtig durch).
Da schriege das Männeken so viel un rep 'höre up, höre up, un lat mie gewähren, dann will ik die auch sagen wo de Königstöchter sied.' Wie he das hörde, häll he up to slaen, un das Männeken vertelde he wör en Erdmänneken, un sulke wören mehr Ase dusend, he möchte man mit ünne gaen dann wolle he ünne wiesen wo de Königstöchter wären.
Da wisst he ünne en deipen Born, da is awerst Kien Water inne Weste.
Da segd das Männeken he wusste wohl das et sine Gesellen nig ehrlich mit ünne meinten, wenn he de Königskinder erlösen wolle, dann möste he et alleine doen.
De beiden anderen Broer wollen wohl auch gern de Königstöchter wir hewen, awerst se wollen der kiene Möge un Gefahr umme doen, he möste so en grauten Korv nümmen, un möste sich mit seinen Hirschfänger un en Schelle darin fetten, un sich herunter winnen lassen: unnen da wören drei Zimmer, in jeden sette ein Königskind, un hädde en Drachen mit vielen Köpfen to lusen, den möste he de Köpfe aufschlagen.
Ase das Erdmänneken nun das alle sagd hatte, verschwand et.
Ase't Abend is, da kümmet de beiden anderen, un fraget wie et ün gaen hädde, da segd he 'o, so mit gud,' un hädde keinen Minsken sehen, Ase des Mittags, da wer so ein klein Männeken kommen, de hädde ün umme en Stücksken Braud biddit, da he et ünne geben hädde, hädde das Männeken et fallen lassen, un hädde segd he möchtet ünne doch wir up nümmen, wie he das nig hatte doen wollte, da hädde et anfangen to pochen, das hädde he awerst Unrecht verstan, un hädde das Männeken prügelt, un da hädde et ünne vertellt, wo de Königstöchter wären.
Da ärgerten sich de beiden so viel, das se gehl un grün wören.
Den anderen Morgen da gungen se to haupe an den Born, un machten Lose, wer sich das erste in den Korv fetten sulle, da feel das Los wir den öllesten to, he mot sich darin fetten, un de Klingel mitnümmen.
Da segd he 'wenn ik klingele, so mutt gi mik nur geschwinne wir herupwinnen.' Ase he en bisschen herunter is, da klingelte was, da winnen se ünne wir heruper, da sett sich de tweide herein, de maket ewen sau; nun kümmet dann auch de Riege an den jungesten, de lät sich awerst gans drinnen runter winnen.
Ase he ut den Korwe stiegen is, da nimmt he seinen Hirschfänger, un geit vor der ersten Doer staen un lustert, da Hort he den Drachen gans lute schnarchen; he macket langsam de Döre oppen, da sitt da de eine Königstochter, un häd op ehren Schot niegene (neun) Drachenköpfe liegen, un luset de.
Da nimmt he seinen Hirschfänger, un hogget to, da sied de niegne Koppe awe.
De Königstochter sprank up, un fäl ünne um den Hals, un drucket un piepte (küßte) ünn so viel; un nimmt ihr, Bruststücke, das wor von rauen Golle Weste, un hängt ünne das umme.
Da geit he auch nach der tweiden Königstochter, de häd en Drachen mit sieben Köpfe to lusen, un erlöset de auch, so de jungeste, de hatte en Drachen mit viere Köpfen to lusen had, da geit he auch hinne. Da froget se sich alle so viel, un drucketen un piepten ohne uphören.
Da klingelte he sau harde, bis das se owen hört.
Da set he de Königstöchter ein nach der anderen in den Korv, un let se alle drei herauftrecken, wie nun an ünne de Riege kommt, da fallet ün de Woore (Worte) von den Erdmänneken wir bie, das et sine Gesellen mit ünne nig gud meinten.
Da nimmt he en groten Stein, de da liegt, un legt ün in den Korv, Ase de Korv da ungefähr bis in de Midde herup is, schnien de falsken Broer owen das Strick af, das de Korv mit den Stein up den Grund fülle, un meinten he wäre nun daude, un laupet mit de drei Königstöchter Wege, un latet sich dervan versprechen das se an ehren Vater sagen willst das se beiden se erlöset hädden; da kümmet se tom König, un begehrt se Tor Fragten.
Unnerdes geit de jungeste Jägerbursche gans bedröwet in den drei Kammern herum, un denket das he nun will sterwen möste, da süht he an der Wand 'n Flutenpipe hängen, da segd he 'worümme hängst du da will, hier kann ja doch keiner lustig sin?' He beguckt auch de Drachenköpfe, un segd 'ju könnt mie nun auch nig helpen.'
He geit so manchmal up un af spatzeren, das de Erdboden davon glatt werde.
Up et lest, da kriegt he annere Gedanken, da nimmt he de Flutenpipen van der Wand, un blest en Stücksken, up einmal kommt da so viele Erdmännekens, bie jeden Don, den he däht, kummt eint mehr; da blest he so lange das Stücksken, bis det Zimmer stoppte vull is. De fraget alle was sin Begehren wäre, da segd he he will gern wir up de Ere an Dages Licht, da fassen se ünne alle an, an jeden Spir (Faden) Haar, was he up seinen Koppe hatte, un sau fleiget se mit ünne herupper bis up de Ere.
Wie he owen is, geit he glick nach den Königsschloss, wo gerade de Hochtit mit der einen Königstochter sin sulle, he geit up den Zimmer, wo de König mit seinen drei Töchtern is.
Wie ünne da de Kinder seihet, da wered se gans beschwemmt (ohnmächtig).
Da werde de König so böse, un let ünne glick in ein Gefängnisse fetten, wiel he meint he hädde den Kindern en Leid anne daen.
Ase awer de Königstöchter wir to sich kummt, da bittet se so viel he mochte ünne doch wir lose lassen.
De König fraget se worümme, da segd se das se das nig vertellen durften, awerst de Vaer de segd se sullen et den Owen (Ofen) vertellen.
Da geit he heraus, un lustert an de Döre, un hört alles.
Da lät he de beiden an en Galgen hängen, un den einen givt he de jungeste Tochter; un da trok ik en Paar gläserne Schuhe an, un da stott ik an en Stein, da segd et 'klink!' da wären se caput.
92. Der König vom goldenen Berg.
Ein Kaufmann, der hatte zwei Kinder, einen Buben und ein Mädchen, die waren beide noch klein, und konnten noch nicht laufen.
Es gingen aber zwei reichbeladene Schiffe von ihm auf dem Meer, und sein ganzes Vermögen war darin, und wie er meinte dadurch viel Geld zu gewinnen, kam die Nachricht, sie wären versunken.
Da war er nun statt eines reichen Mannes ein armer Mann, und hatte nichts mehr übrig als einen Acker vor der Stadt.
Um sich sein Unglück ein wenig aus den Gedanken zu schlagen, ging er hinaus auf den Acker, und wie er da so auf und abging, stand auf einmal ein kleines schwarzes Männchen neben ihm, und fragte warum er so traurig wäre, und was er sich so sehr zu Herzen nähme.
Da sprach der Kaufmann 'wenn du mir helfen könntest, wollt ich dir es wohl sagen.' 'Wer weiß,' sagte das schwarze Männchen, 'sage mir_es nur, vielleicht helfe ich dir.' Da erzählte der Kaufmann daß ihm sein ganzer Reichtum auf dem Meer zu Grunde gegangen wäre, und hätte er nichts mehr übrig als diesen Acker.' 'O, da bekümmere dich nicht,' sagte das Männchen, 'wenn du mir versprichst das, was dir zu Haus am ersten wider_das Bein stößt, in zwölf Jahren hierher auf den Platz zu bringen, sollst du Geld haben so viel du willst.' Der Kaufmann dachte 'das ist ein geringes, was kann das anders sein, als mein Hund?' aber an seinen kleinen Jungen dachte er nicht, und sagte ja, und gab dem schwarzen Mann Handschrift und Siegel darüber, und ging nach Haus.
Als er nach Haus kam, da freute sich sein kleiner Junge so sehr darüber, daß er sich an den Bänken hielt, zu ihm hinwackelte, und ihn an den Beinen fest packte.
Da erschrak der Vater, und wußte nun was er verschrieben hatte; weil er aber immer noch kein Geld sah, tröstete er sich, und dachte er es wäre nur ein Spaß von dem Männchen gewesen.
Einen Monat nachher ging er auf den Boden, und wollte das alte Zinn zusammensuchen und verkaufen, um noch etwas daraus zu lösen, da sah er einen großen Haufen Geld liegen.
Wie er das Geld sah, war er vergnügt, kaufte wieder ein, wurde ein größerer Kaufmann als vorher, und ließ Gott einen guten Mann sein.
Unterdessen wurde der Junge groß, und dabei klug und gescheit.
Je mehr aber die zwölf Jahre herbeikamen, je ängstlicher wurde es dem Kaufmann, so daß man ihm die Angst im Gesicht sehen konnte.
Da fragte ihn der Sohn einmal was ihm fehlte; der Vater wollte es nicht sagen, aber er hielt so lange an, bis er ihm endlich sagte er hätte ihn, ohne zu wissen was er verspräche, einem schwarzen Männchen zugesagt, und vieles Geld dafür bekommen, und hätte seine Handschrift mit Siegel darüber gegeben, und nun müßte er ihn, wenn zwölf Jahre jetzt herum wären, ausliefern.
Da sprach der Sohn 'o Vater, laßt euch nicht bang sein, das soll schon gut werden, der Schwarze hat keine Macht über mich.'
Da ließ sich der Sohn von dem Geistlichen segnen, und als die Stunde kam, gingen sie zusammen hinaus auf den Acker, und der Sohn machte einen Kreis, und stellte sich mit seinem Vater hinein.
Da kam das schwarze Männchen, und sprach zu dem Alten 'hast du mitgebracht, was du mir versprochen hast?' Er schwieg aber still, und der Sohn sprach 'was willst du hier?' Da sagte das schwarze Männchen 'ich habe mit deinem Vater zu sprechen, und nicht mit dir.' Der Sohn antwortete 'du hast meinen Vater betrogen und verführt, gib die Handschrift heraus.' 'Nein,' sagte das schwarze Männchen, 'mein Recht gebe ich nicht auf.' Da redeten sie noch lange mit einander, endlich wurden sie einig, der Sohn, weil er nicht dem Erbfeind und nicht mehr seinem Vater zugehörte, sollte sich in ein Schiffchen setzen, das auf einem hinabwärts fließenden Wasser stände, und der Vater sollte es mit seinem eigenen Fuß fortstoßen, und dann sollte der Sohn dem Wasser überlassen bleiben.
Da nahm er Abschied von seinem Vater, und setzte sich in ein Schiffchen, und der Vater mußte es mit seinem eigenen Fuß fortstoßen.
Und das Schiffchen drehte sich herum, daß der unterste Teil oben war, die Decke aber im Wasser, und der Vater glaubte, er wäre verloren, ging heim, und trauerte um ihn.
Das Schiffchen aber floß ganz ruhig fort, und ging nicht unter, und der Jüngling saß sicher darin, und so floß es lange, bis es endlich an einem unbekannten Ufer festsitzen blieb.
Da stieg er ans Land, sah ein schönes Schloß vor sich liegen, und ging darauf los.
Wie er aber hineintrat, war es verwünscht, und alles war leer, bis er zuletzt in einer Kammer eine Schlange antraf.
Die Schlange aber war eine verwünschte Jungfrau, die freute sich, wie sie ihn sah und sprach zu ihm 'kommst du, mein Erlöser? auf dich habe ich schon zwölf Jahre gewartet, dies Reich ist verwünscht, und du mußt es erlösen.
Heute Nacht kommen zwölf schwarze Männer, die mit Ketten behangen sind, die werden dich fragen was du hier machst, da schweige aber still, und gib ihnen keine Antwort, und laß sie mit dir machen was sie wollen; sie werden dich quälen, schlagen und stechen, laß alles geschehen, nur rede nicht: um zwölf Uhr müssen sie wieder fort.
Und in der zweiten Nacht werden wieder zwölf andere kommen, in der dritten vier und zwanzig, die werden dir den Kopf abhauen; aber um zwölf Uhr ist ihre Macht vorbei, und wenn du dann ausgehalten und kein Wörtchen gesprochen hast, so bin ich erlöst, und komme zu dir, und stehe dir bei, und habe das Wasser des Lebens, damit bestreiche ich dich, und dann bist du wieder lebendig und gesund wie zuvor.' Da sprach er 'gerne will ich dich erlösen.' Es geschah nun alles so, wie sie gesagt hatte: die schwarzen Männer konnten ihm kein Wort abzwingen, und in der dritten Nacht wurde die Schlange zu einer schönen Königstochter, die kam mit dem Wasser des Lebens, und machte ihn wieder lebendig.
Und dann fiel sie ihm um den Hals, und küßte ihn, und war Jubel und Freude im ganzen Schloß.
Da wurde ihre Hochzeit gehalten, und er war König vom goldenen Berge.
Also lebten sie vergnügt zusammen, und die Königin gebar einen schönen Knaben, und acht Jahre waren schon herum, da fiel ihm sein Vater ein, und sein Herz wurde bewegt, und er wünschte ihn einmal heimzusuchen.
Die Königin wollte ihn aber nicht fortlassen, und sagte 'ich weiß schon daß es mein Unglück ist,' er ließ ihr aber keine Ruhe bis sie einwilligte.
Beim Abschied gab sie ihm noch einen Wünschring, und sprach 'nimm diesen Ring, und steck ihn an deinen Finger, so wirst du alsbald dahin, wo du dich hinwünschest, versetzt, nur mußt du mir versprechen daß du ihn nicht gebrauchst, mich von hier weg zu deinem Vater zu wünschen.' Er versprach ihr das, steckte den Ring an seinen Finger, und wünschte sich heim vor die Stadt, wo sein Vater lebte.
Im Augenblick befand er sich auch dort, und wollte in die Stadt, wie er aber vors Tor kam, wollten ihn die Schildwachen nicht einlassen, weil er so seltsam und reich gekleidet war.
Da ging er auf einen Berg, wo ein Schäfer hütete, tauschte mit diesem die Kleider, und zog den alten Schäferrock an, und ging also ungestört in die Stadt ein.
Als er zu seinem Vater kam, gab er sich zu erkennen, der aber glaubte nimmermehr daß es sein Sohn wäre, und sagte er hätte zwar einen Sohn gehabt, der aber wäre längst tot, doch weil er sehe daß er ein armer dürftiger Schäfer wäre, so wollte er ihm einen Teller voll zu essen geben.
Da sprach der Schäfer zu seinen Eltern 'ich bin wahrhaftig euer Sohn, wißt ihr kein Mal an meinem Leibe, woran ihr mich erkennen könnt?' 'Ja,' sagte die Mutter, 'unser Sohn hatte eine Himbeere unter dem rechten Arm.' Er streifte das Hemd zurück, da sahen sie die Himbeere unter seinem rechten Arm, und zweifelten nicht mehr daß es ihr Sohn wäre.
Darauf erzählte er ihnen er wäre König vom goldenen Berge, und eine Königstochter wäre seine Gemahlin, und sie hätten einen schönen Sohn von sieben Jahren.
Da sprach der Vater 'nun und nimmermehr ist das wahr: das ist mir ein schöner König, der in einem zerlumpten Schäferrock hergeht.' Da wurde der Sohn zornig, drehte, ohne an sein Versprechen zu denken, seinen Ring herum, und wünschte beide, seine Gemahlin und sein Kind, zu sich.
In dem Augenblick waren sie auch da, aber die Königin, die klagte und weinte, und sagte er hätte sein Wort gebrochen, und hätte sie unglücklich gemacht.
Er besänftigte sie, und redete sie zufrieden, und sie stellte sich auch als gäbe sie nach, aber sie hatte Böses im Sinn. Da führte er sie hinaus vor die Stadt auf den Acker, und zeigte ihr das Wasser wo das Schiffchen war abgestoßen worden, und sprach dann 'ich bin müde, setze dich nieder, ich will ein wenig auf deinem Schoß schlafen.' Da legte er seinen Kopf auf ihren Schoß, und sie lauste ihn ein wenig bis er einschlief. Als er eingeschlafen war, zog sie den Ring von seinem Finger, und den Fuß, den sie unter ihm stehen hatte, zog sie auch heraus, und ließ nur den Toffel unter ihm liegen; dann nahm sie ihr Kind, und wünschte sich wieder in ihr Königreich. Als er aufwachte, da lag er da ganz verlassen, und seine Gemahlin mit dem Kind war fort, und der Ring vom Finger auch, nur der Toffel stand noch da zum Wahrzeichen. 'Nach Haus zu deinen Eltern kannst du nicht wieder gehen,' dachte er, 'die würden sagen, du wärst ein Hexenmeister, du willst aufpacken und gehen bis du in dein Königreich kommst.' Also ging er fort, und kam endlich zu einem Berg, wo drei Riesen ihres Vaters Erbe teilen wollten, und als sie ihn vorbeigehen sahen, riefen sie ihn, und sagten kleine Menschen hätten klugen Sinn, er sollte ihnen die Erbschaft verteilen, das war ein Degen, wenn einer den in die Hand nahm, und sprach 'Köpf alle runter, nur meiner nicht,' so lagen alle Köpfe auf der Erde; zweitens ein Mantel, wer den anzog, war unsichtbar; drittens ein Paar Stiefeln, wenn man die an den Füßen hatte, und sich wohin wünschte, so war man gleich da. Er sprach sie müßten ihm die drei Stücke einmal geben, damit er sie probieren könnte, ob sie auch alle noch in gutem Stand wären. Da gaben sie ihm den Mantel, den tat er um, und wünschte sich zu einer Fliege, alsbald war er eine Fliege. 'Der Mantel ist gut,' sprach er, 'nun gebt mir einmal das Schwert.' Sie sagten 'nein, das geben wir nicht, denn wenn du sprächst Köpfe alle runter, nur meiner nicht! so wären unsere Köpfe alle herab, und du hättest deinen noch.' Doch gaben sie es ihm, wenn er es an den Bäumen probieren wollte; das tat er, und das Schwert war auch gut. Nun wollt er noch die Stiefeln haben, sie sprachen aber 'nein, die können wir nicht geben, wenn du die anhättest und sprächst du wolltest oben auf dem Berg sein, so stünden wir da unten, und hätten nichts.' 'Nein,' sprach er, 'das will ich nicht tun.' Da gaben sie ihm die Stiefel auch noch. Wie er nun alle drei Stücke hatte, so dachte er an nichts als an den goldenen Berg, und wünschte sich dahin, und verschwand alsbald vor den Augen der Riesen, und war also ihr Erbe geteilt. Als er nah beim Schloß war, hörte er Geigen und Flöten, und die Leute sagten ihm seine Gemahlin feierte ihre Hochzeit mit einem anderen. Da zog er seinen Mantel an, ging unsichtbar ins Schloß hinein, und stellte sich hinter seine Gemahlin, und niemand sah ihn. Wenn sie ihr nun ein Stück Fleisch auf den Teller legten, nahm er es weg, und aß es, und wenn sie ihr ein Glas Wein einschenkten, nahm er es weg und trank es aus; sie gaben ihr immer, und sie hatte doch immer nichts auf dem Teller. Da schämte sie sich, stand auf, ging in ihre Kammer und weinte, er aber ging hinter ihr her. Da sprach sie vor sich 'ist denn der Teufel über mir, oder mein Erlöser kam nie?' Da gab er ihr ein paar derbe Ohrfeigen, und sagte 'kam dein Erlöser nie? er ist über dir, du Betrügerin, habe ich das an dir verdient?' Darauf ging er hin, und sagte die Hochzeit wäre aus, und der rechte König wäre wieder gekommen. Da wurde er verlacht von den Königen Fürsten und Räten, die zugegen waren. Er aber gab kurze Worte, und fragte ob sie sich entfernen wollten oder nicht? Da wollten sie ihn fangen, und schlugen auf ihn los, aber er zog sein Schwert und sprach 'Köpf alle runter, nur meiner nicht.' Da lag alles gleich im Blut danieder, und er war wieder König vom goldenen Berge.
93. Die Rabe.
Es war einmal eine Mutter mit einem Töchterchen, das war noch klein, und wurde noch auf dem Arm getragen. Nun geschah es, daß das Kind einmal unruhig war, und die Mutter mochte sagen was sie wollte, es half nicht. Da wurde sie ungeduldig, und weil die Raben so um das Haus herumflogen, machte sie das Fenster auf, und sagte 'ich wollte du wärst eine Rabe, und flögst fort, so hätte ich Ruhe.' Und kaum hatte sie das Wort gesagt, so war das Kind eine Rabe, und flog von ihrem Arm zum Fenster hinaus. Die Rabe aber flog weg, und niemand konnte ihr folgen; sie flog aber in einen dunklen Wald, und blieb lange Zeit darin. Danach führte einen Mann sein Weg in diesen Wald, und er hörte die Rabe rufen, und ging der Stimme nach; und als er näher kam, sagte die Rabe zu ihm 'ich bin verwünscht worden, und bin eine Königstochter von Geburt, du kannst mich erlösen.' Da sprach er 'wie soll ich das anfangen?' Da sagte sie 'gehe hin in das Haus dort, darin sitzt eine alte Frau, die wird dir Essen und Trinken reichen, und dich davon genießen heißen, aber du darfst nichts nehmen; denn wenn du trinkst, so trinkst du einen Schlaftrunk, und dann kannst du mich nicht erlösen. Im Garten hinter dem Haus ist eine große Lohhucke, darauf sollst du stehen, und mich erwarten. Den Nachmittag um zwei Uhr komme ich in einer Kutsche, die ist mit vier weißen Hengsten bespannt, wenn du aber dann nicht wach bist, sondern schläfst, so werde ich nicht erlöst.' Der Mann versprach alles zu tun, was sie verlangt hatte, die Rabe aber sagte 'ach, ich weiß es wohl, du kannst mich nicht erlösen, du nimmst doch etwas von der Frau.' Da versprach der Mann noch einmal er wollte gewiß nichts anrühren von dem Essen und Trinken. Wie er aber in das Haus kam, trat die alte Frau zu ihm, und sagte 'armer Mann, was seid ihr abgemattet, kommt und erquickt euch, esset und trinkt.' 'Nein,' sagte der Mann, 'ich will nicht essen und nicht trinken.' Sie ließ ihm aber keine Ruhe, und sprach 'wenn ihr dann nicht essen wollt, so tut einen Zug aus dem Glas, einmal ist keinmal.' Da ließ er sich überreden, und nahm einen Trunk. Nachmittags gegen zwei Uhr ging er hinaus in den Garten auf die Lohhucke, und wollte auf die Rabe warten. Wie er da stand, auf einmal, wurde er so müde, und wollte sich nicht hinlegen, aber er konnte es gar nicht mehr aushalten, und mußte sich ein wenig niederlegen; doch wollte er nicht einschlafen. Aber kaum hatte er sich gelegt, so fielen ihm die Augen von selber zu, und er schlief ein, und schlief so fest daß ihn nichts auf der Welt hätte erwecken können. Um zwei Uhr kam die Rabe mit vier weißen Hengsten gefahren, und war schon in voller Trauer, und sprach 'ich weiß schon daß er schläft.' Und als sie in den Garten kam, lag er auch da auf der Lohhucke, und schlief; und wie sie vor ihm war, stieg sie aus dem Wagen, schüttelte ihn, und rief ihn an, aber er wollte nicht erwachen. Sie rief so lange bis sie ihn endlich aus dem Schlaf erweckte, da sagte sie 'ich sehe wohl daß du mich hier nicht erlösen kannst, aber morgen will ich noch einmal wiederkommen, dann habe ich vier braune Hengste vor dem Wagen, aber du darfst bei Leibe nichts nehmen von der Frau, kein Essen und kein Trinken.' Da sagte er 'nein gewiß nicht.' Sie sprach aber 'ach, ich weiß es wohl, du nimmst doch etwas.' Am anderen Tag zur Mittagszeit kam die alte Frau, und sagte er äße und tränke ja nichts, was das wäre? Da sprach er 'ich will nicht essen und nicht trinken.' Sie stellte aber das Essen und Trinken vor ihn hin, daß der Geruch zu ihm aufging, und redete ihm so lange zu bis er wieder etwas trank. Gegen zwei Uhr ging er in den Garten auf die Lohhucke, und wollte auf die Rabe warten, da wurde er wieder so müde, daß seine Glieder ihn nicht mehr hielten, und er konnte sich nicht helfen, er mußte sich legen, und ein bisschen schlafen. Wie nun die Rabe daher fuhr mit vier braunen Hengsten, war sie wieder in voller Trauer, und sagte 'ich weiß schon, daß er schläft.' Und als sie hin zu ihm kam, lag er da, und schlief fest. Da stieg sie aus dem Wagen, schüttelte ihn, und suchte ihn zu erwecken; das ging aber noch schwerer als gestern, bis er endlich erwachte. Da sprach die Rabe 'ich sehe wohl daß du mich nicht erlösen kannst, morgen Nachmittag um zwei Uhr will ich noch einmal kommen, aber das ist das letztemal, meine Hengste sind dann schwarz, und ich habe auch alles schwarz; du darfst aber nichts nehmen von der alten Frau, kein Essen und kein Trinken.' Da sagte er 'nein gewiß nicht.' Sie sprach aber 'ach, ich weiß es wohl, du nimmst doch etwas.' Am anderen Tag kam die alte Frau, und sagte er äße und tränke ja nichts, was das wäre? Da antwortete er 'ich will nicht essen und nicht trinken.' Sie aber sagte er sollte nur einmal schmecken wie gut das alles wäre, Hungers könnte er doch nicht sterben; da ließ er sich überreden, und trank doch wieder etwas. Als es Zeit war, ging er hinaus in den Garten auf die Lohhucke, und wartete auf die Königstochter, da wurde er wieder so müde, daß er sich nicht halten konnte, und sich hinlegte, und so fest schlief als wäre er von Stein. Um zwei Uhr kam die Rabe, und hatte vier schwarze Hengste, und die Kutsche und alles war schwarz; sie war aber in voller Trauer, und sprach 'ich weiß schon daß er schläft und mich nicht erlösen kann.' Als sie zu ihm kam, lag er da, und schlief fest. Sie rüttelte ihn, und rief ihn, aber sie konnte ihn nicht aufwecken, er schlief in einem fort. Da legte sie ein Brot neben ihn hin, davon konnte er so viel essen als er wollte, es wurde nicht all; dann ein Stück Fleisch, davon konnte er auch so viel essen, als er wollte, es wurde nicht all; zum dritten eine Flasche Wein, davon konnte er trinken, so viel er wollte, es wurde nicht all. Danach nahm sie ihren goldenen Ring vom Finger, und steckte ihm den an, und war ihr Name darein gegraben; und endlich legte sie einen Brief hin, darin stand was sie ihm gegeben hatte, und daß es nie all würde, und es stand auch darin 'ich sehe wohl daß du mich hier nicht erlösen kannst, willst du mich aber noch erlösen, so komme nach dem goldenen Schloß von Stromberg, da kannst du es, das weiß ich gewiß.'
Und wie sie ihm das alles gegeben hatte, setzte sie sich in ihren Wagen, und fuhr weg in das goldene Schloß von Stromberg. Als der Mann aufwachte, und sah daß er geschlafen hatte, wurde er von Herzen traurig, und sprach 'gewiß nun ist sie vorbei gefahren, und ich habe sie nicht erlöst.' Da fielen ihm die Dinge in die Augen, die neben ihm lagen, und er las den Brief, darin geschrieben stand wie es zugegangen war. Also machte er sich auf, und ging fort, und wollte nach dem goldenen Schloß von Stromberg, aber er wußte nicht wo es lag. Nun war er schon lange in der Welt herumgegangen, da kam er in einen dunklen Wald, und ging vierzehn Tage darin fort, und konnte sich nicht herausfinden. Da wurde es wieder Abend, und er war so müde, daß er sich an einen Busch legte, und einschlief. Am anderen Tag ging er weiter, und wollte sich Abends wieder an einen Busch legen, da hörte er ein Heulen und Jammern daß er nicht einschlafen konnte. Und wie die Zeit kam, wo die Leute Lichter anstecken, sah er eins schimmern, und machte sich auf, und ging ihm nach, da kam er vor ein Haus, das schien so klein, denn es stand ein großer Riese davor. Da dachte er bei sich 'gehst du wohl hinein oder nicht? wenn du es tust, kommst du vielleicht ums Leben, du willst es aber doch einmal wagen.' Wie er nun darauf zu ging, und der Riese ihn sah, sprach er 'es ist gut, daß du kommst, ich habe doch lange nichts gegessen, jetzt will ich dich gleich zum Abendbrot verschlucken.' 'Laß das lieber sein,' sprach der Mann, 'wenn du essen willst, so habe ich etwas bei mir.' 'Wenn das wahr ist,' sagte der Riese, 'so kannst du ruhig bleiben.' Da gingen sie hinein, und setzten sich an den Tisch, und der Mann holte Brot, Wein und Fleisch, was nicht all wurde, hervor, und sie aßen beide nach Herzenslust. Danach fragte der Mann den Riesen 'kannst du mir nicht sagen wo das goldene Schloß von Stromberg ist?' Der Riese sprach 'ich will auf meiner Landkarte nachsehen, darauf sind alle Städte, Dörfer und Häuser angemerkt.' Da holte er seine Landkarte, die er in der Stube hatte, und suchte das Schloß, konnte es aber nicht finden. 'Das tut nichts,' sprach er, 'ich habe oben in meinem Schranke noch größere Landkarten, da will ich sehen ob es darauf zu finden ist.' Sie sahen zu, konnten aber nicht finden. Der Mann wollte nun weiter gehen, der Riese aber sprach er sollte noch ein paar Tage warten, er hätte einen Bruder, der wäre aus, und holte Lebensmittel; wenn der heim käme, dann wollten sie noch einmal auf seiner Landkarte suchen, der Fenz gewiß. Also wartete der Mann, bis der Bruder nach Haus kam, der sagte er wüßte es nicht gewiß, er glaubte aber das goldene Schloß von Stromberg stände auf seiner Karte. Da aßen sich die drei erst recht satt, und dann ging der zweite Riese hin, und sprach 'nun will ich zusehen auf meiner Karte.' Allein das Schloß war auch nicht darauf. Da brachte er aus einer Kammer noch andere Landkarten, die breiteten sie aus, und ließen nicht ab zu suchen, und endlich fanden sie das goldene Schloß von Stromberg, aber es war viele tausend Meilen weit weg. 'Wie werde ich nun dahin kommen?' sprach der Mann. Der Riese sprach 'zwei Stunden habe ich Zeit, da will ich dich bis in die Nähe tragen, dann muß ich aber wieder nach Haus, und das Kind säugen, das wir haben.' Da trug der Riese den Mann bis etwa hundert Stunden vom Schloß, und sagte 'jetzt muß ich wieder zurück, den übrigen Weg kannst du wohl allein gehen.' 'O ja,' sagte der Mann, 'das kann ich wohl.' Wie sie sich nun trennen wollten, sprach der Mann 'wir wollen erst mit einander essen,' und sie aßen zusammen, und darauf nahm der Riese Abschied, und ging heim. Der Mann aber ging vorwärts Tag und Nacht bis er endlich zu dem goldenen Schloß von Stromberg kam. Da stand es aber auf einem gläsernen Berge, und oben darauf sah er die verwünschte Jungfrau fahren. Nun wollte er hinauf zu ihr, aber wie er es auch anfing, er glitschte immer wieder herunter. Da war er ganz betrübt, und sprach zu sich selbst 'am besten ist, du baust dir hier eine Hütte; Essen und Trinken hast du ja.' Also baute er sich eine Hütte, und saß darin ein ganzes Jahr, und sah die Königstochter alle Tage oben fahren, konnte aber nicht hinauf zu ihr kommen. Da sah er einmal aus seiner Hütte wie drei Riesen sich schlugen, und rief ihnen zu 'Gott sei mit euch!' Sie hielten bei dem Ruf inne, als sie aber niemand sahen, fingen sie wieder an sich zu schlagen, und das zwar ganz gefährlich. Da rief er abermals 'Gott sei mit euch!' sie hörten wieder auf, guckten sich um, weil sie aber niemand sahen, fuhren sie auch wieder fort sich zu schlagen. Da rief er zum drittenmal 'Gott sei mit euch!' und dachte 'du mußt doch sehen was die drei vorhaben,' ging hin, und fragte warum sie so auf einander losschlügen. Da sagte der eine er hätte einen Stock gefunden, wenn er damit wider eine Tür schlüge, so spränge sie auf; der andere sagte er hätte einen Mantel gefunden, wenn er den umhinge, so wäre er unsichtbar; der dritte aber sprach er hätte ein Pferd gefangen, mit dem könnte man den gläsernen Berg hinaufreiten. Da sprach der Mann 'für die drei Sachen will ich euch etwas geben, Geld habe ich zwar nicht, aber andere Dinge, die noch mehr wert sind: doch muß ich vorher eine Probe machen, damit ich sehe ob ihr auch die Wahrheit gesagt habt.' Da ließen sie ihn aufs Pferd sitzen, hingen ihm den Mantel um, und gaben ihm den Stock in die Hand, und wie er das alles hatte, konnten sie ihn nicht mehr sehen. Da gab er ihnen tüchtige Schläge, und rief 'nun, ihr Bärenhäuter, seid ihr zufrieden?' Dann ritt er den Berg hinauf, und als er oben vor das Schloß kam, war es verschlossen; da schlug er mit dem Stock vor die Tür, gleich sprang sie auf, und er ging hinein, und ging die Treppe hinauf, oben in den Saal, da saß die Jungfrau, und hatte einen goldenen Kelch mit Wein vor sich stehen. Sie konnte ihn aber nicht sehen, weil er den Mantel um hatte. Und als er vor sie kam, zog er den Ring, den sie ihm gegeben hatte, vom Finger, und warf ihn in den Kelch daß es klang. Da rief sie 'das ist mein Ring, so muß auch der Mann da sein, der mich erlösen wird.' Sie suchten im ganzen Schloß, und fanden ihn nicht, er war aber hinaus gegangen, hatte sich aufs Pferd gesetzt, und den Mantel abgeworfen. Wie sie nun vor das Tor kamen, sahen sie ihn, und schrien vor Freude; und er stieg ab, und nahm die Königstochter in den Arm, da küßte sie ihn, und sagte 'jetzt hast du mich erlöst.' Darauf hielten sie Hochzeit, und lebten vergnügt mit einander.
94. Die kluge Bauerntochter.
Es war einmal ein armer Bauer, der hatte kein Land, nur ein kleines Häuschen und eine alleinige Tochter, da sprach die Tochter 'wir sollten den Herrn König um ein Stückchen Rottland bitten.' Da der König ihre Armut hörte, schenkte er ihnen auch ein Eckchen Rasen, den hackte sie und ihr Vater um, und wollten ein wenig Korn und der Art Frucht darauf säen: und als sie ihn beinahe herum hatten, da fanden sie in der Erde einen Mörser von purem Gold. 'Hör,' sagte der Vater zu dem Mädchen, 'weil unser Herr König so gnädig ist gewesen, und hat uns diesen Acker geschenkt, so müssen wir ihm den Mörser dafür geben.' Die Tochter aber wollt es nicht bewilligen, und sagte 'Vater, wenn wir den Mörser haben, und haben den Stößer nicht, dann müssen wir auch den Stößer schaffen, darum schweigt lieber still.' Er wollte ihr aber nicht gehorchen, nahm den Mörser, und trug ihn zum Herrn König, und sagte, den hätte er gefunden in der Heide. Der König nahm den Mörser, und fragte ob er nichts mehr gefunden hätte? 'Nein' sprach der Bauer. Da sagte der König er sollte nun auch den Stößer herbeischaffen. Der Bauer sprach den hätten sie nicht gefunden; aber das half ihm so viel, als hätte er es in den Wind gesagt, er wurde ins Gefängnis gesetzt, und sollte so lange da sitzen, bis er den Stößer herbeigeschafft hätte. Die Bedienten mußten ihm täglich Wasser und Brot bringen, was man so in dem Gefängnis kriegt, da hörten sie, wie der Mann als fort schrie 'ach, hätte ich meiner Tochter gehört! ach, ach, hätte ich meiner Tochter gehört!' Da gingen die Bedienten zum König, und sprachen das, wie der Gefangene als fort schrie 'ach, hätte ich doch meiner Tochter gehört!' und wollte nicht essen und nicht trinken. Da befahl er den Bedienten, sie sollten den Gefangenen vor ihn bringen, und da fragte ihn der Herr König warum er also fort schrie 'ach, hätte ich meiner Tochter gehört!' 'Was hat eure Tochter denn gesagt?' 'Ja, sie hat gesprochen ich sollte den Mörser nicht bringen, sonst müßt ich auch den Stößer schaffen.' 'Habt ihr denn so eine kluge Tochter, so laßt sie einmal herkommen.' Also mußte sie vor den König kommen, der fragte sie ob sie denn so klug wäre? und sagte er wollte ihr wohl ein Rätsel aufgeben, wenn sie das treffen könnte, dann wollte er sie heiraten. Da sprach sie gleich ja, sie wollt es erraten. Da sagte der König 'komme zu mir, nicht gekleidet, nicht nackend, nicht geritten, nicht gefahren, nicht in dem Weg, nicht außer dem Weg, und wenn du das kannst, will ich dich heiraten.' Da ging sie hin, und zog sich aus splitternackend, da war sie nicht gekleidet, und nahm ein großes Fischgarn, und setzte sich hinein, und wickelte es ganz um sich herum, da war sie nicht nackend; und borgte einen Esel fürs Geld, und band dem Esel das Fischgarn an den Schwanz, darin er sie fortschleppen mußte, und war das nicht geritten und nicht gefahren; und mußte sie der Esel in der Fahrgleise schleppen, so daß sie nur mit der großen Zehe auf die Erde kam, und war das nicht in dem Weg und nicht außer dem Wege. Und wie sie so daher kam, sagte der König, sie hätte das Rätsel getroffen, und es wäre alles erfüllt. Da ließ er ihren Vater los aus dem Gefängnis, und nahm sie bei sich als seine Gemahlin, und befahl ihr das ganze königliche Gut an. Nun waren etliche Jahre herum, als der Herr König einmal auf die Parade zog, da trug es sich zu, daß Bauern mit ihren Wagen vor dem Schloß hielten, die hatten Holz verkauft; etliche mit Ochsen und etliche mit Pferden.
Da war ein Bauer, der hatte drei Pferde, davon kriegte eins ein junges Füllchen, das lief weg und legte sich an einen Wagen, wo zwei Ochsen davor waren, mittendrein.
Als nun die Bauern zusammen kamen, fingen sie an sich zu zanken, schmeißen und lärmen, und der Ochsenbauer wollte das Füllchen behalten, und sagte die Ochsen hätten es gehabt, und der andere sagte nein, seine Pferde hätten es gehabt, und es wäre sein.
Der Zank kam vor den König, und der tat den Ausspruch wo das Füllen gelegen hätte, da sollt es bleiben; und also bekam der Ochsenbauer, dem doch nicht gehörte.
Da ging der andere weg, weinte und lamentierte über sein Füllchen.
Nun hatte er gehört wie daß die Frau Königin so gnädig wäre, weil sie auch von armen Bauersleuten gekommen wäre; ging zu ihr, und bat sie ob sie ihm nicht helfen könnte daß er sein Füllchen wieder bekäme.
Sagte sie 'ja, wenn ihr mir versprecht daß ihr mich nicht verraten wollt, will ich es euch sagen.
Morgen früh, wenn der König auf der Wachtparade ist, so stellt euch hin mitten in die Straße, wo er vorbei kommen muß, nehmt ein großes Fischgarn, und tut als fischtet ihr, und fischt also fort, und schüttet es aus, als wenn ihrs voll hättet,' und sagte ihm auch was er antworten sollte, wenn er vom König gefragt würde.
Also stand der Bauer am anderen Tag da, und fischte auf einem trockenen Platz.
Wie der König vorbei kam und das sah, schickte er seinen Laufer hin, der sollte fragen was der närrische Mann vor hätte.
Da gab er zur Antwort 'ich fische.' Fragte der Laufer wie er fischen könnte, es wäre ja kein Wasser da.
Sagte der Bauer 'so gut als zwei Ochsen können ein Füllen kriegen, so gut kann ich auch auf dem trockenen Platz fischen.'
Der Laufer ging hin, und brachte dem König die Antwort, da ließ er den Bauer vor sich kommen, und sagte ihm das hätte er nicht von sich, von wem er das hätte? und sollte es gleich bekennen.
Der Bauer aber wollt es nicht tun, und sagte immer Gott bewahre!
er hätte es von sich.
Sie banden ihn aber auf ein Bund Stroh, und schlugen und drangsalten ihn so lange, bis er es bekannte, daß er es von der Frau Königin hätte.
Als der König nach Haus kam, sagte er zu seiner Frau 'warum bist du so falsch mit mir, ich will dich nicht mehr zur Gemahlin: deine Zeit ist um, gehe wieder hin, woher du kommen bist, in dein Bauernhäuschen.' Doch erlaubte er ihr eins, sie sollte sich das Liebste und Beste mitnehmen was sie wüßte, und das sollte ihr Abschied sein.
Sie sagte 'ja, lieber Mann, wenn du es so befiehlst, will ich es auch tun,' und fiel über ihn her, und küßte ihn, und sprach sie wollte Abschied von ihm nehmen.
Dann ließ sie einen starken Schlaftrunk kommen, Abschied mit ihm zu trinken: der König tat einen großen Zug, sie aber trank nur ein wenig, da geriet er bald in einen tiefen Schlaf.
Und als sie das sah, rief sie einen Bedienten, und nahm ein schönes weißes Linnentuch, und schlug ihn da hinein, und die Bedienten mußten ihn in einen Wagen vor die Türe tragen, und fuhr sie ihn heim in ihr Häuschen.
Da legte sie ihn in ihr Bettchen, und er schlief Tag und Nacht in einem fort, und als er aufwachte, sah er sich um, und sagte 'ach Gott, wo bin ich denn?' rief seinen Bedienten, aber es war keiner da.
Endlich kam seine Frau vors Bett und sagte 'lieber Herr König, ihr habt mir befohlen ich sollte das Liebste und Beste aus dem Schloß mitnehmen, nun habe ich nichts Besseres und Lieberes als dich, da habe ich dich mitgenommen.' Der König sagte 'liebe Frau, du sollst mein sein und ich dein,' und nahm sie wieder mit ins königliche Schloß, und ließ sich aufs neue mit ihr vermählen; und werden sie ja wohl noch auf den heutigen Tag leben.
95. Der alte Hildebrand.
Es war amahl a Bauer und a Bäuerin, und die Bäuerin, die hat der Pfarre im Dorf gern gesegne, und da hat er allewei gwunschen, wann er nur amahl an ganzen Tag mit der Bäuerin Alan recht vergnügt zubringe kund, und der Bäuerin der war es halte a recht gewesen.
No, da hat er amahl zu der Bäuerin gesagt 'hanz, mei liebe Bäuerin, hießt habe i was ausstudiert, wie wir halte amahl an ganzen Tag recht vergnügt mitanander zubringe konnten.
Wißts was, ös legt es eng aufm Mittwoch ins Bett, und sagt es engeren Mon ös seit krang, und lamatierts und übelts nur recht, und das treibt es fort bis aufm Sunta, wann i die Predi halte, und da wir (werde) i predigen, daß wer z' Haus a krangs Kind, an kranen Mon, a krangs Weib, an kranen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruder, Ode wer es sonst nach is, hat, und der tut a Wohlfahrt aufm Göckerliberg in Wälischland, wo ma um an Kreuzer an Metzen Lorberbladen kriegt, dem wird es krange Kind, der krange Mon, es krange Weib, der krange Vader, d' krange Muader, d' krange Schwester, Bruder, Ode wer es sonst nach is, auf der Stelle gesund.'
'Dös wir i schon machen' hat die Bäuerin drauf gesagt.
No, drauf, aufm Mittwoch hat si halte d' Bäuerin ins Bett gelegt, und hat glamatiert und gübelt als wie, und ihr Mon hat ihr alles braucht, was er nur gwißt hat, es hat aber halte nix geholfen.
Wie denn der Sunta Koma is, hat d' Bäuerin gesagt 'mir is zwar so miserabel als ob i gleich schaden sollt, aber ans möchte i da no vor mein Ende, i möchte halte in Herrn Pfarre sei Predi hörn, die er heund halten wird.' 'A, mei Kind,' sagt der Bauer drauf, 'tue du das nicht, du konntest schlechter wern, Wanst aufstandst.
Schau, es wir i in d' Predi gehen, und wir recht acht gebe, und wir dir alles wieder derzöhln, was der Herr Pfarre gesagt hat.' 'No,' hat d' Bäuerin gesagt, 'so gehe halte, und gib recht Acht, und derzöhl mir alles, was d' gehört hast.' No, un da is der Bauer halte in d' Predi Gange, und da hat der Herr Pfarre also angfangt zun predigen, und hat halte gesagt, wann ans a krangs Kind, an kranen Mon, a krangs Weib, an kranen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruder, Ode wer es sonst nach war, z' Haus hätte, und der wollt a Wohlfahrt machen aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird es krange Kind, der krange Mon, es krange Weib, der krange Vader, d' krange Muader, d' krange Schwester, Bruder, Ode wer es sonst nage war, auf der Stelle gesund wern, und wer also die Ras unternehme wollt, der soll nach der Messe zu ihm Koma, da wird er ihm den Lorbersack geben und den Kreuzer.
Da war nimmt froher als der Bauer, und nach der Messe is er gleich zum Pfarre Gange, und der hat ihm also den Lorbersack geben und den Kreuzer.
Drauf is er nach Haus Koma, und hat schon bei der Haustür eine geschrien 'juchesha, Liebs Weib, hießt is so viel, als Obst gesund warst.
Der Herr Pfarre hat heute Predigt, daß wer a krangs Kind, an kranen Mon, a krangs Weib, an kranen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruder, Ode wer es sonst nach war, z' Haus hat, und der macht a Wohlfahrt aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird es krange Kind, der krange Mon, es krange Weib, der krange Vader, d' krange Muader, d' krange Schwester, Bruder, Ode wer es sonst nach war, auf der Stelle gesund; und hießt habe i mir schon den Lorbersack geholt vom Herrn Pfarre und den Kreuzer, und wir gleich mein Wanderschaft antreten, daß d' desto eher gesund wirst;' und drauf is er fort Gange.
Er war aber kam fort, so is die Bäuerin schon auf gewesen, und der Pfarre war a gleich da.
Hietzt lassen mir aber die zwa indessen auf der Seiten, und Gänge mir mit dem Bauer.
Der is halte alleweil drauf los Gange, damit er desto eher aufm Göckerliberg kummt, und wie halte so geht, begegnet ihm sein Gevatter.
Sein Gevatter das war an Armon (Eiermann), und der is just von Mark Koma, wo er seine Ar verkauft hat.
'Globt seist,' sagt sein Gevatter 'wo gehst denn so trabi hin, Gevatter?' 'Jn Ewigkeit, Gevatter,' sagt der Bauer, 'mein Weib is krang worn, und da habe i heund in Herrn Pfarre sein Predi gehört, und da hat er Predigt, daß wann einer z' Haus an krangs Kind, an kranen Mon, a krangs Weib, an kranen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruder, Ode wer es sonst nach war, hat, und er macht a Wohlfahrt aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird es krange Kind, der krange Mon, es krange Weib, der krange Vader, d' krange Muader, d' krange Schwester, Bruder, oder wer es sonst nach war, auf der Stelle gesund, und da habe i mir von Herrn Pfarre den Lorbersack und den Kreuzer geholt, und hießt tritt i halte mein Wanderschaft an.' 'Aber hanz, Gevatter,' hat der Gevatter zum Bauer gesagt, 'seit denn gar so tacket (einfältig), daß so was glauben könts.
Wißts was is? der Pfarre möchte gern mit engeren Weib an ganzen Tag Alan recht vergnügt zubringe, darum habenes eng den Bern anbanden, daß ihren aus den Füßen Kumts.' 'Mein,' hat der Bauer gesagt, 'so möchte i da wissen, ob das wahr is.' 'No,' hat der Gevatter gesagt, 'wast was, setze di in mein Arkorb eine, so will i di nach Haus tragen, und da wirst es selber Segen.' No, das is also gschegn, und der Bauer hat sein Gevatter in sein Arkorb eine gesetzt, und der hat'n nach Haus tragen.
Wiees nach Haus Koma san, holla, da is schon lusti zugange.
Da hat die Bäuerin schon fast alles, was nur in ihren Hof war, abgestochen gehabt, und Krapfen hat es Bachen, und der Pfarre war a schon da, und hat a fein Geige mitbracht gehabt.
Und da hat halte der Gevatter anklopft, und d' Bäuerin hat gefragt wer draußen war.
'J bin es, Gevatterin,' hat der Gevatter gesagt, 'mei, gebt mir heund Nacht a Herberge, i habe meine Ar aufm Mark nicht verkauft, und hießt muß i's wieder nach Haus trage, und sö san gar z' schwarz, i bringees nicht fort, es is a schon finster.' Ja, mein Gevatter,' sagt d' Bäuerin drauf, 'ös Kumts mir recht zur unglegna Zeit.
No, weil es halte her nicht anders is, so kömts eine, und setztes eng dort auf d' Ofenbank.' No hat si der Gevatter also mit sein Buckelkorb auf d' Ofenbank gesetzt.
Der Pfarre aber und d' Bäuerin die waren halte recht lusti.
Endle fangt der Pfarre an, und sagt 'hanz, mein liebe Bäuerin, ös könts ja so schön singe, singt mir da ans.'
'A,' sagt die Bäuerin, 'hießt kann i nix mehr singe, ja in mein junge Jahren, da habe i's wohl könne, aber hießt is schon vorbei.'
'Ei,' sagt wieder der Pfarre, 'singts da nur a bißl.'
No, da fangt die Bäuerin an und singt
'J habe mein Mon wohl ausgesandt aufm Göckerliberg in Wälischland.'
Drauf singt der Pfarre
'J wollt er blieb da a ganzes Jahr, was fragt i nach dem Lorbersack. Halleluja!'
Hietzt fangt der Gevatter hinten an, und singt (da muß i aber derzöhln daß der Bauer Hildebrand ghassen hat), singt also der Gevatter
'Ei du, mein lieber Hildebrand, was machst du auf der Ofenbank? Halleluja!'
Und hießt singt der Bauer in Korb drinna
'Hietzt kann i das Singe nimmermehr leiden, hießt muß i aus mein Buckelkorb steigen.'
Und steigt aus'n Korb, und prügelt den Pfaffen beim Haus hinaus.
96. De drei Vügelkens.
Et is wul dusent un meere Jahre hen, da wören hier im Lande luter kleine Könige, da hed auch einer up den Keuterberge wünt (gewohnt), de gink sau gern up de Jagd. Ase nun Mal mit seinen Jägern vom Schlotte heruttrok, höen (hüteten) unter den Berge drei Mäkens ihre Köge (Kühe), un wie sei den König mit den vielen Leuen (Leuten) seien, so reip de ölleste den anderen beden Mäkens to, un weiß up den König, 'helo! helo! wenn ik den nig kriege, so will ik keinen.' Da antworde de tweide up de annere Side vom Berge, un weiß up den, de dem Könige rechter Hand gink, 'helo! helo! wenn ik den nig kriege, so will ik keinen.' Da reip de jüngste, un weiß up den, de linker Hand gink, 'helo! helo! wenn ik den nig kriege, so will ik keinen.' Das wören aber de beden Ministers. Das hörde de König alles, un Ase von der Jagd heim kommen was, leit he de drei Mäkens to sich kommen, un fragte se was se da gestern am Berge segd hedden. Das wollen se nig sagen, de König frog awerst de ölleste, ob se ün wohl tom Manne hewen wolle? Da segde se ja, un Ehre beiden Süstern friggeten de beiden Ministers, denn se wören alle drei scheuen un schier (klar, schön) von Angesicht, besonders de Königin, de hatte Hare Ase Flas. De beiden Süstern awerst kregen keine Kinder, un Ase de König Mal verreisen moste, let he se Tor Königin kommen, um se up to muntern, denn se war grae (gerade) swanger. Se kreg en kleinen Jungen, de hatte 'n ritsch roen (roten) Stern mit up de Welt. Da sehden de beiden Süstern, eine Tor anderen, se wollen den hübschen Jungen im Water werpen. Wie se'n darin worpen hadden (ich glaube, et is de Weser Weste), da flügt 'n Vügelken in de Högte, das sank
'tom Daude bereit, up wietern Bescheid tom Lilienstrus: wacker Junge, bist du_es?'
Da das de beiden hörten, kregen se de Angst up'n liefe, un machten das se fort keimen. Wie de König na Hause kam, sehden se to um de Königin hätte 'n Hund kregen. Da segde de König 'wat Gott deiet, das is wole dahn.' Et wunde awerst 'n Fisker an den Water, de fiskede den kleinen Jungen wir heraus, Ase noch ewen lebendig was, un da sine Frau keine Kinder hatte, foerden (fütterten) se'n up. Na'n Jaar was de König wir verreist, da kreg de Königin wir 'n Jungen, den Namen de beiden falsken Süstern, un warpen'n auch im Water, da stügt das Vügelken wir in die Högte, un sank:
'tom Daude bereit, up wietern Bescheid tom Lilienstrus: wacker Junge, bist du_es?'
Un wie de König torügge kam, sehden se to um, de Königin hätte wir 'n Hund bekommen, un he segde wir 'wat Gott deit, das is wole dahn.' Awerst de Fisker trok düsen auch ut den Water, un Förde 'n up. Da verreisede de König wir, un de Königin kreg 'n klein Mäken, das warpen de falsken Süstern auch im Water. Da flügt das Vügelken wir in die Högte, un sank
'tom Daude bereit, up wietern Bescheid tom Lilienstrus: wacker Mäken, bist du_es?'
Un wie de König na Hause kam, sehden se to um, de Königin hätte 'ne Katte kregt. Da worde de König beuse, und leit sine Frau im Gefängnis smieten, da hed se lange Jahre in fetten. De Kinder wören unnerdes anewassen, da gink de ölleste Mal mit anderen Jungen heraus to fisken, da wüllt ün de anderen Jungen nig twisken sich hewen, un segget 'du Findling, gaa du Diener Wege.' Da wurde he gans bedröwet, un fräggt den olen Fisker ob das war wäre? De vertellt ün das he Mal fisked hätte, un hätte ün ut den Water trocken (gezogen). Da segd he he wolle fort un seinen Teiten (Vater) söken. De Fisker de bittet 'n he mögde doch bliven, awerst he let sich gar nig hallen, bis de Fisker et tolest to givt. Da givt he sich up den Weg, un geit meere Dage hinner'n anner, endlich kommt he vor 'n graut allmächtig Water, davor steit 'ne ole Frau, un fiskede. 'Guden Dag, Moer,' segde de Junge. 'Groten Dank.' 'Du süst da wohl lange fisken, e du 'n Fisk fängst.' 'Un du wohl lange söken, e du deinen Teiten findest. Wie wusste du der denn da över't Water kommen?' sehde de Frau. 'Ja, das mag Gott witten.' Da nimmt de ole Frau ün up den Rücken, un trägt 'n derdörch, un he söcht lange Tiid, un kann seinen Teiten nig finnen. Ase nun wohl 'n Jaar voröwer is, da trekt de tweide auch ut, un will seinen Broer söken. He kommt an das Water, un da geit et ün ewen so, Ase seinen Broer. Nun was nur noch de Tochter allein to Hause, de jammerde so viel na ehren Broern, das se upt lest auch den Fisker Bad he möchte se treken lassen, se wolle Ehre Broerkes söken. Da kam se auch bie den grauten Water, da sehde se Tor olen Frau 'guden Dag, Moer.' 'Groten Dank.' 'Gott helfe ju bie juen fisken.' Ase de ole Frau das hörde, da word se ganz freundlich, un drog se över't Water, un gab er 'n Roe (Rute), un sehde to er 'nu gah man jümmer up düsen Wege to, mine Tochter, un wenn du bie einen groten schwarten Hund vorbei kümmst, so musst du still un trist, un ohne to lachen, un ohne ün an to gucken, vorbie gaan. Dann kümmest du an 'n großes open Schlott, up'n Süll (Schwelle) most du de Roe fallen lassen, un stracks durch das Schlott an den anderen Side wir heraus gahen; da is 'n olen Brunnen, darut is 'n groten Boom wassen, daran hänget 'n Vugel im Buer, den nimm af, dann nimm noch 'n Glas Water ut den Brunnen, un gaa mit düsen beiden den sülvigen Weg wir torügge; up den Süll nimm de Roe auch wir mit, un wenn du dann wir bie den Hund vorbie kommst, so schlah ün im Gesicht, awerst sü to, das du ün treppest, un dann kumm nur wir to mie torügge.' Da fand se et gerade so, Ase de Frau et sagd hatte, un up den Rückwege da fand se de beiden Broer, de sich de halbe Welt dorchsöcht hadden. Se ging zusammen bis wo de swarte Hund an den Weg lag, den schlug se im Gesicht, da word et 'n schönen Prinz, de geit mit ünen, bis an das Water. Da stand da noch de ole Frau, de fragte sich sehr, da se alle wir da wören, un drog se alle över't Water, un dann gink se auch weg, denn se was nun erlöst. De anderen awerst gingen alle na den olen Fisker, un alle wören froh das se sich wir funnen hadden, den Vügel awerst hingen se an der Wand. De tweide Suhn kunne awerst nig to Huse rasten, un nahm 'n Flitzebogen, un gink up de Jagd. Wie he möe was, nahm he sine Flötepipen, un machte 'n Stücksken. De König awerst wör auch up de Jagd, un hörde das, da ging he hin, un wie he den Jungen drap, so sehde he 'we hat die verlöwt hier to jagen?' 'O, neimes (niemand).' 'Wen hörst du dann to?' 'Jk bin den Fisker sin Suhn.' 'De hat ja keine Kinder.' 'Wenn du_es nig glöwen wusste, so kum mit.' Das dehe de König, un frog den Fisker, de vertälle ün alles, un das Vügelken an der Wand fing an to singen
'de Möhme (Mutter) sitt allein, wohl in das Kerkerlein. o König, edles Blut, das sind dine Kinder god. De falsken Süstern beide de dehen de Kinnerkes Leide, wohl in des Waters Grund, wo se de Fisker Fund.'
Da erschraken se alle, un de König nahm den Vugel, den Fisker, un de drei Kinder mit sich na den Schlotte, un leit das Gefängnis upschluten, un nahm sine Frau wir heraus, de was awerst gans kränksch un elendig woren. Da gav er de Tochter von den Water ut den Brunnen to trinken, da war se frisch un gesund. De beiden falsken Süstern woren aber verbrennt, un de Tochter friggede den Prinzen.
97. Das Wasser des Lebens.
Es war einmal ein König, der wurde krank, und glaubte niemand daß er mit dem Leben davon käme. Er hatte aber drei Söhne, die waren darüber betrübt, gingen hinunter in den Schloßgarten, und weinten; da begegnete ihnen ein alter Mann, der fragte sie nach ihrem Kummer. Sie erzählten ihm ihr Vater wäre so krank, daß er wohl sterben würde, denn es wollte ihm nichts helfen. Da sprach der Alte 'ich weiß noch ein Mittel, das ist das Wasser des Lebens, wenn er davon trinkt, so wird er wieder gesund; es ist aber schwer zu finden.' Da sagte der älteste 'ich will es schon finden,' ging zum kranken König, und bat ihn, er möchte ihm erlauben auszuziehen, um das Wasser des Lebens zu suchen, das ihn allein heilen könnte. 'Nein,' sprach der König, 'die Gefahr dabei ist zu groß, lieber will ich sterben.' Er bat aber so lange, bis der König einwilligte. Der Prinz dachte in seinem Herzen 'hole ich das Wasser, so bin ich meinem Vater der liebste, und erbe das Reich.' Also machte er sich auf, und als er eine Zeit lang fortgeritten war, stand da ein Zwerg auf dem Wege, der rief ihn an, und sprach 'wo hinaus so geschwind?' 'Du Knirps,' sagte der Prinz ganz stolz, 'das brauchst du nicht zu wissen,' und ritt weiter. Das kleine Männchen aber war zornig geworden, und hatte einen bösen Wunsch getan. Der Prinz kam auf seinem Weg in eine Bergschlucht, und je weiter er ritt, je enger taten sich die Berge zusammen, und endlich wurde der Weg so eng, daß er keinen Schritt weiter konnte, und auch das Pferd konnte er nicht wenden, und nicht einmal absteigen, und mußte da eingesperrt bleiben. Der kranke König wartete auf ihn, aber er kam nicht und kam nicht. Da sagte der zweite Sohn 'so will ich ausziehen, und das Wasser suchen,' und dachte bei sich 'das ist mir eben recht, ist mein Bruder tot, so fällt das Reich mir zu.' Der König wollt ihn anfangs auch nicht ziehen lassen, endlich aber mußte er_es doch zugeben. Der Prinz zog also gleiches Wegs fort, und begegnete demselben Zwerg, der ihn anhielt, und fragte 'wohinaus so geschwind?'
'Du Knirps,' sagte der Prinz, 'das brauchst du nicht zu wissen,' und ritt, ohne sich weiter umzusehen, fort. Aber der Zwerg verwünschte ihn, und er geriet wie der andere in eine Bergschlucht, und konnte nicht vorwärts und rückwärts. So geht_es aber den Hochmütigen. Wie nun der zweite Sohn ausblieb, sagte der jüngste er wollte ausziehen, und das Wasser holen, und der König mußte ihn endlich auch gehen lassen. Als er den Zwerg auf dem Wege fand, und ihn fragte 'wohinaus so geschwind?' so stand er ihm Rede, und sagte 'ich suche das Wasser des Lebens, weil mein Vater sterbenskrank ist.' 'Weißt du auch wo das zu finden ist?' 'Nein,' sagte der Prinz. 'Weil du mir ordentlich Rede gestanden hast, so will ich dir_es sagen. Es quellt aus einem Brunnen in dem Hofe eines verwünschten Schlosses; und damit du dazu gelangst, gebe ich dir da eine eiserne Rute und zwei Laibchen Brot. Mit der Rute Schlag dreimal an das eiserne Tor vor dem Schloß, so wird es aufspringen: inwendig werden dann zwei Löwen liegen, und den Rachen aufsperren, wenn du ihnen aber das Brot hineinwirfst, wirst du sie stillen: und dann eile dich, und hole von dem Wasser des Lebens, ehe es zwölf schlägt, sonst geht das Tor wieder zu, und du bist eingesperrt.' Da dankte ihm der Prinz, und nahm die Rute und das Brot, ging hin, und es war alles so, wie der Zwerg gesagt hatte. Das Tor sprang beim dritten Rutenschlag auf, und als er die Löwen gesänftigt hatte, ging er in das Schloß hinein, und fand einen großen schönen Saal, und darin verwünschte Prinzen, denen zog er die Ringe ab; und nahm dann ein Schwert und ein Brot, das da lag. Und weiter kam er in ein Zimmer, darin war eine schöne Jungfrau, die freute sich, als sie ihn sah, küßte ihn, und sagte er hätte sie erlöst, und sollte ihr ganzes Reich haben; in einem Jahre sollt er kommen und die Hochzeit mit ihr feiern. Dann sagte sie ihm auch, wo der Brunnen wäre mit dem Lebenswasser, er müßte sich aber eilen und daraus schöpfen ehe es zwölf schlüge. Da ging er weiter, und kam endlich in ein Zimmer, darin stand ein schönes frischgedecktes Bett; und weil er müde war, wollt er sich erst ein wenig ausruhen. Also legte er sich, und schlief ein; wie er aber erwachte, schlug es drei Viertel auf zwölf. Da sprang er ganz erschrocken auf, lief zu dem Brunnen, und schöpfte daraus mit einem Becher, der daneben stand, und eilte daß er fortkam. Wie er eben zum eisernen Tor hinausgieng, da schlug_es zwölf, und das Tor fuhr zu, so heftig, daß es ihm noch ein Stück von der Ferse wegnahm. Er aber war froh, daß er das Wasser des Lebens erlangt hatte, und ging heimwärts, und kam wieder an dem Zwerg vorbei. Als dieser das Schwert und das Brot sah, sprach er 'damit hast du großes Gut gewonnen, mit dem Schwert kannst du ganze Heere schlagen, das Brot aber wird niemals alle.' Da dachte der Prinz 'ohne deine Brüder willst du zum Vater nicht nach Haus kommen, und sprach 'lieber Zwerg, kannst du mir nicht sagen, wo meine zwei Brüder sind? sie waren früher als ich nach dem Wasser des Lebens ausgezogen, und sind nicht wiedergekommen.' 'Zwischen zwei Bergen sind sie eingeschlossen,' sprach der Zwerg, 'dahin habe ich sie verwünscht, weil sie so übermütig waren.' Da bat der Prinz so lange, bis sie der Zwerg wieder los ließ, aber er warnte ihn, und sprach 'hüte dich vor ihnen, sie haben ein böses Herz.' Wie sie nun kamen, da freute er sich, und erzählte ihnen alles, wie es ihm ergangen wäre, daß er das Wasser des Lebens gefunden, und einen Becher voll mitgenommen, und eine schöne Prinzessin erlöst hätte, die wollte ein Jahr lang auf ihn warten, dann sollte Hochzeit gehalten werden, und er bekäme ein großes Reich. Danach ritten sie zusammen fort, und gerieten in ein Land, wo Hunger und Krieg war, und der König glaubte schon er sollte verderben in der Not; da ging der Prinz zu ihm, und gab ihm das Brot, damit speiste und sättigte er sein ganzes Reich; und dann gab ihm der Prinz auch das Schwert, und damit schlug er die Heere seiner Feinde, und konnte nun in Ruhe und Frieden leben. Da nahm der Prinz sein Brot und sein Schwert wieder zurück, und die drei Brüder ritten weiter. Sie kamen aber noch in zwei Länder, wo Hunger und Krieg herrschten, und da gab der Prinz den Königen jedesmal sein Brot und Schwert, und hatte nun drei Reiche gerettet. Und danach setzten sie sich auf ein Schiff, und fuhren übers Meer. Während der Fahrt da sprachen die beiden ältesten unter sich 'der jüngste hat das Wasser des Lebens gefunden, und wir nicht, dafür wird ihm unser Vater das Reich geben, das uns gebührt, und er wird uns unser Glück wegnehmen.' Da wurden sie rachsüchtig, und verabredeten mit einander daß sie ihn verderben wollten. Sie warteten aber bis er einmal fest eingeschlafen war, da gossen sie das Wasser des Lebens aus dem Becher, und nahmen es für sich, ihm aber gossen sie bitteres Meerwasser hinein. Als sie nun daheim ankamen, brachte der jüngste dem kranken König seinen Becher, damit der daraus trinken und gesund werden sollte. Kaum aber hatte er ein wenig von dem bitteren Meerwasser getrunken, so wurde er noch kränker als zuvor. Und wie er darüber jammerte, kamen die beiden ältesten Söhne, und klagten den jüngsten an, und sagten er habe ihn vergiften wollen, das rechte Wasser des Lebens hätten sie gefunden und mitgebracht, und reichten es dem König. Kaum hatte er davon getrunken, so fühlte er seine Krankheit verschwinden, und wurde stark und gesund wie in seinen jungen Tagen. Danach gingen die beiden zu dem jüngsten, verspotteten ihn, und sagten 'du hast zwar das Wasser des Lebens gefunden, aber du hast nur die Mühe gehabt, und wir den Lohn; du hättest klüger sein und die Augen aufbehalten sollen, wir haben dir_es genommen während du auf dem Meere eingeschlafen warst. Übers Jahr da holt sich einer von uns die schöne Königstochter; aber hüte dich daß du nichts davon verrätst, der Vater glaubt dir doch nicht, und wenn du ein einziges Wort sagst, so sollst du noch obendrein dein Leben verlieren, schweigst du aber, so soll dir_es geschenkt sein.' Der alte König aber war zornig über seinen jüngsten Sohn, und glaubte er hätte ihm nach dem Leben getrachtet. Also ließ er den Hof versammeln, und das Urteil über ihn sprechen daß er heimlich sollte erschossen werden. Als der Prinz nun einmal auf die Jagd ritt, und nichts Böses vermutete, mußte des Königs Jäger mitgehen. Draußen, als sie ganz allein im Wald waren, und der Jäger so traurig aussah, sagte der Prinz zu ihm 'lieber Jäger, was fehlt dir?' Der Jäger sprach 'ich kann_es nicht sagen, und soll es doch.' Da sprach der Prinz 'sage nur heraus was es ist, ich will dir_es verzeihen.' 'Ach,' sagte der Jäger, 'ich soll euch totschießen, der König hat mir_es befohlen.' Da erschrak der Prinz, und sprach 'lieber Jäger, laß mich leben, da gebe ich dir mein königliches Kleid, gib mir dafür dein schlechtes.' Der Jäger sagte 'das will ich gerne tun, ich hätte doch nicht nach euch schießen können.' Da nahm der Jäger des Prinzen und der Prinz des Jägers Kleid, und der Jäger ging heim und der Prinz ging weiter in den Wald hinein. Über eine Zeit, da kamen zu dem alten König drei Wagen mit Geschenken an Gold und Edelsteinen für seinen jüngsten Sohn; sie waren aber von den drei Königen geschickt, die mit des Prinzen Schwert die Feinde geschlagen, und mit seinem Brot ihr Land ernährt hatten, und sich dankbar bezeigen wollten. Das fiel dem alten König aufs Herz, und er dachte sein Sohn könnte doch unschuldig gewesen sein, und sprach zu seinen Leuten 'ach, wäre er noch am Leben, wie tut mir_es so leid, daß ich ihn habe töten lassen.' 'So habe ich ja recht getan,' sprach der Jäger, 'ich konnte es nicht übers Herz bringen euren Befehl auszuführen;' und sagte dem König wie es zugegangen wäre. Da war der König froh, und ließ in allen Reichen bekannt machen, sein Sohn sollte wieder kommen und in Gnaden aufgenommen werden. Die Königstochter aber ließ eine Straße vor ihrem Schloß machen, die war ganz golden und glänzend, und sagte ihren Leuten wer darauf geradeswegs zu ihr geritten käme, das war der rechte, und den sollten sie einlassen, wer aber daneben käme, der wäre der rechte nicht, und den sollten sie auch nicht einlassen. Als nun die Zeit bald herum war, dachte der älteste er wollte sich eilen, zur Königstochter gehen, und sich für ihren Erlöser ausgeben, da bekäme er sie zur Gemahlin und das Reich dabei. Also ritt er fort, und als er vor das Schloß kam, und die schöne goldene Straße sah, dachte er 'das wäre jammerschade, wenn du darauf rittest,' lenkte ab, und ritt rechts nebenher. Wie er aber vor das Tor kam, sagten die Leute zu ihm er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen. Bald darauf machte sich der zweite Prinz auf, und wie der zur goldenen Straße kam, und das Pferd den einen Fuß darauf gesetzt hatte, dachte er 'es wäre jammerschade, das könnte etwas abtreten,' lenkte ab, und ritt links nebenher. Wie er aber vor das Tor kam, sagten die Leute er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen. Als nun das Jahr ganz herum war, wollte der dritte aus dem Wald fort zu seiner Liebsten reiten, und bei ihr sein Leid vergessen. Also machte er sich auf, und dachte immer an sie, und wäre gerne schon bei ihr gewesen, und sah die goldene Straße gar nicht. Da ritt sein Pferd mitten darüber hin, und als er vor das Tor kam, wurde es aufgetan, und die Königstochter empfing ihn mit Freuden, und sagte er wäre ihr Erlöser, und der Herr des Königreichs, und wurde die Hochzeit gehalten mit großer Glückseligkeit. Und als sie vorbei war, erzählte sie ihm daß sein Vater ihn zu sich entboten und ihm verziehen hätte. Da ritt er hin, und sagte ihm alles, wie seine Brüder ihn betrogen, und er doch dazu geschwiegen hätte. Der alte König wollte sie strafen, aber sie hatten sich aufs Meer gesetzt, und waren fortgeschifft, und kamen ihr Lebtag nicht wieder.
98. Doktor Allwissend.
Es war einmal ein armer Bauer Namens Krebs, der fuhr mit zwei Ochsen ein Fuder Holz in die Stadt, und verkaufte es für zwei Taler an einen Doktor.
Wie ihm nun das Geld ausbezahlt wurde, saß der Doktor gerade zu Tisch, da sah der Bauer was er schön aß und trank, und das Herz ging ihm danach auf, und er wäre auch gern ein Doktor gewesen. Also blieb er noch ein Weilchen stehen, und fragte endlich ob er nicht auch könnte ein Doktor werden. 'O ja,' sagte der Doktor, 'das ist bald geschehen. Erstlich Kauf dir ein Abcbuch, so ist eins, wo vorne ein Göckelhahn drin ist; zweitens mache deinen Wagen und deine zwei Ochsen zu Geld, und schaffe dir damit Kleider an, und was sonst zur Doktorei gehört; drittens laß dir ein Schild malen mit den Worten 'ich bin der Doktor Allwissend, und laß das oben über deine Haustür nageln.' Der Bauer tat alles, wies ihm geheißen war. Als er nun ein wenig gedoktert hatte, aber noch nicht viel, wurde einem reichen großen Herrn Geld gestohlen. Da wurde ihm von dem Doktor Allwissend gesagt, der in dem und dem Dorfe wohnte, und auch wissen müßte wo das Geld hingekommen wäre. Also ließ der Herr seinen Wagen anspannen, fuhr hinaus ins Dorf, und fragte bei ihm an ob er der Doktor Allwissend wäre? 'Ja, der wäre er.' 'So sollte er mitgehen, und das gestohlene Geld wieder schaffen.' 'O ja, aber die Grethe, seine Frau müßte auch mit.' Der Herr war das zufrieden, ließ sie beide in den Wagen sitzen, und sie fuhren zusammen fort. Als sie auf den adligen Hof kamen, war der Tisch gedeckt, da sollte er erst mitessen. 'Ja, aber seine Frau, die Grethe auch sagte er, und setzte sich mit ihr hinter den Tisch. Wie nun der erste Bediente mit einer Schüssel schönem Essen kam, stieß der Bauer seine Frau an, und sagte 'Grethe, das war der erste,' und meinte es wäre derjenige, welcher das erste Essen brächte. Der Bediente aber meinte er hätte damit sagen wollen 'das ist der erste Dieb,' und weil er_es nun wirklich war, wurde ihm Angst, und er sagte draußen zu seinen Kameraden 'der Doktor weiß alles, wir kommen übel an, er hat gesagt ich wäre der erste.' Der zweite wollte gar nicht herein, er mußte aber doch. Wie er nun mit seiner Schüssel herein kam, stieß der Bauer seine Frau an, 'Grethe, das ist der zweite.' Dem Bedienten wurde ebenfalls Angst, und er machte daß er hinaus kam. Dem dritten ging_es nicht besser, der Bauer sagte wieder 'Grethe, das ist der dritte.' Der vierte mußte eine verdeckte Schüssel hereintragen, und der Herr sprach zum Docter er sollte seine Kunst zeigen, und raten was darunter läge; es waren aber Krebse. Der Bauer sah die Schüssel an, wußte nicht wie er sich helfen sollte, und sprach 'ach, ich armer Krebs!' Wie der Herr das hörte, rief er 'da, er weiß es, nun weiß er auch wer das Geld hat.' Dem Bedienten aber wurde gewaltig Angst, und er blinzelte den Doktor an, er möchte einmal herauskommen. Wie er nun hinauskam, gestanden sie ihm alle viere sie hätten das Geld gestohlen; sie wollten_es ja gerne heraus geben, und ihm eine schwere Summe dazu, wenn er sie nicht verraten wollte: es ging ihnen sonst an den Hals. Sie führten ihn auch hin, wo das Geld versteckt lag. Damit war der Doktor zufrieden, ging wieder hinein, und sprach 'Herr, nun will ich in meinem Buch suchen, wo das Geld steckt.' Der fünfte Bediente aber kroch in den Ofen, und wollte hören ob der Doktor noch mehr wüßte. Der saß aber, und schlug sein Abcbuch auf, blätterte hin und her, und suchte den Göckelhan. Weil er ihn nun nicht gleich finden konnte, sprach er 'du bist doch darin, und mußt auch heraus.' Da meinte der im Ofen er wäre gemeint, sprang voller Schrecken heraus, und rief 'der Mann weiß alles.' Nun zeigte der Doktor Allwissend dem Herrn, wo das Geld lag, sagte aber nicht wer_es gestohlen hatte, bekam von beiden Seiten viel Geld zur Belohnung, und wurde ein berühmter Mann.
99. Der Geist im Glas.
Es war einmal ein armer Holzhacker, der arbeitete vom Morgen bis in die späte Nacht. Als er sich endlich etwas Geld zusammengespart hatte, sprach er zu seinem Jungen 'du bist mein einziges Kind, ich will das Geld, das ich mit saurem Schweiß erworben habe, zu deinem Unterricht anwenden; lernst du etwas rechtschaffenes, so kannst du mich im Alter ernähren, wenn meine Glieder steif geworden sind, und ich daheim sitzen muß. Da ging der Junge auf eine hohe Schule, und lernte fleißig, so daß ihn seine Lehrer rühmten, und blieb eine Zeitlang dort. Als er ein paar Schulen durchgelernt hatte, doch aber noch nicht in allem vollkommen war, so war das bisschen Armut, das der Vater erworben, drauf gegangen, und er mußte wieder zu ihm heim kehren. 'Ach,' sprach der Vater betrübt, 'ich kann dir nichts mehr geben, und kann in der teuren Zeit auch keinen Heller mehr verdienen als das tägliche Brot.' 'Lieber Vater,' antwortete der Sohn, macht euch darüber keine Gedanken, wenn_es Gottes Wille also ist, so wird_es zu meinem Besten ausschlagen; ich will mich schon drein schicken. Ich bleibe bei euch, und gehe mit hinaus in den Wald, um etwas am Malterholz (d. h. am Zuhauen und Aufrichten) zu verdienen.' 'Ja, mein Sohn,' sagte der Vater, 'das soll dir beschwerlich ankommen, du bist an harte Arbeit nicht gewöhnt, du hältst das nicht aus; ich habe auch nur eine Axt und kein Geld übrig um noch eine zu kaufen.' 'Geht nur zum Nachbar,' antwortete der Sohn, 'der leiht euch seine Axt so lange, bis ich mir selbst eine verdient habe.' Da borgte der Vater beim Nachbar eine Axt, und am anderen Morgen, wie der Tag anbrach, gingen sie mit einander hinaus in den Wald. Der Sohn half dem Vater, und war ganz munter und frisch dabei. Als nun die Sonne über ihnen stand, sprach der Vater 'wir wollen rasten und Mittag halten, hernach geht_es noch einmal so gut.' Der Sohn nahm sein Brot in die Hand, und sprach 'ruht euch nur aus, Vater, ich bin nicht müde, ich will in dem Wald ein wenig auf und abgehen, und Vogelnester suchen.' 'O, du Geck,' sprach der Vater, 'was willst du da herum laufen, hernach bist du müde, und kannst den Arm nicht mehr aufheben; bleibe hier und setze dich zu mir.' Der Sohn aber ging in den Wald, aß sein Brot ganz fröhlich, und sah in die grünen Zweige hinein, ob er etwa ein Nest entdeckte. So ging er hin und her, bis er endlich zu einer großen gefährlichen Eiche kam, die gewiß schon viele hundert Jahre alt war, und die keine fünf Menschen umspannt hätten. Er blieb stehen, und sah sie an, und dachte 'es muß doch mancher Vogel sein Nest hinein gebaut haben.' Da dünkte ihn auf einmal als hörte er eine Stimme. Er horchte, und vernahm wie es mit so einem recht dumpfen Ton rief 'laß mich heraus, laß mich heraus.' Er sah sich rings um, konnte aber nichts entdecken, aber es war ihm als ob die Stimme unten aus der Erde hervorkäme. Da rief er 'wo bist du?' Die Stimme antwortete 'da unten stecke ich bei der Eichwurzel. Laß mich heraus, laß mich heraus.' Der Schüler fing an unter dem Baum aufzuräumen, und bei den Wurzeln zu suchen, bis er eidlich in einer kleinen Höhlung eine Glasflasche entdeckte. Er hob sie in die Höhe, und hielt sie gegen das Licht, da sah er ein Ding, gleich einem Frosch gestaltet, das sprang darin auf und nieder. 'Laß mich heraus, laß mich heraus,' rief von neuem, und der Schüler, der an nichts Böses dachte, nahm den Pfropfen von der Flasche ab. Alsbald stieg ein Geist heraus, und fing an zu wachsen, und wuchs so schnell, daß er in wenigen Augenblicken als ein entsetzlicher Kerl, so groß wie der halbe Baum, vor dem Schüler stand. 'Weißt du,' rief er mit einer fürchterlichen Stimme, 'was dein Lohn dafür ist, daß du mich heraus gelassen hast?' 'Nein,' antwortete der Schüler ohne Furcht, 'wie soll ich das wissen?' 'So will ich dir_es sagen,' rief der Geist, 'den Hals muß ich dir dafür brechen.' 'Das hättest du mir früher sagen sollen,' antwortete der Schüler, 'so hätte ich dich stecken lassen; mein Kopf aber soll vor dir wohl feststehen, da müssen mehr Leute gefragt werden.' 'Mehr Leute hin, mehr Leute her,' rief der Geist, 'deinen verdienten Lohn den sollst du haben. Denkst du, ich wäre aus Gnade da so lange Zeit eingeschlossen worden, nein es war zu meiner Strafe; ich bin der großmächtige Merkur, wer mich losläßt, dem muß ich den Hals brechen.' 'Sachte,' antwortete der Schüler, 'so geschwind geht das nicht, erst muß ich auch wissen daß du wirklich in der kleinen Flasche gesessen hast, und du der rechte Geist bist; kannst du auch wieder hinein, so will ich_es glauben, und dann magst du mit mir anfangen was du willst.' 'O,' sprach der Geist hochmütig, 'das ist mir ein geringes,' und zog sich zusammen, und machte sich so dünn und klein, wie er anfangs gewesen war, also daß er durch dieselbe Öffnung und durch den Hals der Flasche wieder hineinkroch. Kaum aber war er darin, so drückte der Schüler den abgezogenen Pfropfen wieder auf, und warf die Flasche unter die Einwurzeln an ihren alten Platz, und der Geist war betrogen. Nun wollte der Schüler zu seinem Vater zurückgehen, aber der Geist rief ganz kläglich, und sprach 'ach, laß mich doch heraus, laß mich doch heraus.' 'Nein,' antwortete der Schüler, 'zum zweitenmal nicht; wer mir einmal nach dem Leben gestrebt hat, den laß ich nicht los, wenn ich ihn wieder eingefangen habe.' 'Mach mich frei,' rief der Geist, 'so will ich dir so viel geben, daß du dein Lebtag genug hast.' 'Nein,' antwortete der Schüler, 'du betrügst mich wie das erstemal.' 'Du verscherzest dein Glück,' sprach der Geist, 'ich will dir nichts tun, sondern dich reichlich belohnen.' Der Schüler dachte 'ich will_es wagen, vielleicht hält er Wort, und anhaben soll er mir doch nichts.' Da nahm er den Pfropfen ab, und der Geist stieg wie das vorigemal heraus, dehnte sich auseinander, und wurde groß wie ein Riese. Da reichte er dem Schüler einen kleinen Lappen, ganz wie ein Pflaster, und sprach 'wenn du mit dem einen Ende eine Wunde bestreichst, so heilt sie, und wenn du mit dem anderen Ende Stahl und Eisen bestreichst, so wird es in Silber verwandelt.' 'Das muß ich erst versuchen,' sprach der Schüler, ging an einen Baum und ritzte die Rinde mit seiner Axt, und bestrich sie mit dem einen Ende des Pflasters, alsbald schloß sie sich wieder zusammen, und war geheilt.
'Nun, es hat seine Richtigkeit, sprach er zum Geist 'jetzt können wir uns trennen.' Der Geist dankte ihm für seine Erlösung, und der Schüler dankte dem Geist für sein Geschenk, und ging zurück zu seinem Vater.
'Wo bist du herumgelaufen?' sprach der Vater 'warum hast du die Arbeit vergessen?
Ich habe es ja gleich gesagt daß du nichts zu Stande bringen würdest.' 'Gebt euch zufrieden, Vater, ich will_es nachholen.' 'Ja nachholen,' sprach der Vater zornig, 'das hat keine Art 'Habt acht, Vater, den Baum da will ich gleich umhauen, daß er krachen soll.' Da nahm er sein Pflaster, bestrich die Axt damit, und tat einen gewaltigen Hieb, aber weil das Eisen in Silber verwandelt war, so legte sich die Schneide um.
'Ei, Vater, seht einmal, was habt ihr mir für eine schlechte Axt gegeben, die ist ganz schief geworden.' Da erschrak der Vater, und sprach 'ach, was hast du gemacht!
nun muß ich die Axt bezahlen und weiß nicht womit; das ist der Nutzen, den ich von deiner Arbeit habe.' 'Werdet nicht bös,' antwortete der Sohn, 'die Axt will ich schon bezahlen.' 'O, du Dummbart,' rief der Vater, 'wovon willst du sie bezahlen?
du hast nichts, als was ich dir gebe; das sind Studentenkniffe, die dir im Kopf stecken, aber vom Holzhacken hast du keinen Verstand.'
Über ein Weilchen sprach der Schüler 'Vater, ich kann doch nichts mehr arbeiten, wir wollen lieber Feierabend machen.' 'Ei was,' antwortete er, 'meinst du ich wollte die Hände in den Schoß legen wie du?
ich muß noch schaffen, du kannst dich aber heim packen.' 'Vater, ich bin zum erstenmal hier in dem Wald, ich weiß den Weg nicht allein, geht doch mit mir.' Weil sich der Zorn gelegt hatte, so ließ der Vater sich endlich bereden, und ging mit ihm heim.
Da sprach er zum Sohn 'gehe und verkaufe die schändete Axt, und sieh zu was du dafür kriegst; das übrige nmß ich verdienen, um sie dem Nachbar zu bezahlen.' Der Sohn nahm die Axt, und trug sie in die Stadt zu einem Goldschmied, der probierte sie, legte sie auf die Waage, und sprach 'sie ist vierhundert Taler wert, so viel habe ich nicht bar.' Der Schüler sprach 'gebt mir was ihr habt, das übrige will ich euch borgen.' Der Goldschmied gab ihm dreihundert Taler, und blieb einhundert schuldig.
Darauf ging der Schüler heim, und sprach 'Vater, ich habe Geld, geht und fragt, was der Nachbar für die Axt haben will.' 'Das weiß ich schon,' antwortete der Alte, 'einen Taler, sechs Groschen.' 'So gebt ihm zwei Taler zwölf Groschen, das ist das Doppelte, und ist genug; seht ihr, ich habe Geld im Überfluß;' und gab dem Vater einhundert Taler und sprach 'es soll euch niemals fehlen, lebt nach eurer Bequemlichkeit.
'Mein Gott,' sprach der Alte, 'wie bist du zu dem Reichtum gekommen?' Da erzählte er ihm wie alles zugegangen wäre, und wie er im Vertrauen auf sein Glück einen so reichen Fange getan hätte.
Mit dem übrigen Geld aber zog er wieder hin auf die hohe Schule, und lernte weiter, und weil er mit seinem Pflaster alle Wunden heilen konnte, wurde er der berühmteste Doktor auf der ganzen Welt.
100. Des Teufels rußiger Bruder.
Ein abgedankter Soldat hatte nichts zu leben, und wußte sich nicht mehr zu helfen.
Da ging er hinaus in den Wald, und als er ein Weilchen gegangen war, begegnete ihm ein kleines Männchen, das war aber der Teufel.
Das Männchen sagte zu ihm: 'was fehlt dir?
du siehst ja so trübselig aus.' Da sprach der Soldat 'ich habe Hunger und kein Geld.' Der Teufel sagte 'willst du dich bei mir vermieten, und mein Knecht sein, so sollst du für dem Lebtag genug haben.
Sieben Jahre sollst du mir dienen, dann bist du wieder frei, aber eins sage ich dir, du darfst dich nicht waschen, nicht kämmen, nicht schnippen, keine Nägel und Haare abschneiden, und kein Wasser aus den Augen wischen.'
Der Soldat sprach 'wohlan, so soll_es sein,' und ging mit dem Männchen fort, das führte ihn nun geradeswegs in die Höhle hinein.
Da sagte es ihm, was er zu tun hätte.
Er müßte das Feuer schüren unter den Kesseln, wo die Höllenbraten drin säßen, das Haus rein halten, den Kehrdreck hinter die Türe tragen, und überall auf Ordnung sehen, aber guckt er ein einziges Mal in den Kessel hinein, so sollte_es ihm schlimm gehen.
Der Soldat sprach 'es ist gut, ich will_es schon besorgen.' Da ging nun der alte Teufel wieder hinaus auf seine Wanderung, und der Soldat trat seinen Dienst an, legte Feuer zu, kehrte, und trug den Kehrdreck hinter die Türe.
Wie der alte Teufel wieder kam, war er zufrieden, und ging zum zweitenmal fort.
Der Soldat schaute sich nun einmal recht um, da standen die Kessel rings herum in der Hölle, und war ein gewaltiges Feuer darunter, und es kochte und brutzelte darin.
Da hätte er für sein Leben gerne hineingeschaut, es war ihm aber so streng verboten; endlich konnte er sich nicht mehr anhalten, ging herbei, und hob vom ersten Kessel ein klein bisschen den Deckel auf, und guckte hinein.
Da sah er seinen ehemaligen Unteroffizier darin sitzen:
'aha, Vogel,' sprach er, 'treffe ich dich hier?
du hast mich gehabt, jetzt habe ich dich,' ließ geschwind den Deckel fallen, schürte das Feuer, und legte noch frisch zu.
Danach ging er zum zweiten Kessel, hob ihn auch ein wenig auf, und guckte, da saß sein Fähnrich darin: 'aha, Vogel, treffe ich dich hier?
du hast mich gehabt, jetzt habe ich dich,' machte den Deckel wieder zu, und trug noch einen Klotz herbei, der sollt ihn erst recht heiß machen.
Nun wollt er auch sehen wer im dritten Kessel säße, da war_es gar ein General:
'aha, Vogel, treffe ich dich hier?
du hast mich gehabt, jetzt habe ich dich,' holte den Blasbalg, und ließ das Höllenfeuer recht unter ihm flackern.
Also tat er sieben Jahr seinen Dienst in der Hölle, wusch sich nicht, kämmte sich nicht, schnippte sich nicht, schnitt sich die Nägel und Haare nicht, und wischte sich kein Wasser aus den Augen, und die sieben Jahre waren ihm so kurz, daß er meinte es wäre nur ein halbes Jahr gewesen.
Als nun die Zeit volles herum war, kam der Teufel und sagte 'nun, Hans, was hast du gemacht?' 'Ich habe das Feuer unter den Kesseln geschürt, ich habe gekehrt, und den Kehrdreck hinter die Türe getragen.' 'Aber du hast auch in die Kessel geguckt; dein Glück ist, daß du noch Holz zugelegt hast, sonst war dein Leben verloren; jetzt ist deine Zeit herum, willst du wieder heim?' 'Ja,' sagte der Soldat, 'ich wollt auch gerne sehen, was mein Vater daheim macht.' Sprache der Teufel 'damit du deinen verdienten Lohn kriegst, gehe und raffe dir deinen Ranzen voll Kehrdreck, und nimm mit nach Haus.
Du sollst auch gehen ungewaschen und ungekämmt, mit langen Haaren am Kopf und am Bart, mit ungeschnittenen Nägeln und mit trüben Augen, und wenn du gefragt wirst, woher du kämst, sollst du sagen aus der Hölle; und wenn du gefragt wirst, wer du wärst, sollst du sagen: des Teufels rußiger Bruder, und mein König auch.' Der Soldat schwieg still, und tat was der Teufel sagte, aber er war mit seinem Lohn gar nicht zufrieden.
Wie er nun wieder auf die Welt kam, und im Wald war, hob er seinen Ranzen vom Rücken, und wollt ihn ausschütten; wie er ihn aber öffnete, so war der Kehrdreck pures Gold geworden.
Als er das sah, war er vergnügt, und ging in die Stadt hinein.
Vor dem Wirtshaus stand der Wirt, und wie er ihn herankommen sah, erschrak er, weil Hans so entsetzlich aussah, ärger als ein Vogelscheu.
Er rief ihn an, und fragte 'woher kommst du?' 'Aus der Hölle.' 'Wer bist du?' 'Den Teufel sein rußiger Bruder, und mein König auch.' Nun wollte der Wirt ihn nicht einlassen, wie er ihm aber das Gold zeigte, ging er und klinkte dem Hans selber die Türe auf.
Da ließ er sich die beste Stube geben, köstlich aufwarten, aß und trank sich satt, wusch sich aber nicht und kämmte sich nicht, wie ihm der Teufel geheißen hatte, und legte sich endlich schlafen.
Dem Wirt aber war der Ranzen voll Gold vor den Augen, und ließ ihm keine Ruhe, bis er in der Nacht hinschlich und ihn wegstahl.
Wie nun Hans am anderen Morgen aufstand, den Wirt bezahlen und weiter gehen wollte, da war sein Ranzen weg.
Er faßte sich aber kurz, dachte, 'du bist ohne Schuld unglücklich gewesen,' und kehrte wieder um, geradezu in die Hölle; da klagte er dem alten Teufel seine Not, und bat ihn um Hilfe.
Der Teufel sagte 'setz dich, ich will dich waschen, kämmen, schnippen, die Haare und Nägel schneiden, und die Augen auswischen,' und als er mit ihm fertig war, gab er ihm den Ranzen wieder voll Kehrdreck, und sprach 'geh hin, und sage dem Wirt er sollte dir dein Gold wieder herausgeben, sonst wollt ich kommen, und ihn abholen an deinen Platz.' Hans ging hinauf und sprach zum Wirt 'du hast mein Gold gestohlen, gibst du_es nicht wieder, so kommst du in die Hölle an meinen Platz, und sollst aussehen wie ich.
Da gab ihm der Wirt das Gold, und noch mehr dazu, und bat ihn nur still davon zu sein; und Hans war nun ein reicher Mann.
Hans machte sich auf den Weg heim zu seinem Vater, kaufte sich einen schlechten Linnenkittel auf den Leib, ging herum, und machte Musik, denn das hatte er bei dem Teufel in der Hölle gelernt.
Es war aber ein alter König im Land, vor dem mußt er spielen, und der geriet darüber in solche Freude, daß er dem Hans seine älteste Tochter zur Ehe versprach.
Als die aber hörte, daß sie so einen gemeinen Kerl im weißen Kittel heiraten sollte, sprach sie 'ehe ich das täte, wollt ich lieber ins tiefste Wasser gehen.' Da gab ihm der König die jüngste, die wollt_es ihrem Vater zu Liebe gerne tun; und also bekam des Teufels rußiger Bruder die Königstochter, und als der alte König gestorben war, auch das ganze Reich.
101. Der Teufel Grünrock.
Es waren drei Brüder, die stießen den jüngsten immer zurück, und als sie ausgehen und in die Welt ziehen wollten, sprachen sie zu ihm 'wir brauchen dich nicht, du kannst allein wandern.' Also verließen sie ihn, und er mußte allein für sich ziehen, kam auf eine große Heide, und war sehr hungrig.
Auf der Heide aber stand ein Ring von Bäumen, darunter setzte er sich und weinte.
Auf einmal hörte er ein Brausen, und wie er aufsah, da kam der Teufel daher in einem grünen Rock und mit einem Pferdefuß, und redete ihn an, 'was fehlt dir, warum weinst du?' Da klagte er ihm seine Not, und sagte 'meine Brüder haben mich verstoßen.' Da sprach der Teufel 'ich will dir wohl helfen, zieh diesen grünen Rock an, der hat Taschen, die sind immer voll Geld, du magst hineingreifen wann du willst; aber dafür verlange ich daß du dich in sieben Jahren nicht wäschst, deine Haare nicht kämmst, und nicht betest.
Stirbst du in diesen sieben Jahren, so bist du mein, bleibst du aber leben, so bist du frei, und bist reich dazu auf dein Lebtag.' Da trieb ihn die Not, daß er dem Teufel zusagte, und dieser zog den grünen Rock aus, und er zog ihn an, und wie er seine Hand in die Tasche steckte, hatte er sie voll Geld.
Nun ging er mit dem grünen Rock in die Welt.
Das erste Jahr war_es gut, was er sich nur wünschte, konnte er mit seinem Geld bezahlen, und er wurde noch ziemlich für einen Menschen angesehen.
Im zweiten Jahr ging_es schlimmer, da waren die Haare ihm schon so lang gewachsen, daß ihn niemand erkennen konnte, und niemand wollt ihn herbergen, weil er so abscheulich aussah.
Und je länger je ärger wurde es: er gab aber den Armen überall viel Geld, damit sie für ihn beten möchten, daß er in den sieben Jahren nicht stürbe, und nicht in die Hände des Teufels fiele.
Da kam er einmal im vierten Jahre in ein Wirtshaus, der Wirt wollt ihn auch nicht aufnehmen, er zog aber einen Haufen Geld heraus, und bezahlte vorher, da erhielt er endlich eine Stube.
Abends hörte er im Nebenzimmer ein lautes Jammern, da ging er hin, und sah einen alten Mann darin sitzen, der weinte und beklagte sich, und sagte ihm er sollte nur wieder weggehen, er könnte ihm doch nicht helfen.
Da fragte er was ihm fehlte.
Der Alte sprach er hätte kein Geld, und wäre viel im Wirtshaus schuldig, nun hätten sie ihn so lange festgesetzt, bis er bezahlte.
Da sagte der im grünen Rock 'wenn_es weiter nichts ist, Geld habe ich genug, das will ich schon bezahlen,' und machte den Alten frei.
Der Alte aber hatte drei schöne Töchter, und sprach er sollte mit ihm gehen, und zur Belohnung eine davon zur Frau haben.
Da ging er mit ihm, wie sie aber zu Haus ankamen, und die älteste ihn sah, schrie sie, daß sie einen so entsetzlichen Menschen, der gar keine menschliche Gestalt mehr hätte, und wie ein Bär aussähe, heiraten sollte; die zweite lief auch fort, und wollte lieber in die weite Welt gehen; die jüngste aber sprach 'lieber Vater, weil ihr es versprochen habt, und er euch auch in der Not geholfen, so will ich euch Gehorsam sein.' Da nahm der Grünrock einen Ring von seinem Finger, und brach ihn durch, gab ihr die eine Hälfte, und behielt die andere für sich.
In ihre Hälfte aber schrieb er seinen Namen, und in seine Hälfte schrieb er ihren Namen, und sagte sie möchte den halben Ring gut aufheben.
Da blieb er noch ein Weilchen bei ihr, und sprach dann 'nun muß ich Abschied nehmen, drei Jahre bleibe ich aus, und so lange sei mir treu, dann komme ich wieder, und soll unsere Hochzeit sein, bin ich aber in drei Jahren nicht zurück, so bist du frei, denn da bin ich tot; bete aber für mich, daß mir Gott das Leben schenke.'
In den drei Jahren machten sich nun die beiden ältesten Schwestern recht lustig über die jüngste, und sagten sie müßte einen Bären zum Manne nehmen, und kriegte nicht einmal einen ordentlichen Menschen.
Sie aber schwieg still, und dachte 'du mußt deinem Vater gehorchen, es mag kommen wie es will.' Der Grünrock aber zog in der Welt herum, griff oft in die Tasche, und kaufte für seine Braut das Schönste, was ihm nur vor die Augen kam, tat nichts Böses, sondern Gutes, wo er konnte, und gab den Armen, daß sie für ihn beteten.
Da erzeigte ihm Gott die Gnade, daß die drei Jahre verflossen, und er gesund und lebendig blieb.
Wie nun die Zeit herum war, ging er wieder hinaus auf die Heide, und setzte sich unter den Ring von Bäumen.
Da sauste es wieder ganz gewaltig daher, und der Teufel kam ganz brummend und giftig, und warf ihm seinen alten Rock hin, und forderte den grünen zurück.
Da zog ihn der Jüngling mit Freuden aus, und reichte ihn dem Teufel, der hatte keine Gewalt mehr über ihn.
Dann ging er nach Haus, machte sich rein, und putzte sich aus, und zog fort zu seiner Braut.
Als er ans Tor kam, begegnete ihm der Vater; er grüßte ihn, und gab sich als den Bräutigam an, aber der Vater erkannte ihn nicht, und wollte ihm nicht glauben.
Da ging er hinauf zur Braut, die wollte ihm auch nicht glauben.
Endlich fragte er ob sie den halben Ring noch hätte.
Da sagte sie ja, ging hin, und holte ihn; er aber zog den seinen heraus, und hielt ihn daran, da paßten sie zusammen, und war es gewiß, daß es niemand als ihr Bräutigam sein konnte.
Und wie sie nun sah daß es ein schöner Mann war, freute sie sich, und hatte ihn lieb, und sie hielten Hochzeit mit einander; die beiden Schwestern aber, weil sie ihr Glück versäumt hatten, waren so bös, daß am Hochzeittag die eine sich ersäufte, die andere sich erhängte.
Am Abend klopfte und brummte etwas an der Türe, und als der Bräutigam hingieng und aufmachte, so war_es der Teufel im grünen Rock, der sprach 'siehst du, da habe ich nun zwei Seelen für deine eine.'
102. Der Zaunkönig und der Bär.
Zur Sommerszeit gingen einmal der Bär und der Wolf im Wald spazieren, da hörte der Bär so schönen Gesang von einem Vogel, und sprach 'Bruder Wolf, was ist das für ein Vogel, der so schön singt?' 'Das ist der König der Vögel,' sagte der Wolf, 'vor dem müssen wir uns neigen;' es war aber der Zaunkönig.
'Wenn das ist,' sagte der Bär, 'so möchte ich auch gerne seinen königlichen Palast sehen, komme und führe mich hin.' 'Das geht nicht so, wie du meinst,' sprach der Wolf, 'du mußt warten bis die Frau Königin kommt.' Bald darauf kam die Frau Königin, und hatte Futter im Schnabel, und der Herr König auch, und wollten ihre Jungen ätzen.
Der Bär wäre gerne nun gleich hinterdrein gegangen, aber der Wolf hielt ihn am Ärmel, und sagte 'nein, du mußt warten bis Herr und Frau Königin wieder fort sind.' Also nahmen sie das Loch in Acht, wo das Nest stand, und gingen wieder ab.
Der Bär aber hatte keine Ruhe, wollte den königlichen Palast sehen, und ging nach einer kurzen Weile wieder vor.
Du waren König und Königin wieder ausgeflogen, er guckte hinein, und sah fünf oder sechs Junge, die lagen darin.
'Jst das der königliche Palast!' rief der Bär, 'das ist ein elender Palast, ihr seid auch keine Königskinder, ihr seid unehrliche Kinder.' Wie das die jungen Zaunkönige hörten, wurden sie gewaltig bös, und schrien 'nein, das sind wir nicht, unsere Eltern sind ehrliche Leute; Bär, das soll ausgemacht werden mit dir.' Dem Bär und dem Wolf wurde Angst, sie kehrten um, und setzten sich in ihre Löcher.
Die jungen Zaunkönige aber schrien und lärmten fort, und als ihre Eltern wieder Futter brachten, sagten sie 'wir essen kein Fliegenbeinchen, und sollten wir verhungern, bis ihr erst ausmacht habt ob wir ehrliche Kinder sind oder nicht, denn der Bär ist da gewesen, und hat uns gescholten.' Da sagte der alte König 'seid nur ruhig, das soll ausgemacht werden.' Flog darauf mit der Frau Königin dem Bären vor seine Höhle, und rief hinein 'alter Brummbär, du hast meine Kinder gescholten, das soll dir übel bekommen, das wollen wir in einem blutigen Krieg ausmachen.' Also war dem Bären der Krieg angekündigt, und wurde alles vierfüßige Getier berufen, Ochs, Esel, Rind, Hirsch, Reh, und was die Erde sonst alles trägt.
Der Zaunkönig aber berief alles, was in der Luft fliegt; nicht allein die Vögel groß und klein, sondern auch die Mücken, Hornissen, Bienen und Fliegen mußten herbei.
Als nun die Zeit kam, wo der Krieg angehen sollte, da schickte der Zaunkönig Kundschafter aus, wer der kommandierende General des Feindes wäre.
Die Mücke war die listigste von allen, schwärmte im Wald, wo der Feind sich versammelte, und setzte sich endlich unter ein Blatt auf den Baum, wo die Parole ausgegeben wurde.
Da stand der Bär, rief den Fuchs vor sich, und sprach 'Fuchs, du bist der schlauste unter allem Getier, du sollst General sein, und uns anführen.' 'Gut,' sagte der Fuchs, 'aber was für Zeichen wollen wir verabreden?' Niemand wußte es.
Da sprach der Fuchs 'ich habe einen schönen langen buschigen Schwanz, der sieht aus fast wie ein roter Federbusch; wenn ich den Schwanz in die Höhe halte, so geht die Sache gut, und ihr müßt darauf los marschieren: laß ich ihn aber herunterhängen, so fangt an und lauft.' Als die Mücke das gehört hatte, flog sie wieder heim, und verriet dem Zaunkönig alles haarklein.
Als der Tag anbrach, wo die Schlacht sollte geliefert werden, hu, da kam das vierfüßige Getier dahergerannt mit Gebraus, daß die Erde zitterte; Zaunkönig mit seiner Armee kam auch durch die Luft daher, die schnurrte, schrie und schwärmte, daß einem Angst wurde; und gingen sie da von beiden Seiten an einander.
Der Zaunkönig aber schickte die Hornisse hinab, sie sollte sich dem Fuchs unter den Schwanz setzen und aus Leibeskräften stechen.
Wie nun der Fuchs den ersten Stich bekam, zuckte er, daß er das eine Bein aufhob, doch ertrug er_es, und ließ den Schwanz noch in der Höhe; beim zweiten Stich mußt er ihn einen Augenblick herunter lassen; beim dritten aber konnte er sich nicht mehr halten, schrie und nahm den Schwanz zwischen die Beine.
Wie das die Tiere sahen, meinten sie alles wäre verloren, und fingen an zu laufen, jeder in seine Höhle:
und hatten die Vögel die Schlacht gewonnen.
Da flog der Herr König und die Frau Königin heim zu ihren Kindern, und riefen 'Kinder, seid fröhlich, eßt und trinkt nach Herzenslust, wir haben den Krieg gewonnen.' Die jungen Zaunkönige aber sagten 'noch essen wir nicht, der Bär soll erst vors Nest kommen, und Abbitte tun, und soll sagen daß wir ehrliche Kinder sind.'
Da flog der Zaunkönig vor das Loch des Bären, und rief 'Brummbär, du sollst vor das Nest zu meinen Kindern gehen, und Abbitte tun, und sagen daß sie ehrliche Kinder sind, sonst sollen dir die Rippen im Leib zertreten werden.' Da kroch der Bär in der größten Angst hin, und tat Abbitte. Jetzt waren die jungen Zaunkönige erst zufrieden, setzten sich zusammen, aßen und tranken, und machten sich lustig bis in die späte Nacht hinein.
103. Der süße Brei.
Es war einmal ein armes frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald, und begegnete ihm da eine alte Frau, die wußte seinen Jammer schon, und schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem sollt es sagen 'Töpfchen Koch,' so kochte es guten süßen Hirsenbrei, und wenn es sagte 'Töpfchen stehe,' so hörte es wieder auf zu kochen. Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig, und aßen süßen Brei so oft sie wollten. Auf eine Zeit war das Mädchen ausgegangen, da sprach die Mutter 'Töpfchen Koch,' da kocht es, und sie ißt sich satt; nun will sie daß das Töpfchen wieder aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht. Also kocht es fort, und der Brei steigt über den Rand heraus, und kocht immer zu, die Küche und das ganze Haus voll, und das zweite Haus und dann die Straße, als wollt_es die ganze Welt satt machen, und ist die größte Not, und kein Mensch weiß sich da zu helfen. Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig ist, da kommt das Kind heim, und spricht nur 'Töpfchen stehe,' da steht es, und hört auf zu kochen; und wer wieder in die Stadt wollte, der mußte sich durchessen.
104. Die treuen Tiere.
Es war einmal ein Mann, der hatte gar nicht viel Geld, und mit dem wenigen, das ihm übrig blieb, zog er in die weite Welt. Da kam er in ein Dorf, wo die Jungen zusammen liefen, schrien und lärmten. 'Was habt ihr vor, ihr Jungen?' fragte der Mann. 'Ei,' antworteten sie, 'da haben wir eine Maus, die muß uns tanzen, seht einmal was das für ein Spaß ist! wie die herumtrippelt!' Den Mann aber dauerte das arme Tierchen, und er sprach 'laßt die Maus laufen, ihr Jungen, ich will euch auch Geld geben.' Da gab er ihnen Geld, und sie ließen die Maus gehen, die lief, was sie konnte, in ein Loch hinein. Der Mann ging fort, und kam in ein anderes Dorf, da hatten die Jungen einen Affen, der mußte tanzen und Purzelbäume machen, und sie lachten darüber, und ließen dem Tier keine Ruhe. Da gab ihnen der Mann auch Geld, damit sie den Affen losließen. Danach kam der Mann in ein drittes Dorf, da hatten die Jungen einen Bären, der mußte sich aufrecht setzen und tanzen, und wenn er dazu brummte, war_es ihnen eben recht. Da kaufte ihn der Mann auch los, und der Bär war froh daß er wieder auf seine vier Beine kam, und trabte fort. Der Mann aber hatte nun sein bisschen übriges Geld ausgegeben, und hatte keinen roten Heller mehr in der Tasche. Da sprach er zu sich selber 'der König hat so viel in seiner Schatzkammer, was er nicht braucht: Hungers kannst du nicht sterben, du willst da etwas nehmen, und wenn du wieder zu Geld kommst, kannst du_es ja wieder hineinlegen.' Also machte er sich über die Schatzkammer, und nahm sich ein wenig davon, allein beim Herausschleichen wurde er von den Leuten des Königs erwischt. Sie sagten er wäre ein Dieb, und führten ihn vor Gericht, und weil er Unrecht getan hatte, wurde er verurteilt daß er in einem Kasten sollte aufs Wasser gesetzt werden. Der Kastendeckel war voll Löcher: damit Luft hinein konnte: auch wurde ihm ein Krug Wasser und ein Laib Brot mit hinein gegeben. Wie er nun so auf dem Wasser schwamm und recht in Angst war, hörte er was krabbeln am Schloß, nagen und schnauben: auf einmal springt das Schloß auf, und der Deckel fährt in die Höhe, und stehen da Maus, Affe und Bär, die hatten getan; weil er ihnen geholfen hatte, wollten sie ihm wieder helfen. Nun wußten sie aber nicht was sie noch weiter tun sollten, und ratschlagten mit einander. Indem kam ein weißer Stein auf dem Wasser daher geschwommen, der sah aus wie ein rundes Ei. Da sagte der Bär 'der kommt zu rechter Zeit, das ist ein Wunderstein, wem der eigen ist, der kann sich wünschen wozu er nur Lust hat.' Da fing der Mann den Stein, und wie er ihn in der Hand hielt, wünschte er sich ein Schloß mit Garten und Marstall, und kaum hatte er den Wunsch gesagt, so saß er in dem Schloß mit dem Garten und dem Marstall, und war alles so schön und prächtig, daß er sich nicht genug verwundern konnte. Nach einer Zeit zogen Kaufleute des Wegs vorbei. 'Sehe einer,' riefen sie, 'was da für ein herrliches Schloß steht, und das letztemal, wie wir vorbei kamen, lag da noch schlechter Sand.' Weil sie nun neugierig waren, gingen sie hinein, und erkundigten sich bei dem Mann wie er alles so geschwind hätte bauen können. Da sprach er 'das habe ich nicht getan, sondern mein Wunderstein.' 'Was ist das für ein Stein?' fragten sie. Da ging er hin und holte ihn, und zeigte ihn den Kaufleuten. Sie hatten große Lust dazu, und fragten ob er nicht zu erhandeln wäre, auch boten sie ihm alle ihre schönen Waren dafür. Dem Manne stachen die Waren in die Augen, und weil das Herz unbeständig ist, ließ er sich betören, und meinte die schönen Waren wären mehr wert, als sein Wunderstein, und gab ihn hin. Kaum aber hatte er ihn aus den Händen gegeben, da war auch alles Glück dahin, und er saß auf einmal wieder in dem verschlossenen Kasten auf dem Fluß, und hatte nichts als einen Krug Wasser und einen Laib Brot. Die treuen Tiere, Maus Affe und Bär, wie sie sein Unglück sahen, kamen wieder herbei, und wollten ihm helfen, aber sie konnten nicht einmal das Schloß aufsprengen, weil_es viel fester war als das erstemal. Da sprach der Bär 'wir müssen den Wunderstein wieder schaffen, oder es ist alles umsonst.' Weil nun die Kaufleute in dem Schloß noch wohnten, gingen die Tiere mit einander da hin, und wie sie nahe dabei kamen, sagte der Bär 'Maus, guck einmal durchs Schlüsselloch, und sieh was anzufangen ist; du bist klein, dich merkt kein Mensch.' Die Maus war willig, kam aber wieder und sagte 'es geht nicht, ich habe hinein geguckt, der Stein hängt unter dem Spiegel an einem roten Bändchen, und hüben und drüben sitzen ein paar große Katzen mit feurigen Augen, die sollen ihn bewachen.' Da sagten die anderen 'gehe nur wieder hinein, und warte bis der Herr im Bett liegt und schläft, dann schleiche dich durch ein Loch hinein, und kriech aufs Bett, und zwick ihn an der Nase, und beiße ihm seine Haare ab.' Die Maus ging wieder hinein, und tat wie die anderen gesagt hatten, und der Herr wachte auf, rieb sich die Nase, war ärgerlich, und sprach 'die Katzen taugen nichts, sie lassen die Mäuse herein, die mir die Haare vom Kopf abbeißen,' und jagte sie alle beide fort. Da hatte die Maus gewonnen Spiel. Wie nun der Herr die andere Nacht wieder eingeschlafen war, machte sich die Maus hinein, knusperte und nagte an dem roten Band, woran der Stein hing, so lange bis es entzwei war, und der Stein herunter fiel: dann schleifte sie ihn bis zur Haustür. Das wurde aber der armen kleinen Maus recht sauer, und sie sprach zum Affen, der schon auf der Lauer stand 'nimm du nun deine Pfote, und hol ganz heraus.' Das war dem Affen ein Leichtes, der nahm den Stein in die Hand, und sie gingen so mit einander bis zum Fluß. Da sagte der Affe 'wie sollen wir nun zu dem Kasten kommen?' Der Bär antwortete 'das ist bald geschehen, ich gehe ins Wasser und schwimme: Affe, setze du dich auf meinen Rücken, halte dich aber mit deinen Händen fest, und nimm den Stein ins Maul: Mäuschen, du kannst dich in mein rechtes Ohr setzen.' Also taten sie, und schwammen den Fluß hinab. Nach einiger Zeit war_es dem Bären so still, fing an zu schwatzen, und sagte 'höre, Affe, wir sind doch brave Kameraden, was meinst du?' Der Affe aber antwortete nicht und schwieg still. 'Ist das Manier?' sagte der Bär, 'willst du deinem Kameraden keine Antwort geben? ein schlechter Kerl, der nicht antwortet!' Da konnte sich der Affe nicht länger zurückhalten, er ließ den Stein ins Wasser fallen, und rief 'dummer Kerl, wie konnte ich mit dem Stein im Mund dir antworten? jetzt ist er verloren, und daran bist du Schuld.' 'Zank nur nicht,' sagte der Bär, 'wir wollen schon etwas erdenken.' Da beratschlagten sie sich, und riefen die Laubfrösche, Unken und alles Getier, das im Wasser lebt, zusammen, und sagten 'es wird ein gewaltiger Feind über euch kommen, macht daß ihr Steine zusammen schafft, so viel ihr könnt, so wollen wir euch eine Mauer bauen, die euch schützt.' Da erschraken die Tiere, und brachten Steine von allen Seiten herbeigeschleppt, endlich kam auch ein alter dicker Quakfrosch aus dem Grund herauf gerudert, und hatte das rote Band mit dem Wunderstein im Mund. Da war der Bär froh, nahm dem Frosch seine Last ab, sagte es wäre alles gut, sie könnten wieder nach Hause gehen, und machte einen kurzen Abschied. Darauf fuhren die drei den Fluß hinab zu dem Mann im Kasten, sprengten den Deckel mit Hilfe des Steins, und kamen zu rechter Zeit, denn er hatte das Brot schon aufgezehrt und das Wasser getrunken, und war schon halb verschmachtet. Wie er aber den Wunderstein wieder in die Hände bekam, wünschte er sich eine gute Gesundheit, und versetzte sich in sein schönes Schloß mit dem Garten und Marstall; da lebte er vergnügt, und die drei Tiere blieben bei ihm, und hatten gut ihr Lebelang.
105. Märchen von der Unke.
I.
Ein Kind saß vor der Haustür auf der Erde, und hatte sein Schüsselchen mit Milch und Weckbrocken neben sich, und aß. Da kam eine Unke gekrochen, und senkte ihr Köpfchen in die Schüssel, und aß mit. Am anderen Tag kam sie wieder, und so eine Zeitlang jeden Tag. Das Kind ließ sich das gefallen, wie es aber sah daß die Unke immerfort bloß die Milch trank, und die Brocken liegen ließ, nahm es sein Löffelchen, schlug ihr ganz sanft auf den Kopf, und sagte 'Ding, esse auch Brocken.'
Seine Mutter aber hörte daß es mit jemand sprach, kam heran, und als sie die Unke erblickte, schlug sie sie tot. Und das Kind, das, seit die Unke mit ihm gegessen hatte, schön und groß geworden war, magerte ab von dem Augenblicke an, und starb bald darauf.
II.
Ein Waisenkind saß an der Stadtmauer und spann, und sah eine Unke her kommen. Da breitete es ein blau seiden Tuch, das die Unken gewaltig lieben, und auf das sie allein gehen, neben sich aus. Alsobald die Unke das erblickte, kehrte sie um, kam wieder, und brachte ein kleines goldenes Krönchen getragen, legte es darauf, und ging dann wieder fort. Da nahm das Mädchen die Krone auf, sie glitzerte und war von zartem Goldgespinst. Nicht lange, so kam die Unke zum zweitenmal wieder, wie sie aber die Krone nicht mehr sah, kroch sie an die Wand, und schlug vor Leid ihr Köpfchen so lang dawider, als sie nur noch Kräfte hatte, bis sie endlich tot da lag. Hätte das Mädchen die Krone liegen lassen, die Unke hätte wohl noch mehr von ihren Schätzen aus der Höhle herbeigetragen.
III.
Unke ruft 'huhu, huhu.' Kind spricht 'komme heraus.' Die Unke kommt hervor, da fragt das Kind nach seinem Schwesterchen 'hast du Rotestrümpfchen nicht gesehen?' Unke sagt 'ne, ik og nicht; wie du denn? huhu, huhu, huhu.'
106. Der arme Müllerbursch und das Kätzchen.
In einer Mühle, worin nur ein alter Müller lebte ohne Frau und Kind, dienten einmal drei Müllerburschen. Wie sie nun etliche Jahre bei ihm gedient hatten, sagte er zu ihnen 'zieht einmal fort, und wer mir das beste Pferd nach Haus bringt, dem will ich die Mühle geben.' Der dritte von den Burschen war aber der Kleinknecht, der wurde von den anderen für albern gehalten, dem gönnten sie die Mühle nicht; und er wollte sie hernach nicht einmal.
Da gingen alle drei mit einander hinaus, und wie sie vor das Dorf kamen, sagten die zwei zu dem albernen Hans 'du kannst nur hier bleiben, du kriegst doch dein Lebtag keinen Gaul.' Hans aber ging doch mit, und als es Nacht war, kamen sie an eine Höhle, da hinein legten sie sich schlafen. Die zwei Klugen warteten bis Hans eingeschlafen war, dann stiegen sie auf, machten sich fort, ließen Hänschen liegen, und meinten recht fein gemacht zu haben; ja, es wird euch doch nicht gut gehen!
Wie nun die Sonne kam, und Hans aufwachte, lag er in einer tiefen Höhle: er guckte sich überall um, und rief 'ach Gott, wo bin ich!' Da erhob er sich, und krabbelte die Höhle hinauf, ging in den Wald, und dachte 'wie soll ich nun zu einem Pferd kommen!' Indem er so in Gedanken dahin ging, begegnete ihm ein kleines buntes Kätzchen, das sprach 'Hans, wo willst du hin?' 'Ach, du kannst mir doch nicht helfen.' 'Was dein Begehren ist, weiß ich wohl,' sprach das Kätzchen, 'du willst einen hübschen Gaul haben. Komme mit mir, und sei sieben Jahre lang mein treuer Knecht, so will ich dir einen geben, schöner als du dein Lebtag einen gesehen hast.' Da nahm sie ihn mit in ihr verwünschtes Schlösschen, und hatte lauter Kätzchen, die ihr dienten, die sprangen flink die Treppe auf und ab, waren lustig und guter Dinge. Abends als sie sich zu Tisch setzten, mußten zwei Musik machen: eins strich den Bass, das andere blies die Trompete, und blies die Backen auf so sehr es nur konnte. Als sie gegessen hatten, wurde der Tisch weggetragen, und die Katze sagte 'nun komme, Hans und tanze mit mir.' 'Nein' antwortete er, 'mit einer Minzkatze habe ich noch nicht getanzt, das tue ich nicht.' 'So bringt ihn ins Bett' sagte sie zu den Kätzchen. Eins leuchtete ihm in seine Schlafkammer, eins zog ihm die Schuhe aus, eins die Strümpfe, und eins endlich blies das Licht aus. Am anderen Morgen kamen sie wieder, und halfen ihm aus dem Bett, eins zog ihm die Strümpfe an, eins band ihm die Strumpfbänder, eins holte die Schuhe, eins wusch ihn, und eins trocknete ihm mit dem Schwanz das Gesicht ab. 'Das tut recht sanft sagte Hans. Er mußte aber auch der Katze dienen, und alle Tage Holz klein machen, dazu kriegte er eine Axt von Silber, und die Keile und Säge von Silber, und der Schläger war von Kupfer. Nun, da machte er_es klein, blieb da im Haus, hatte sein gutes Essen und Trinken, sah aber niemand als die bunte Katze und ihr Gesinde. Einmal sagte sie zu ihm 'geh hin und mähe meine Wiese, und mache das Gras trocken,' und gab ihm von Silber eine Sense und von Gold einen Wetzstein, hieß ihn aber auch alles wieder richtig abliefern. Da ging Hans hin, und tat was ihm geheißen war; nach vollbrachter Arbeit trug er Sense, Wetzstein und Heu nach Haus, und fragte ob sie ihm noch nicht seinen Lohn geben wollte. 'Nein,' sagte die Katze, 'du sollst mir erst noch einerlei tun, da ist Bauholz von Silber, Zimmeraxt, Winkeleisen und was nötig ist, alles von Silber, daraus baue mir erst ein kleines Häuschen.' Da baute Hans das Häuschen fertig, und sagte er hätte nun alles getan, und hätte noch kein Pferd; die sieben Jahre aber waren ihm herumgegangen wie ein halbes. Fragte die Katze ob er ihre Pferde sehen wollte? 'Ja,' sagte Hans. Da machte sie ihm das Häuschen auf, und weil sie die Türe so aufmacht, da stehen zwölf Pferde, ach, die waren gewesen ganz stolz, die hatten geblänkt und gespiegelt, daß sich sein Herz im Leibe darüber freute. Nun gab sie ihm zu essen und zu trinken, und sprach 'geh heim, dein Pferd gebe ich dir nicht mit, in drei Tagen aber komme ich, und bringe dir_es nach.' Also ging Hans heim, und sie zeigte ihm den Weg zur Mühle. Sie hatte ihm aber nicht einmal ein neues Kleid gegeben, sondern er mußte sein altes lumpiges Kittelchen behalten, das er mitgebracht hatte, und das ihm in den sieben Jahren überall zu kurz geworden war. Wie er nun heim kam, da waren die beiden anderen Müllerburschen auch wieder da, jeder hatte zwar sein Pferd mitgebracht, aber des einen seins war blind, des anderen seins lahm. Sie fragten 'Hans, wo hast du dein Pferd?' 'In drei Tagen wird_es nachkommen.' Da lachten sie und sagten 'ja du Hans, wo willst du ein Pferd herkriegen, das wird was rechtes sein!' Hans ging in die Stube, der Müller sagte aber er sollte nicht an den Tisch kommen, er wäre zu zerrissen und zerlumpt, man müßte sich schämen, wenn jemand herein käme. Da gaben sie ihm ein bisschen Essen hinaus, und wie sie Abends schlafen gingen, wollten ihm die zwei anderen kein Bett geben, und er mußte endlich ins Gänseställchen kriechen, und sich auf ein wenig Stroh hinein legen. Am Morgen, wie er aufwacht, sind schon die drei Tage herum, und es kommt eine Kutsche mit sechs Pferden, ei, die glänzten, daß es schön war, und ein Bedienter, der brachte noch ein siebentes, das war für den armen Müllerbursch. Aus der Kutsche aber stieg eine prächtige Königstochter, und ging in die Mühle hinein, und die Königstochter war das kleine bunte Kätzchen, dem der arme Hans sieben Jahr gedient hatte. Sie fragte den Müller wo der Mahlbursch, der Kleinknecht, wäre? Da sagte der Müller 'den können wir nicht in die Mühle nehmen, der ist so verrissen, und liegt im Gänsestall.' Da sagte die Königstochter sie sollten ihn gleich holen. Also holten sie ihn heraus, und er mußte sein Kittelchen zusammenpacken, um sich zu bedecken. Da schnallte der Bediente prächtige Kleider aus, und mußte ihn waschen und anziehen, und wie er fertig war, konnte kein König schöner aussehen. Danach wollte die Jungfrau die Pferde sehen, welche die anderen Mahlburschen mitgebracht hatten, eins war blind, das andere lahm. Da ließ sie den Bedienten das siebente Pferd bringen; wie der Müller das sah, sprach er so eins wäre ihm noch nicht auf den Hof gekommen; 'und das ist für den dritten Mahlbursch' sagte sie. 'Da muß er die Mühle haben sagte der Müller, die Königstochter aber sprach da wäre sein Pferd, er sollte die Mühle auch behalten: und nimmt ihren treuen Hans, und setzt ihn in die Kutsche, und fährt mit ihm fort. Sie fuhren erst nach dem kleinen Häuschen, das er mit dem silbernen Werkzeug gebaut hat, da ist es ein großes Schloß, und ist alles darin von Silber und Gold: und da hat sie ihn geheiratet, und war er reich, so reich, daß er für sein Lebtag genug hatte. Darum soll keiner sagen daß wer albern ist deshalb nichts rechtes werden könne.
107. Die Krähen.
Es hatte ein rechtschaffener Soldat etwas Geld verdient und zusammengespart, weil er fleißig war, und es nicht, wie die anderen, in den Wirtshäusern durchbrachte. Nun waren zwei von seinen Kameraden, die hatten eigentlich ein falsches Herz, und wollten ihn um sein Geld bringen, sie stellten sich aber äußerlich ganz freundschaftlich an. Auf eine Zeit sprachen sie zu ihm 'höre, was sollen wir hier in der Stadt liegen, wir sind ja eingeschlossen darin, als wären wir Gefangene, und gar einer wie du, der könnte sich daheim was ordentliches verdienen, und vergnügt leben.' Mit solchen Reden setzten sie ihm auch so lange zu, bis er endlich einwilligte, und mit ihnen ausreißen wollte; die zwei anderen hatten aber nichts anders im Sinn, als ihm draußen sein Geld abzunehmen. Wie sie nun ein Stück Wegs fortgegangen waren, sagten die zwei 'wir müssen uns da rechts einschlagen, wenn wir an die Grenze kommen wollen.' 'Nein,' antwortete er, 'da geht_es gerade wieder in die Stadt zurück, links müssen wir uns halten.' 'Was, du willst dich mausig machen?' riefen die zwei, drangen auf ihn ein, schlugen ihn bis er niederfiel, und nahmen ihm sein Geld aus den Taschen; das war aber noch nicht genug, sie stachen ihm die Augen aus, schleppten ihn zum Galgen, und banden ihn daran fest. Da ließen sie ihn, und gingen mit dem gestohlenen Geld in die Stadt zurück. Der arme Blinde wußte nicht an welchem schlechten Ort er war, fühlte um sich, und merkte daß er unter einem Balken Holz saß. Da meinte er es wäre ein Kreuz, sprach 'es ist doch gut von ihnen, daß sie mich wenigstens unter ein Kreuz gebunden haben, Gott ist bei mir,' und fing an recht zu Gott zu beten. Wie es ungefähr Nacht werden mochte, hörte er etwas flattern; das waren aber drei Krähen, die ließen sich auf dem Balken nieder. Danach hörte er wie eine sprach 'Schwester, was bringt ihr Gutes?
ja, wenn die Menschen wüßten, was wir wissen! die Königstochter ist krank, und der alte König hat sie demjenigen versprochen, der sie heilt; das kann aber keiner, denn sie wird nur gesund, wenn die Kröte in dem Teich dort zu Asche verbrannt wird, und sie die Asche mit Wasser trinkt.' Da sprach die zweite 'ja, wenn die Menschen wüßten, was wir wissen! heute Nacht fällt ein Tau vom Himmel, so wunderbar und heilsam, wer blind ist, und bestreicht seine Augen damit, der erhält sein Gesicht wieder.' Da sprach auch die dritte 'ja, wenn die Menschen wüßten, was wir wissen! Die Kröte hilft nur einem, und der Tau hilft nur wenigen, aber in der Stadt ist große Not, da sind alle Brunnen vertrocknet, und niemand weiß daß der große viereckige Stein auf dem Markt muß weggenommen und darunter gegraben werden, dort quellt das schönste Wasser.' Wie die drei Krähen das gesagt hatten, hörte er es wieder flattern, und sie flogen da fort. Er machte sich allmählich von seinen Banden los, und dann bückte er sich, und brach ein paar Gräserchen ab, und bestrich seine Augen mit dem Tau, der darauf gefallen war. Alsbald wurde er wieder sehend, und waren Mond und Sterne am Himmel, und sah er daß er neben dem Galgen stand. Danach suchte er Scherben, und sammelte von dem köstlichen Tau, so viel er zusammen bringen konnte, und wie das geschehen war, ging er zum Teich, grub das Wasser davon ab, holte die Kröte heraus, und verbrannte sie zu Asche. Mit der Asche ging er an des Königs Hof, und ließ die Königstochter davon einnehmen, und als sie gesund war, verlangte er sie, wie es versprochen war, zur Gemahlin. Dem König aber gefiel er nicht, weil er so schlechte Kleider an hatte, und er sprach wer seine Tochter haben wollte, der müßte der Stadt erst Wasser verschaffen, und hoffte ihn damit los zu werden. Er aber ging hin, hieß die Leute den viereckigen Stein auf dem Markt wegheben, und darunter nach Wasser graben. Kaum hatten sie angefangen zu graben, so kamen sie schon zu einer Quelle, aus der ein mächtiger Wasserstrahl hervor sprang. Der König konnte ihm nun seine Tochter nicht länger verweigern, er wurde mit ihr vermählt, und lebten sie in einer vergnügten Ehe. Auf eine Zeit, als er durchs Feld spazieren ging, begegneten ihm seine beiden ehemaligen Kameraden, die so treulos an ihm gehandelt hatten. Sie kannten ihn nicht, er aber erkannte sie gleich, ging auf sie zu und sprach 'seht, das ist euer ehemaliger Kamerad, dem ihr so schändlich die Augen ausgestochen habt, aber der liebe Gott hat mir es zum Glück gedeihen lassen.' Da fielen sie ihm zu Füßen, und baten um Gnade, und weil er ein gutes Herz hatte, erbarmte er sich ihrer, und nahm sie mit sich, gab ihnen auch Nahrung und Kleider. Er erzählte ihnen danach wie es ihm ergangen, und wie er zu diesen Ehren gekommen wäre. Als die zwei das vernahmen, hatten sie keine Ruhe, und wollten sich eine Nacht unter den Galgen setzen, ob sie vielleicht auch etwas Gutes hörten. Wie sie nun unter dem Galgen saßen, flatterte auch bald etwas über ihren Häuptern, und kamen die drei Krähen. Die eine sprach zur anderen 'hört, Schwestern, es muß uns jemand behorcht haben, denn die Königstochter ist gesund, die Kröte ist fort aus dem Teich, ein Blinder ist sehend geworden, und im der Stadt haben sie einen frischen Brunnen gegraben, kommt, laßt uns den Horcher suchen, und ihn bestrafen.' Da flatterten sie herab, und fanden die beiden, und ehe sich die helfen konnten, saßen ihnen die Raben auf den Köpfen, und hackten ihnen die Augen aus, und hackten weiter so lange ins Gesicht, bis sie ganz tot waren. Da blieben sie liegen unter dem Galgen. Als sie nun ein paar Tage nicht wieder kamen, dachte ihr ehemaliger Kamerad 'wo mögen die zwei herumirren,' und ging hinaus sie zu suchen. Da fand er aber nichts mehr, als ihre Gebeine, die trug er vom Galgen weg, und legte sie in ein Grab.
108. Hans mein Igel.
Es war ein reicher Bauer, der hatte mit seiner Frau keine Kinder; öfters, wenn er mit den anderen Bauern in die Stadt ging, spotteten sie, und fragten warum er keine Kinder hätte. Da wurde er einmal zornig, und als er nach Haus kam, sprach er 'ich will ein Kind haben, und sollte es ein Igel sein.' Da kriegte seine Frau ein Kind, das war oben ein Igel und unten ein Junge, und als sie das Kind sah, erschrak sie und sprach 'siehst du, du hast uns verwünscht.' Da sprach der Mann 'was kann das alles helfen, getauft muß der Junge werden, aber wir können keinen Gevatter dazu nehmen.' Die Frau sprach 'wir können ihn auch nicht anders taufen als Hans mein Igel.' Als er getauft war, sagte der Pfarrer 'der kann wegen seiner Stacheln in kein ordentlich Bett kommen.' Da wurde hinter dem Ofen ein wenig Stroh zurecht gemacht, und Hans mein Igel darauf gelegt. Er konnte auch an der Mutter nicht trinken, denn er hätte sie mit seinen Stacheln gestochen. So lag er da hinter dem Ofen acht Jahre, und sein Vater war ihn müde, und dachte wenn er nur stürbe; aber er starb nicht, sondern blieb da liegen. Nun trug es sich zu daß in der Stadt ein Markt war, und der Bauer wollte hin gehen, da fragte er seine Frau, was er ihr sollte mitbringen. 'Ein wenig Fleisch, und ein paar Wecke, was zum Haushalt gehört' sprach sie. Darauf fragte er die Magd, die wollte ein paar Toffeln und Zwickelstrümpfe; endlich sagte er auch 'Hans mein Igel, was willst du denn haben?' 'Väterchen,' sprach er, 'bringt mir doch einen Dudelsack mit.'
Wie nun der Bauer wieder nach Haus kam, gab er der Frau, was er ihr mitgebracht hatte, Fleisch und Wecke, dann gab er der Magd die Toffeln und die Zwickelstrümpfe, endlich ging er hinter den Ofen, und gab dem Hans mein Igel den Dudelsack. Und wie Hans mein Igel den hatte, sprach er 'Väterchen, geht doch vor die Schmiede, und laßt mir meinen Göckelhahn beschlagen, dann will ich fortreiten, und will nimmermehr wiederkommen.' Da war der Vater froh daß er ihn los werden sollte, und ließ ihm den Hahn beschlagen, und als er fertig war, setzte sich Hans mein Igel darauf, ritt fort, nahm auch Schweine und Esel mit, die wollt er draußen im Walde hüten. Im Wald aber mußte der Hahn mit ihm auf einen hohen Baum fliegen, da saß er, und hütete die Esel und Schweine, und saß lange Jahre bis die Herde ganz groß war, und wußte sein Vater nichts von ihm. Wenn er aber auf dem Baum saß, blies er seinen Dudelsack, und machte Musik, die war sehr schön. Einmal kam ein König vorbeigefahren, der hatte sich verirrt, und hörte die Musik; da verwunderte er sich darüber, und schickte seinen Bedienten hin, er sollte sich einmal umgucken wo die Musik herkäme. Der guckte sich um, sah aber nichts, als ein kleines Tier auf dem Baum oben sitzen, das war wie ein Göckelhahn, auf dem ein Igel saß, und machte die Musik. Da sprach der König zum Bedienten er sollte fragen, warum er da säße, und ob er nicht wüßte wo der Weg in sein Königreich ginge. Da stieg Hans mein Igel vom Baum, und sprach er wollte den Weg zeigen, wenn der König ihm wollte verschreiben und versprechen was ihm zuerst begegnete am königlichen Hofe, sobald er nach Haus käme. Da dachte der König, das kannst du leicht tun, Hans mein Igel versteht doch nicht, und kannst schreiben was du willst. Da nahm der König Feder und Tinte, und schrieb etwas auf, und als es geschehen war, zeigte Hans mein Igel ihm den Weg, und er kam glücklich nach Haus. Seine Tochter aber, wie sie ihn von weitem sah, war so voll Freuden, daß sie ihm entgegen ging, und ihn küßte. Da gedachte er an Hans mein Igel, und erzählte ihr wie es ihm gegangen wäre, und daß er einem wunderlichen Tier hätte verschreiben sollen was ihm daheim zuerst begegnen würde, und das Tier hätte auf einem Hahn wie auf einem Pferde gesessen und schöne Musik gemacht; er hätte aber geschrieben es sollte es nicht haben, denn Hans mein Igel könnt es doch nicht lesen. Darüber war die Prinzessin froh, und sagte das wäre gut, denn sie wäre doch nimmermehr hingegangen. Hans mein Igel aber hütete die Esel und Schweine, war immer lustig, saß auf dem Baum, und blies auf seinem Dudelsack. Nun geschah es, daß ein anderer König gefahren kam mit seinen Bedienten und Laufern, und hatte sich verirrt, und wußte nicht wieder nach Haus zu kommen, weil der Wald so groß war. Da hörte er gleichfalls die schöne Musik von weitem, und sprach zu seinem Laufer was das wohl wäre, er sollt einmal zusehen woher es käme. Da ging der Laufer hin unter den Baum, und sah den Göckelhahn sitzen, und Hans mein Igel oben drauf. Der Laufer fragte ihn was er da oben vorhätte. 'Jch hüte meine Esel und Schweine; was ist euer Begehren?' Der Laufer sagte sie hätten sich verirrt, und könnten nicht wieder ins Königreich, ob er ihnen den Weg nicht zeigen wollte. Da stieg Hans mein Igel mit dem Hahn vom Baum herunter, und sagte zu dem alten König er wollt ihm den Weg zeigen, wenn er ihm zu eigen geben wollte was ihm zu Haus vor seinem königlichen Schlosse das erste begegnen würde. Der König sagte ja, und unterschrieb sich dem Hans mein Igel, er sollte es haben. Als das geschehen war, ritt er auf dem Göckelhahn voraus, und zeigte ihm den Weg, und gelangte der König glücklich wieder in sein Reich. Wie er auf den Hof kam, war große Freude darüber. Nun hatte er eine einzige Tochter, die war sehr schön, die kam ihm entgegen, fiel ihm um den Hals, und küßte ihn, und freute sich daß ihr alter Vater wieder kam. Sie fragte ihn auch wo er so lange in der Welt gewesen wäre, da erzählte er ihr er hätte sich verirrt, und wäre beinahe gar nicht wieder gekommen, aber als er durch einen großen Wald gefahren wäre, hätte einer, halb wie ein Igel, halb wie ein Mensch, rittlings auf dem Hahn in einem hohen Baum gesessen, und schöne Musik gemacht, der hätte ihm fortgeholfen, und den Weg gezeigt, er aber hätte ihm dafür versprochen was ihm am königlichen Hofe zuerst begegnete, und das wäre sie, und das täte ihm nun so leid. Da versprach sie ihm aber sie wollte gerne mit ihm gehen wann er käme, ihrem alten Vater zu Liebe.
Hans mein Igel aber hütete seine Schweine, und die Schweine bekamen wieder Schweine, und wurden ihrer so viel, daß der ganze Wald voll war. Da wollte Hans mein Igel nicht länger im Walde leben, und ließ seinem Vater sagen sie sollten alle Ställe im Dorf räumen, denn er käme mit einer so großen Herde, daß jeder schlachten könnte, der nur schlachten wollte. Da war sein Vater betrübt, als er das hörte, denn er dachte Hans mein Igel wäre schon lange gestorben. Hans mein Igel aber setzte sich auf seinen Göckelhahn, trieb die Schweine vor sich her ins Dorf und ließ schlachten; hu! da war ein Gemetzel und ein Hacken, daß man es zwei Stunden weit hören konnte. Danach sagte Hans mein Igel 'Väterchen, laßt mir meinen Göckelhahn noch einmal vor der Schmiede beschlagen, dann reit ich fort, und komme mein Lebtag nicht wieder.' Da ließ der Vater den Göckelhahn beschlagen, und war froh daß Hans mein Igel nicht wieder kommen wollte. Hans mein Igel ritt fort in das erste Königreich, da hatte der König befohlen wenn einer käme auf einem Hahn geritten, und hätte einen Dudelsack bei sich, dann sollten alle auf ihn schießen, hauen und stechen, damit er nicht ins Schloß käme. Als nun Hans mein Igel daher geritten kam, drangen sie mit den Bajonetten auf ihn ein, er aber gab dem Hahn die Sporn, flog auf, über das Tor hin vor des Königs Fenster, setzte sich da und rief ihm zu er sollt ihm geben, was er versprochen hätte, sonst so wollt er ihm und seiner Tochter das Leben nehmen. Da gab der König seiner Tochter gute Worte, sie möchte zu ihm hinaus gehen, damit sie ihm und sich das Leben rettete. Da zog sie sich weiß an, und ihr Vater gab ihr einen Wagen mit sechs Pferden und herrliche Bedienten, Geld und Gut. Sie setzte sich ein, und Hans mein Igel mit seinem Hahn und Dudelsack neben sie, dann nahmen sie Abschied, und zogen fort, und der König dachte er kriegte sie nicht wieder zu sehen. Es ging aber anders als er dachte, denn als sie ein Stück Wegs von der Stadt waren, da zog ihr Hans mein Igel die schönen Kleider aus, und stach sie mit seiner Igelhaut bis sie ganz blutig war, sagte 'das ist der Lohn für eure Falschheit, gehe hin, ich will dich nicht,' und jagte sie damit nach Haus, und war sie beschimpft ihr Lebtag. Hans mein Igel aber ritt weiter auf seinem Göckelhahn und mit seinem Dudelsack nach dem zweiten Königreich, wo er dem König auch den Weg gezeigt hatte. Der aber hatte bestellt, wenn einer käme, wie Hans mein Igel, sollten sie das Gewehr vor ihm präsentieren, ihn frei hereinführen, Vivat rufen, und ihn ins königliche Schloß bringen. Wie ihn nun die Königstochter sah, war sie erschrocken, weil er doch gar zu wunderlich aussah, sie dachte aber es wäre nicht anders, sie hätte es ihrem Vater versprochen. Da wurde Hans mein Igel von ihr bewillkommt, und wurde mit ihr vermählt, und er mußte mit an die königliche Tafel gehen, und sie setzte sich zu seiner Seite, und sie aßen und tranken. Wies nun Abend wurde, daß sie wollten schlafen gehen, da fürchtete sie sich sehr vor seinen Stacheln, er aber sprach, sie sollte sich nicht fürchten, es geschähe ihr kein Leid, und sagte zu dem alten König, er sollte vier Mann bestellen, die sollten wachen vor der Kammertüre, und ein großes Feuer anmachen, und wann er in die Kammer eingienge, und sich ins Bett legen wollte, würde er aus seiner Igelshaut herauskriechen, und sie vor dem Bett liegen lassen; dann sollten die Männer hurtig herbeispringen und sie ins Feuer werfen, auch dabei bleiben, bis sie vom Feuer verzehrt wäre. Wie die Glocke nun elf schlug, da ging er in die Kammer, und streifte die Igelshaut ab, und ließ sie vor dem Bett liegen, da kamen die Männer, und holten sie geschwind, und warfen sie ins Feuer; und als sie das Feuer verzehrt hatte, da war er erlöst, und lag da im Bett ganz als ein Mensch gestaltet, aber er war kohlschwarz wie gebrannt. Der König schickte zu seinem Arzt, der wusch ihn mit guten Salben, und balsamierte ihn, da wurde er weiß, und war ein schöner junger Herr. Wie das die Königstochter sah, war sie froh, und am anderen Morgen stiegen sie mit Freuden auf, aßen und tranken, und wurde die Vermählung erst recht gefeiert, und Hans mein Igel bekam das Königreich von dem alten König. Wie etliche Jahre herum waren, fuhr er mit seiner Gemahlin zu seinem Vater, und sagte er wäre sein Sohn; der Vater aber sprach er hätte keinen, er hätte nur einen gehabt, der wäre aber wie ein Igel mit Stacheln geboren worden, und wäre in die Welt gegangen. Da gab er sich zu erkennen, und der alte Vater freute sich, und ging mit ihm in sein Königreich. Mein Märchen ist aus, und geht vor Gustchen sein Haus.
109. Das Totenhemdchen.
Es hatte eine Mutter ein Büblein von sieben Jahren, das war so schön und lieblich, daß es niemand ansehen konnte ohne ihm gut zu sein, und sie hatte es auch lieber als alles auf der Welt. Nun geschah es, daß es plötzlich krank wurde, und der liebe Gott es zu sich nahm; darüber konnte sich die Mutter nicht trösten, und weinte Tag und Nacht. Bald darauf aber, nachdem es begraben war, zeigte sich das Kind Nachts an den Plätzen, wo es sonst im Leben gesessen und gespielt hatte; weinte die Mutter, so weinte es auch, und wenn der Morgen kam, war es verschwunden. Als aber die Mutter gar nicht aufhören wollte zu weinen, kam es in einer Nacht mit seinem weißen Totenhemdchen, in welchem es in den Sarg gelegt war, und mit dem Kränzchen auf dem Kopf, setzte sich zu ihren Füßen auf das Bett, und sprach 'ach Mutter, höre doch auf zu weinen, sonst kann ich in meinem Sarge nicht einschlafen, denn mein Totenhemdchen wird nicht trocken von deinen Tränen, die alle darauf fallen'. Da erschrak die Mutter, als sie das hörte, und weinte nicht mehr. Und in der anderen Nacht kam das Kindchen wieder, hielt in der Hand ein Lichtchen, und sagte 'siehst du, nun ist mein Hemdchen bald trocken, und ich habe Ruhe in meinem Grab.' Da befahl die Mutter dem lieben Gott ihr Leid, und ertrug es still und geduldig, und das Kind kam nicht wieder, sondern schlief in seinem unterirdischen Bettchen.
110. Der Jude im Dorn.
Es war einmal ein reicher Mann, der hatte einen Knecht, der diente ihm fleißig und redlich, war alle Morgen der erste aus dem Bett, und Abends der letzte hinein, und wenn es eine saure Arbeit gab, wo keiner anpacken wollte, so stellte er sich immer zuerst daran. Dabei klagte er nicht, sondern war mit allem zufrieden, und immer guter Dinge. Als sein Jahr herum war, gab ihm der Herr keinen Lohn, und dachte 'das ist das gescheitste, so spare ich etwas, und er geht mir nicht weg, sondern bleibt hübsch im Dienst.' Der Knecht schwieg auch still, tat das zweite Jahr wie das erste seine Arbeit, und als er am Ende desselben abermals keinen Lohn bekam, ließ er sich es gefallen, und blieb noch länger. Als endlich das dritte Jahr herum war, bedachte sich der Herr, griff in die Tasche, holte aber nichts heraus. Da fing der Knecht endlich an und sprach 'Herr, ich habe euch drei Jahre ehrlich gedient, seid so gut und gebt mir was mir von Rechtswegen zukommt: ich wollte fort und mich gerne weiter in der Welt umsehen.' Da antwortete der Geizhals 'ja, mein lieber Knecht, du hast mir unverdrossen gedient, dafür sollst du mildiglich belohnet werden, griff abermals in die Tasche, und zählte dem Knecht drei Heller einzeln auf, 'da hast du für jedes Jahr einen Heller, das ist ein großer und reichlicher Lohn, wie du ihn bei wenigen Herrn empfangen hättest.' Der gute Knecht, der vom Geld wenig verstand, strich sein Kapital ein, und dachte 'nun hast du vollauf in der Tasche, was willst du sorgen, und dich mit schwerer Arbeit länger plagen.' Da zog er fort, bergauf, bergab, sang und sprang nach Herzenslust. Nun trug es sich zu, als er an ein Buschwerk vorüber kam, daß ein kleines Männchen hervortrat, und ihn anrief 'wo hinaus, Bruder Lustig? ich sehe, du trägst nicht schwer an deinen Sorgen.' 'Was soll ich traurig sein,' antwortete der Knecht, 'ich habe vollauf, der Lohn von drei Jahren klingelt in meiner Tasche.' 'Wie viel ist denn deines Schatzes?' fragte ihn das Männchen. 'Wie viel? drei bare Heller, richtig gezählt.' 'Hör,' sagte der Zwerg, 'ich bin ein armer bedürftiger Mann, schenke mir deine drei Heller, ich kann nichts mehr arbeiten, du aber bist jung, und kannst dir dein Brot leicht verdienen.' Und weil der Knecht ein gutes Herz hatte, und Mitleid mit dem Männchen fühlte, so reichte er ihm seine drei Heller, und sprach 'in Gottes Namen, es wird mir doch nicht fehlen.' Da sprach das Männchen 'weil ich dein gutes Herz sehe, so gewähre ich dir drei Wünsche, für jeden Heller einen, die sollen dir in Erfüllung gehen.' 'Aha,' sprach der Knecht, 'du bist einer, der blau pfeifen kann: wohlan, wenn es doch sein soll, so wünsche ich mir erstlich ein Vogelrohr, das alles trifft, wonach ich ziele; zweitens eine Fidel, wenn ich darauf streiche, so muß alles tanzen, was den Klang hört; und drittens, wenn ich an jemand eine Bitte tue, so darf er sie nicht abschlagen.' 'Das sollst du alles haben sprach das Männchen, griff in den Busch, und, denke einer, da lag schon Fidel und Vogelrohr in Bereitschaft, als wenn sie bestellt wären. Er gab sie dem Knecht, und sprach 'was du dir immer erbitten wirst, kein Mensch auf der Welt soll dir es abschlagen.' 'Herz, was begehrst du nun?' sprach der Knecht zu sich selber, und zog lustig weiter. Bald darauf begegnete er einem Juden mit einem langen Ziegenbart, der stand und horchte auf den Gesang eines Vogels, der hoch oben in der Spitze eines Baumes saß. 'Gottes Wunder!' rief er aus, 'so ein kleines Tier hat so eine grausam mächtige Stimme! wenn es doch mein wäre! wer ihm doch Salz auf den Schwanz streuen könnte!' 'Wenn es weiter nichts ist,' sprach der Knecht, 'der Vogel soll bald herunter sein,' legte an, und traf aufs Haar, und der Vogel fiel herab in die Dornhecken. 'Gehe, Spitzbub,' sagte er zum Juden, 'und hole dir den Vogel heraus.'
'Mein,' sprach der Jude, 'laßt den Bub weg, so kommt ein Hund gelaufen; ich will mir den Vogel auflesen, weil ihr ihn doch einmal getroffen habt,' legte sich auf die Erde, und fing an sich in den Busch hinein zu arbeiten. Wie er nun mitten in dem Dorn steckte, plagte der Mutwille den guten Knecht, daß er seine Fidel abnahm, und anfing zu geigen. Gleich fing auch der Jude an die Beine zu heben, und in die Höhe zu springen: und je mehr der Knecht strich, desto besser ging der Tanz. Aber die Dornen zerrissen ihm den schäbigen Rock, kämmten ihm den Ziegenbart, und stachen und zwickten ihn am ganzen Leib. 'Mein,' rief der Jude, 'was soll mir das Geigen! laß der Herr das Geigen, ich begehre nicht zu tanzen.' Aber der Knecht hörte nicht darauf, und dachte 'du hast die Leute genug geschunden, nun soll dir_es die Dornhecke nicht besser machen,' und fing von neuem an zu geigen, daß der Jude immer höher aufspringen mußte, und die Fetzen von seinem Rock an den Stacheln hängen blieben. 'Au weih geschrien!' rief der Jude, 'geb ich doch dem Herrn, was er verlangt, wenn er nur das Geigen läßt, einen ganzen Beutel mit Gold.' 'Wenn du so spendabel bist,' sprach der Knecht, 'so will ich wohl mit meiner Musik aufhören, aber das muß ich dir nachrühmen, du machst deinen Tanz noch mit, daß es eine Art hat;' nahm darauf den Beutel, und ging seiner Wege. Der Jude blieb stehen, und sah ihm nach, und war still bis der Knecht weit weg und ihm ganz aus den Augen war, dann schrie er aus Leibeskräften, 'du miserabler Musikant, du Bierfiedler: wart, wenn ich dich allein erwische! ich will dich jagen, daß du die Schuhsohlen verlieren sollst: du Lump, steck einen Groschen ins Maul, daß du sechs Heller wert bist,' und schimpfte weiter was er nur los bringen konnte. Und als er sich damit etwas zu Gute getan und Luft gemacht hatte, lief er in die Stadt zum Richter. 'Herr Richter, au weih geschrien! ich bin auf offener Landstraße beraubt und übel zugerichtet worden von einem gottlosen Menschen, ein Stein auf dem Erdboden möchte sich erbarmen: die Kleider zerfetzt! der Leib zerstochen und zerkratzt! und das Gold mit dem Beutel genommen! lauter Dukaten, ein Stück schöner als das andere: um Gotteswillen, laßt den Menschen ins Gefängnis werfen.' Sprache der Richter 'war_es ein Soldat, der dich mit seinem Säbel so zugerichtet hat?' 'Gott bewahre!' sagte der Jude, 'einen nackten Degen hat er nicht gehabt, aber ein Rohr hat er gehabt auf dem Buckel hängen, und eine Geige am Hals; daran ist er leicht zu erkennen.' Der Richter schickte seine Leute nach ihm aus, die fanden den guten Knecht, der ganz langsam weiter gezogen war, und fanden auch den Beutel mit Gold bei ihm. Als er vor Gericht gestellt wurde, sagte er 'ich habe den Juden nicht angerührt, und ihm das Geld nicht genommen, er hat mir_es aus freien Stücken angeboten, damit ich nur aufhörte zu geigen, weil er meine Musik nicht vertragen konnte.' 'Gott bewahre!' schrie der Jude, 'er greift die Lügen, wie Fliegen an der Wand.' Aber der Richter glaubte es auch nicht, und sprach 'das ist eine schlechte Entschuldigung, das tut kein Jude,' und verurteilte den guten Knecht, weil er auf offener Straße einen Raub begangen hätte, zum Galgen. Als er aber abgeführt wurde, schrie ihm noch der Jude zu 'du Bärenhäuter, du Hundemusikant, jetzt kriegst du deinen wohlverdienten Lohn.' Der Knecht stieg ganz ruhig mit dem Henker die Leiter hinauf, auf der letzten Sprosse aber drehte er sich um, und sprach zum Richter 'gewährt mir noch eine Bitte, ehe ich sterbe.' 'Ja,' sprach der Richter, 'wenn du nicht um dein Leben bittest.' 'Nicht ums Leben,' antwortete der Knecht, 'ich bitte, laßt mich zu guter Letzt noch einmal auf meiner Geige spielen.' Der Jude erhob ein Zetergeschrei, 'um Gotteswillen, erlaubt nicht, erlaubt nicht.' Allein der Richter sprach 'warum soll ich ihm die kurze Freude nicht gönnen: es ist ihm zugestanden, und dabei soll es sein Bewenden haben.' Auch konnte er es ihm nicht abschlagen, wegen der Gabe, die dem Knecht verliehen war. Der Jude aber rief 'au weih! au weih! bindet mich an, bindet mich fest.' Da nahm der gute Knecht seine Geige vom Hals, legte sie zurecht, und wie er den ersten Strich tat, fing alles an zu wabern und zu wanken, der Richter, die Schreiber, und die Gerichtsdiener, und dem, welcher den Juden festbinden wollte, fiel der Strick aus der Hand; beim zweiten Strich hoben alle die Beine, und der Henker ließ den guten Knecht los, und machte sich zum Tanze fertig; bei dem dritten Strich sprang alles in die Höhe, und fing an zu tanzen, und der Richter und der Jude waren vorne, und sprangen am besten. Bald tanzte alles mit, was auf den Markt aus Neugierde herbei gekommen war, alte und junge, dicke und magere Leute untereinander: sogar die Hunde, die mitgelaufen waren, setzten sich auf die Hinterfüße, und hüpften mit. Und je länger er spielte, desto höher sprangen die Tänzer, daß sie sich einander an die Köpfe stießen, und anfingen jämmerlich zu schreien. Endlich rief der Richter ganz außer Atem, 'ich schenke dir dein Leben, höre nur auf zu geigen.' Der gute Knecht ließ sich bewegen, setzte die Geige ab, hing sie wieder um den Hals, und stieg die Leiter herab. Da trat er zu dem Juden, der auf der Erde lag und nach Atem schnappte, und sagte 'Spitzbube, jetzt gestehe wo du das Geld her hast, oder ich nehme meine Geige vom Hals, und fange wieder an zu spielen.' 'Ich habe_es gestohlen, ich habe_es gestohlen,' schrie er, 'du aber hasts redlich verdient.' Da ließ der Richter den Juden zum Galgen führen, und als einen Dieb aufhängen.
111. Der gelernte Jäger.
Es war einmal ein junger Bursch, der hatte die Schlosserhantierung gelernt, und sprach zu seinem Vater er müßte in die Welt gehen, und sich versuchen. 'Ja,' sagte der Vater, 'das bin ich zufrieden,' und gab ihm etwas Geld auf die Reise. Also zog er herum, und suchte Arbeit. Auf eine Zeit, da wollt ihm das Schlosserwerk nicht mehr folgen, und stand ihm auch nicht mehr an, aber er kriegte Lust zur Jägerei. Da begegnete ihm auf der Wanderschaft ein Jäger in grünem Kleide, der fragte wo er her käme, und wo er hin wollte? Er wäre ein Schlossergesell, sagte der Bursch, aber das Handwerk gefiele ihm nicht mehr, und hätte Lust zur Jägerei, ob er sie ihm lehren wollte. 'O ja, wenn du mit mir gehen willst.' Da ging der junge Bursch mit, und vermietete sich etliche Jahre bei ihm, und lernte die Jägerei. Danach wollt er sich weiter versuchen, und der Jäger gab ihm nichts zum Lohn als eine Windbüchse, die hatte aber die Eigenschaft, wenn er damit einen Schuß tat, so traf er unfehlbar. Da ging er nun fort, und kam in einen sehr großen Wald, von dem konnte er in einem Tag das Ende nicht finden. Wies Abend war, setzte er sich auf einen hohen Baum, damit er aus den wilden Tieren käme. Gegen Mitternacht zu, dünkte ihn, schimmerte ein kleines Lichtchen von weitem, da sah er durch die Äste darauf hin, und behielt in acht wo es war. Doch nahm er erst noch seinen Hut, und warf ihn nach dem Licht zu herunter, daß er danach gehen wollte, wann er herabgestiegen wäre, als nach einem Zeichen. Nun kletterte er herunter, ging auf seinen Hut los, setzte ihn wieder auf, und zog gerades Wegs fort. Je weiter er ging, je größer wurde das Licht, und wie er nahe dabei kam, sah er daß es ein gewaltiges Feuer war, und saßen drei Riesen dabei, und hatten einen Ochsen am Spieß, und ließen ihn braten. Nun sprach der eine 'ich muß doch schmecken ob das Fleisch bald gar ist,' riß ein Stück herab, und wollt es eben in den Mund stecken, indem schoß es ihm der Jäger aus der Hand. 'Nun ja,' sprach der Riese, 'da weht mir der Wind das Stück aus der Hand,' und nahm sich ein anderes. Wie er eben anbeißen wollte, schoß es ihm der Jäger abermals weg; da gab der Riese dem, der neben ihm saß, eine Ohrfeige, und rief zornig 'was reißt du mir mein Stück weg?' 'Ich habe es dir nicht weggerissen,' sprach der andere 'es wird dir_es ein Scharfschütz weggeschossen haben.' Der Riese nahm sich das dritte Stück, er konnte es aber nicht in der Hand behalten, der Jäger schoß es ihm heraus. Da sprachen die Riesen 'das muß ein guter Schütze sein, der den Bissen vor dem Maul wegschießen kann, so einer wäre uns nützlich,' und riefen laut 'komm herbei, du Scharfschütze, setze dich ans Feuer, und esse dich satt, wir wollen dir nichts tun; aber kommst du nicht, und wir holen dich mit Gewalt, so bist du verloren.' Da trat der Bursch herzu, und sagte er wäre ein gelernter Jäger, und wonach er mit seiner Büchse ziele, das treffe er auch sicher und gewiß. Da sprachen sie wenn er mit ihnen gehen wollte, sollte er_es gut haben, und erzählten ihm vor dem Wald sei ein großes Wasser, dahinter stände ein Turm, und in dem Turm säße eine schöne Königstochter, die wollten sie gern rauben. 'Ja,' sprach er, 'die will ich bald geschafft haben.' Sagten sie weiter 'es ist aber noch etwas dabei, es liegt ein kleines Hündchen dort, das fängt gleich an zu bellen, wann sich jemand nähert, und sobald das bellt, wacht auch alles am königlichen Hofe auf, und deshalb können wir nicht hinein kommen; unterstehst du dich, das Hündchen tot zu schießen?' 'Ja,' sprach er, 'das ist mir ein kleiner Spaß.' Danach setzte er sich auf ein Schiff, und fuhr über das Wasser, und wie er bald beim Land war, kam das Hündlein gelaufen, und wollte bellen, aber er kriegte seine Windbüchse, und schoß es tot. Wie die Riesen das sahen, freuten sie sich, und meinten sie hätten die Königstochter schon gewiß, er sprach aber zu ihnen sie sollten haußen bleiben bis er sie riefe. Da ging er in das Schloß, und es war mäuschenstill, und schlief alles; wie er das erste Zimmer aufmachte, hing da ein Säbel an der Wand, der war von purem Silber, und ein goldener Stern darauf und des Königs Name; daneben aber stand ein Tisch, und auf dem Tisch lag ein versiegelter Brief, den brach er auf, und stand darin wer den Säbel hätte, könnte alles ums Leben bringen, was ihm vorkäme.
Da nahm er den Säbel von der Wand, hing ihn um, und ging weiter, da kam er in das Zimmer, wo die Königstochter lag, und schlief, und sie war so schön, daß er still stand und sie betrachtete, und den Atem anhielt. Wie er sich weiter umschaute, da standen unter dem Bett ein paar Pantoffeln, auf dem rechten stand ihres Vaters Name mit einem Stern, und auf dem linken ihr Name mit einem Stern. Sie hatte auch ein großes Halstuch um, von Seide mit Gold ausgestickt, auf der rechten Seite ihres Vaters Name, auf der linken ihr Name, alles mit goldenen Buchstaben. Da nahm der Jäger eine Schere und schnitt den rechten Schlippen ab, und tat ihn in seinen Ranzen, und dann nahm er auch den rechten Pantoffel mit des Königs Namen, und steckte ihn hinein. Nun lag die Jungfrau noch immer und schlief, und sie war ganz in ihr Hemd eingenäht, da schnitt er auch ein Stückchen von dem Hemd ab, und steckte es zu dem anderen, doch tat er das alles, ohne sie anzurühren. Dann ging er fort, und ließ sie ungestört schlafen, und als er wieder ans Tor kam, standen da die Riesen noch draußen, warteten auf ihn, und dachten er würde die Königstochter bringen. Er rief ihnen aber zu sie sollten auch herein kommen, die Jungfrau wäre schon in seiner Gewalt; die Türe könnte er ihnen aber nicht aufmachen, da war ein Loch, durch welches sie kriechen müßten. Nun kam der erste näher, da wickelte der Jäger des Riesen Haar um seine Hand, zog den Kopf herein, und hieb ihn mit seinem Säbel in einem Streiche ab, und tut (zog) ihn dann vollends herein. Dann rief er den zweiten, und hieb ihm gleichfalls das Haupt ab, und endlich auch dem dritten, und war froh daß er die schöne Jungfrau von ihren Feinden befreit hatte, und schnitt ihnen die Zungen aus, und steckte sie in seinen Ranzen. Da dachte er 'ich will heim gehen zu meinem Vater, und ihm zeigen was ich schon getan habe, dann will ich in der Welt herum ziehen; das Glück, das mir Gott bescheren will, wird mich schon erreichen.' Der König in dem Schloß aber, als er aufwachte, sah drei Riesen da tot liegen; ging in die Schlafkammer seiner Tochter, weckte sie auf, und fragte wer das wohl gewesen wäre, der die Riesen ums Leben gebracht hätte. Da sagte sie 'lieber Vater, ich weiß es nicht, ich habe geschlafen.' Wie sie nun aufstand, und ihre Pantoffeln anziehen wollte, da war der rechte weg, und wie sie ihr Halstuch betrachtete, war es durchschnitten, und fehlte der rechte Schlippen, und wie sie ihr Hemd ansah, war ein Stückchen heraus. Der König ließ den ganzen Hof zusammen kommen, Soldaten und alles, was da war, und fragte wer seine Tochter befreit, und die Riesen ums Leben gebracht hätte? Nun hatte er einen Hauptmann, der war einäugig und ein häßlicher Mensch, der sagte er hätte es getan. Da sprach der alte König so er das vollbracht hätte, sollte er seine Tochter auch heiraten. Die Jungfrau aber sagte 'lieber Vater, dafür, daß ich den heiraten soll, will ich lieber in die Welt gehen, so weit als mich meine Beine tragen.' Da sprach der König wenn sie den nicht heiraten wollte, sollte sie die königlichen Kleider ausziehen, und Bauernkleider antun, und fortgehen; und sie sollte zu einem Töpfer gehen, und einen irden Geschirr Handel anfangen. Da tat sie ihre königlichen Kleider aus, und ging zu einem Töpfer, und borgte sich einen Kram irden Werk; versprach ihm auch, wenn sie_es am Abend verkauft hätte, wollte sie es bezahlen. Nun sagte der König sie sollte sich an eine Ecke damit setzen, und es verkaufen, dann bestellte er etliche Bauerwagen, die sollten mitten durchfahren daß alles in tausend Stücke ginge. Wie nun die Königstochter ihren Kram auf die Straße hingestellt hatte, kamen die Wagen, und zerbrachen ihn zu lauter Scherben; sie fing an zu weinen, und sprach 'ach Gott, wie will ich nun dem Töpfer bezahlen.' Der König aber hatte sie damit zwingen wollen den Hauptmann zu heiraten, statt dessen ging sie wieder zum Töpfer, und fragte ihn ob er ihr noch einmal borgen wollte. Er antwortete nein, sie sollte erst das Vorige bezahlen. Da ging sie zu ihrem Vater, schrie und jammerte, und sagte sie wollte in die Welt hineingehen. Da sprach er sie sollte hingehen in den Wald, da wollt er ihr ein Häuschen bauen, darin sollte sie ihr Lebtag sitzen, und für jedermann kochen, dürfte aber kein Geld nehmen. Also ließ er ihr ein Häuschen im Wald bauen, und vor die Türe hing ein Schild, darauf stand geschrieben 'heute umsonst, morgen für Geld.' Da saß sie lange Zeit, und sprach es sich in der Welt herum, da säße eine Jungfrau, die kochte umsonst, und das stände vor der Türe an einem Schild. Das hörte auch der Jäger und dachte 'das wäre etwas für dich, du bist doch arm, und hast kein Geld;' nahm also seine Windbüchse und seinen Ranzen, worin noch alles steckte, was er damals im Schloß als Wahrzeichen hineingetan hatte, und ging in den Wald, und fand auch das Häuschen mit dem Schild 'heute umsonst, morgen für Geld.' Er hatte aber den Degen umhängen, womit er den drei Riesen den Kopf abgehauen hatte, trat so in das Häuschen hinein, und ließ sich etwas zu essen geben. Er freute sich über das schöne Mädchen, es war aber auch bildschön. Sie fragte wo er her käme und hin wollte, da sagte er 'ich reise in der Welt herum.' Da fragte sie ihn wo er den Degen her hätte, da stände ja ihres Vaters Name darauf.' Fragte er ob sie des Königs Tochter wäre? 'Ja,' antwortete sie. 'Mit diesem Säbel,' sprach er, 'habe ich drei Riesen den Kopf abgehauen,' und holte zum Zeichen ihre Zungen aus dem Ranzen, dann zeigte er ihr auch den Pantoffel, den Schlippen vom Halstuch, und das Stück vom Hemd. Da war sie voller Freude, und sagte er wäre derjenige, der sie erlöst hätte. Darauf gingen sie zusammen zum alten König, und sie führte ihn in ihre Kammer, und sagte ihm der Jäger wäre der rechte, der sie von den Riesen erlöst hätte. Und wie der alte König die Wahrzeichen alle sah, da konnte er nicht mehr zweifeln, und sagte das wäre ihm lieb, und er sollte sie nun auch zur Gemahlin haben; darüber war die Jungfrau von Herzen froh. Darauf kleideten sie ihn, als wenn er ein fremder Herr wäre, und der König ließ ein Gastmahl anstellen. Als sie nun zu Tisch gingen, kam der Hauptmann auf die linke Seite der Königstochter, der Jäger aber auf die rechte, und der Hauptmann meinte das wäre ein fremder Herr, und wäre zum Besuch gekommen. Wie sie gegessen und getrunken hatten, sprach der alte König zum Hauptmann er wollte ihm etwas aufgeben, das sollt er erraten: wenn einer spräche, er hätte drei Riesen ums Leben gebracht, und er gefragt würde, wo die Zungen der Riesen wären, und er müßte zusehen, und wären keine in ihren Köpfen, wie das zugige? Da sagte der Hauptmann 'sie werden keine gehabt haben.' 'Ei,' sagte der König, 'jedes Getier hat eine Zunge,' und fragte weiter was der wert wäre, daß ihm widerführe? Da sprach der Hauptmann 'der gehört in Stücken zerrissen zu werden.' Da sagte der König er hätte sich selber sein Urteil gesprochen, und wurde der Hauptmann gefänglich gesetzt, und dann in vier Stücke zerrissen, die Königstochter aber mit dem Jäger vermählt, der holte seinen Vater und seine Mutter, und die lebten in Freude bei ihrem Sohn, und nach des alten Königs Tod bekam er das Reich.
112. Der Dreschflegel vom Himmel.
Es zog einmal ein Bauer mit einem Paar Ochsen zum Pflügen aus, als er aufs Land kam, da fingen den beiden Tieren die Hörner an zu wachsen, wuchsen fort, und als er nach Haus wollte, waren sie so groß, daß er nicht mit zum Tor hinein konnte. Zu gutem Glück kam gerade ein Metzger daher, dem überließ er sie, und schlossen sie den Handel dergestalt, daß er sollte dem Metzger ein Maß Rübsamen bringen, der wollt ihm dann für jedes Korn einen Brabanter Taler aufzählen. Das heiß ich mir gut verkauft! Der Bauer ging nun heim, und trug das Maß Rübsamen auf dem Rücken herbei; unterwegs verlor er aber aus dem Sack ein Körnchen. Der Metzger bezahlte ihn dem Handel gemäß richtig aus; hätte der Bauer das eine Korn nicht verloren, so hätte er einen Brabanter Taler mehr gehabt. Indessen, wie er wieder des Wegs zurück kam, war aus dem Korn ein Baum gewachsen, der reichte bis an den Himmel. Da dachte der Bauer 'weil die Gelegenheit da ist, mußt du doch sehen, was die Engel da droben machen, und ihnen einmal unter die Augen gucken.' Also stieg er hinauf, und sah daß die Engel oben Hafer draschen, und schaute das mit an; wie er so schaute, merkte er, daß der Baum, worauf er stand, anfing zu wackeln, und guckte hinunter, und sah daß ihn eben einer umhauen wollte. 'Wenn du da herab stürztest, das wäre ein böses Ding' dachte er, und in der Not wußte er sich nicht besser zu helfen, als daß er die Spreu vom Hafer nahm, die haufenweise da lag, und daraus einen Strick drehte, auch griff er nach einer Hacke und einem Dreschflegel, die da herum im Himmel lagen, und ließ sich an dem Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde gerade in ein tiefes tiefes Loch, und da war es ein rechtes Glück, daß er die Hacke hatte, denn er nahm sie, und hackte sich eine Treppe, stieg darauf in die Höhe, und brachte den Dreschflegel zum Wahrzeichen mit, so daß niemand an seiner Erzählung mehr zweifeln konnte.
113. De beiden Königskinder.
Et was mol en König Weste, de hatte en kleinen Jungen kregen, in den sin Teiken (Zeichen) hatte stehen, he soll von einen Hirsch umgebracht wären, wenn he sestein Jahr alt wäre. Ase he nun so mit anewassen was, da gingen de Jägers mol mit ünne up de Jagd. In den Holte, da kommt de Königssohn bie de anneren denn (von den anderen weg), up einmal süht he da ein grooten Hirsch, den will he scheiten, he kunn en awerst nig dreppen; up't lest is de Hirsch so lange für ünne heraus laupen, bis gans ut den Holte, da steiht da up einmal so ein großes lank Mann stad des Hirsches, de segd 'nun das is gut, das ik dick hewe; ik hewe schön sess paar gleserne Schlitschau hinner die caput jaget, un hewe dick nig kriegen könnt.' Da nimmt he ün mit sich, un schlippet em Dur ein großes Water bis für en großes Königsschloss, da Mut he mit an'n Disk, un essen was.
Ase se zusammen was geeten hat, segd de König 'ik hewe drei Töchter, bie der ölesten mußt du en Nacht waken, von des Abends niegen Uhr bis Morgen sesse, un ik komme jedesmal, wenn de Glocke schlätt, sülwens, un rope, un wenn du mie dann keine Antwort gifst, so wirst du Morgen umgebracht, wenn du awerst mie immer Antwort gibst, so sollst du se Tor Frugge hewen.' Ase da die jungen Lude up de Schlopkammer kämen, da stand der en steinernen Christoffel, da segd de Königstochter to emme 'um niegen Uhr kommt mein Teite (Vater), alle Stunne bis et drei schlätt, wenn he froget, so giwet gi em Antwort statt des Königssohns;' da nickede de steinerne Christoffel mit den Koppe gans schwinne un dann jümmer lanksamer, bis he to leste wir stille stand.
Den anneren Morgen, da segd de König to emme 'du hest dine Sacken gut macket, awerst mine Tochter kann ik nig hergiewen, du möstest dann en Nacht bie de zweiten Tochter wacken, dann will ik mie Mal drup bedenken, ob du mine ölleste Tochter Tor Frugge hewen kannst; awerst ik komme olle Stunne sülwenst, un wenn ik die rope, so antworte mie, un wenn ik die rope, un du antwortest nig, so soll fleiten dein Blaud für mie.' Un da gingen de beiden up de Schlopkammer, da stand da noch en gröteren steinernen Christoffel, dato seg de Königstochter:
'wenn mein Teite fragt, so antworte du;' da nickede de grote steinerne Christoffel wir mit den Koppe gans schwinne un dann jümmer lanksamer, bis he to leste wir stille stand.
Un de Königssohn legte sich up den Dörsüll (Türschwelle), legte de Hand unter den Kopp, un schläp inne.
Den anneren Morgen sehe de König to ünne 'du hast dine Sacken twaren gut macket, awerst mine Tochter kann ik nig hergiewen, du möstest süß bie der jungesten Königstochter en Nacht wacken, dann will ik mie bedenken, ob du mine tweide Tochter Tor Frugge hewen kannst; awerst ik komme alle Stunne sülwenst, un wenn ik rope, so antworte mie, un wenn ik die rope, un du antwortest nig, so soll fleiten dein Blaud für mie.' Da gingen se wir tohope (zusammen) up ehre Schlopkammer, da was da noch en viel grötern un viel längeren Christoffel, Ase bie de twei ersten; dato segde de Königstochter 'wenn mein Teite röpet, so antworte du,' da nickede de grote lange steinerne Christoffel wohl eine halbe Stunne mit den Koppe, bis de Kopp tolest wir stille stand.
Un de Königssohn legte sich up de Dörsül, un schläp inne.
Den anderen Morgen, da segd de König 'du hast twaren gut wacket, awerst ik kann die nau mine Tochter nig geben, ik hewe so en groten Wall, wenn du mie den von hüte Morgen sesse bis Abends sesse afhoggest, so will ik mie drup bedenken.' Da dehe (tat d. i. gab) he ünne en gleserne Exe, en gläsernen Kiel, un en gleserne Holthacke midde.
Wie he in das Holt kommen is, da hoggete he einmal to, da was de Exe entzwei, da nahm he den Kiel, un schlett einmal mit de Holtake daruppe, da is et so kurt un so klein Ase Grutt (Sand).
Da was he so bedröwet, un glövte nun möste he sterwen, un he geit Sitten un grient (weint).
Asset nun Mittag is, da segd de König 'eine von juck Mäken mott ünne was to etten bringen.' 'Nee,' segged de beiden öllesten, 'wie willst ün nicks bringen, wo he das leste bie wacket hat, de kann ün auch was bringen.'
Da mutt de jungeste weg, un bringen ünne was to etten.
Ase in den Walle kommt, da fragt se ün wie et ünne ginge?' 'O,' sehe he, 'et ginge ün gans schlechte.'
Da sehe se he soll herkommen un etten erst en bisschen; 'nee,' sehe he, 'das künne he nig, he möste jo doch sterwen, etten will he nig mehr.' Da gav se ünne so viel gute Woore, he möchte et doch versöken; da kommt he, un ett was.
Ase he was getten hat, da sehe se 'ik will die erst en bisschen lusen, dann wirst du annerst to Sinnen.' Da se ün luset, da werde he so möhe, un schlöppet in, un da nimmt se ehren Doock, un binnet en Knupp da in, un schlätt ün dreimal up de Eere, un segd 'Arweggers, heraus!' Da würen glick so viele Erdmännchen hervor kommen, un hadden froget was de Königstochter befelde.
Da sehe se 'in Tied von drei Stunnen mutt de groote Wall afhoggen un olle das Holt zu Höben settet sein.' Da gingen de Erdmännchen herum, und boen ehre ganse Verwanschap up, das se ebnen an de Arbeit helpen sullen.
Da fingen se gliek an, un Ase de drei Stunne ümme würen, da is olles to Enne (zu Ende) Weste; un da keimen se wir to der Königstochter, un sehend Ehre.
Da nimmt se wir ehren witten Doock, un segd 'Arweggers, nah Hues!'
Da siet se olle wir Wege west.
Da de Königssohn upwacket, so wert he so Frau, da segd se 'wenn et nun sesse schloen hat, so komme nah Hause.'
Das hat he auk befolgt, un da fragt de König 'hest du den Wall aawe (ab)?' 'Jo' segd de Königssohn.
Ase se da an ein Diske sittet, da sehe de König 'ik kann die nau mine Tochter nie Tor Frugge geben,' he möste erst nau was umme se dohen.
Da fragt he was das denn sein sulle.
'Jk hewe so en großes Dieck,' sehe de König, 'da most du den anderen Morgen hönne, un most en utschloen, das he so blank is Ase en Spegel, un et müttet von allerhand Fiske darinnen sein.' Den anneren Morgen da gav ünne de König eine gleserne Schute (Schippe), un segd 'umme sess Uher mot de Dieck fertig sein.'
Da geit he weg, Ase he bie den Dieck kommt, da stecket he mit de Schute in de Mühe (Moor, Sumpf), da brach se af; da stecket he mit de Hacken in de Mühe, un et was wir caput.
Da werde he gans bedröwet.
Den Mittag brachte de jüngste Tochter ünne was to etten, da fragt se wo et ünne ginge?
Da sehe de Königssohn et ginge ünne gans schlechte, he soll sienen Kopp wohl mißen mutten; 'das Geschirr is mie wir klein gohen.' O, sehe se, he soll kommen, un etten erst was, 'dann Weste du anneren Sinnes.' Nee, segde he, etten kunn he nig, he wer gar to bedröwet.
Da givt se ünne viel gute Woore bis he kommt, un ett was.
Da luset se ünn wir, un he schloppet in, se nimmt von niggen en Doock, schlett en Knupp da inne, un kloppet mit den Knuppe dreimal up de Eere, un segd 'Arweggers, heraus!' da kummt glick so viele Erdmännchen, un froget olle was Ehre Begehren wür.
In Tied von drei Stunne mosten se den Dieck gans utschloen hewen, un he möste so blank sein, das man sich inne speigelen künne, un von allerhand Fiske mosten darinnen sein. Da gingen de Erdmännchen hin, un boen ehre Verwanschap up, das se ünnen helpen sullen; un et is auch in twei Stunnen fertig Weste. Da kommt se wir un seged 'wie hätte dohen, so us befohlen is.' Da nimmt de Königstochter den Doock, un schlett wir dreimal up de Eere, un segd 'Arweggers, to Hause!' da siet se olle wir weg.
Ase da de Königssohn upwacket da is de Dieck fertig.
Da geit de Königstochter auch weg, und segd wenn et sesse wäre, dann soll he nah Hause kommen.
Ase he da nah Hause kommt, da fragt de König 'hes du den Dieck fertig?' 'Ja sehe de Künigsuhn.
Das wür schöne.
Da se da wir to Diske sittet, da sehe de König 'du hast den Dieck twaren fertig, awerst ik kann die mine Tochter noch nie geben, du most erst nau eins dohen.' 'Was is das denn?' fragte de Königssohn.He hätte so en großes Berg, da würen luter Dorenbuske anne, de mosten olle afhoggen wären, un bowen up moste he en großes Schlott buggen, das moste so wacker sein, ase't nun en Menske denken kunne, un olle Jngedömse, de in den Schlott gehorden, de mösten der olle inne sein.
Da he nun den anneren Morgen up steit, da gav ünne de König en gläsernen Exen, un en gläsernen Boren mie, et mott awerst um sess Uhr fertig sein.
Da he an den ersten Dorenbuske mit de Exen anhogget, da ging se so kurt un so klein das de Stücker rund um ünne herfloen, un de Boren kunn he auch nig brucken.
Da war he gans bedröwet, un toffte (wartete) up sine Leiweste, op de nie keime, un ünn ut der Naud hülpe.
Ase't da Mittag is, da kommt se, und bringt was to etten, da geit he Ehre in de Möte (entgegen), un vertellt Ehre olles, un ett was, un lett sich von Ehre lusen, un schloppet in.
Da nimmt se wir den Knupp, un schlett damit up de Eere, un segd 'Arweggers, heraus!' Da kommt wir so viel Erdmännchen, un froget was Ehre Begehren wür?
Da sehe se 'in Tied von drei Stunnen müttet ju de gansen Busk afhoggen, un bowen uppe den Berge da mot en Schlott stohen, das mot so wacker sein, ase't nun ener denken kann, un olle Jngedömse muttet da inne sein. Da ginge se hünne, un boen ehre Verwanschap up, das se helpen sullen, un Ase de Tied umme was, da was alles fertig.
Da kümmet se to der Königstochter, un segget das, un de Königstochter nimmt den Doock, un schlett dreimal damit up de Eere, un segd 'Arweggers to Hause!' Da siet se gliek olle wir weg Weste.
Da nun de Königssohn upwecket, un olles soh, da was he so Frau Ase en Vugel in der Luft. Da et da sesse schloen hatte, da gingen se tohaupe nah Hues.
Da segd de König 'is das Schlott auch fertig?' 'Jo' sehe de Königssohn.
Ase da to Diske sittet, da segd de König 'mine jungeste Tochter kann ik nie geben, befur de twei öllesten frigget hat.' Da wor de Königssohn un de Kunigsdochter gans bedröwet, un de Königssohn wusste sich gar nig to bergen (helfen).
Da kommt he mol bie Nachte to der Königstochter, un löppet damit fort. Ase da en bisschen wegsieht, da guckt sich de Tochter mol umme, un süht ehren Vader hinner sich.
'O,' sehe se, 'wo soll wie das macken? mein Vader is hinner us, un will us ummeholen, ik will die gerade to'n Dörenbusk macken un mie Tor Rose, un ik will mie immer mitten in den Busk Waren (schützen).' Ase da de Vader an de Stelle kommt, da steit da en Dörenbusk un eine Rose da anne; da will he de Rose afbrecken, da kommt de Dören, un stecket ün in de Finger, das he wir nah Hause gehen mut. Da fragt sine Frugge worumme he se nig hädde middebrocht.
Da sehe he he wür der bald bie Weste, awerst he hätte se uppen mol ut den Gesichte verloren, un da hädde da en Dörenbusk un eine Rose stohen.
Da sehe de Königin 'heddest du ment (nur) de Rose afbrocken, de Busk hätte sullen wohl kommen.'
Da geit he wir weg, un will de Rose herholen.
Unnerdes waren awerst de beiden schon wiet öwer Feld, un de König löppet der hinner her.
Da guckt sich de Tochter wir umme, un süht ehren Vader kommen, da sehe se 'o, wo soll wie et nun macken? ik will die gerade Tor Kerke macken un mie tom Pastoer; da will ik up de Kanzel stehen un predigen.' Ase da de König an de Stelle kommt, da steiht da eine Kerke, un up de Kanzel is en Pastoer, un predigt, da Hort he de Predig to, un geit wir nah Hus. Da fragt de Küniginne worumme he se nig midde brocht hätte, da segd he 'nee, ik hewe se so lange nachlaupen, un as ik glovte ik wer der bold bie, da steit da en Kerke un up de Kanzel en Pastoer, de predigte.' 'Du hättest sullen ment den Pastoer bringen,' sehe de Frau, 'de Kerke hädde sullen wohl kommen; das ik die auch (wenn ich dich auch) schicke, das kann nig mehr helpen, ik Mut sülwenst hünne gohen.' Ase se da eine Wiele Wege is, un de beiden von feren süht, da guckt sich de Königstochter umme, un süht ehre Moder kommen, un segd 'nun sie wie unglücklich, nun kommt Miene Moder sülwenst, ik will die gerade tom Dieck macken un mie tom Fisk.' Da de Moder up de Stelle kommt, da is da en großes Dieck, un in de Midde sprank en Fisk herum, un kickte mit den Kopp ut den Water, un was gans lustig. Da will se gern den Fisk kriegen, awerst se kunn ün gar nig fangen. Da werde se gans böse, un trinkt den gansen Dieck ut, das se den Fisk kriegen will, awerst da werde se so üwel, das se sick spiggen mott, nun spigget den gansen Dieck wir ut. Da sehe se 'ik sehe da wohl das et olle nig mehr helpen kann;' sei mochten nun wir to Ehre kommen. Da geht se dann auch wir hünne, un de Küniginne givt der Tochter drei Wallnüsse, un segd 'da kannst du die mit helpen, wenn du in dine högste Naud bist.' Un da gingen de jungen Lüde wir tohaupe weg. Da se da wohl tein Stunne gohen hadden, da kommt se an das Schlott, wovon de Königssohn was, un dobie was en Dorp. Ase se da anne keimen, da segd de Königssohn 'blief hie, mine Leiweste, ik will erst up das Schlott gohen, un dann will ik mit den Wagen un Bedeinten kommen, un will die afholen.' Ase he da up das Schlott kommt, da werde se olle so Frau das se den Königssohn nun wir hat; da vertellt he he hätte eine Brut, un de wür jetzt in den Dorpe, se wollen mit den Wagen hintrecken, un se holen. Da spannt se auch gliek an, un viele Bedeinten fetten sich up den Wagen. Ase da de Königssohn einsteigen will, da gab ün sine Moder en Kus, da hatte he alles vergeten, was schehen was, un auch was he dohen will. Da befahl de Moder se sullen wir utspannen, un da gingen se olle wir im Hause. Das Mäken awerst sitt im Dorpe, un luert un luert, un meint he soll se afholen, et kommt awerst keiner. Da vermaiet (vermietet) sich de Königstochter in de Mühle, de hoerde bie das Schlott, da moste se olle Nachmittage bie den Water Sitten, un Stunze schüren (Gefäße reinigen). Da kommt de Küniginne mol von den Schlotte gegohen, un geht an den Water spazieren, un seihet das wackere Mäken da Sitten, da segd se 'was is das für en wacker Mäken! was gefällt mie das gut!' Da guckt se et olle an, awerst kein Menske hatte et kand. Da geit wohl eine lange Tied vorbie, das das Mäken eerlick un getrugge bie den Müller deint. Unnerdes hatte de Küniginne eine Frugge für ehren Suhn socht, de is gans feren ut der Welt Weste. Ase da de Brut ankommt, da söllt se gliek tohaupe geben wären. Et laupet so viele Lüde zusammen, de das olle seihen willst, da segd das Mäken to den Müller he möchte Ehre doch auch Verlöv geben. Da sehe de Müller 'goh menten hünne.' Ase't da weg will, da macket et eine van den drei Wallnüssen up, da legt da so en wacker Kleid inne, das trecket et an, un gienk domie in de Kerke gigen den Altor stohen. Up einmal kummt de Brut un de Brüme (Bräutigam), un settet sich für den Altor, un Ase de Pastor se da einsegnen will, da guckt sich de Brut van der Halbe (seitwärts), un süht et da stohen, da steit se wir up, un segd se will sich nie geben loten, bis se auch so en wacker Kleid hädde, Ase de Dame. Da gingen se wir nah Hause, un läten de Dame froen ob se das Kleid wohl verkaufte. Nee, verkaupen Dow Set nig, awerst verdeinen, das möchte wohl sein. Da fragten se Ehre was se denn dohen sullen. Da segd se wenn se van Nachte für das Dohr van den Königssohn schlapen töffte, dann will se et wohl dohen. Da seget se jo, das soll se menten dohen. Da muttet de Bedeinten den Königssohn en Schlopdrunk ingiewen, und da legt se sich up den Süll, un günselt (winselt) de heile Nacht, se hädde den Wall für ün afhoggen loten, se hädde den Dieck für ün utschloen, se hädde das Schlott für ün bugget, se hädde ünne Ton Dörenbusk macket, dann wir Tor Kerke; un tolest tom Dieck, un he hädde se so geschwinne vergeten. De Königssohn hatte nicks davon hört, de Bedeinten awerst würen upwacket, un hadden tolustert, un hadden nie wusste was et soll bedüen. Den anneren Morgen, Ase se upstohen würen, da trock de Brut das Kleid an, un fort mit den Brümen nah der Kerke; ünnerdes macket das wackere Mäken de tweide Walnuss up, un da is nau en schöner Kleid inne, das tüte et wir an, un geit domie in de Kerke gigen den Altor stohen, da geit et dann ewen wie das vürge mol. Un das Mäken liegt wir en Nacht für den Süll, de nah des Königssohns Stobe geit, un de Bedeinten süllt ün wir en Schlopdrunk ingiewen; de Bedeinten kommt awerst un giewet ünne was to wacken, domie legt he sich to Bedde; un de Müllersmagd für den Dörsüll günselt wir so viel, un segd was se dohen hädde. Das hört olle de Königssohn, un werde gans bedröwet, un et füllt ünne olle wir bie was vergangen was. Da will he nah Ehre gohen, awerst sine Moder hatte de Dör toschlotten. Den anderen Morgen awerst ging he gliek to seiner Leiwesten, un vertellte Ehre olles, wie et mit ünne togangen wür, un se möchte ünne doch nig beuse sin das he se so lange vergessen hädde. Da macket de Königstochter de dridde Walnuss up, da is nau en viel wackerer Kleid inne: das trecket se an, un fört mit ehren Brümen nah de Kerke, un da keimen so viele Kinder, de geben ünne Blumen, un hellen ünne bunte Banner für de Föte, un se leiten sich einsegnen, un hellen eine lustige Hochzeit; awerst de falsche Moder un Brut mosten weg. Un we das lest vertellt hat, den is de Mund noch wärme.
114. Vom klugen Schneiderlein.
Es war einmal eine Prinzessin gewaltig stolz; kam ein Freier, so gab sie ihm etwas zu raten auf, und wenn er_es nicht erraten konnte, so wurde er mit Spott fortgeschickt. Sie ließ auch bekannt machen wer_es erriete, sollte sich mit ihr vermählen, und möchte kommen wer da wollte. Endlich fanden sich auch drei Schneider zusammen, davon meinten die zwei ältesten sie hätten so manchen feinen Stich getan, und hätten_es getroffen, da könnt ihnen nicht fehlen, sie müßten wohl auch hier treffen; der dritte war ein kleiner unnützer Springinsfeld, der nicht einmal sein Handwerk verstand, aber meinte er müßte sein Glück versuchen. Da sprachen die zwei anderen zu ihm 'bleibe nur zu Haus, du wirst mit deinem bisschen Verstand nicht weit kommen.' Das Schneiderlein ließ sich aber nicht irre machen, und sagte es hätte einmal seinen Kopf darauf gesetzt, und wollte sich schon helfen, und ging dahin als wäre die ganze Welt sein. Da meldeten sich alle drei bei der Prinzessin, und sagten sie sollte ihnen ihre Rätsel vorlegen: es wären die rechten Leute angekommen, die hätten einen feinen Verstand, den könnte man wohl in eine Nadel fädeln. Da sprach die Prinzessin 'ich habe zweierlei Haar auf dem Kopf, von was für Farben ist das?' 'Wenn_es weiter nichts ist,' sagte der erste, 'es wird schwarz und weiß sein, wie Kümmel und Salz.' Die Prinzessin sprach 'falsch geraten; antwortete der zweite.' Da sagte der zweite 'ist_es nicht schwarz und weiß, so ist_es braun und rot, wie meines Herrn Vaters Bratenrock.' 'Falsch geraten,' sagte die Prinzessin, 'antworte der dritte, dem sehe ich_es an, der weiß es sicherlich.' Da trat das Schneiderlein keck hervor, und sprach 'die Prinzessin hat ein silbernes und goldenes Haar auf dem Kopf, und das sind die zweierlei Farben.' Wie die Prinzessin das hörte, wurde sie blaß, und wäre vor Schrecken beinahe hingefallen, denn das Schneiderlein hatte es getroffen, und sie hatte sicher geglaubt das würde kein Mensch auf der Welt herausbringen. Als ihr das Herz wieder kam, sprach sie 'damit hast du mich noch nicht gewonnen, du mußt noch eins tun; unten im Stall liegt ein Bär, bei dem sollst du die Nacht zubringen, wenn ich dann morgen aufstehe, und du bist noch lebendig, so sollst du mich heiraten.' Sie dachte aber damit wollte sie das Schneiderlein los werden, denn der Bär hatte noch keinen Menschen lebendig gelassen, der ihm unter die Tatzen gekommen war. Das Schneiderlein ließ sich nicht abschrecken, war ganz vergnügt, und sprach 'das will ich auch noch vollbringen.' Als nun der Abend kam, wurde mein Schneiderlein hinunter zum Bären gebracht; der Bär wollt auch gleich auf es los, und ihm mit seiner Tatze einen guten Willkommen geben. 'Sachte, sachte,' sprach das Schneiderlein, 'ich kann dich noch zur Ruhe bringen.' Da holte es ganz gemächlich, als hätte es keine Sorgen, welsche Nüsse aus der Tasche, bis sie auf und aß die Kerne; wie der Bär das sah, kriegte er Lust, und wollte auch Nüsse haben. Das Schneiderlein griff in die Tasche, und reichte ihm eine Hand voll; es waren aber keine Nüsse, sondern Wackersteine. Der Bär steckte sie ins Maul, konnte aber nichts aufbringen, er mochte beißen wie er wollte. 'Ei,' dachte er, 'was bist du für ein dummer Klotz! kannst nicht einmal die Nüsse aufbeißen,' und sprach zum Schneiderlein 'mein, beiße mir die Nüsse auf.' 'Da siehst du was du für ein Kerl bist,' sprach das Schneiderlein, 'hast so ein großes Maul, und kannst die kleine Nuß nicht aufbeißen.' Da nahm es die Steine, war hurtig, steckte dafür eine Nuß in den Mund, und knack, war sie entzwei. 'Ich muß das Ding noch einmal probieren,' sprach der Bär, 'wenn ich_es so ansehe, ich mein ich müßt können.'
Da gab ihm das Schneiderlein wieder die Wackersteine, und der Bär arbeitete und bis aus allen Leibeskräften hinein: aber du glaubst auch nicht daß er sie aufgebracht hat. Wie das vorbei war, holte das Schneiderlein eine Violine unter dem Rock hervor, und spielte sich ein Stückchen darauf. Als der Bär das hörte, konnte er es nicht lassen, und fing an zu tanzen, und als er ein Weilchen getanzt hatte, gefiel ihm das Ding so wohl, daß er zum Schneiderlein sprach 'höre, ist das Geigen schwer?' 'Gar nicht, siehst du, mit der Linken leg ich die Finger auf, und mit der Rechten Streiche ich mit dem Bogen drauf los, da geht_es lustig, hopsasa, vivallalera!' 'Willst du mir Unterricht geben?' sprach der Bär, 'so geigen, das möchte ich auch verstehen, damit ich tanzen könnte wann ich Lust hätte.' 'Von Herzen gern,' sagte das Schneiderlein, 'wenn du_es lernen willst: aber weiß einmal deine Tatzen her, die sind gewaltig lang, ich muß dir erst die Nägel ein wenig abschneiden.' Da wurde ein Schraubstock herbei geholt, und der Bär legte seine Tatzen darauf, das Schneiderlein aber schraubte sie fest, und sprach 'nun warte bis ich mit der Schere komme,' ließ den Bär brummen, so viel er wollte, legte sich in der Ecke auf ein Bund Stroh, und schlief ein. Die Prinzessin, als sie am Abend den Bären so gewaltig brummen hörte, glaubte nicht anders, als der brummte vor Freuden, und mit dem Schneider wäre_es jetzt vorbei. Am Morgen stand sie ganz unbesorgt und vergnügt auf, wie sie aber nach dem Stall guckt, so steht das Schneiderlein ganz munter davor, und ist gesund wie ein Fisch im Wasser. Da konnte sie nun kein Wort mehr dagegen sagen, weil sie_es öffentlich versprochen hatte, und der König ließ einen Wagen kommen, darin mußte sie mit dem Schneiderlein zur Kirche fahren, und sollte sie da vermählt werden. Wie sie eingestiegen waren, gingen die beiden anderen Schneider, die falsch waren und ihm sein Glück nicht gönnten, in den Stall, und schraubten den Bären los; der war nun voller Wut, und rannte hinter dem Wagen her. Die Prinzessin hörte ihn schnauben und brummen, und wurde ihr Angst, da sagte sie 'ach, der Bär ist hinter uns, und will dich holen.' Das Schneiderlein war bei der Hand, stellte sich auf den Kopf, steckte die Beine zum Fenster hinaus, und rief 'siehst du den Schraubstock? wann du nicht gehst, so sollst du wieder hinein.' Wie der Bär das sah, drehte er um, und lief fort. Mein Schneiderlein fuhr da ruhig in die Kirche, und die Prinzessin wurde ihm an die Hand getraut, und lebte er mit ihr vergnügt wie eine Heidelerche. Wer_es nicht glaubt, bezahlt einen Taler.
115. Die klare Sonne bringt_es an den Tag.
Ein Schneidergesell reiste in der Welt auf sein Handwerk herum; nun konnte er einmal keine Arbeit finden, und war die Armut bei ihm so groß, daß er keinen Heller Zehrgeld hatte. In der Zeit begegnete ihm auf dem Weg ein Jude, und da dachte er der hätte viel Geld bei sich, und stieß Gott aus seinem Herzen, ging auf ihn los, und sprach 'gib mir dein Geld, oder ich Schlag dich tot.' Da sagte der Jude 'schenkt mir doch das Leben, Geld habe ich keins, und nicht mehr als acht Heller.' Der Schneider aber sprach 'du hast doch Geld, und das soll auch heraus,' brauchte Gewalt, und schlug ihn so lange bis er nah am Tod war. Und wie der Jude nun sterben wollte, sprach er das letzte Wort 'die klare Sonne wird es an den Tag bringen!' und starb damit. Der Schneidergesell griff ihm in die Taschen, und suchte nach Geld, aber er fand nicht mehr als die acht Heller, wie der Jude gesagt hatte. Da packte er auf, trug ihn hinter einen Busch, und zog weiter auf sein Handwerk. Wie er nun lange Zeit gereist war, kam er in eine Stadt bei einem Meister in Arbeit, der hatte eine schöne Tochter, in die verliebte er sich, und heiratete sie, und lebte in einer guten vergnügten Ehe. Über lang, als sie schon zwei Kinder hatten, starben Schwiegervater und Schwiegermutter, und die jungen Leute hatten den Haushalt allein. Eines Morgens, wie der Mann auf dem Tisch vor dem Fenster saß, brachte ihm die Frau den Kaffee, und als er ihn in die Unterschale ausgegossen hatte, und eben trinken wollte, da schien die Sonne darauf, und blinkte oben an der Wand so hin und her, und machte Kringel daran. Da sah der Schneider hinauf und sprach 'ja, die will_es gern an den Tag bringen und kann_es nicht!' Die Frau sprach 'ei, lieber Mann, was ist denn das? was meinst du damit?' Er antwortete 'das darf ich dir nicht sagen.' Sie aber sprach 'wenn du mich lieb hast, mußt du mir_es sagen,' und gab ihm die allerbesten Worte, es sollte_es kein Mensch wieder erfahren, und ließ ihm keine Ruhe. Da erzählte er, vor langen Jahren, wie er auf der Wanderschaft ganz abgerissen und ohne Geld gewesen, habe er einen Juden erschlagen, und der Jude habe in der letzten Todesangst die Worte gesprochen 'die klare Sonne wird_es an den Tag bringen!' Nun hätte_es die Sonne eben gern an den Tag bringen wollen, und hätte an der Wand geblinkt, und Kringel gemacht, sie hätte_es aber nicht gekonnt. Danach bat er sie noch besonders, sie dürfte es niemand sagen, sonst käme er um sein Leben, das versprach sie auch; als er sich aber zur Arbeit gesetzt hatte, ging sie zu ihrer Gevatterin, und erzählte es der, wenn sie_es keinem Menschen wieder sagen wollte; ehe aber drei Tage vergingen, wußte es die ganze Stadt, und der Schneider kam vor das Gericht, und wurde gerichtet. Da brachte es doch die klare Sonne an den Tag.
116. Das blaue Licht.
Es war einmal ein König, der hatte einen Soldaten, der ihm lange Jahre treu gedient hatte. Als der Krieg zu Ende war, und der Soldat, der vielen Wunden wegen, die er empfangen hatte, nicht weiter dienen konnte, sprach der König zu ihm 'du kannst nun heim gehen, ich brauche dich nicht mehr: Geld bekommst du nicht mehr, denn Lohn erhält nur der, welcher mir Dienste dafür leistet.' Da wußte der Soldat nicht womit er sein Leben fristen sollte: voll Sorgen ging er fort, und ging den ganzen Tag lang bis er Abends in einen Wald kam. Und als es stockfinster war, sah er ein Licht, dem näherte er sich, und kam zu einem Haus, darin wohnte eine Hexe. 'Gib mir doch ein Nachtlager, und ein wenig Essen und Trinken,' sprach er zu ihr, 'ich verschmachte sonst.' 'Oho!' antwortete sie, 'wer gibt einem verlaufenen Soldaten etwas? doch will ich barmherzig sein und dich aufnehmen, wenn du tust was ich verlange.' 'Was verlangst du?' fragte der Soldat. 'Daß du mir morgen meinen Garten umgräbst.' Der Soldat willigte ein, und arbeitete den folgenden Tag aus allen Kräften, konnte aber vor Abend nicht fertig werden. 'Ich sehe wohl, sprach die Hexe, 'daß du heute nicht weiter kannst: ich will dich noch eine Nacht behalten, dafür sollst du mir morgen ein Fuder Holz spalten und klein machen.' Der Soldat brauchte dazu den ganzen Tag, und Abends machte ihm die Hexe den Vorschlag noch eine Nacht zu bleiben. 'Du sollst mir Morgen nur eine geringe Arbeit tun, hinter meinen Hause ist ein alter wasserleerer Brunnen, in den ist mir mein Licht gefallen, es brennt blau und verlischt nicht, das sollst du mir wieder herauf holen.' Den anderen Tag führte ihn die Alte zu dem Brunnen, und ließ ihn in einem Korb hinab. Er fand das blaue Licht, und machte ein Zeichen daß sie ihn wieder hinauf ziehen sollte. Sie zog ihn auch in die Höhe, als er aber dem Rand nahe war, reichte sie die Hand hinab, und wollte ihm das blaue Licht abnehmen. 'Nein,' sagte er, und merkte ihre böse Gedanken, 'das Licht gebe ich dir nicht eher, als bis ich mit meinen Füßen auf dem Erdboden stehe.' Da geriet die Hexe in Wut, ließ ihn wieder hinab in den Brunnen fallen, und ging fort. Der arme Soldat fiel ohne Schaden zu nehmen auf den feuchten Boden, und das blaue Licht brannte fort, aber was konnte ihm das helfen? er sah wohl daß er dem Tod nicht entgehen würde. Er hatte in der Tasche seine Tabakspfeife, die noch halb gestopft war. 'Das soll dein letztes Vergnügen seine dachte er, zog sie heraus, zündete sie an dem blauen Licht an und fing an zu rauchen. Als der Dampf in der Höhle umhergezogen war, stand auf einmal ein kleines schwarzes Männchen vor ihm, und fragte 'Herr, was befiehlst du?' 'Was habe ich dir zu befehlen?' erwiderte der Soldat ganz verwundert. 'Jch muß alles tun,' sagte das Männchen, 'was du verlangst.' 'Gut,' sprach der Soldat, 'so hilf mir zuerst aus dem Brunnen.' Das Männchen nahm ihn bei der Hand, und führte ihn durch einen unterirdischen Gang, vergaß aber nicht das blaue Licht mitzunehmen. Es zeigte ihm unterwegs die Schätze, welche die Hexe zusammen gebracht und da versteckt hatte, und der Soldat nahm so viel Gold, als er tragen konnte. Als er oben war, sprach er zu dem Männchen 'nun gehe hin, binde die alte Hexe, und führe sie vor das Gericht.' Nicht lange, so kam sie auf einem wilden Kater mit furchtbarem Geschrei schnell wie der Wind vorbei geritten, und es dauerte abermals nicht lang, so war das Männchen zurück, und es war alles schon ausgerichtet. 'Herr, was befiehlst du weiter?' fragt der Kleine. 'In dem Augenblick nichts,' antwortete der Soldat, du kannst nach Haus gehen: sei nur gleich zur Hand wenn ich dich rufe.' 'Es ist nichts nötig,' sprach das Männchen, 'als daß du deine Pfeife an dem blauen Licht anzündest, dann stehe ich gleich vor dir.' Darauf verschwand es vor seinen Augen. Der Soldat kehrte wieder in die Stadt zurück, aus der er gekommen war. Er ging in den besten Gasthof, und ließ sich schöne Kleider machen, dann befahl er den Wirt ihm ein Zimmer so prächtig als möglich einzurichten. Als es fertig war, und der Soldat es bezogen hatte, rief er das schwarze Männchen, und sprach 'ich habe dem König treu gedient, er aber hat mich fortgeschickt und mich hungern lassen, dafür will ich jetzt Rache nehmen.' 'Was soll ich tun?' fragte der Kleine. 'Spät Abends wenn die Königstochter im Bett liegt, so bringe sie schlafend hierher, sie soll Mägdedienste bei mir tun.' Das Männchen sprach 'für mich ist das ein leichtes, für dich aber ein gefährliches Ding, wenn das heraus kommt, wird es dir schlimm ergehen.'
Als es zwölf geschlagen hatte, sprang die Türe auf, und das Männchen trug die Königstochter herein.
'Aha, bist du da?' rief der Soldat, 'frisch an die Arbeit! gehe, hole den Besen und kehre die Stube.' Als sie fertig war, hieß er sie zu seinem Sessel kommen, streckte ihr die Füße entgegen, und sprach 'zieh mir die Stiefel aus,' warf sie ihr dann ins Gesicht, und sie mußte sie aufheben, reinigen und glänzend machen.
Sie tat aber alles, was er ihr befahl, ohne Widerstreben, stumm und mit halbgeschlossenen Augen.
Bei dem ersten Hahnschrei trug sie das Männchen wieder in das königliche Schloß und in ihr Bett zurück.
Am anderen Morgen, als die Königstochter aufgestanden war, ging sie zu ihrem Vater, und erzählte ihm sie hätte einen wunderlichen Traum gehabt: 'ich wurde durch die Straßen mit Blitzesschnelle fortgetragen, und in das Zimmer eines Soldaten gebracht, dem mußte ich als Magd dienen und aufwarten, und alle gemeine Arbeit tun, die Stube kehren, und die Stiefel putzen.
Es war nur ein Traum, und doch bin ich so müde, als wenn ich wirklich alles getan hätte.' 'Der Traum könnte wahr gewesen sein,' sprach der König, 'ich will dir einen Rat geben, stecke deine Tasche voll Erbsen, und mache ein kleines Loch zu die Tasche, wirst du wieder abgeholt, so fallen sie heraus, und lassen die Spur aus der Straße.' Als der König so sprach, stand das Männchen unsichtbar dabei, und hörte alles mit an.
Nachts, als es die schlafende Königstochter wieder durch die Straßen trug, fielen zwar einzelne Erbsen aus der Tasche, aber sie konnten keine Spur machen, denn das listige Männchen hatte vorher in allen Straßen Erbsen verstreut.
Die Königstochter aber mußte wieder bis zum Hahnenschrei Mägdedienste tun.
Der König schickte am folgenden Morgen seine Leute aus, welche die Spur suchen sollten, aber es war vergeblich, denn in allen Straßen saßen die armen Kinder, und lasen Erbsen auf.
'Wir müssen etwas anderes aussinnen,' sprach der König, 'behalte deine Schuhe an wenn du dich zu Bett legst, und ehe du von dort zurück kehrst, verstecke einen davon; ich will ihn schon finden.' Das schwarze Männchen vernahm den Anschlag, und als der Soldat Abends verlangte, es sollte die Königstochter wieder herbei tragen, riet es ihm ab, und sagte gegen diese List wüßte es kein Mittel, und wenn der Schuh bei ihm gefunden würde, so könnte es ihm schlimm ergehen.
'Thue was ich dir sage erwiderte der Soldat, und die Königstochter mußte auch in der dritten Nacht wie eine Magd arbeiten; sie versteckte aber, ehe sie zurückgetragen wurde, einen Schuh unter das Bett.
Am anderen Morgen ließ der König in der ganzen Stadt den Schuh seiner Tochter suchen:
er wurde bei dem Soldaten gefunden, und der Soldat selbst, der sich auf Bitten des Kleinen zum Tor hinaus gemacht hatte, wurde bald eingeholt und ins Gefängnis geworfen.
Er hatte sein Bestes bei der Flucht vergessen, das blaue Licht und das Gold, und hatte nur noch einen Dukaten in der Tasche.
Als er nun mit Ketten belastet an dem Fenster seines Gefängnisses stand, sah er einen seiner Kameraden vorbeigehen.
Er klopfte an die Scheibe, und als er herbei kam, sagte er 'sei so gut und hole mir das kleine Bündelchen, das ich in dem Gasthaus habe liegen lassen, ich gebe dir dafür einen Dukaten.' Der Kamerad lief hin, und brachte ihm das Verlangte.
Sobald der Soldat wieder allein war, steckte er seine Pfeife an, und ließ das schwarze Männchen kommen.
'Sei ohne Furcht,' sprach es zu seinem Herrn, 'geh hin wo sie dich hinführen, und laß alles geschehen, nimm nur das blaue Licht mit.'
Am anderen Tag wurde Gericht über den Soldaten gehalten, und obgleich er nichts Böses getan hatte, verurteilte ihn der Richter doch zum Tode.
Als er nun hinaus geführt wurde, bat er den König um eine letzte Gnade.
'Was für eine?' sprach der König.
'Daß ich auf dem Weg noch eine Pfeife rauchen darf.' 'Du kannst drei rauchen, antwortete der König, 'aber denke nicht daß ich dir das Leben schenke.' Da zog der Soldat seine Pfeife heraus und zündete sie an dem blauen Licht an, und wie ein paar Ringel von Rauch aufgestiegen waren, so stand schon das Männchen da, hatte einen kleinen Knüppel in der Hand, und sprach 'was befiehlt mein Herr?' 'Schlag nur da die falschen Richter und ihre Häscher zu Boden, und verschone auch den König nicht, der mich so schlecht behandelt hat.' Da fuhr das Männchen wie der Blitz, zickzack, hin und her, und wen es mit seinem Knüppel nur anrührte, der fiel schon zu Boden, und getraute sich nicht mehr zu regen.
Dem König wurde Angst, er legte sich auf das Bitten, und um nur das Leben zu behalten gab er dem Soldat das Reich und seine Tochter zur Frau.
117. Das eigensinnige Kind.
Es war einmal ein Kind eigensinnig, und tat nicht was seine Mutter haben wollte.
Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm, und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzem lag es auf dem Totenbettchen.
Als es nun ins Grab versenkt war, und Erde über es hingedeckt, o kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor, und reichte in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half das nicht, das Ärmchen kam immer wieder heraus.
Da mußte die Mutter selbst zum Grabe gehen, und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie das getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.
118. Die drei Feldscherer.
Drei Feldscherer reisten in der Welt, meinten ihre Kunst ausgelernt zu haben, und kamen in ein Wirtshaus, wo sie übernachten wollten.
Der Wirt fragte wo sie her wären und hinaus wollten?
'Sie zögen auf ihre Kunst in der Welt herum.' 'Zeigt mir doch einmal, was ihr könnt' sagte der Wirt.
Da sprach der erste er wollte seine Hand abschneiden und morgen früh wieder anheilen; der zweite sprach er wollte sein Herz ausreißen und morgen früh wieder anheilen; der dritte sprach er wollte seine Augen ausstechen und morgen früh wieder einheilen.
Sie hatten aber eine Salbe, was sie damit bestrichen, das heilte zusammen, und das Fläschchen, wo sie drin war, trugen sie beständig bei sich.
Da schnitten sie Hand Herz und Auge vom Leibe, wie sie gesagt hatten, legten zusammen auf einen Teller und gaben dem Wirt, der Wirt gab_es einem Mädchen, das sollte_es in den Schrank stellen, und wohl aufheben.
Das Mädchen aber hatte einen heimlichen Schatz, der war ein Soldat; wie nun der Wirt die drei Feldscherer und alle Leute im Haus schliefen, kam der Soldat, und wollte was zu essen haben.
Da schloß das Mädchen den Schrank auf, und holte ihm etwas, und über der großen Liebe vergaß es die Schranktüre zuzumachen, setzte sich zum Liebsten an Tisch, und sie sprachen mit einander.
Wie es so vergnügt saß, und an kein Unglück dachte, kam die Katze hereingeschlichen, fand den Schrank offen, und nahm die Hand das Herz und die Augen der drei Feldscherer, und lief damit hinaus.
Als nun der Soldat gegessen hatte, und das Mädchen das Gerät aufheben und den Schrank zuschließen wollte, da sah es wohl daß der Teller, den ihr der Wirt aufzuheben gegeben hatte, ledig war.
Da sagte es erschrocken zu seinem Schatz 'ach, was will ich armes Mädchen anfangen!
Die Hand ist fort, das Herz und die Augen sind auch fort, wie wird mir_es morgen früh ergehen!' Da sprach er 'sei still, ich will dir davon helfen, gib mir nur ein scharfes Messer; es hängt ein Dieb am Galgen, dem will ich die Hand abschneiden; welche Hand war_es denn?' 'Die rechte.' Da gab ihm das Mädchen ein scharfes Messer, und er ging hin, schnitt dem armen Sünder die rechte Hand ab, und brachte sie.
Darauf packte er die Katze, und stach ihr die Augen aus; nun fehlte nur noch das Herz.
'Habt ihr nicht geschlachtet, und Schweinefleisch im Keller?' 'Ja' sagte das Mädchen.
'Nun, das ist gute sagte der Soldat, ging hinunter, und holte ein Schweineherz, und gab_es dem Mädchen.
Das tat alles zusammen auf den Teller, und stellte es in den Schrank, und als ihr Liebster darauf Abschied genommen hatte, legte es sich ruhig ins Bett.
Morgens, als die Feldscherer aufstanden, sagten sie dem Mädchen es sollte ihnen den Teller holen, darauf Hand Herz und Augen lägen.
Da brachte es ihn aus dem Schrank, und der erste hielt sich die Diebshand an, und bestrich sie mit seiner Salbe, alsbald war sie ihm angewachsen.
Der zweite nahm die Katzenaugen und heilte sie ein; der dritte machte das Schweineherz fest.
Der Wirt aber stand dabei, bewunderte ihre Kunst, und sagte dergleichen hätte er noch nicht gesehen, er wollte sie bei jedermann rühmen und empfehlen.
Darauf bezahlten sie ihre Zeche, und reisten weiter.
Wie sie so dahin gingen, so blieb der mit dem Schweineherzen gar nicht bei ihnen, sondern wo eine Ecke war, lief er hin, und schnüffelte darin herum, wie Schweine tun.
Die anderen wollten ihn an dem Rockschlippen zurückhalten, aber das half nichts, er riß sich los, und lief hin, wo der dickste Unrat lag.
Der zweite stellte sich auch wunderlich an, rieb die Augen, und sagte zu dem anderen 'Camerad, was ist das?
das sind meine Augen nicht, ich sehe ja nichts, leit mich doch einer, daß ich nicht falle.' Da gingen sie mit Mühe fort bis zum Abend, wo sie zu einer anderen Herberge kamen.
Sie traten zusammen in die Wirtsstube, da saß in einer Ecke ein reicher Herr vorm Tisch, und zählte Geld.
Der mit der Diebshand ging um ihn herum, zuckt ein paarmal mit dem Arm, endlich wie der Herr sich umwendete, griff er in den Haufen hinein, und nahm eine Hand voll Geld heraus.
Der eine sah_es und sprach 'Camerad, was machst du? stehlen darfst du nicht, schäm dich!' 'Ei,' sagte er, 'was kann ich dafür!
es zuckt mir in der Hand, ich muß zugreifen, ich mag wollen oder nicht.' Sie legten sich danach schlafen, und wie sie da liegen, ist_es so finster, daß man keine Hand vor Augen sehen kann.
Auf einmal erwachte der mit den Katzenaugen, weckte die anderen, und sprach 'Brüder, schaut einmal auf, seht ihr die weißen Mäuschen, die da herumlaufen?' Die zwei richteten sich auf, konnten aber nichts sehen.
Da sprach er 'es ist mit uns nicht richtig, wir haben das Unsrige nicht wieder gekriegt, wir müssen zurück zu dem Wirt, der hat uns betrogen.' Also machten sie sich am anderen Morgen dahin auf, und sagten dem Wirt sie hätten ihr richtig Werk nicht wieder kriegt, der eine hätte eine Diebshand, der zweite Katzenaugen, und der dritte ein Schweineherz.
Der Wirt sprach daran müßte das Mädchen Schuld sein, und wollte es rufen, aber wie das die drei hatte kommen sehen, war es zum Hinterpförtchen fortgelaufen, und kam nicht wieder.
Da sprachen die drei, er sollte ihnen viel Geld geben, sonst ließen sie ihm den roten Hahn übers Haus fliegen; da gab er was er hatte, und nur aufbringen konnte, und die drei zogen damit fort.
Es war für ihr Lebtag genug, sie hätten aber doch lieber ihr richtig Werk gehabt.
Die sieben Schwaben.
Einmal waren sieben Schwaben beisammen, der erste war der Herr Schulz, der zweite der Jackli, der dritte der Marli, der vierte der Jergli, der fünfte der Michal, der sechste der Hans, der siebente der Veitli; die hatten sich alle sieben vorgenommen die Welt zu durchziehen, Abenteuer zu suchen, und große Taten zu vollbringen.
Damit sie aber auch mit bewaffneter Hand und sicher gingen, sahen sie_es für gut an, daß sie sich zwar nur einen einzigen aber recht starken und langen Spieß machen ließen.
Diesen Spieß faßten sie alle sieben zusammen an, vorne ging der kühnste und männlichste, das mußte der Herr Schulz sein, und dann folgten die anderen nach der Reihe, und der Veitli war der letzte.
Nun geschah es, daß als sie im Heumonat eines Tags einen weiten Weg gegangen waren, auch noch ein gut Stück bis in das Dorf hatten, wo sie über Nacht bleiben mußten, in der Dämmerung auf einer Wiese ein großer Roßkäfer oder eine Hornisse nicht weit von ihnen hinter einer Staude vorbeiflog, und feindlich brummelte.
Der Herr Schulz erschrak, daß er fast den Spieß hätte fallen lassen, und ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe ausbrach.
'Horcht, horcht,' rief er seinen Gesellen, 'Gott, ich höre eine Trommel!' Der Jackli, der hinter ihm den Spieß hielt, und dem ich weiß nicht was für ein Geruch in die Nase kam, sprach 'etwas ist ohne Zweifel vorhanden, denn ich schmeck das Pulver und den Zündstrick.' Bei diesen Worten hob der Herr Schulz an die Flucht zu ergreifen, und sprang im Hui über einen Zaun, weil er aber gerade auf die Zinken eines Rechen sprang, der vom Heimachen da liegen geblieben war, so fuhr ihm der Stiel ins Gesicht, und gab ihm einen ungewaschenen Schlag.
'O wie, o wie,' schrie der Herr Schulz, 'nimm mich gefangen, ich ergebe mich; ich ergebe mich!' Die anderen sechs hüpften auch alle einer über den anderen herzu, und schrien 'gibst du dich, so gebe ich mich auch: gibst du dich, so gebe ich mich auch.' Endlich, wie kein Feind da war, der sie binden und fortführen wollte, merkten sie daß sie betrogen waren, und damit die Geschichte nicht unter die Leute käme, und sie nicht damit genarrt und gespottet würden, schwuren sie sich unter einander so lang davon still zu schweigen, bis einer unverhofft das Maul auftäte.
Hierauf zogen sie weiter.
Die zweite Gefährlichkeit, die sie erlebten, kann aber mit der ersten nicht verglichen werden.
Nach etlichen Tagen trug sie ihr Weg durch ein Brachfeld, da saß ein Hase in der Sonne, und schlief, streckte die Ohren in die Höhe, und hatte die großen gläsernen Augen starr aufstehen.
Da erschraken sie bei dem Anblick des grausamen und wilden Tieres insgesamt, und hielten Rat was zu tun das wenigste gefährliche wäre.
Denn so sie fliehen wollten, war zu besorgen, das Ungeheuer setzte ihnen nach, und verschlänge sie alle mit Haut und Haar.
Also sprachen sie 'wir müssen einen großen und gefährlichen Kampf bestehen, frisch gewagt ist halb gewonnen!' faßten alle sieben den Spieß an, der Herr Schulz vorne, und der Veitli hinten.
Der Herr Schulz wollte den Spieß noch immer anhalten, der Veitli aber war hinten ganz mutig geworden, wollte losbrechen und rief
'Stoß zu in aller Schwabe Name, sonst wünsche i, daß ihr möchte erlahme.'
Aber der Hans wußte ihn zu treffen, und sprach
'beim Element, du hascht gut schwätze, bischt stets der latscht beim Drachehetze.'
Der Michal rief
'es wird nicht fehle um ei Haar, so ist es wohl der Teufel gar.'
Drauf kam an den Jergli die Reihe, der sprach
'ist er es nicht, so ischts sei Mutter oder des Teufels Stiefbruder.'
Der Marli hatte da einen guten Gedanken, und sagte zum Veitli
'gang, Veitli, Gang, Gang du voran, i will dahinten vor di stehen.'
Der Veitli hörte aber nicht drauf, und der Jackli sagte
'der Schulz, der muß der Esche sei, denn ihm gebührt die Ehre allei.'
Da nahm sich der Herr Schulz ein Herz, und sprach gravitätisch
'so zieht denn herzhaft in den Streit, hieran erkennt man tapfere Leute.'
Und da gingen sie insgesamt auf den Drachen los, der Herr Schulz segnete sich, und rief Gott um Beistand an; wie aber das alles nicht helfen wollte, und er dem Feind immer näher kam, schrie er in großer Angst 'hau! hurlehau! hau! Hauhau!' Davon erwachte der Hase, erschrak, und sprang eilig davon.
Als ihn der Herr Schulz so feldflüchtig sah, da rief er voll Freude
'potz, Veitli, lueg, lüg, was isch das?
das Ungehüer ist a Hase.'
Der Schwabenbund suchte aber weiter Abenteuer, und kam an die Mosel, ein mosiges, stilles und tiefes Wasser, darüber nicht viel Brücken sind, sondern man an mehreren Orten sich muß in Schiffen überfahren lassen.
Weil die sieben Schwaben dessen unberichtet waren, riefen sie einem Mann, der jenseits des Wassers seine Arbeit vollbrachte, zu, wie man doch hinüber kommen könnte?
Der Mann verstand wegen der Weite, auch wegen ihrer Sprache nicht was sie wollten, und fragte auf sein trierisch 'was? was?' Da meinte der Herr Schulz, er spräche nicht anders als 'Wade, Wade durchs Wasser,' und hob an, weil er der Vorderste war, sich auf den Weg zu machen, und in die Mosel hineinzugehen.
Nicht lang, so versank er in den Schlamm und in die antreibenden tiefen Wellen, seinen Hut aber jagte der Wind hinüber an das jenseitige Ufer, und ein Frosch setzte sich dabei, und quakte 'was, was, was.' Die sechs anderen hörten das drüben, und sprachen 'unser Gesell, der Herr Schulz, ruft uns, kann er hinüber Waden, warum wir nicht auch?' Sprangen darum eilig alle zusammen in das Wasser, und ertranken, also daß ein Frosch allein ihrer Sechs ums Leben brachte, und niemand von dem Schwabenbund wieder nach Haus kam.
Die drei Handwerksburschen.
Es waren drei Handwerksbursche, die hatten es verabredet, immer mit einander zu wandern, und in einer Stadt zu arbeiten.
Auf eine Zeit aber war kein Verdienst mehr, so daß sie ganz abgerissen wurden, und nichts zu leben hatten.
Da sprach der eine 'was sollen wir anfangen? zusammenbleiben können wir nicht länger, das soll die letzte Stadt sein, wo wir jetzt hineinkommen; finden wir keine Arbeit, so wollen wir beim Herbergsvater ausmachen daß wir ihm schreiben wo wir uns aufhalten, und einer vom anderen Nachricht haben kann, und dann wollen wir uns trennen;' das schien den anderen auch das Beste.
Wie sie noch im Gerede waren, so kam ihnen ein reich gekleideter Mann entgegen, der fragte wer sie wären.
'Wir sind Handwerksleute, suchen Arbeit, und haben uns bisher zusammen gehalten: weil wir aber keine mehr finden, wollen wir uns trennen.' 'Ei, das hat keine Not,' sprach der Mann, 'wenn ihr tun wollt, was ich euch sage, soll_es euch an Geld und Arbeit nicht fehlen; ja ihr sollt große Herren werden und zu Kutschen fahren.' Der eine sprach 'wenn_es unserer Seele und Seligkeit nicht schadet, so wollen wir_es wohl tun.' 'Nein,' antwortete der Mann, ich habe kein Teil an euch.'
Der andere aber hatte nach seinen Füßen gesehen, und als er da einen Pferdefuß und einen Menschenfuß erblickte, wollte er sich nicht mit ihm einlassen.
Der Teufel aber sprach 'gebt euch zufrieden, es ist nicht auf euch abgesehen, sondern auf eines anderen Seele, der schon halb mein ist, und dessen Maß nur voll laufen soll.' Weil sie nun sicher waren, willigten sie ein, und der Teufel sagte ihnen was er verlangte, der erste sollte auf jede Frage antworten 'wir alle drei;' der zweite 'ums Geld;' der dritte 'und das war Recht.' Das sollten sie immer hinter einander sagen, weiter aber dürften sie kein Wort sprechen, und überträten sie das Gebot, so wäre gleich alles Geld verschwunden; so lange sie es aber befolgten, sollten ihre Taschen immer voll sein.
Zum Anfang gab er ihnen auch gleich so viel, als sie tragen konnten, und hieß sie in die Stadt in das und das Wirtshaus gehen.
Sie gingen hinein, der Wirt kam ihnen entgegen, und fragte wollt ihr etwas zu essen?' Der erste antwortete 'wir alle drei.' 'Ja,' sagte der Wirt, 'das mein ich auch.' Der zweite 'ums Geld.' 'Das versteht sich sagte der Wirt.
Der dritte 'und das war Recht.' 'Ja wohl war_es Recht' sagte der Wirt.
Es wurde ihnen nun gut Essen und Trinken gebracht, und wohl aufgewartet, nach dem Essen mußte die Bezahlung geschehen, da hielt der Wirt dem einen die Rechnung hin, der sprach 'wir alle drei,' der zweite 'ums Geld,' der dritte 'und das war Recht.' 'Freilich ist_es Recht,' sagte der Wirt, 'alle drei bezahlen, und ohne Geld kann ich nichts geben.' Sie bezahlten aber noch mehr als er gefordert hatte.
Die Gäste sahen das mit an, und sprachen 'die Leute müssen toll sein.' 'Ja, das sind sie auch,' sagte der Wirt, 'sie sind nicht recht klug.' So blieben sie eine Zeit lang in dem Wirtshaus, und sprachen kein ander Wort als 'wir alle drei, ums Geld, und das war Recht.' Sie sahen aber, und wußten alles was darin vorging.
Es trug sich zu, daß ein großer Kaufmann kam mit vielem Geld, der sprach 'Herr Wirt, hebe er mir mein Geld auf, da sind die drei närrischen Handwerksbursche, die möchten mir_es stehlen.' Das tat der Wirt.
Wie er den Mantelsack in seine Stube trug, fühlte er daß er schwer von Gold war.
Darauf gab er den drei Handwerkern unten ein Lager, der Kaufmann aber kam oben hin in eine besondere Stube.
Als Mitternacht war, und der Wirt dachte sie schliefen alle, kam er mit seiner Frau, und sie hatten eine Holzaxt, und schlugen den reichen Kaufmann tot; nach vollbrachtem Mord legten sie sich wieder schlafen.
Wies nun Tag war, gab_es großen Lärm, der Kaufmann lag tot im Bett, und schwamm in seinem Blut; da liefen alle Gäste zusammen, der Wirt aber sprach 'das haben die drei tollen Handwerker getan.'
Die Gäste bestätigten es, und sagten 'niemand anders kann_es gewesen sein.' Der Wirt aber ließ sie rufen, und sagte zu ihnen 'habt ihr den Kaufmann getötet?' 'Wir alle drei sagte der erste, 'ums Geld der zweite, 'und das war Recht ' der dritte.
'Da hört ihrs nun,' sprach der Wirt, 'sie Gestehens selber.' Sie wurden also ins Gefängnis gebracht, und sollten gerichtet werden.
Wie sie nun sahen daß es so ernsthaft ging, wurde ihnen doch Angst, aber Nachts kam der Teufel, und sprach 'haltet nur noch einen Tag aus, und verscherzt euer Glück nicht, es soll euch kein Haar gekrümmt werden.' Am anderen Morgen wurden sie vor Gericht geführt; da sprach der Richter 'seid ihr die Mörder?' 'Wir alle drei.' 'Warum habt ihr den Kaufmann erschlagen?' 'Ums Geld.' 'Jhr Bösewichter, sagte der Richter, habt ihr euch nicht der Sünde gescheut?' 'Und das war Recht.' 'Sie haben bekannt, und sind noch dazu halsstarrig,' sprach der Richter, 'führt sie gleich zum Tod.' Also wurden sie hinaus gebracht, und der Wirt mußte mit in den Kreis treten: wie sie nun von den Henkersknechten gefaßt, und oben aufs Gerüst geführt wurden, wo der Scharfrichter mit bloßem Schwerte stand, kam auf einmal eine Kutsche, mit vier blutroten Füchsen bespannt, und fuhr daß das Feuer aus den Steinen sprang, aus dem Fenster aber winkte einer mit einem weißen Tuche.
Da sprach der Scharfrichter 'es kommt Gnade,' und wurde auch aus dem Wagen 'Gnade! Gnade!' gerufen.
Da trat der Teufel heraus, als ein sehr vornehmer Herr, prächtig gekleidet, und sprach 'ihr drei seid unschuldig; ihr dürft nun sprechen, sagt heraus was ihr gesehen und gehört habt.' Da sprach der älteste 'wir haben den Kaufmann nicht getötet, der Mörder steht da im Kreis,' und deutet auf den Wirt, 'zum Wahrzeichen geht hin in seinen Keller, da hängen noch viele andere, die er ums Leben gebracht.' Da schickte der Richter die Henkersknechte hin, die fanden es, wies gesagt war, und als sie dem Richter das berichtet hatten, ließ er den Wirt hinauf führen, und ihm das Haupt abschlagen.
Da sprach der Teufel zu den drei 'nun habe ich die Seele, die ich haben wollte, ihr seid aber frei, und habt Geld für euer Lebtag.'
121. Der Königssohn der sich vor nichts fürchtet.
Es war einmal ein Königssohn, dem gefiel nicht mehr daheim in seines Vaters Haus, und weil er vor nichts Furcht hatte, so dachte er 'ich will in die weite Welt gehen, da wird mir Zeit und Weile nicht lang, und ich werde wunderliche Dinge genug sehen.' Also nahm er von seinen Eltern Abschied, und ging fort, immer zu, von Morgen bis Abend, und es war ihm einerlei, wo hinaus ihn der Weg führte.
Es trug sich zu, daß er vor eines Riesen Haus kam und weil er müde war, setzte er sich vor die Türe, und ruhte. Und als er seine Augen so hin und her gehen ließ, sah er auf dem Hof des Riesen Spielwerk liegen; das waren ein paar große Kugeln und mächtige Kegel dabei. Über ein Weilchen bekam der Königssohn Lust, stellte sich die Kegel auf, und schob mit den Kugeln danach, schrie und rief wenn die Kegel fielen, und war guter Dinge.
Der Riese hörte den Lärm, streckte seinen Kopf zum Fenster heraus, und erblickte einen Menschen, der nicht größer war als die anderen Menschen, und doch mit seinen Kegeln spielte.
Da rief er 'Würmchen, kegelst du mit meinen Kegeln? wer hat dir die Stärke dazu gegeben?' Der Königssohn schaute auf, sah den Riesen an, und sprach 'o du Klotz, du meinst wohl deine Arme wären allein stark? ich kann alles, wozu ich Lust habe.' Der Riese kam herab, sah den Königssohn ganz verwundert an, und sprach 'Menschenkind, wenn_es so mit dir beschaffen ist, so gehe doch, und hole mir einen Apfel vom Baum des Lebens.' 'Was willst du damit?' sprach der Königssohn. 'Ich will den Apfel nicht für mich,' antwortete der Riese, 'aber meine Braut die verlangt danach; ich bin schon ausgewesen, aber ich kann den Baum nicht einmal finden.' 'Wenn ich mich erst aufmache,' sagte der Königssohn, 'will ich den Baum schon finden, und es sollte mir wunderlich vorkommen wenn ich den Apfel nicht herunterholte.' Der Riese sprach 'es ist nicht so leicht, wie du meinst; der Garten, worin der Baum steht, ist mit einem eisernen Gitter eingefaßt, und vor dem Gitter liegen wilde Tiere, eins neben dem anderen, die halten Wache, und lassen keinen Menschen hinein.' 'Mich werden sie schon einlassen,' sagte der Königssohn, 'ich fürchte mich vor nichts.' 'Ja, bist du auch in dem Garten, und siehst den Apfel am Baum hängen, so ist er doch noch nicht dein, es hängt ein Ring davor, durch den muß einer die Hand stecken, der den Apfel erreichen und abbrechen will, und das ist noch keinem geglückt.' 'O, das ist mir aufgehoben,' sprach der Königssohn, 'mir soll_es schon glücken.'
Da nahm er Abschied von dem Riesen, ging fort über Berg und Tal, durch Felder und Wälder, bis er endlich den Wundergarten fand. Die Tiere lagen rings herum, aber sie hatten die Köpfe gesenkt, und schliefen. Sie erwachten auch nicht, und er stieg über sie weg, und an dem Gitter hinauf, und kam glücklich in den Garten. Da stand mitten inne der Baum des Lebens, und die roten Äpfel leuchteten an den Ästen. Er kletterte an dem Stamm in die Höhe, und wie er nach einem Apfel reichen wollte, sah er einen Ring davor hängen, aber er konnte ohne Mühe seine Hand durchstecken, und den Apfel brechen. Der Ring aber blieb an seinem Arme fest hängen, und der Königssohn fühlte auf einmal eine solche Kraft in seinen Gliedern, daß er merkte er würde jetzt alles bändigen können.
Als er von dem Baum herabgestiegen war, wollte er nicht über das Gitter klettern, sondern er faßte das große Tor, schüttelte einmal daran, und es sprang mit Krachen vor ihm auf. Da ging er hinaus, und der Löwe, der davor gelegen hatte, war wach geworden, und sprang ihm nach, aber nicht in Wut und Wildheit, sondern er folgte ihm demütig als seinem Herrn, gehorchte ihm, und wollte seine Spur nicht wieder verlassen.
Der Königssohn brachte dem Riesen den versprochenen Apfel. 'Siehst du,' sprach er, 'ich habe ihn ohne Mühe geholt.' Der Riese war froh daß sein Wunsch so bald erfüllt war, eilte zu seiner Braut, und gab ihr den Apfel, den sie verlangt hatte. Es war eine schöne und kluge Jungfrau, und da sie den Ring nicht an seinem Arm sah, sprach sie 'ich glaube nicht eher daß du den Apfel geholt hast, als bis ich den Ring an deinem Arm erblicke.' 'O,' sagte der Riese, 'ich will heim gehen, und ihn holen,' und meinte es wäre ein leichtes dem schwachen Menschen ihn abzunehmen, wenn er ihn nicht gutwillig geben wollte.
Da ging er zurück, und forderte den Ring von dem Königssohn; der aber wollte ihn nicht geben. 'Wo der Apfel ist muß auch der Ring sein,' sprach der Riese, 'gibst du ihn nicht gutwillig, so mußt du mit mir darum kämpfen.'
Sie rangen lange Zeit mit einander, aber der Riese konnte dem Königssohn nichts anhaben, so stark war dieser durch die Zauberkraft des Ringes. Da erdachte der Riese eine List, und sprach zu ihm 'es ist uns warm geworden bei dem Kampf, wir wollen uns erst im Flusse baden und kühlen, ehe wir wieder anfangen.'
Der Königssohn, der von Falschheit nichts wußte, ging mit ihm zu dem Wasser, zog seine Kleider ab, streifte auch den Ring vom Arm, legte ihn daneben, und sprang in den Fluß. Alsbald ergriff der Riese den Ring, und lief damit fort, aber der Löwe, der den Diebstahl bemerkt hatte, setzte dem Riesen nach, nahm ihm den Ring wieder ab, und brachte ihn seinem Herrn zurück. Da versteckte sich der Riese hinter einen Eichbaum, und als der Königssohn eben beschäftigt war seine Kleider wieder anzuziehen, überfiel er ihn, und stach ihm beide Augen aus.
Nun war der arme Königssohn blind, und stand da, und wußte sich nicht zu helfen. Da trat der Riese wieder herzu, und faßte den Blinden bei der Hand, wie jemand der ihn leiten wollte, und führte ihn auf die Spitze eines hohen Felsens. Dann verließ er ihn, und dachte 'wenn er noch ein paar Schritte geht, so stürzt er sich tot, und ich kann ihm den Ring abnehmen.' Aber der treue Löwe hatte seinen Herrn nicht verlassen, hielt ihn am Kleide fest, und zog ihn allmählich wieder zurück.
Als der Riese zurück kam, und den Toten berauben wollte, da fand er ihn gerettet. 'Ist denn ein so schwaches Menschenkind nicht zu verderben!' sprach er zornig zu sich selbst, faßte den Königssohn, und führte ihn zum zweitenmal auf einem anderen Weg zum Abgrund; aber der Löwe, der die böse Absicht merkte, half seinem Herrn treulich aus der Gefahr. Als sie bis zum Rand gekommen waren, und der Riese die Hand des Königssohns fahren ließ, um ihn allein zurückzulassen, da sprang der Löwe mit aller Macht gegen das Ungeheuer daß es hinabstürzte, und ganz zerschmettert wurde.
Danach zog er seinen Herrn wieder herab, und leitete ihn zu einem Baum, an dem ein klarer Bach floß. Der Königssohn setzte sich da nieder, der Löwe aber legte sich und spritzte, so gut er konnte, mit seiner Tatze ihm das Wasser ins Antlitz. Ein paar Tröpfchen trafen auch glücklich die Augen, und benetzten sie, und der Königssohn merkte, daß sein Gesicht wiederkam, denn er hatte einigen Schein, und konnte etwas in der Nähe unterscheiden. Er wußte aber nicht woher das gekommen war. Da sah er ein Vöglein, das flog ganz nah an seinem Gesicht vorbei, gerade wider den Baumstamm, so daß es sich daran stieß, gleich als wäre es blind; es senkte sich aber in das Wasser, und badete sich darin, dann flog es wieder auf, und strich ganz sicher zwischen den Bäumen hin, so daß man wohl merken konnte es wäre jetzt wieder sehend. Da dachte der Königssohn das wäre ein Wink Gottes, und neigte sich herab zu dem Wasser, und wusch und badete sich darin das Gesicht.
Und wie er sich aufrichtete, hatte er seine Augen wieder, so hell und rein, wie sie nie gewesen waren. Der Königssohn dankte Gott für die große Gnade, und zog mit seinem Löwen weiter in der Welt herum. Nun trug es sich zu daß er vor ein Schloß kam, welches verwünscht war; in dem Tor stand eine Jungfrau von schöner Gestalt und feinem Antlitz, aber sie war ganz schwarz. Sie redete ihn an, und sprach 'ach, könntest du mich erlösen aus dem Zauber, der mich hier hält, und Gewalt über mich hat!' Da sagte der Königssohn 'was soll ich tun, dich zu befreien?' Die Jungfrau antwortete 'drei Nächte mußt du in dem großen Saal des verwünschten Schlosses zubringen, aber es darf keine Furcht in dein Herz kommen. Hältst du aus was dir böses angetan wird, ohne einen Laut von dir zu geben, so bin ich erlöst; das Leben dürfen sie dir doch nicht nehmen.' Da sprach der Königssohn 'ich will es mit Gottes Hilfe versuchen, ich fürchte nichts auf der ganzen Welt.' Also ging er fröhlich in das Schloß, setzte sich in den großen Saal, und wartete bis die Nacht kam. Es war still und ruhig bis Mitternacht, da fing der Lärm an: nicht bloß durch die Türen, auch aus allen Ecken und Winkeln kamen kleine Teufel herbei. Sie taten als ob sie ihn nicht sähen, setzten sich mitten in die Stube, machten ein Feuer an, und fingen an zu spielen. Wenn einer verlor, sprach er 'es ist nicht richtig, es ist einer da, der nicht zu uns gehört, der ist Schuld, daß ich verliere.' 'Wart ich komme, du hinter dem Ofen,' sagte ein anderer. Das Schreien wurde auch immer größer und so arg, daß es niemand ohne Schrecken hätte anhören können. Der Königssohn aber fürchtete sich nicht, doch endlich sprangen die Teufel auf, und fielen über ihn her, und es waren so viel, daß er sich ihrer nicht erwehren konnte. Sie zerrten ihn auf die Erde, und zwickten drückten schlugen und quälten ihn, aber er ertrug ohne Furcht, und gab keinen Laut von sich. Gegen Morgen verschwanden sie, und er war so abgemattet, daß er kaum seine Glieder regen konnte; als aber der Tag anbrach, da trat die schwarze Jungfrau zu ihm herein. Sie trug in ihrer Hand eine kleine Flasche, worin Wasser des Lebens war, damit wusch sie ihn, und alsbald fühlte er alle Schmerzen verschwinden, war frisch und munter. Sie sprach 'eine Nacht hast du glücklich ausgehalten, aber noch zwei stehen dir bevor.' Da ging sie wieder weg, und im Weggehen bemerkte er, daß ihre Füße weiß geworden waren. In der folgenden Nacht kamen die Teufel wieder, und fingen ihr Spiel an, fielen aber bald über den Königssohn her, und schlugen ihn gewaltig, viel härter als in der vorigen Nacht, daß sein Leib voll Wunden war. Doch da er alles still ertrug, mußten sie von ihm lassen, und als die Morgenröte anbrach, erschien die Jungfrau, und heilte ihn mit dem Lebenswasser. Und als sie weggieng, sah er mit Freuden daß sie schon weiß geworden war bis zu den Fingerspitzen. Nun hatte er nur noch eine Nacht auszuhalten, aber die war die schlimmste. Der Teufelsspuk kam wieder; 'bist du noch da?' schrien sie, 'wart du sollst gepeinigt werden, daß dir der Atem stehen bleibt.' Sie stachen und schlugen ihn, warfen ihn hin und her, und rissen ihn an den Gliedern, als wollten sie ihn zerreißen, aber er gab keinen Laut von Schmerz und Angst von sich, tröstete sich, und dachte es wird vorübergehen, und dann ist die Jungfrau aus ihrer Gewalt befreit. Doch als die Teufel ihn verließen, so lag er da ohnmächtig, und konnte sich nicht regen; er konnte auch nicht die Augen aufheben, um die Jungfrau zu sehen, die herein kam, und ihn mit dem Wasser des Lebens benetzte und begoß. Aber auf einmal war er von allen Schmerzen befreit, und fühlte sich frisch und gesund, als wäre er aus einem Schlaf erwacht, und wie er die Augen aufschlug, so sah er die Jungfrau neben sich stehen, die war schneeweiß und so schön, daß sie leuchtete wie der helle Tag. Sie sprach zu ihm 'steh auf, und schwinge dein Schwert dreimal über die Treppe, so wird alles erlöst sein.' Und als er das getan hatte, da war das ganze Schloß vom Zauber befreit. Die Jungfrau war eine reiche Königstochter; die Diener kamen und sagten im großen Saale wäre die Tafel schon zubereitet und die Speisen aufgetragen. Da setzten sie sich nieder, aßen und tranken zusammen, und Abends wurde in großen Freuden die Hochzeit gefeiert.122. Der Krautesel.
Es war einmal ein junger Jäger, der hatte ein frisches und fröhliches Herz, und ging in den Wald auf Anstand, und wie er so ging, und auf dem Blatt pfiff kam ein altes häßliches Mütterchen daher, das redete ihn an, und sprach 'guten Tag, lieber Jäger, du bist wohl guter Dinge, aber ich leide Hunger und Durst, gib mir doch ein Almosen.' Da dauerte den Jäger das arme Mütterchen, daß er in seine Tasche griff, und ihr nach seinem Vermögen etwas reichte. Nun wollte er weiter gehen, aber die alte Frau hielt ihn an, und sprach 'höre an, lieber Jäger, was ich dir sage: für dein gutes Herz will ich dir ein Geschenk machen, gehe nur immer deiner Wege, über ein Weilchen wirst du an einen Baum kommen, darauf sitzen neun Vögel, die haben einen Mantel in den Krallen, und raufen sich darum. Da leg du deine Büchse an, und schieße mitten drunter: den Mantel werden sie dir wohl fallen lassen, aber auch einer von den Vögeln wird getroffen sein, und tot herabstürzen. Den Mantel nimm mit dir, es ist ein Wunschmantel, wenn du ihn um die Schultern wirfst, brauchst du dich nur an einen Ort zu wünschen, und gedacht, vollbracht, augenblicklich bist du dort. Den toten Vogel aber schneide auf, und nimm das Herz heraus, und verschluck es ganz, dann wirst du allen und jeden Morgen früh beim Aufstehen ein Goldstück unter deinem Kopfkissen finden, und das kommt dir zu von wegen des Vogelherzens.'
Der Jäger dankte der weisen Frau, und dachte bei sich 'schöne Dinge, die sie mir versprochen hat, wenn es nur auch all so einträfe.' Doch, wie er etwa hundert Schritte gegangen war, hörte er über sich in den Ästen ein Geschrei und Gezwitscher, daß er aufschaute: da sah er einen Haufen Vögel, die rissen mit den Schnäbeln und Füßen ein Tuch herum, schrien, zerrten und balgten sich, als wollt es ein jeder allein haben. 'Nun,' sprach der Jäger, 'das ist wunderlich, es kommt ja gerade so, wie das Mütterchen gesagt hat,' nahm die Büchse von der Schulter, legte an, und tat seinen Schuß mitten hinein, daß die Federn herumflogen. Alsbald nahm das Getier mit großem Schreien die Flucht, aber einer fiel tot herab, und der Mantel sank ebenfalls herunter. Da tat der Jäger wie ihm die Alte geheißen hatte, schnitt den Vogel auf, suchte das Herz, schluckte es hinunter, und nahm den Mantel mit nach Haus. Am anderen Morgen, als er aufwachte, fiel ihm die Verheißung ein, und er wollte sehen ob sie auch einträfe. Wie er aber sein Kopfkissen in die Höhe hob, da schimmerte ihm das Goldstück entgegen, und am anderen Morgen fand er wieder eins, und so weiter jedesmal, wenn er aufstand. Er sammelte sich einen Haufen Gold, endlich aber dachte er 'was hilft mir all mein Gold, wenn ich daheim bleibe? ich will ausziehen und mich in der Welt umsehen.'
Da nahm er von seinen Eltern Abschied, hing seinen Jägerranzen und seine Flinte um, und zog in die Welt. Es trug sich zu, daß er eines Tages durch einen dicken Wald kam, und wie der zu Ende war, lag in einer Ebene vor ihm ein ansehnliches Schloß. In einem Fenster desselben stand gerade eine Alte mit einer wunderschönen Jungfrau, und schaute herab. Die Alte aber war eine Hexe, und sprach zu dem Mädchen 'dort kommt einer aus dem Wald, der hat einen wunderbaren Schatz im Leib, den müssen wir darum berücken, mein Herzenstöchterchen, uns steht das besser an als ihm. Er hat ein Vogelherz bei sich, deshalb liegt jeden Morgen ein Goldstück unter seinem Kopfkissen.' Und erzählte ihr wie es damit beschaffen wäre, und wie sie darum zu spielen hätte, und zuletzt drohte sie, und sprach mit zornigen Augen 'und wenn du mir nicht gehorchst, so bist du unglücklich.' Als nun der Jäger näher kam, erblickte er das Mädchen, und sprach zu sich 'ich bin nun so lang herum gezogen, ich will einmal ausruhen, und in das schöne Schloß einkehren, Geld habe ich ja vollauf.' Eigentlich aber war die Ursache, daß er ein Auge auf das schöne Bild geworfen hatte. Nun trat er in das Haus ein, und wurde freundlich empfangen, und höflich bewirtet. Es dauerte nicht lange, da war er so in das Hexenmädchen verliebt, daß er an nichts anders mehr dachte, und nur nach ihren Augen sah, und was sie verlangte, das tat er gerne. Da sprach die Alte 'nun müssen wir das Vogelherz haben, er wird nichts spüren, wenn es ihm fehlt.' Sie richteten einen Trank zu, und wie der gekocht war, tat sie ihn in einen Becher, und gab ihn dem Mädchen, das mußte ihn dem Jäger reichen. Sprache es 'nun, mein Liebster, trinke mir zu.' Da nahm er den Becher, und wie er den Trank geschluckt hatte, brach er das Herz des Vogels aus dem Leibe. Das Mädchen mußte es heimlich fortschaffen, und dann selbst verschlucken, denn die Alte wollte es haben. Von nun an fand er kein Gold mehr unter seinem Kopfkissen, sondern es lag unter dem Kissen des Mädchens, wo es die Alte jeden Morgen holte; aber er war so verliebt und vernarrt, daß er an nichts anders dachte, als sich mit dem Mädchen die Zeit zu vertreiben. Da sprach die alte Hexe 'das Vogelherz haben wir, aber den Wunschmantel müssen wir ihm auch abnehmen.' Antwortete das Mädchen 'den wollen wir ihm lassen, er hat ja doch seinen Reichtum verloren.' Da wurde die Alte bös, und sprach 'so ein Mantel ist ein wunderbares Ding, das selten auf der Welt gefunden wird, den soll und muß ich haben.' Und gab dem Mädchen Anschläge, und sagte wenn es ihr nicht gehorchte, sollte es ihm schlimm ergehen. Da tat es nach dem Geheiß der Alten, und stellte sich einmal ans Fenster, und schaute in die weite Gegend, als wäre es ganz traurig. Fragte der Jäger 'was stehst du so traurig da?' 'Ach, mein Schatz,' gab es zur Antwort, 'da gegenüber liegt der Granatenberg, wo die köstlichen Edelsteine wachsen.
Danach trage ich so groß Verlangen, daß wenn ich daran denke, ich ganz traurig bin; aber wer kann sie holen! nur die Vögel, die fliegen können, kommen hin, ein Mensch nimmermehr.' 'Hast du weiter nichts zu klagen,' sagte der Jäger, 'den Kummer will ich dir bald vom Herzen nehmen.' Damit faßte er sie unter seinen Mantel, und wünschte sich hinüber auf den Granatenberg, und im Augenblick saßen sie auch beide drauf.
Da schimmerte das edle Gestein von allen Seiten, daß es eine Freude war anzusehen, und sie lasen das schönste und kostbarste zusammen.
Nun hatte es aber die Alte durch ihre Hexenkunst bewirkt daß dem Jäger die Augen schwer wurden. Er sprach zu dem Mädchen 'wir wollen ein wenig niedersitzen und ruhen, ich bin so müde, daß ich mich nicht mehr auf den Füßen erhalten kann.' Da setzten sie sich, und er legte sein Haupt in ihren Schoß, und schlief ein.
Wie er entschlafen war, da band es ihm den Mantel von den Schultern, und hing ihn sich selbst um, las die Granaten und Steine auf, und wünschte sich damit nach Haus.
Als aber der Jäger seinen Schlaf ausgetan hatte, und aufwachte, sah er daß seine Liebste ihn betrogen und auf dem wilden Gebirge allein gelassen hatte. 'O,' sprach er, 'wie ist die Untreue so groß auf der Welt!' saß da in Sorge und Herzleid, und wußte nicht was er anfangen sollte.
Der Berg aber gehörte wilden und ungeheuren Riesen, die darauf wohnten und ihr Wesen trieben, und wie er so saß, sah er ihrer drei daher schreiten.
Da dachte er 'wie kann ich mich anders retten, als daß ich mich schlafend stelle,' und legte sich geschwind nieder, als wäre er in tiefen Schlaf versunken.
Nun kamen die Riesen herbei, und der erste stieß ihn mit dem Fuß an, und sprach 'was liegt da für ein Erdwurm, und beschaut sich inwendig?' Der zweite sprach 'tritt ihn tot.' Der dritte aber sprach verächtlich 'das wäre der Mühe wert! laßt ihn nur leben, hier kann er nicht bleiben, und wenn er höher bis auf die Bergspitze steigt, so packen ihn die Wolken, und tragen ihn fort.' Unter diesem Gespräch gingen sie vorüber, der Jäger aber hatte auf ihre Worte gemerkt, und sobald sie fort waren, stand er auf, und klemmte den Berggipfel hinauf.
Als er ein Weilchen da gesessen hatte, so schwebte eine Wolke heran, ergriff ihn, und trug ihn fort, und zog eine Zeitlang am Himmel her, dann senkte sie sich, und ließ sich über einen großen, rings mit Mauern umgebenen Krautgarten nieder, also daß er zwischen Kohl und Gemüsen sanft auf den Boden kam.
Da sah der Jäger sich um, und sprach 'wenn ich nur etwas zu essen hätte, ich bin so hungrig, und mit dem Weiterkommen wird_es schwer fallen; aber hier sehe ich keinen Apfel und keine Birne und keinerlei Obst, überall nichts als Krautwerk.' Endlich dachte er 'zur Not kann ich von dem Salat essen, der schmeckt nicht sonderlich, wird mich aber erfrischen.' Also suchte er sich ein schönes Haupt aus, und aß davon, aber kaum hatte er ein paar Bissen hinab geschluckt, so war ihm so wunderlich zu Mute, und er fühlte sich ganz verändert, und bekam vier Beine einen dicken Kopf und lange Ohren, und sah mit Schrecken daß er in einen Esel verwandelt war.
Doch weil er dabei immer noch großen Hunger spürte, und ihm der saftige Salat nach seiner jetzigen Natur ordentlich gut schmeckte, so aß er mit großer Gier immer zu.
Endlich gelangte er an eine andere Art Salat, aber kaum hatte er etwas davon verschluckt, so fühlte er aufs neue eine Veränderung, und er kehrte glücklich in seine menschliche Gestalt zurück.
Nun legte sich der Jäger nieder, und schlief seine Müdigkeit aus, und als er am anderen Morgen erwachte, brach er ein Haupt von dem bösen und dem guten Salat ab, und dachte 'das soll mir zu dem Meinigen wieder helfen, und die Treulosigkeit bestrafen.' Dann steckte er die Häupter zu sich, kletterte über die Mauer, und ging fort, das Schloß seiner Liebsten zu suchen.
Als er ein paar Tage herumgestrichen war, fand er es glücklicherweise wieder. Da bräunte er sich schnell sein Gesicht, daß ihn seine eigene Mutter nicht erkannt hätte, ging in das Schloß, und bat um eine Herberge.
'Jch bin so müde,' sprach er, 'und kann nicht weiter.' Fragte die Hexe 'Landsmann, wer seid ihr, und was ist euer Geschäft?' Er antwortete 'ich bin ein Bote des Königs, und war ausgeschickt, den köstlichsten Salat zu suchen, der unter der Sonne wächst. Ich bin auch so glücklich gewesen ihn zu finden, und trage ihn bei mir, aber die Sonnenhitze brennt gar zu stark, daß mir das zarte Kraut zu welken droht, und ich nicht weiß ob ich es weiter bringen werde.'
Als die Alte von dem köstlichen Salat hörte, wurde sie lüstern, und sprach 'lieber Landsmann, laßt mich doch den wunderbaren Salat versuchen.' 'Warum nicht?' antwortete er, 'ich habe zwei Häupter mitgebracht, und will euch eins geben,' machte seinen Sack auf, und reichte ihr das böse hin.
Die Hexe dachte an nichts Arges, und der Mund wässerte ihr so sehr nach dem neuen Gericht, daß sie selbst in die Küche ging, und es zubereitete.
Als er fertig war, konnte sie nicht warten, bis es auf dem Tisch stand, sondern sie nahm gleich ein paar Blätter, und steckte sie in den Mund, kaum aber waren sie verschluckt, so war auch die menschliche Gestalt verloren, und sie lief als eine Eselin hinab in den Hof.
Nun kam die Magd in die Küche, sah den fertigen Salat da stehen, und wollte ihn auftragen, unterwegs aber überfiel sie, nach alter Gewohnheit, die Lust zu versuchen, und sie aß ein paar Blätter.
Alsbald zeigte sich ihre Wunderkraft, und sie wurde ebenfalls zu einer Eselin, und lief hinaus zu der Alten, und die Schüssel mit Salat fiel auf die Erde.
Der Bote saß in der Zeit bei dem schönen Mädchen, und als niemand mit dem Salat kam, und es doch auch lüstern danach war, sprach es 'ich weiß nicht, wo der Salat bleibt.' Da dachte der Jäger 'das Kraut wird schon gewirkt haben,' und sprach 'ich will einmal nach der Küche gehen,' und wie er hinab kam, sah er die zwei Eselinnen im Hof herumlaufen, und den Salat auf der Erde liegen.
Schon recht,' sprach er, 'die zwei haben ihr Teil weg,' und hob die übrigen Blätter auf, legte sie auf die Schüssel, und brachte sie dem Mädchen.
'Jch bringe euch selbst das köstliche Essen,' sprach er, 'damit ihr nicht länger zu warten braucht.' Da aß sie davon, und war alsbald wie die übrigen ihrer menschlichen Gestalt beraubt, und lief als eine Eselin in den Hof.
Nachdem sich der Jäger sein Angesicht gewaschen hatte, also daß ihn die Verwandelten erkennen konnten, ging er hinab in den Hof, und sprach 'jetzt sollt ihr den Lohn für eure Untreue empfangen.'
Er band sie alle drei an ein Seil, und trieb sie fort, bis er zu einer Mühle kam. Er klopfte an das Fenster, der Müller steckte den Kopf heraus, und fragte was er wollte.
'Ich habe drei böse Tiere,' antwortete er, 'die ich nicht länger behalten mag. Wollt ihr sie bei euch nehmen, Futter und Lager geben, und sie halten wie ich euch sage, so Zahl ich dafür was ihr verlangt.' Sprache der Müller 'warum das nicht? wie soll ich sie aber halten?' Da sagte der Jäger der alten Eselin, welche die Hexe war, sollte er täglich dreimal Schläge und einmal zu fressen geben; der jüngern, welche die Magd war, einmal Schläge und dreimal Futter; und der jüngsten, welche das Mädchen war, keinmal Schläge und dreimal zu fressen; denn er konnte es doch nicht über das Herz bringen, daß das Mädchen sollte geschlagen werden.
Darauf ging er zurück in das Schloß, und was er nötig hatte, das fand er alles darin.
Nach ein paar Tagen kam der Müller, und sprach er müßte melden daß die alte Eselin, die nur Schläge bekommen hätte und nur einmal zu fressen, gestorben wäre; 'die zwei anderen,' sagte er weiter, 'sind zwar nicht gestorben, und kriegen auch dreimal zu fressen, aber sie sind so traurig, daß es nicht lang mit ihnen dauern kann.' Da erbarmte sich der Jäger, und ließ den Zorn fahren, und sprach zum Müller er sollte sie wieder hertreiben.
Und wie sie kamen, gab er ihnen von dem guten Salat zu fressen, daß sie wieder zu Menschen wurden.
Da fiel das schöne Mädchen vor ihm auf die Knie, und sprach 'ach, mein Liebster, verzeiht mir was ich Böses an euch getan, meine Mutter hatte mich dazu gezwungen; es ist gegen meinen Willen geschehen, denn ich habe euch von Herzen lieb. Euer Wunschmantel hängt in einem Schrank, und für das Vogelherz will ich einen Brechtrunk einnehmen.' Da wurde er anderes Sinnes, und sprach 'behalt es nur, es ist doch einerlei, denn ich will dich zu meiner treuen Ehegemahlin annehmen.' Und da wurde Hochzeit gehalten, und sie lebten vergnügt mit einander bis an ihren Tod.
123. Die Alte im Wald.
Es fuhr einmal ein armes Dienstmädchen mit seiner Herrschaft durch einen großen Wald, und als sie mitten darin waren, kamen Räuber aus dem Dickicht hervor, und ermordeten wen sie fanden.
Da kamen alle mit einander um bis auf das Mädchen, das war in der Angst aus dem Wagen gesprungen, und hatte sich hinter einen Baum verborgen.
Wie die Räuber mit ihrer Beute fort waren, trat es herbei, und sah das große Unglück. Da fing es an bitterlich zu weinen, und sagte 'was soll ich armes Mädchen nun anfangen, ich weiß mich nicht aus dem Wald heraus zu finden, keine Menschenseele wohnt darin, so muß ich gewiß verhungern.' Es ging herum, suchte einen Weg, konnte aber keinen finden.
Als es Abend war, setzte es sich unter einen Baum, befahl sich Gott, und wollte da sitzen bleiben, und nicht weggehen, möchte geschehen was immer wollte.
Als es aber eine Weile da gesessen hatte, kam ein weiß Täubchen zu ihm geflogen, und hatte ein kleines goldenes Schlüsselchen im Schnabel. Das Schlüsselchen legte es ihm in die Hand, und sprach 'siehst du dort den großen Baum, daran ist ein kleines Schloß, daß schließe mit dem Schlüsselchen auf, so wirst du Speise genug finden, und keinen Hunger mehr leiden.' Da ging es zu dem Baum, und schloß ihn auf, und fand Milch in einem kleinen Schüsselchen, und Weisbrot zum Einbrocken dabei, daß es sich satt essen konnte.
Als es satt war, sprach es 'jetzt ist es Zeit, wo die Hühner daheim auffliegen ich bin so müde, könnt ich mich doch auch in mein Bett legen.' Da kam das Täubchen wieder geflogen, und brachte ein anderes goldenes Schlüsselchen im Schnabel, und sagte 'schließe dort den Baum auf, so wirst du ein Bett finden.' Da schloß es auf, und fand ein schönes weiches Bettchen, da betete es zum lieben Gott, er möchte es behüten in der Nacht, legte sich, und schlief ein. Am Morgen kam das Täubchen zum drittenmal, brachte wieder ein Schlüsselchen, und sprach 'schließ dort den Baum auf, da wirst du Kleider finden,' und wie es aufschloß, fand es Kleider mit Gold und Edelsteinen besetzt, so herrlich, wie sie keine Königstochter hat. Also lebte es da eine Zeit lang, und kam das Täubchen alle Tage, und sorgte für alles, was es bedurfte, und war das ein stilles, gutes Leben. Einmal aber kam das Täubchen, und sprach 'willst du mir etwas zu Liebe tun?' 'Von Herzen gerne' sagte das Mädchen. Da sprach das Täubchen 'ich will dich zu einem kleinen Häuschen führen, da gehe hinein, mittendrin am Herd wird eine alte Frau sitzen und guten Tag sagen. Aber gib ihr bei Leibe keine Antwort, sie mag auch anfangen was sie will, sondern gehe zu ihrer rechten Hand weiter, da ist eine Türe, die mache auf, so wirst du in eine Stube kommen, wo eine große Menge von Ringen allerlei Art auf dem Tisch liegt, darunter sind prächtige mit glitzerigen Steinen, die laß aber liegen, und suche einen schlichten heraus, der auch darunter sein muß, und bringe ihn zu mir her, so geschwind du kannst.' Da ging das Mädchen hin zu dem Häuschen, und trat zu der Türe ein, da saß eine Alte, die machte große Augen wie sie es sah, und sprach 'guten Tag mein Kind.' Es gab ihr keine Antwort, und ging auf die Türe zu. 'Wo hinaus?' rief sie, und faßte es beim Rock, und wollte es festhalten, 'das ist mein Haus, da darf niemand herein, wenn ich_es nicht haben will.' Aber das Mädchen schwieg immer still, machte sich von ihr los, und ging gerade in die Stube hinein. Da lag nun auf dem Tisch eine übergroße Menge von Ringen, die glitzerten und glimmerten ihm vor den Augen, es warf sie herum, und suchte nach dem schlichten, konnte ihn aber nicht finden. Wie es so suchte, sah es die Alte, wie sie daher schlich, und einen Vogelkäfig in der Hand hatte, und damit fort wollte; da ging es auf sie zu, und nahm ihr den Käfig aus der Hand, und wie es ihn aufhob, und hinein sah, saß ein Vogel darin, der hatte den schlichten Ring im Schnabel. Da nahm es den Ring, und lief ganz froh damit zum Haus hinaus, und dachte das weiße Täubchen würde kommen, und den Ring holen, aber es kam nicht. Da lehnte es sich an einen Baum, und wollte auf das Täubchen warten, und wie es so stand, da war es als wäre der Baum weich und biegsam, und senkte seine Zweige herab. Und auf einmal schlangen sich die Zweige um es herum, und waren zwei Arme, und wie es sich umsah, war der Baum ein schöner Mann, der es umfaßte, und herzlich küßte, und sagte 'du hast mich erlöst und aus der Gewalt der Alten befreit, die eine böse Hexe ist. Sie hatte mich in einen Baum verwandelt, und alle Tage ein paar Stunden war ich eine weiße Taube, und so lang sie den Ring besaß, konnte ich meine menschliche Gestalt nicht wieder erhalten.' Da waren auch seine Bedienten und Pferde von den Zauber frei, und keine Bäume mehr, und standen neben ihm; da fuhren sie fort in sein Reich, denn er war eines Königs Sohn, und sie heirateten sich, und lebten glücklich.124. Die drei Brüder.
Es war ein Mann, der hatte drei Söhne, und weiter nichts im Vermögen als das Haus, worin er wohnte. Nun hätte jeder gerne nach seinem Tod das Haus gehabt, dem Vater war aber einer so lieb als der andere, da wußte er gar nicht wie er_es anfangen sollte, daß er keinem zu nahe täte; verkaufen wollt er das Haus auch nicht, weil_es von seinen Voreltern war, sonst hätte er das Geld unter sie geteilt. Da fiel ihm endlich ein Rat ein, und er sprach zu seinen Söhnen 'geht in die Welt, und versucht euch, und lerne jeder sein Handwerk, wenn ihr dann wiederkommt, wer das beste Meisterstück macht, der soll das Haus haben.'
Das waren die Söhne zufrieden, und der ältste wollte ein Hufschmied, der zweite ein Barbier, der dritte aber ein Fechtmeister werden. Darauf bestimmten sie eine Zeit, wo sie wieder nach Haus zusammen kommen wollten, und zogen fort. Es traf sich auch, daß jeder einen tüchtigen Meister fand, wo er was rechtschaffenes lernte. Der Schmied mußte des Königs Pferde beschlagen, und dachte 'nun kann dir_es nicht fehlen, du kriegst das Haus.' Der Barbier rasierte lauter vornehme Herrn, und meinte auch das Haus wäre schon sein. Der Fechtmeister kriegte manchen Hieb, bis aber die Zähne zusammen, und ließ sich_es nicht verdrießen, denn er dachte bei sich 'fürchtest du dich vor einem Hieb, so kriegst du das Haus nimmermehr.' Als nun die gesetzte Zeit herum war, kamen sie bei ihrem Vater wieder zusammen, sie wußten aber nicht wie sie die beste Gelegenheit finden sollten, ihre Kunst zu zeigen, saßen beisammen, und ratschlagten. Wie sie so saßen, kam auf einmal ein Hase übers Feld daher gelaufen. 'Ei,' sagte der Barbier, 'der kommt wie gerufen,' nahm Becken und Seife, schäumte, bis der Hase in die Nähe kam, dann seifte er ihn in vollem Laufe ein, und rasierte ihm auch in vollem Laufe ein Stutzbärtchen, und dabei schnitt er ihn nicht, und tat ihm an keinem Haare weh. 'Das gefällt mir,' sagte der Vater, 'wenn sich die anderen nicht gewaltig angreifen, so ist das Haus dein.' Es währte nicht lang, so kam ein Herr in einem Wagen daher gerannt in vollem Jagen. 'Nun sollt ihr sehen, Vater, was ich kann,' sprach der Hufschmied, sprang dem Wagen nach, riß dem Pferd, das in einem fort jagte, die vier Hufeisen ab, und schlug ihm auch im Jagen vier neue wieder an. 'Du bist ein ganzer Kerl,' sprach der Vater, 'du machst deine Sachen so gut, wie dein Bruder; ich weiß nicht, wem ich das Haus geben soll.' Da sprach der dritte 'Vater, laßt mich auch einmal gewähren,' und weil es anfing zu regnen zog er seinen Degen, und schwenkte ihn in Kreuzhieben über seinen Kopf, daß kein Tropfen auf ihn fiel; und als der Regen stärker wurde, und endlich so stark, als ob man mit Mulden vom Himmel göße, schwang er den Degen immer schneller, und blieb so trocken, als säße er unter Dach und Fach. Wie der Vater das sah, erstaunte er, und sprach 'du hast das beste Meisterstück gemacht, das Haus ist dein.'
Die beiden anderen Brüder waren damit zufrieden, wie sie vorher gelobt hatten, und weil sie sich einander so lieb hatten, blieben sie alle drei zusammen im Haus, und trieben ihr Handwerk; und da sie so gut ausgelernt hatten, und so geschickt waren, verdienten sie viel Geld. So lebten sie vergnügt bis in ihr Alter zusammen, und als der eine krank wurde und starb, grämten sich die zwei anderen so sehr darüber, daß sie auch krank wurden und bald starben. Da wurden sie, weil sie so geschickt gewesen waren, und sich so lieb gehabt hatten, alle drei zusammen in ein Grab gelegt.
125. Der Teufel und seine Großmutter.
Es war ein großer Krieg, und der König gab seinen Soldaten wenig Sold, so daß sie nicht davon leben konnten. Da taten sich drei zusammen, und wollten ausreißen. Einer sprach zum anderen 'wenn wir aber gekriegt werden, hängt man uns an den Galgenbaum; wie wollen wir das machen?' Sprache der andere 'da steht ein großes Kornfeld, wenn wir hineinkriechen, findet uns kein Mensch, das Heer kommt nicht hinein.' Da krochen sie hinein, und saßen zwei Tage und zwei Nächte im Korn, hatten aber so großen Hunger, daß sie beinahe gestorben wären, denn sie durften nicht heraus. Da sprachen sie 'was hilft uns unser Ausreißen, wir müssen elendig im Korn sterben.' Indem kam ein feuriger Drache über das Kornfeld durch die Luft geflogen, der sah sie liegen, und fragte 'was tut ihr drei da im Korn?' Sie antworteten 'wir sind drei ausgerissene Soldaten, wir konnten von unserem Sold nicht länger unser Leben fristen, nun müssen wir hier Hungers sterben, weil das Heer rund herum liegt, und wir nicht entrinnen können.' 'Wollt ihr mir sieben Jahre dienen,' sagte der Drache, 'so will ich euch mitten durchs Heer führen, daß euch niemand kriegen soll?' 'Wir haben keine Wahl, und sind_es zufrieden' antworteten sie. Da nahm sie der Drache in seine Klauen, und unter seine Fittiche, brachte sie durch die Luft über das Heer weg in Sicherheit, und setzte sie wieder auf die Erde. Er war aber der Teufel, und gab ihnen ein kleines Peitschchen, womit sie sich Geld peitschen konnten so viel sie wollten. 'Damit,' sprach er, 'könnt ihr große Herren werden, und in Wagen fahren; nach Verlauf der sieben Jahre aber seid ihr mein eigen,' und hielt ihnen ein Buch vor, in das mußten sie sich alle drei unterschreiben. 'Doch will ich euch,' sagte er, 'dann erst noch ein Rätsel geben, könnt ihr das raten, sollt ihr frei und aus meiner Gewalt sein.' Da ging der Drache von ihnen weg, und sie reisten fort mit ihren Peitschchen, hatten Geld die Fülle, ließen sich Herrenkleider machen, und zogen in der Welt herum. Wo sie waren, lebten sie in Freuden und Herrlichkeit, fuhren mit Pferden und Wagen, aßen und tranken, und die sieben Jahre strichen in kurzer Zeit um. Als es nun damit bald zu Ende ging, da wurde zwei Angst und bang, der dritte aber Nahms auf die leichte Schulter, und sprach 'Brüder, fürchtet nichts, vielleicht können wir das Rätsel raten.' Wie sie so zusammen saßen, kam eine alte Frau daher, die fragte warum sie so traurig wären. 'Ach, was liegt euch daran, ihr könnt uns doch nicht helfen.' 'Wer weiß das, vertraut mir nur euren Kummer.' Da erzählten sie ihr daß sie fast sieben Jahr dem Teufel gedient hätten, der hätte ihnen Geld wie Heu geschafft, sie hätten sich ihm aber verschrieben, und wären sein Eigentum, wenn sie nach den sieben Jahren nicht ein Rätsel auflösen könnten. Die Alte sprach 'soll euch geholfen werden, so muß einer von euch zum Wald hinein gehen, und da wird er an eine zerfallene Klippe kommen, die aussieht wie ein Häuschen.'
Die zwei traurigen dachten 'das wird uns doch nicht retten,' und blieben vor dem Wald, der dritte lustige machte sich auf, und fand alles so, wie die Frau gesagt hatte. In dem Häuschen aber saß eine steinalte Frau, die war des Teufels Großmutter, und fragte ihn woher er käme, und was er wollte. Da erzählte er ihr alles, und weil er ein gar schöner Mensch war, hatte sie Erbarmen, und hob einen großen Stein auf. 'Darunter Sitz ganz still, wann der Drache kommt, will ich ihn um die Rätsel fragen.' Um zwölf Uhr Nachts kam der Drache geflogen, und wollte sein Essen, da deckte ihm seine Großmutter den Tisch, und trug Trank und Speise auf, daß er vergnügt war, und sie aßen und tranken zusammen. Da fragte sie ihn im Gespräch wies den Tag ergangen wäre, wie viel Seelen er kriegt hätte. 'Ich habe noch drei Soldaten, die sind meine sprach er. 'Ja, drei Soldaten,' sagte sie, 'die haben etwas an sich, die können dir noch entkommen.' Sprache der Teufel höhnisch 'die sind mir gewiß, denen gebe ich ein Rätsel auf, das sie nimmermehr raten können.' 'Was ist das für ein 'Rätsel?' fragte sie. 'Das will ich dir sagen: in der großen Nordsee liegt eine tote Meerkatze, das soll ihr Braten sein; und von einem Wallfisch die Rippe, das soll ihr silberner Löffel sein; und ein alter hohler Pferdefuß, das soll ihr Weinglas sein.' Da ging der Teufel fort zu schlafen, und die alte Großmutter hob den Stein auf, und ließ den Soldaten heraus. 'Hast du auch alles wohl in Acht genommen?' 'Ja,' sprach er, 'ich weiß genug, und will mir schon helfen.' Darauf mußte er auf einem anderen Weg durchs Fenster schnell zu seinen Gesellen zurück gehen, damit ihn der Teufel nicht merkte. Wie er nun zu den anderen kam, erzählte er ihnen was er gehört hatte, und sie konnten nun raten was sonst keine Seele geraten hätte. Da waren sie alle fröhlich und guter Dinge, und peitschten sich Geld genug. Als nun die sieben Jahre völlig herum waren, kam der Teufel mit dem Buche, zeigte die Unterschriften, und sprach 'ich will euch nun in die Hölle mitnehmen, da sollt ihr eine Mahlzeit haben, könnt ihr mir raten, was ihr für einen Braten werdet zu essen kriegen, so sollt ihr frei und los sein, und das Peitschchen dazu behalten.' Da fing der erste Soldat an 'in der großen Nordsee liegt eine tote Meerkatze, das wird wohl der Braten sein.' der Teufel ärgerte sich, machte 'hm! hm! hm!' und fragte den zweiten 'was soll aber euer Löffel sein?' Da antwortete er 'von einem Wallfisch die Rippe, das soll unser silberner Löffel sein.' Der Teufel schnitt ein Gesicht, knurrte wieder dreimal 'hm! hm! hm!' und sprach zum dritten 'wißt ihr auch was euer Weinglas sein soll?' 'Ein alter Pferdefuß,' antwortete er, 'das soll unser Weinglas sein.' Da flog der Teufel fort, ließ sie im Stich, und hatte keine Gewalt mehr über sie; aber die drei behielten das Peitschchen, schlugen Geld hervor, so viel sie wollten, und lebten vergnügt bis an ihr Ende.126. Ferenand getrü un Ferenand ungetrü.
Et was Mal en Mann un 'ne Frau Weste, de hadden so lange se rick wören keine Kinder, as se awerst arm woren, da kregen se en kleinen Jungen. Se können awerst keinen Paen dato kregen, da segde de Mann, he wolle Mal na den anderen Ohr (Orte) gehen, un tosehn ob he da einen krege.
Wie he so gienk, begegnete ünn en armen Mann, de frog en wo he hünne wolle, he segde he wolle hin, un tosehn das he 'n Paen kriegte, he sie arm, un da wolle ünn ken Minske to Gevaher stehen.
'O,' segde de arme Mann, 'gi sied arm, un ik sie arm, ik will guhe (euer) Gevaher wären; ik sie awerst so arm, ik kann dem Kinne nix giwen, gahet hen, un segget de Bähmoer (Wehmutter) se sulle man mit den Kinne na der Kerken kommen.' Ase se nun tohaupe an der Kerken kommt, da is de Bettler schaun darin, de givt dem Kinne den Namen Ferenand getrü.
Wie he nun ut der Kerken gahet, da segd de Bettler, 'un gahet man na Hause, ik kann guh (euch) nix giwen, und gi süllt mi ok nix giwen.' De Bähmoer awerst gav he 'n Schlüttel, un segd er se mögt en, wenn se na Hause käme, dem Vaer giwen, de soll'n verwahren, bis das Kind vertein Jahr old wäre, dann soll et up de Heide gehen, da wäre 'n Schlott, dato paßte de Schlüttel, was darin wäre, das sulle em hören.
Wie das Kind nun sieben Jahr alt wor, un düet (tüchtig) wassen wor, gienk et Mal spielen mit anderen Jungen, da hatte de eine noch mehr vom Paen kriegt, Ase de annere, he awerst kunne nix sagen, un da grinde he, un gienk na Hause, un segde tom Vaer 'hewe ik denn gar nix vom Paen kriegt?' 'O ja,' segde de Vaer, 'du hest en Schlüttel kriegt, wenn up de Heide 'n Schlott steit, so gah man hen, un schlut et up.' Da gienk he hen, awerst et was kein Schlott to hören un to sehen.
Wir na sieben Jahren, Ase he vertein Jahr old is, geit he nochmals hen, da steit en Schlott darup. Wie he et upschloten hat, da is der nix enne, Ase 'n Pferd, 'n Schimmel.
Da werde de Junge so voller Freuden, das he das Pferd hatte, das he sich darup sett, un to seinen Vaer jegd (jagt). 'Nun hew ik auch 'n Schimmel, nun will ik auch reisen' segd he. Da treckt he weg, un wie he unterwegs is, ligd da 'ne Schriftfeder up 'n Wegge, he will se eist (erst) upnümmen, da denkt he awerst wir bie sich 'o, du süst se auch liggen lassen, du findest ja wul, wo du hen kümmst, 'ne Schriftfeder, wenn du eine bruckest.' Wie he so weggeit, da roppt et hinner um 'Ferenand getrü, nimm se mit.' He süt sich ümme, süt awerst keinen, da geit he wir torugge, un nimmt se up.
Wie he wir 'ne Wile rien (geritten) is, kommt he bie 'n Water vorbie, so ligd da en Fisk am Oewer (Ufer), un schnappt un happet na Luft; so segd he 'töv, mein lewe Fisk, ik will die helpen, das du im Water kümmst,' un gript 'n bie'n Schwans, un werpt 'n im Water. Da steckt de Fisk den Kopp ut den Water, un segd 'nun du mie ut den Kot holpen hest, will ik die 'ne Flötenpiepen giwen, wenn du in de Naud bist, so flöte derup, dann will ik die helpen; wenn du Mal was im Water hest fallen lassen, so flöte man, so will ik et die heraus reicken.' Nun ritt he weg, da kommt so 'n Minsk to um, de fragt 'n, wo he hen will. 'O, na den neggsten Ohr.' 'Wu he dann heite?' 'Ferenand getrü.' 'Sü, da hewe wie ja fast den sülwigen Namen, ik heite Ferenand ungetrü.' Da trecket se beide na den neggsten Ohr in das Wertshus.
Nun was et schlimm, das de Ferenand ungetrü alles wusste, was'n anderer dachte hatte, un doen wolle; das wusste he döre so allerhand schlimme Künste. Et was awerst im Werthshuse so 'n wacker Mäken, das hatte 'n schier (klares) Angesicht, un drog sich so hübsch; das verleiv sich in den Ferenand getrü, denn et was 'n hübschen Menschen Weste, un frog'n wo he hen to wolle. 'O, he wolle so herum reisen.' Da segd se so soll he doch nur da bliewen, et wäre hier to Lande 'n König, de neime wul gern n' Bedeenten oder 'n Vorrüter; dabei sulle he in Diensten gehen. He antworde he künne nig gud so to einen hingehen, un been sich an. Da segde det Mäken 'o, das will ik dann schon dauen.' Un so gienk se auch stracks hen na den König, un sehde ünn se wüsste ünn 'n hübschen Bedeenten. Das was de wohl tofreen, un leit 'n to sich kommen, un will 'n tom Bedeenten macken. He will awerst leewer Vorrüter sin, denn wo sin Pferd wäre, da möst he auch sin; da macht 'n de König tom Vorrüter.
Wie düt de Ferenand ungetrü gewahr wore, da segd he to den Mäken 'töv, hilfst du den an, un mie nig?' 'O,' segd das Mäken, 'ik will 'n auch anhelpen.' Se dachte 'den most du die tom Freunde wahren, denn he is nig to truen.' Se geit alse vorm König stehen, un beide 'n als Bedeenten an; das is de König tofreen. Wenn he nun also det Morgens den Herren antrock, da jammerte de jümmer 'o wenn ik doch eist mine Leiveste bie mie hädde.' De Ferenand ungetrü war awerst dem Ferenand getrü jümmer uppsettsig, wie asso de König Mal wir so jammerte, da segd he 'Sie haben ja den Vorreiter, den schicken Sie hin, der muß sie herbeischaffen, und wenn er es nicht tut, so muß ihm der Kopf vor die Füße gelegt werden.' Da leit de König den Ferenand getrü to sich kommen, un sehde um he hädde da un da 'ne Leiweste, de soll he ünn herschappen, wenn he das nig deie, soll he sterwen.
De Ferenand getrü gienk in Stall to seinen Schimmel, un grinde un jammerde. 'O was sin ik 'n unglückliches Menschenkind.' Da röppet jeimes hinner um 'Ferdinand getreu, was weinst du?' He süt sich um, süt awerst neimes, un jammert jümmer fort 'o mein lewe Schümmelken, nun mot ik die verlaten, nun mot ik sterwen.' Da röppet et wir 'Ferdinand getreu, was weinst du?' Da merket he eist das das sin Schümmelken dei, das Fragen. 'Döst du das, mein Schümmelken, kannst du küren (reden)?' Un segd wir 'ik soll da un da hen, un soll de Brut halen, Weste du nig wie ik das wohl anfange.' Da antwoerd das Schümmelken 'gah du na den König, un segg wenn he die giwen wolle was du hewen möstest, so wullest du se ünn schappen: wenn he die 'n Schipp vull Fleisk, un 'n Schipp vull Brot giwen wolle, so soll et gelingen; da wören de grauten Riesen up den Water, wenn du denen ken Fleisk midde brächte, so terreitn se die: un da wören de grauten Vüggel, de pickeden die de Augen ut den Koppe, wenn du ken Brot vor se hättest.' Da lett de König alle Slächter im Lande schlachten, un alle Becker backen, das de Schippe vull werdet. Wie se vull sied, segd das Schümmelken tom Ferenand getrü 'nu gah man up mie Sitten, un treck mit mie im Schipp, wenn dann de Riesen kümmet, so segg
still, still, meine lieben Rieschen, ich habe euch wohl bedacht, ich habe euch was mitgebracht.
Un wenn de Vüggel kümmet, so seggst du wir
still, still, meine lieben Vögelchen, ich habe euch wohl bedacht, ich habe euch was mitgebracht.
Dann doet sie die nix, un wenn du dann bie das Schlott kümmst, dann helft die de Riesen, dann gah up das Schlott, un nimm 'n Paar Riesen mit, da ligd de Prinzessin, un schlöppet; du darfst se awerst nig upwecken, sondern de Riesen mött se mit den Bedde upnümmen, un in das Schipp dregen.'
(Und da geschah nun alles, wie das Schimmelchen gesagt hatte, und den Riesen und den Vögeln gab der Ferenand getrü was er ihnen mitgebracht hatte, dafür wurden die Riesen willig, und trugen die Prinzessin in ihrem Bett zum König.)
Un Ase se tom König kümmet, segd se se künne nig liwen, se möste Ehre Schriften hewen, de wören up ehren Schlotte liggen bliwen.
Da werde de Ferenand getrü up Anstifften det Ferenand ungetrü roopen, un de König bedütt ünn he sulle de Schriften von dem Schlotte halen, süst soll he sterwen.
Da geit he wir in Stall, un grind, un segd 'o mein lewe Schümmelken, nun soll ik noch 'n Mal weg, wie süll wie das macken?' Da segd de Schimmel se sullen das Schipp man wir vull laen (laden).
(Da geht es wieder wie das vorigemal, und die Riesen und Vögel werden von dem Fleisch gesättigt und besänftigt.)
Ase se bie das Schlott kümmet, segd de Schimmel to ünn he sulle man herin gehen, in den Schlafzimmer der Prinzessin, up den Diske, da lägen de Schriften.
Da geit Ferenand getrü hün, un langet se.
Ase se up'n Water sind, da let he sine Schriftfeder im Water fallen, da segd de Schimmel 'nun kann ik die awerst nig helpen.'
Da fällten das bie mit de Flötepiepen, he fängt an to flöten, da kommt de Fisk, un hat de Fedder im Mule, un langet se'm hen.
Nun bringt he de Schriften na den Schlotte, wo de Hochzeit hallen werde.
De Königin mochte awerst den König nig lien, weil he keine Nese hatte, sondern se mochte den Ferenand getrü gern lien.
Wie nun Mal alle Herens vom Hove zusammen sied, so segd de Königin, se könne auch Kunststücke macken, se künne einen den Kopp afhoggen, un wir upsetten, et soll nur mant einer versöcken.
Da will awerst keiner de eiste sein, da mott Ferenand getrü daran, wir up Anstifften von Ferenand ungetrü, den hogget se den Kopp af, un sett'n ünn auch wir up, et is auch glick wir tau heilt, das et ut Sache Ase hädde he 'n roen Faen (Faden) um 'n Hals.
Da segd de König to Ehre 'mein Kind, wo hast du denn das gelernt?' 'Ja,' segd se, 'die Kunst verstehe ich, soll ich es an dir auch einmal versuchen?' 'O ja segd he.
Da hogget se en awerst den Kopp af, un sett'n en nig wir upp, se doet as ob se'n nig darup kriegen künne, un as ob he nig fest Sitten wolle.
Da werde de König begrawen, se awerst frigget den Ferenand getrü.
He ride awerst jümmer seinen Schimmel, un Ase he Mal darup satt, da segd he to em he sulle Mal up 'ne annere Heide de he em wisst, trecken, und da dreimal mit em herum jagen.
Wie he das dahen hatte, da geit de Schimmel up de Hinterbeine stehen, un verwandelt sich in 'n Königssohn.
127. Der Eisenofen.
Zur Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat, wurde ein Königssohn von einer alten Hexe verwünscht, daß er im Walde in einem großen Eisenofen sitzen sollte.
Da brachte er nun viele Jahre zu, und konnte ihn niemand erlösen.
Einmal kam eine Königstochter in den Wald, die hatte sich irre gegangen, und konnte ihres Vaters Reich nicht wieder finden; neun Tage war sie so herum gegangen, und stand zuletzt vor dem eisernen Kasten.
Da fragte er sie 'wo kommst du her, und wo willst du hin?' Sie antwortete 'ich habe meines Vaters Königreich verloren, und kann nicht wieder nach Haus kommen.' Da sprach aus dem Eisenofen 'ich will dir wieder nach Haus verhelfen in einer kurzen Zeit, wann du dich willst unterschreiben zu tun was ich verlange.
Ich bin ein größerer Königssohn, als du eine Königstochter, und will dich heiraten.' Da erschrak sie, und dachte 'lieber Gott, was soll ich mit dem Eisenofen anfangen!'
' Weil sie aber gerne wieder zu ihrem Vater heim wollte, unterschrieb sie sich doch zu tun was er verlangte.
Er sprach aber 'du sollst wiederkommen, ein Messer mitbringen und ein Loch in das Eisen schrappen.'
Dann gab er ihr jemand zum Gefährten, der ging nebenher, und sprach nicht; er brachte sie aber in zwei Stunden nach Haus.
Nun war große Freude im Schloß, als die Königstochter wieder kam, und der alte König fiel ihr um den Hals, und küßte sie.
Sie war aber sehr betrübt, und sprach 'lieber Vater, wie mir_es gegangen hat!
ich wäre nicht wieder nach Haus gekommen aus dem großen wilden Walde, wann ich nicht wäre bei einen eisernen Ofen gekommen, dem habe ich mich müssen dafür unterschreiben, daß ich wollte wieder zu ihm zurückkehren, ihn erlösen, und heiraten.' Da erschrak der alte König so sehr, daß er beinahe in eine Ohnmacht gefallen wäre, denn er hatte nur die einzige Tochter.
Beratschlagten sich also, sie wollten die Müllerstochter, die schön wäre, an ihre Stelle nehmen; führten die hinaus, gaben ihr ein Messer, und hießen ihr an dem Eisenofen schaben.
Sie schrappte auch vier und zwanzig Stunden lang, konnte aber nicht das geringste herabbringen.
Wie nun der Tag anbrach, rief in dem Eisenofen 'mich dünkt es ist Tag draußen.' Da antwortete sie 'das dünkt mich auch, ich meint ich hörte meines Vaters Mühle rappeln.' 'So bist du ja eine Müllerstochter, dann gehe gleich hinaus, und laß die Königstochter herkommen.' Da ging sie hin, und sagte dem alten König der draußen wollte sie nicht, er wollte seine Tochter.
Da erschrak der alte König, und die Tochter weinte; sie hatten aber noch eine schöne Schweinehirtentochter, die war noch schöner, als die Müllerstochter, der wollten sie ein Stück Geld geben, damit sie für die Königstochter zum eisernen Ofen ginge.
Also wurde sie hinausgebracht, und mußte auch vier und zwanzig Stunden lang schrappen, sie brachte aber nichts davon.
Wie nun der Tag anbrach, rief im Ofen 'mich dünkt es ist Tag draußen.' Da antwortete sie 'das dünkt mich auch, ich meint ich hörte meines Vaters Hörnchen tüten.' 'So bist du ja eine Schweinehirtentochter, dann gehe gleich fort, und laß die Königstochter kommen; und sage ihr es sollt ihr widerfahren was ich ihr versprochen hätte, und wenn sie nicht käme, sollte im ganzen Reich alles zerfallen und einstürzen, und kein Stein auf dem anderen bleiben.' Als die Königstochter das hörte, fing sie an zu weinen, es war aber nun nichts anders, sie mußte ihr Versprechen halten.
Da nahm sie Abschied von ihrem Vater, steckte ein Messer ein, und ging zu dem Eisenofen in den Wald hinaus.
Wie sie nun angekommen war, hob sie an zu schrappen, und das Eisen gab nach, und wie zwei Stunden vorbei waren, hatte sie schon ein kleines Loch geschabt.
Da guckte sie hinein, und sah einen so schönen Königssohn, ach, der glimmerte, daß er ihr recht in der Seele gefiel.
Nun da schrappte sie noch weiter fort, und machte das Loch so groß, daß er heraus konnte.
Da sprach er 'du bist mein, und ich bin dein, du bist meine Braut, und hast mich erlöst.' Sie bat sich aus daß sie noch einmal dürfte zu ihrem Vater gehen, und der Königssohn erlaubte es ihr, sie sollte aber nicht mehr mit ihrem Vater sprechen als drei Worte, und dann sollte sie wiederkommen.
Also ging sie heim, sie sprach aber mehr als drei Worte, da verschwand alsbald der Eisenofen und war weit weg über gläserne Berge und schneidende Schwerter; doch war der Königssohn erlöst, und nicht mehr darin eingeschlossen.
Danach nahm sie Abschied von ihrem Vater, und nahm etwas Geld mit, aber nicht viel, ging wieder in den großen Wald, und suchte den Eisenofen, allein der war nicht wieder zu finden.
Neun Tage suchte sie, da wurde ihr Hunger so groß, daß sie sich nicht zu helfen wußte, denn sie hatte nichts mehr zu leben.
Und als es Abend wurde, setzte sie sich auf einen kleinen Baum, und gedachte darauf die Nacht hinzubringen, weil sie sich vor den wilden Tieren fürchtete.
Als nun Mitternacht heran kam, sah sie von fern ein kleines Lichtchen, dachte sie 'ach, da wäre ich wohl erlöst,' stieg vom Baum, und ging dem Lichtchen nach, auf dem Weg aber betete sie.
Da kam sie zu einem kleinen alten Häuschen, da war viel Gras umgewachsen, und stand ein kleines Häuschen Holz davor.
Dachte sie 'ach, wo kommst du hier hin!' guckte durchs Fenster hinein, so sah sie nichts darin, als dicke und kleine Jtschen (Kröten), aber einen Tisch, schön gedeckt mit Wein und Braten, und Teller und Becher waren von Silber.
Da nahm sie sich das Herz, und klopfte an.
Alsbald rief die Dicke
'Jungfer grün und klein, Hutzelbein, Hutzelbeins Hündchen, Hutzel hin und her, Laß geschwind sehen wer draußen wäre.'
Da kam eine kleine Jtsche herbei gegangen, und machte ihr auf.
Wie sie eintrat, hießen alle sie willkommen, und sie mußte sich setzen.
'Wo kommt ihr her?
wo wollt ihr hin?' Da erzählte sie alles, wie es ihr gegangen wäre, und weil sie das Gebot übertreten hätte, nicht mehr als drei Worte zu sprechen, wäre der Ofen weg samt dem Königssohn; nun wollte sie so lange suchen, und über Berg und Tal wandern bis sie ihn fände.
Da sprach die alte Dicke
'Jungfer grün und klein, Hutzelbein, Hutzelbeins Hündchen, Hutzel hin und her, bringe mir die große Schachtel her.'
Da ging die kleine hin, und brachte die Schachtel herbeigetragen; hernach gaben sie ihr Essen und Trinken, und brachten sie zu einem schönen gemachten Bett, das war wie Seide und Samt, da legte sie sich hinein, und schlief in Gottes Namen.
Als der Tag kam, stieg sie auf, und gab ihr die alte Jtsche drei Nadeln aus der großen Schachtel, die sollte sie mitnehmen; sie würden ihr nötig tun, denn sie müßte über einen hohen gläsernen Berg, und über drei schneidende Schwerter, und über ein großes Wasser; wenn sie das durchsetzte, würde sie ihren Liebsten wiederkriegen.
Nun gab sie hiermit drei Teile (Stücke), die sollte sie recht in Acht nehmen, nämlich drei große Nadeln, ein Pflugrad, und drei Nüsse.
Hiermit reiste sie ab, und wie sie vor den gläsernen Berg kam, der so glatt war, steckte sie die drei Nadeln als hinter die Füße, und dann wieder vorwärts, und gelangte so hinüber, und als sie hinüber war, steckte sie sie an einen Ort, den sie wohl in Acht nahm.
Danach kam sie vor die drei schneidenden Schwerter, da stellte sie sich auf ihr Pflugrad, und rollte hinüber.
Endlich kam sie vor ein großes Wasser, und wie sie übergefahren war, in ein großes schönes Schloß.
Sie ging hinein, und hielt um einen Dienst an, sie wäre eine arme Magd, und wollte sich gerne vermieten; sie wußte aber daß der Königssohn drinnen war, den sie erlöst hatte aus dem eisernen Ofen im großen Wald. Also wurde sie angenommen zum Küchenmädchen für geringen Lohn. Nun hatte der Königssohn schon wieder eine andere an der Seite, die wollte er heiraten, denn er dachte sie wäre längst gestorben. Abends nun, wie sie aufgewaschen hatte und fertig war, fühlte sie in ihre Tasche, und fand die drei Nüsse, welche ihr die alte Jtsche gegeben hatte. Bis eine auf, und wollte den Kern essen, siehe, da war ein stolzes königliches Kleid drin. Wies nun die Braut hörte, kam sie und hielt um das Kleid an, und wollte es kaufen, und sagte 'es wäre kein Kleid für eine Dienstmagd.' Da sprach sie nein sie wollt_es nicht verkaufen, doch wann sie ihr einerlei (ein Ding) wollte erlauben, so sollte sie_es haben, nämlich eine Nacht in der Kammer ihres Bräutigams zu schlafen. Die Braut erlaubt es ihr, weil das Kleid so schön war, und sie noch keins so hatte. Wies nun Abend war, sagte sie zu ihrem Bräutigam 'das närrische Mädchen will in deiner Kammer schlafen.' 'Wenn du_es zufrieden bist, bin ich_es auch sprach er. Sie gab aber dem Mann ein Glas Wein, in das sie einen Schlaftrunk getan hatte. Also gingen beide in die Kammer schlafen, und er schlief so fest, daß sie ihn nicht erwecken konnte. Sie weinte aber die ganze Nacht, und rief 'ich habe dich erlöst aus einem wilden Wald und aus einem eisernen Ofen, ich habe dich gesucht, und bin gegangen über einen gläsernen Berg über drei schneidende Schwerter und über ein großes Wasser, ehe ich dich gefunden habe, und willst mich doch nicht hören.' Die Bedienten saßen vor der Stubentüre, und hörten wie sie so die ganze Nacht weinte, und sagten am Morgen ihrem Herrn.
Und wie sie am anderen Abend aufgewaschen hatte, bis sie die zweite Nuß auf, da war noch ein weit schöneres Kleid drin; wie das die Braut sah, wollte sie es auch kaufen. Aber Geld wollte das Mädchen nicht, und bat sich aus daß es noch einmal in der Kammer des Bräutigams schlafen dürfte. Die Braut gab ihn aber wieder einen Schlaftrunk, und er schlief so fest, daß er nichts hören konnte. Das Küchenmädchen weinte aber die ganze Nacht und rief 'ich habe dich erlöst aus einem wilden Walde und aus seinem eisernen Ofen, ich habe dich gesucht, und bin gegangen über einen gläsernen Berg, über drei schneidende Schwerter und über ein großes Wasser, ehe ich dich gefunden habe, und willst mich doch nicht hören.' Die Bedienten saßen vor der Stubentüre, und hörten wie sie so die ganze Nacht weinte, und sagten am Morgen ihrem Herrn.
Und wie sie am dritten Abend aufgewaschen hatte, bis sie die dritte Nuß auf, da war ein noch schöneres Kleid drin, das starrte von purem Gold. Wie die Braut das sah, wollte sie es haben, das Mädchen aber gab es nur hin, wenn es zum drittenmal dürfte in der Kammer des Bräutigams schlafen. Der Königssohn aber hütete sich, und ließ den Schlaftrunk vorbeilaufen. Wie sie nun anfing zu weinen und zu rufen 'liebster Schatz, ich habe dich erlöst aus dem grausamen wilden Walde und aus einem eisernen Ofen,' so sprang der Königssohn auf, und sprach 'du bist mein, und ich bin dein.' Darauf setzte er sich noch in der Nacht mit ihr in einen Wagen, und der falschen Braut nahmen sie die Kleider weg, daß sie nicht aufstehen konnte. Als sie zu dem großen Wasser kamen, da schifften sie hinüber, und vor den drei schneidenden Schwertern, da setzten sie sich aufs Pflugrad, und vor dem gläsernen Berg, da steckten sie die drei Nadeln hinein; und so gelangten sie endlich zu dem alten kleinen Häuschen, aber wie sie hineintraten, war_es ein großes Schloß, die Jtschen waren alle erlöst, und lauter Königskinder, und waren in voller Freude. Da wurde Vermählung gehalten, und sie blieben in dem Schloß, das war viel größer als ihres Vaters Schloß. Weil aber der Alte jammerte daß er allein bleiben sollte, so fuhren sie weg, und holten ihn zu sich, und hatten zwei Königreiche, und lebten in gutem Ehestand.
Da kam eine Maus, Das Märchen war aus.
128. Die faule Spinnerin.
Auf einem Dorfe lebte ein Mann und eine Frau, und die Frau war so faul, daß sie immer nichts arbeiten wollte, und was ihr der Mann zu spinnen gab, das spann sie nicht fertig, und was sie auch spann, haspelte sie nicht, sondern ließ alles auf dem Klauel gewickelt liegen. Schalt sie nun der Mann, so war sie mit ihrem Maul doch vorne, und sprach 'ei, wie sollt ich haspeln, da ich keinen Haspel habe, gehe du erst in den Wald, und schaffe mir einen.' 'Wenns daran liegt,' sagte der Mann, 'so will ich in den Wald gehen, und Haspelholz holen.' Da fürchtete sich die Frau, wenn er das Holz hätte, daß er daraus einen Haspel machte, und sie abhaspeln und dann wieder frisch spinnen müßte. Sie besann sich ein Bisschen, da kam ihr ein guter Einfall, und sie lief dem Manne heimlich nach in den Wald. Wie er nun auf einen Baum gestiegen war das Holz auszulesen und zu hauen, schlich sie darunter in das Gebüsch, wo er sie nicht sehen konnte, und rief hinauf
'wer Haspelholz haut, der stirbt, wer da haspelt, der verdirbt.'
Der Mann horchte auf, legte die Axt eine Weile nieder, und dachte nach was das wohl zu bedeuten hätte. 'Ei was,' sprach er endlich, 'was wird_es gewesen sein, es hat dir in den Ohren geklungen, mache dir keine unnötige Furcht.' Also ergriff er die Art von neuem, und wollte zuhauen, da rief wieder von unten herauf
'wer Haspelholz haut, der stirbt, wer da haspelt, der verdirbt.'
Er hielt ein, kriegte Angst und bang, und sann dem Ding nach; wie aber ein Weilchen vorbei war, kam ihm das Herz wieder, und er langte zum drittenmal nach der Axt, und wollte zuhauen. Aber zum drittenmal rief und sprach laut
'wer Haspelholz haut, der stirbt, wer da haspelt, der verdirbt.'
Da hatte er_es genug, und alle Lust war ihm vergangen, so daß er eilends den Baum herunter stieg, und sich auf den Heimweg machte. Die Frau lief, was sie konnte, auf Nebenwegen, damit sie eher nach Haus käme; wie er nun in die Stube trat, tat sie unschuldig, als wäre nichts vorgefallen, und sagte 'nun, bringst du ein gutes Haspelholz?' 'Nein,' sprach er, 'ich sehe wohl, es geht mit dem Haspeln nicht,' erzählte ihr was ihm im Walde begegnet war, und ließ sie von nun an damit in Ruhe.
Bald hernach fing der Mann doch wieder an sich über die Unordnung im Hause zu ärgern. 'Frau,' sagte er, 'es ist doch eine Schande daß das gesponnene Garn da auf dem Klauel liegen bleibt.' 'Weißt du was,' sprach sie, 'weil wir doch zu keinem Haspel kommen, so stelle dich auf den Boden und ich stehe unten, da will ich dir den Klauel hinauf werfen, und du wirfst ihn herunter, so gibt_es doch einen Strang.' 'Ja, das geht,' sagte der Mann. Also taten sie das, und wie sie fertig waren, sprach er 'das Garn ist nun gesträngt, nun muß es auch gekocht werden.' Der Frau wurde wieder Angst; sie sprach zwar 'ja, wir wollen_es gleich morgen früh kochen,' dachte aber bei sich auf einen neuen Streiche.
Frühmorgens stand sie auf, machte Feuer an, und stellte den Kessel bei, allein statt des Garns legte sie einen Klumpen Werg hinein, und ließ es so zukochen. Darauf ging sie zum Manne, der noch im Bette lag, und sprach zu ihm 'ich muß einmal ausgehen, stehe derweil auf, und sieh nach dem Garn, das im Kessel überm Feuer steht, aber du mußt bei Zeit tun, gib wohl Acht, denn wo der Hahn kräht, und du sähest nicht nach, wird das Garn zu Werg.' Der Mann war bei der Hand, und wollte nichts versäumen, stand eilend auf, so schnell er konnte, und ging in die Küche; wie er aber zum Kessel kam, und hinein sah, so erblickte er mit Schrecken nichts als einen Klumpen Werg. Da schwieg der arme Mann mäuschenstill, dachte er hätte_es versehen, und wäre Schuld daran, und sprach in Zukunft gar nicht mehr von Garn und Spinnen, aber das mußt du selbst sagen, es war eine garstige Frau.
129. Die vier kunstreichen Brüder.
Es war ein armer Mann, der hatte vier Söhne, wie die nun herangewachsen waren, sprach er zu ihnen 'liebe Kinder, ihr müßt hinaus in die Welt, ich habe nichts, das ich euch geben könnte: macht euch auf in die Fremde, lernt ein Handwerk, und seht wie ihr euch durchschlagt.' Da ergriffen die vier Brüder den Wanderstab, nahmen Abschied von ihrem Vater, und zogen zusammen zum Tor hinaus. Als sie ein Stück Wegs gemacht hatten, kamen sie an einen Kreuzweg, der nach vier verschiedenen Gegenden führte. Da sprach der älteste 'hier müssen wir uns trennen, aber heute über vier Jahre wollen wir an dieser Stelle wieder zusammen treffen, und in der Zeit unser Glück versuchen.'
Nun ging jeder seinen Weg, und dem ältesten begegnete ein Mann, der fragte ihn wo er hinaus wollte, und was er vor hätte. 'Ich will ein Handwerk lernen' antwortete er. Da sprach der Mann 'geh mit mir, und werde ein Dieb.' 'Nein,' antwortete er, 'das gilt für kein ehrliches Handwerk mehr, und das Ende vom Lied ist, daß einer als Schwengel in der Feldglocke gebraucht wird.' 'O,' sprach der Mann, 'vor dem Galgen brauchst du dich nicht zu fürchten: ich will dich bloß lehren wie du holst was sonst kein Mensch kriegen kann, und wo dir niemand auf die Spur kommt.' Da ließ er sich überreden, und wurde bei dem Manne ein gelernter Dieb, und so geschickt, daß vor ihm nichts sicher war, was er einmal haben wollte.
Der zweite Bruder begegnete einem Mann, der dieselbe Frage an ihn tat, was er in der Welt lernen wollte. 'Ich weiß es noch nicht antwortete er. 'So gehe mit mir, und werde ein Sterngucker: nichts besser als das, es bleibt einem nichts verborgen.' Er ließ sich das gefallen, und wurde ein so geschickter Sterngucker, daß sein Meister, als er ausgelernt hatte, und weiter ziehen wollte, ihm ein Glas gab, und zu ihm sprach 'damit kannst du sehen was auf Erden und am Himmel vorgeht, und kann dir nichts verborgen bleiben.'
Den dritten Bruder nahm ein Jäger mit in die Lehre, und gab ihm in allem, was zur Jägerei gehörte, so guten Unterricht, daß er ein ausgelernter Jäger wurde.
Der Meister schenkte ihm beim Abschied eine Büchse, und sprach 'die fehlt nicht, was du damit aufs Korn nimmst, das triffst du auch.' Der jüngste Bruder begegnete gleichfalls einem Manne, der ihn anredete, und nach seinem Vorhaben fragte.
'Hast du nicht Lust ein Schneider zu werden?
'Daß ich nicht wüßte,' sprach der Junge, 'das Krummsitzen von Morgens bis Abends, das Hin- und Herfegen mit der Nadel, und das Bügeleisen will mir nicht in den Sinn.' 'Ei was antwortete der Mann, 'du sprichst wie du_es verstehst: bei mir lernst du eine ganz andere Schneiderkunst, die ist anständig und ziemlich, zum Teil sehr ehrenvoll.' Da ließ er sich überreden, ging mit, und lernte die Kunst des Mannes aus dem Fundament.
Beim Abschied gab ihm dieser eine Nadel, und sprach 'damit kannst du zusammennähen was dir vorkommt, es sei so weich wie ein Ei oder so hart als Stahl; und es wird so zu einem Stück, daß keine Naht mehr zu sehen ist.'
Als die bestimmten vier Jahre herum waren, kamen die vier Brüder zu gleicher Zeit an dem Kreuzwege zusammen, herzten und küßten sich, und kehrten heim zu ihrem Vater.
Sie erzählten wie es ihnen ergangen war, und daß jeder das Seinige gelernt hätte.
Nun saßen sie gerade vor dem Haus unter einem großen Baum, da sprach der Vater 'jetzt will ich euch auf die Probe stellen, und sehen was ihr könnt.' Danach schaute er auf, und sagte zu dem zweiten Sohne 'oben im Gipfel dieses Baums sitzt zwischen zwei Ästen ein Buchfinkennest, sage mir wie viel Eier liegen darin?' Der Sterngucker nahm sein Glas, schaute hinauf, und sprach 'fünfe sind_es.' Sprache der Vater zum ältesten 'hole du die Eier herunter, ohne daß der Vogel, der darauf sitzt und brütet, gestört wird.' Der kunstreiche Dieb stieg hinauf, und nahm dem Vöglein, das gar nichts davon merkte, und ruhig sitzen blieb, die fünf Eier unter dem Leib weg, und brachte sie dem Vater herab.
Der Vater nahm sie, legte an jede Ecke des Tisches eins, und das fünfte in die Mitte, und sprach zum Jäger 'du schießest mir mit einem Schuß die fünf Eier in der Mitte entzwei.'
Der Jäger legte seine Büchse an, und schoß die Eier, wie es der Vater verlangt hatte, alle fünf, und zwar in einem Schuß.
'Nun kommt die Reihe an dich,' sprach der Vater zu dem vierten Sohn, 'du nähst die Eier wieder zusammen, und auch die jungen Vöglein, die darin sind, und zwar so, daß ihnen der Schuß nichts schadet.'
Der Schneider holte seine Nadel, und nähte nach Vorschrift.
Als er fertig war, mußte der Dieb die Eier wieder auf den Baum ins Nest tragen, und dem Vogel, ohne daß er etwas gewahr wurde, wieder unter legen.
Das Tierchen brütete sie vollends aus, und nach ein paar Tagen krochen die Jungen hervor, und hatten da, wo sie vom Schneider zusammengenäht waren, ein rotes Streifchen um den Hals.
'Ja,' sprach der Alte zu seinen Söhnen, 'ich muß gestehen, ihr habt eure Zeit wohl benutzt, und was rechtschaffenes gelernt: ich kann nicht sagen wem von euch der Vorzug gebührt. Wenn ihr nur bald Gelegenheit habt eure Kunst anzuwenden.' Nicht lange danach kam ein großer Lärm ins Land, die Königstochter wäre von einem Drachen entführt worden.
Der König war Tag und Nacht darüber in Sorgen, und ließ bekannt machen wer sie zurück brächte sollte sie zur Gemahlin haben.
Die vier Brüder sprachen unter einander 'das wäre eine Gelegenheit, wo wir uns könnten sehen lassen,' und beschlossen die Königstochter zu befreien.
'Wo sie ist, will ich bald wissen' sprach der Sterngucker, schaute durch sein Glas, und sprach 'ich sehe sie, sie sitzt weit von hier auf einem Felsen im Meer und neben ihr der Drache, der sie hütet.' Da ging er zu dem König, und bat um ein Schiff für sich und seine Brüder, und fuhr mit ihnen über das Meer bis sie zur Stätte hin kamen.
Die Königstochter saß da, und der Drache lag in ihrem Schoß und schlief.
Der Jäger sprach 'ich darf nicht schießen, ich würde die schöne Jungfrau zugleich töten.' 'So will ich mein Heil versuchen' sagte der Dieb, und stahl sie unter dem Drachen weg, so leis und behend, daß das Untier nichts merkte, sondern fortschnarchte.
Sie eilten voll Freude mit ihr aufs Schiff, und steuerten in die offene See, aber der Drache, der bei seinem Erwachen die Königstochter nicht mehr gefunden hatte, kam hinter ihnen her, und schnaubte wütend durch die Luft; und als er gerade über dem Schiff war, und sich herablassen wollte, da legte der Jäger seine Büchse an, und schoß ihm mitten ins Herz, daß er tot herabfiel.
Es war aber ein so gewaltiges Untier, daß es im Herabfallen das ganze Schiff zertrümmerte, und die fünf nur noch ein paar Bretter erhaschen konnten, und auf dem weiten Meer umher schwammen.
Da war der Schneider nicht faul, nahm seine wunderbare Nadel, nähte die Bretter mit ein paar großen Stichen in der Eile zusammen, setzte sich darauf, schiffte hin, und sammelte alle Stücke des Schiffs.
Dann nähte er auch diese so behend zusammen, daß in kurzer Zeit das Schiff wieder segelfertig war, und sie glücklich heim fahren konnten.
Als der König seine Tochter wieder erblickte, war große Freude, und er sprach zu den vier Brüdern 'einer von euch soll sie zur Gemahlin haben, aber welcher das ist, macht unter euch aus.' Da entstand Streit unter ihnen, der Sterngucker sprach 'hätte ich nicht die Königstochter gesehen, so wären alle eure Künste umsonst gewesen: darum ist sie mein.' Der Dieb sprach 'was hätte das Sehen geholfen, wenn ich sie nicht unter dem Drachen weggenommen hätte; darum ist sie mein.' Der Jäger sprach 'ihr wärt doch samt der Königstochter von dem Untier zerrissen worden, hätte es meine Kugel nicht getroffen; darum ist sie mein.' Der Schneider sprach 'und hätte ich euch mit meiner Kunst nicht das Schiff wieder zusammengebracht, ihr wärt alle jämmerlich ertrunken; darum ist sie mein.' Da tat der König den Ausspruch 'jeder von euch hat ein gleiches Recht, und weil ein jeder die Jungfrau nicht haben kann, so soll sie keiner von euch haben, aber ich will jedem zur Belohnung ein halbes Königreich geben.' Den Brüdern gefiel diese Entscheidung, und sie sprachen 'es ist so besser, als daß wir uneins werden.' Der König gab jedem ein halbes Königreich, und sie lebten mit ihrem Vater in aller Glückseligkeit, so lange es Gott gefiel.
130. Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein.
Es war eine Frau, die hatte drei Töchter, davon hieß die älteste Einäuglein, weil sie nur ein einziges Auge mitten auf der Stirn hatte, und die mittelste Zweiäuglein, weil sie zwei Augen hatte wie andere Menschen, und die jüngste Dreiäuglein weil sie drei Augen hatte, und das dritte stand bei ihr gleichfalls mitten auf der Stirn.
Darum aber, daß Zweiäuglein nicht anders aussah, als andere Menschenkinder, konnten es die Schwestern und die Mutter nicht leiden, und sie sprachen zu ihm 'du siehst mit deinen zwei Augen nicht besser aus als das gemeine Volk, du gehörst nicht zu uns;' und stießen es herum, und warfen ihm schlechte alte Kleider hin, und gaben ihm nicht mehr zu essen als was sie übrig ließen, und taten ihm Herzeleid an, wo sie nur konnten.
Es trug sich zu, daß Zweiäuglein hinaus ins Feld gehen und die Ziege hüten mußte, und noch ganz hungrig war, weil ihm seine Schwestern so wenig zu essen gegeben hatten.
Da setzte es sich auf einen Rain, und fing an zu weinen, und so zu weinen, daß zwei Bächlein aus seinen Augen herabflossen.
Und wie es einmal aufsah, stand eine Frau neben ihm, die fragte 'Zweiäuglein, was weinst du?' Zweiäuglein antwortete 'soll ich nicht weinen? weil ich zwei Augen habe wie andere Menschen, so können mich meine Schwestern und meine Mutter nicht leiden, stoßen mich herum, werfen mir alte schlechte Kleider hin, und geben mir nichts zu essen als was sie übrig lassen. Heute haben sie mir so wenig gegeben, daß ich noch ganz hungrig bin.' Sprache die weise Frau 'Zweiäuglein, trockene dir dein Angesicht, ich will dir etwas sagen, daß du nicht mehr hungern sollst. Sprich nur zu deiner Ziege
'Zicklein, meck, Tischlein deck,'
so wird ein sauber gedecktes Tischlein vor dir stehen, und das schönste Essen darauf, daß du essen kannst so viel du Lust hast. Und wenn du satt bist, und das Tischlein nicht mehr brauchst, so sprich nur
'Zicklein, meck, Tischlein weg,'
so wird_es vor deinen Augen wieder verschwinden.' Darauf ging die weise Frau fort.
Zweiäuglein aber dachte 'ich muß gleich einmal versuchen ob es wahr ist, was sie gesagt hat, denn mich hungert gar zu sehr, und sprach
'Zicklein, meck, Tischlein deck,'
und kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, so stand da ein Tischlein mit einem weißen Tüchlein gedeckt, darauf ein Teller mit Messer und Gabel und Löffel, und die schönsten Speisen standen rund herum, und waren noch warm, als wären sie eben aus der Küche gekommen.
Da sagte Zweiäuglein das kürzeste Gebetlein her, daß es wußte, 'Herr Gott, sei unser Gast zu aller Zeit, Amen;' und langte zu, und ließ sich_es wohl schmecken.
Und als es satt war, sprach es, wie die weise Frau gelehrt hatte,
'Zicklein, meck, Tischlein weg.'
Alsbald war das Tischchen und alles, was darauf stand, wieder verschwunden.
'Das ist ein schöner Haushalt ' dachte Zweiäuglein, und war ganz vergnügt und guter Dinge.
Abends, als es mit seiner Ziege heim gekommen war, berührte es das irdene Schüsselchen mit Essen, das ihm die Schwestern hingestellt hatten, gar nicht, und am anderen Tag zog es mit seiner Ziege wieder hinaus, und ließ auch die paar Brocken, die ihm gereicht wurden, liegen.
Das erstemal und das zweitenmal beachteten es die Schwestern gar nicht, wie es aber jedesmal geschah, merkten sie auf, und sprachen 'es ist nicht richtig mit dem Zweiäuglein, daß läßt jedesmal das Essen stehen, und hat doch sonst alles aufgezehrt, was ihm gereicht wurde, das muß andere Wege gefunden haben.' Damit sie aber hinter die Wahrheit kämen, sollte Einäuglein mitgehen, wenn Zweiäuglein auf die Weide ging, und sollte Acht haben was es da vor hätte, und ob ihm jemand etwa Essen und Trinken brächte.
Als nun Zweiäuglein die Ziege wieder hinaustrieb, trat Einäuglein zu ihm, und sprach 'ich will mitgehen und sehen daß die Ziege auch recht gehütet und ins Futter getrieben wird.' Aber Zweiäuglein merkte was Einäuglein im Sinne hatte, und trieb die Ziege hinaus in hohes Gras, und sprach 'komme, Einäuglein, wir wollen uns hinsetzen, ich will dir was vorsingen.' Einäuglein setzte sich hin, und war von dem ungewohnten Weg und von der Sonnenhitze müde, und Zweiäuglein sang immer 'Einäuglein, wachst du? Einäuglein, schläfst du?' Da tat Einäuglein das eine Auge zu, und schlief ein. Und als Zweiäuglein sah daß Einäuglein fest schlief und nichts verraten konnte, sprach es 'Zicklein, meck, Tischlein deck,' und setzte sich an sein Tischlein, und aß und trank bis es satt war, dann rief es wieder 'Zicklein, meck, Tischlein weg,' und es verschwand alles, und Zweiäuglein weckte nun das Einäuglein, und sprach 'Einäuglein, du willst hüten, und schläfst dabei ein, derweil hätte die Ziege in alle Welt laufen können! komme, wir wollen nach Haus gehen.' Da gingen sie nach Haus, und Zweiäuglein ließ wieder sein Schüsselchen unangerührt stehen, und Einäuglein konnte der Mutter nicht sagen warum es nicht essen wollte, und sprach 'ich war draußen eingeschlafen.' Am anderen Tag sprach die Mutter zu Dreiäuglein 'geh du mit hinaus, und habe Acht ob Zweiäuglein draußen ißt, und ob ihm jemand Essen und Trinken bringt, denn essen und trinken muß es heimlich.' Da trat Dreiäuglein zum Zweiäuglein, und sprach 'ich will mitgehen, und sehen ob auch die Ziege recht gehütet und ins Futter getrieben wird.' Aber Zweiäuglein merkte was Dreiäuglein im Sinne hatte, und trieb die Ziege hinaus ins hohe Gras, und sprach 'wir wollen uns dahin setzen, Dreiäuglein, ich will dir was vorsingen.' Dreiäuglein setzte sich, und war müde von dem Weg und der Sonnenhitze, und Zweiäuglein hob wieder das vorige Liedlein an, und sang 'Dreiäuglein, wachst du?' aber statt daß es nun singen mußte 'Dreiäuglein, schläfst du?' sang es aus Unbedachtsamkeit Zweiäuglein, schläfst du?' und sang immer 'Dreiäuglein, wachst du?' Zweiäuglein, schläfst du?' Da fielen dem Dreiäuglein seine zwei Augen zu, und schliefen, aber das dritte, das von dem Sprüchlein nicht angeredet wurde, schlief nicht ein: zwar tat es Dreiäuglein zu, aber aus List, gleich als schlief es damit, doch blinzelte es, und konnte alles gar wohl sehen. Und als Zweiäuglein meinte Dreiäuglein schliefe fest, sagte es sein Sprüchlein 'Zicklein, meck, Tischlein deck,' aß und trank nach Herzenslust, und hieß dann das Tischlein wieder fortgehen, 'Zicklein, meck, Tischlein weg,' und Dreiäuglein hatte alles mit angesehen. Da kam Zweiäuglein zu ihm, und weckte es, und sprach 'ei, Dreiäuglein, bist du eingeschlafen? du kannst gut hüten! komme, wir wollen heim gehen.' Und als sie nach Haus kamen, aß Zweiäuglein wieder nicht, und Dreiäuglein sprach zur Mutter 'ich weiß nun warum das hochmütige Ding nicht ißt; wenn sie draußen zur Ziege spricht 'Zicklein meck, Tischlein deck,' so steht ein Tischlein vor ihr, das ist mit dem besten Essen besetzt, viel besser als wir es hier haben: und wenn sie satt ist, so spricht sie 'Zicklein, meck, Tischlein weg,' und alles ist wieder verschwunden; ich habe es genau mit angesehen. Zwei Augen hatte sie mir mit einem Sprüchlein eingeschläfert, aber das eine auf der Stirn, das war zum Glück wach geblieben.' Da rief die neidische Mutter 'willst du es besser haben, als wir? die Lust soll dir vergehen!' und hatte ein Schlachtmesser, und stieß es der Ziege ins Herz, daß sie tot hinfiel. Als Zweiäuglein das sah, ging es voll Trauer hinaus, und setzte sich auf den Feldrain, und weinte seine bitteren Tränen. Da stand auf einmal die weise Frau wieder neben ihm, und sprach 'Zweiäuglein, was weinst du?' 'Soll ich nicht weinen!' antwortete es, 'die Ziege, die mir jeden Tag auf euer Sprüchlein den Tisch so schön deckte, ist von meiner Mutter tot gestochen; nun muß ich wieder Hunger und Kummer leiden.' Die weise Frau sprach 'Zweiäuglein, ich will dir einen guten Rat erteilen, bitte deine Schwestern daß sie dir das Eingeweide von der geschlachteten Ziege geben, und Grabs vor der Haustür, so wird es dein Glück sein.' Da verschwand sie, und Zweiäuglein ging heim, und sprach zu den Schwestern 'liebe Schwestern, gebt mir doch etwas von meiner Ziege, ich verlange nichts Gutes, gebt mir nur das Eingeweide.' Da lachten sie, und sprachen 'das können wir dir wohl geben, wenn du weiter nichts willst.' Und Zweiäuglein nahm das Eingeweide, und vergrub Abends in aller Stille nach dem Rate der weisen Frau vor die Haustür. Am anderen Morgen, als sie insgesamt erwachten und vor die Haustür traten, so stand da ein wunderbarer prächtiger Baum, der hatte Blätter von Silber, und Früchte von Gold hingen dazwischen, daß wohl nichts schöneres und köstlicheres auf der Welt zu sehen war. Sie wußten aber nicht wie der Baum auf einmal in der Nacht gewachsen war, nur Zweiäuglein merkte es, daß er aus den Eingeweiden der Ziege aufgesproßt war, denn er stand gerade da, wo es sie hinbegraben hatte. Da sprach die Mutter zu Einäuglein 'steige hinauf, mein Kind, und brich uns die Früchte von dem Baume ab.' Einäuglein stieg hinauf, aber wie es einen von den goldenen Äpfeln greifen wollte, so fuhr ihm der Zweig aus den Händen und das geschah jedesmal, so daß es keinen einzigen Apfel brechen konnte, es mochte sich anstellen wie es wollte. Da sprach die Mutter 'Dreiäuglein, steige du hinauf, du kannst mit deinen drei Augen besser um dich schauen als Einäuglein.' Einäuglein rutschte herunter, und Dreiäuglein stieg hinauf: aber Dreiäuglein war nicht geschickter, und mochte schauen wie es wollte, die goldenen Äpfel wichen immer zurück. Endlich wurde die Mutter ungeduldig, und stieg selbst hinauf, konnte aber so wenig wie Einäuglein und Dreiäuglein die Frucht fassen, und griff immer in die leere Luft hinein. Da sprach Zweiäuglein 'ich will mich einmal hinaufmachen, vielleicht gelingt mir es eher.' Die Schwestern riefen zwar 'du, mit deinen zwei Augen, was willst du wohl!' aber Zweiäuglein stieg hinauf, und die goldenen Äpfel zogen sich nicht vor ihm zurück, sondern es war ordentlich als sprängen sie seinen Händen entgegen, also daß es einen nach dem anderen abpflücken konnte, und einen ganzen Schurz voll mit herunter brachte. Die Mutter nahm sie ihm ab, und statt daß sie, Einäuglein und Dreiäuglein dafür das arme Zweiäuglein hätten besser behandeln sollen, so wurden sie nur neidisch daß es allein die Früchte holen konnte, und gingen noch härter mit ihm um. Es trug sich zu, als sie einmal beisammen an dem Baum standen, daß ein junger Ritter daher kam. 'Geschwind, Zweläuglein,' riefen die zwei Schwestern, 'kriech unter, daß wir uns deiner nicht schämen müssen,' und stürzten über das arme Zweiäuglein geschwind ein leeres Fass, das gerade neben dem Baume stand, und schoben die goldenen Äpfel, die es abgebrochen hatte, auch darunter. Als nun der Ritter näher kam, war es ein schöner Herr, der bewunderte den prächtigen Baum von Gold und Silber, und sprach zu den beiden Schwestern 'wem gehört dieser schöne Baum? wer mir einen Zweig davon gäbe, könnte dafür verlangen was er wollte.' Da antworteten Einäuglein und Dreiäuglein der Baum gehörte ihnen zu, und sie wollten ihm einen Zweig wohl abbrechen. Sie gaben sich auch beide große Mühe, aber sie waren es nicht im Stande, denn die Zweige und Früchte wichen jedesmal vor ihnen zurück. Da sprach der Ritter 'das ist ja wunderlich, daß der Baum euch zugehören soll, und ihr doch nicht Macht habt etwas davon abzubrechen.' Sie blieben dabei, der Baum wäre ihr Eigentum. Indem sie aber so sprachen, rollte Zweiäuglein unter dem Fasse ein paar goldene Äpfel heraus, so daß sie zu den Füßen des Ritters liefen, denn es war bös daß Einäuglein und Dreiäuglein nicht die Wahrheit sagten. Wie der Ritter die Äpfel sah, erstaunte er, und fragte wo sie herkämen? Einäuglein und Dreiäuglein antworteten sie hätten noch eine Schwester, die dürfte sich aber nicht sehen lassen, weil sie nur zwei Augen hätte, wie andere gemeine Menschen. Der Ritter aber wollte sie sehen, und rief 'Zweiäuglein, komme hervor.' Da kam Zweiäuglein ganz getrost unter dem Fass hervor, und der Ritter war verwundert über die große Schönheit, und sprach 'du, Zweiäuglein, kannst mir gewiß einen Zweig von dem Baum abbrechen.' 'Ja,' antwortete Zweiäuglein, 'das will ich wohl können, denn der Baum gehört mir;' und stieg hinauf, und brach mit leichter Mühe einen Zweig mit seinen silbernen Blättern und goldenen Früchten ab, und gab ihn dem Ritter. Da sprach der Ritter 'Zweiäuglein, was soll ich dir dafür geben?' 'Ach,' antwortete Zweiäuglein, 'ich leide Hunger und Durst, Kummer und Not, vom Morgen bis zum Abend, wenn ihr mich mitnehmen und erlösen wollt, so wäre ich glücklich.' Da hob der Ritter daß Zweiäuglein auf sein Pferd, und brachte es heim auf sein väterliches Schloß, dort gab er ihm schöne Kleider, Essen und Trinken nach Herzenslust, und weil er es so lieb hatte, ließ er sich mit ihm einsegnen, und wurde die Hochzeit in großer Freude gehalten. Wie nun Zweiäuglein so von dem schönen Rittersmann fortgeführt wurde, da waren die zwei Schwestern recht neidisch über sein Glück. 'Der wunderbare Baum bleibt uns doch,' dachten sie, 'können wir auch keine Früchte davon brechen, so wird doch jedermann davor stehen bleiben, zu uns kommen, und ihn rühmen; wer weiß was uns noch für ein Glück blüht!' Aber am anderen Morgen war der Baum verschwunden, und ihre Hoffnung dahin: und wie Zweiäuglein zu seinem Kämmerlein hinaussah, so stand er zu seiner großen Freude davor, und war ihm also nach gefolgt. Zweiäuglein lebte lange Zeit vergnügt; da kamen einmal zwei arme Frauen auf ihr Schloß, und baten um ein Almosen. Da sah ihnen Zweiäuglein ins Gesicht, und erkannte ihre Schwestern Einäuglein und Dreiäuglein, die so in Armut geraten waren, daß sie umherziehen und vor den Türen ihr Brot suchen mußten.Zweiäuglein aber hieß sie willkommen, und tat ihnen Gutes, und pflegte sie, also daß die beiden von Herzen bereuten was sie ihrer Schwester in der Jugend böses angetan hatten.
Die schöne Katrinelje und Piff Paff Poltrie.
'Guten Tag, Vater Hollenthe.' 'Großen Dank, Piff Paff Poltrie.' 'Könnt ich wohl eure Tochter kriegen?' 'O ja, wenn_es die Mutter Malcho (Melk-Kuh), der Bruder Hohenstolz, die Schwester Käsetraut, und die schöne Katrinelje will, so kann_es geschehen.'
'Wo ist denn die Mutter Malcho?' 'Sie ist im Stall, und melkt die Kuh.'
'Guten Tag, Mutter Malcho.' 'Großen Dank, Piff Paff Poltrie.' 'Könnt ich wohl eure Tochter kriegen?' 'O ja, wenn_es der Vater Hollenthe, der Bruder Hohenstolz, die Schwester Käsetraut, und die schöne Katrinelje will, so kann_es geschehen.'
'Wo ist dann der Bruder Hohenstolz?' 'Er ist in der Kammer, und hackt das Holz.'
'Guten Tag, Bruder Hohenstolz.' 'Großen Dank, Piff Paff Poltrie.' 'Könnt ich wohl eure Schwester kriegen?' 'O ja, wenn_es der Vater Hollenthe, die Mutter Malcho, die Schwester Käsetraut, und die schöne Katrinelje will, so kann_es geschehen.'
'Wo ist dann die Schwester Käsetraut?' 'Sie ist im Garten und schneidet das Kraut.'
'Guten Tag, Schwester Käsetraut.' 'Großen Dank, Piff Paff Poltrie.' 'Könnt ich wohl eure Schwester kriegen?' 'O ja, wenn_es der Vater Hollenthe, die Mutter Malcho, der Bruder Hohenstolz, und die schöne Katrinelje will, so kann_es geschehen.'
'Wo ist dann die schöne Katrinelje?' 'Sie ist in der Kammer, und zählt ihre Pfennige.'
'Guten Tag, schöne Katrinelje.' 'Großen Dank, Piff Paff Poltrie.' 'Willst du wohl mein Schatz sein?' 'O ja, wenn_es der Vater Hollenthe, die Mutter Malcho, der Bruder Hohenstolz, die Schwester Käsetraut will, so kann_es geschehen.'
'Schön Katrinelje, wie viel hast du an Brautschatz?' 'Vierzehn Pfennige bares Geld, dritthalb Groschen Schuld, ein halb Pfund Hutzeln, eine Hand voll Prutzeln, eine Hand voll Wurzelen, un so der watt: is das nig en guden Brutschatt?'
'Piff Paff Poltrie, was kannst du für ein Handwerk? bist du ein Schneider?' 'Noch viel besser.' 'Ein Schuster?' 'Noch viel besser.' 'Ein Ackersmann?' 'Noch viel besser.' 'Ein Schreiner?' 'Noch viel besser.' 'Ein Schmied?' 'Noch viel besser.' 'Ein Müller?' 'Noch viel besser.' 'Vielleicht ein Besenbinder?' 'Ja, das bin ich, ist das nicht ein schönes Handwerk?'
Der Fuchs und das Pferd.
Es hatte ein Bauer ein treues Pferd, das war alt geworden, und konnte keine Dienste mehr tun, da wollt ihm sein Herr nichts mehr zu fressen geben, und sprach 'brauchen kann ich dich freilich nicht mehr, indes mein ich es gut mit dir, zeigst du dich noch so stark, daß du mir einen Löwen hierher bringst, so will ich dich behalten, jetzt aber mache dich fort aus meinem Stall;' und jagte es damit ins Feld.
Das Pferd war traurig, und ging nach dem Wald zu, dort ein wenig Schutz vor dem Wetter zu suchen: da begegnete ihm der Fuchs, und sprach 'was hängst du so den Kopf, und gehst so einsam herum?' 'Ach,' sagte das Pferd, 'Geiz und Treue wohnen nicht beisammen in einem Haus; mein Herr hat vergessen was ich ihm alles in so vielen Jahren getan habe, und weil ich nicht recht mehr ackern kann, will er mir kein Futter mehr geben, und hat mich fortgejagt.' 'Ohne allen Trost?' fragte der Fuchs.
'Der Trost war schlecht, er hat gesagt wenn ich so stark wäre, daß ich ihm einen Löwen brächte, wollt er mich behalten, aber er weiß wohl daß ich das nicht vermag.' Der Fuchs sprach 'da will ich dir helfen, leg dich nur hin, strecke dich aus, und rege dich nicht, als wärst du tot.' Das Pferd tat was der Fuchs verlangte, der Fuchs aber ging zum Löwen, der seine Höhle nicht weit davon hatte, und sprach 'da draußen liegt ein totes Pferd, komme doch mit hinaus, da kannst du eine fette Mahlzeit halten.' Der Löwe ging mit; wie sie bei dem Pferd standen, sprach der Fuchs 'hier hast du_es doch nicht nach deiner Gemächlichkeit, weißt du was? ich will_es mit dem Schweife an dich binden, so kannst du_es in deine Höhle ziehen, und in aller Ruhe verzehren.'
Dem Löwen gefiel der Rat, und er stellte sich hin, damit ihm der Fuchs das Pferd anknüpfen könne, hielt auch fein still.
Der Fuchs aber band mit des Pferdes Schweife dem Löwen die Beine zusammen, und drehte und schnürte alles so wohl und stark, daß es mit keiner Kraft zu zerreißen war.
Als er nun sein Werk vollendet hatte, klopfte er dem Pferd auf die Schulter, und sprach 'zieh Schimmel, zieh.' Da sprang das Pferd mit einmal auf, und zog den Löwen mit sich fort; der Löwe fing an zu brüllen, daß die Vögel in dem ganzen Wald vor Schrecken aufflogen, aber das Pferd ließ ihn brüllen, zog und schleppte ihn über das Feld vor seines Herrn Tür.
Wie der Herr das sah, besann er sich eines besseren, und sprach zu dem Pferd, 'du sollst bei mir bleiben, und es gut haben,' und gab ihm satt zu fressen bis es starb.
Die zertanzten Schuhe.
Es war einmal ein König, der hatte zwölf Töchter, eine immer schöner als die andere, die hatten ihre zwölf Betten zusammen in einem Saal, und sobald sie schlafen gegangen waren, wurde die Türe verschlossen und verriegelt, und doch waren jeden Morgen ihre Schuhe zertanzt, und wußte niemand wo sie gewesen waren, und wie es zugegangen war.
Da ließ der König ausrufen wer_es könnte ausfindig machen, wo sie in der Nacht tanzten, der sollte sich eine davon zur Frau wählen, und nach seinem Tod König sein; wer sich aber meldete, und es nach drei Tagen und Nächten nicht herausbrächte, der hätte sein Leben verwirkt.
Es kam bald ein Königssohn, der wurde wohl aufgenommen, und Abends in das Zimmer geführt, das vor dem Schlafsaal der zwölf Töchter war, da stand sein Bett, und da sollte er Acht haben, wo sie hingienen und tanzten; und damit sie nichts heimlich treiben konnten oder zu einem anderen Ort hinausgingen, war auch die Saaltüre offen gelassen.
Der Königssohn aber schlief ein, und als er am Morgen aufwachte, waren alle zwölf zum Tanz gewesen, denn ihre Schuhe standen da, und hatten Löcher in den Sohlen.
Den zweiten und dritten Abend ging_es eben so, und da wurde ihm sein Haupt abgeschlagen; und so kamen noch viele, und meldeten sich zu dem Wagestück, sie mußten aber alle ihr Leben lassen.
Nun trug_es sich_es zu, daß ein armer Soldat, der eine Wunde hatte, und nicht mehr dienen konnte, nach der Stadt zuging, wo der König wohnte.
Da begegnete ihm eine alte Frau, die fragte ihn wo er hin wollte.
'Ich weiß selber nicht recht,' sprach er, 'aber ich hätte wohl Lust König zu werden, und auszumachen wo die Königstöchter ihre Schuhe vertanzen.' 'Das ist so schwer nicht,' sagte die Alte, 'du mußt nur den Wein nicht trinken, den dir die eine Abends bringt, und mußt tun als wärst du fest eingeschlafen. Darauf gab sie ihm ein Mäntelchen, und sprach 'wenn du das umhängst, so bist du unsichtbar, und kannst den Zwölfen dann nachschleichen.' Wie der Soldat den guten Rat bekommen hatte, wurde_es Ernst bei ihm, so daß er sich ein Herz faßte, vor den König ging, und sich als Freier meldete.
Er wurde so gut aufgenommen wie die anderen auch, und wurden ihm königliche Kleider angetan.
Abends zur Schlafenszeit wurde er in das Vorzimmer geführt, und als er zu Bette gehen wollte, kam die älteste, und brachte ihm einen Becher Wein, aber er hatte sich einen Schwamm unter das Kinn gebunden, und ließ den Wein da hineinlaufen, und trank keinen Tropfen.
Dann legte er sich nieder, und als er ein Weilchen gelegen hatte, fing er an zu schnarchen wie im tiefsten Schlaf.
Das hörten die zwölf Königstöchter, lachten, und die älteste sprach 'der hätte auch sein Leben sparen können.' Danach standen sie auf, öffneten Schränke, Kisten und Kasten, und holten prächtige Kleider heraus, putzten sich vor den Spiegeln, sprangen herum, und freuten sich auf den Tanz.
Nur die jüngste sagte 'ich weiß nicht, ihr freut euch, aber mir ist so wunderlich zu Mute, gewiß widerfährt uns ein Unglück.' 'Du bist eine Schneegans,' sagte die älteste, du fürchtest dich immer; hast du vergessen wie viel Königssöhne schon umsonst da gewesen sind; dem Soldaten hätte ich nicht einmal brauchen einen Schlaftrunk zu geben, er wäre doch nicht aufgewacht.' Wie sie alle fertig waren, sahen sie erst nach dem Soldaten, aber der rührte und regte sich nicht; und wie sie nun glaubten ganz sicher zu sein, so ging die älteste an ihr Bett, und klopfte daran, alsbald sank es in die Erde, und öffnete sich eine Falltür.
Da sah der Soldat wie sie herunterstiegen, eine nach der anderen, die älteste voran.
Er zauderte nicht lange, richtete sich auf, hing sein Mäntelchen um, und stieg hinter der jüngsten mit hinab.
Mitten auf der Treppe, trat er ihr ein wenig aufs Kleid, da erschrak sie, und rief 'es ist nicht richtig, es hält mich Jemand am Kleid.' 'Sei nicht so einfältig,' sagte die älteste, 'du bist an einem Haken hängen geblieben.' Da gingen sie vollends hinab, und wie sie unten waren, standen sie in einem wunderprächtigen Baumgang, da waren alle Blätter von Silber und schimmerten und glänzten.
Der Soldat dachte 'du willst dir ein Wahrzeichen mitnehmen,' und brach einen Zweig davon ab, da kam ein gewaltiger Krach aus dem Baume.
Die jüngste rief wieder 'es ist nicht richtig, habt ihr den Knall gehört, das ist noch nie hier geschehen.' Die älteste aber sprach 'das sind Freudenschüsse, weil wir unsere Prinzen bald erlöst haben.' Sie kamen darauf in einen Baumgang wo alle Blätter von Gold, und endlich in einen dritten, wo sie klarer Diamant waren; von beiden brach er einen Zweig ab, wobei es jedesmal krachte, daß die jüngste vor Schrecken zusammenfuhr, aber die älteste blieb dabei, es wären Freudenschüsse.
Da gingen sie weiter bis zu einem großen Wasser, darauf standen zwölf Schifflein, und in jedem Schifflein saß ein schöner Prinz, die hatten auf die zwölf gewartet, und jeder nahm eine zu sich, der Soldat aber setzte sich mit der jüngsten ein.
Da sprach der Prinz 'ich weiß nicht das Schiff ist heute viel schwerer, und ich muß aus allen Kräften rudern, wenn ich es fortbringen soll.'
'Wovon sollte das kommen,' sprach die jüngste, 'als vom warmen Wetter, es ist mir auch so heiß zu Mut.' Jenseits des Wassers aber stand ein schönes hellerleuchtetes Schloß, woraus eine lustige Musik erschallte von Pauken und Trompeten; sie ruderten hinüber, gingen ein, und jeder Prinz tanzte mit seiner Liebsten; der Soldat aber tanzte unsichtbar mit, und wenn eine einen Becher mit Wein hielt, so trank er ihn aus, daß er leer war, wenn sie ihn an den Mund brachte; und der jüngsten wurde auch Angst darüber, aber die älteste brachte sie immer zum Schweigen.
Sie tanzten da bis drei Uhr am anderen Morgen, wo alle Schuhe durchgetanzt waren, und sie aufhören mußten.
Die Prinzen fuhren sie über das Wasser wieder zurück, und der Soldat setzte sich diesmal vorne hin zur ältesten; am Ufer nahmen sie von ihren Prinzen Abschied, und versprachen in der folgenden Nacht wieder zu kommen.
Als sie an der Treppe waren, lief der Soldat voraus, legte sich ins Bett, und als die Zwölf langsam und müde herauf getrippelt kamen, schnarchte er schon wieder laut, so daß sie sprachen 'nun vor dem sind wir sicher.' Da taten sie ihre schönen Kleider aus, brachten sie weg, stellten die zertanzten Schuhe unter das Bett, und legten sich nieder.
Am anderen Morgen wollte der Soldat nichts sagen, sondern das wunderliche Wesen noch mit ansehen, und ging die zweite und die dritte Nacht wieder mit, und da war alles, wie das erstemal, und sie tanzten jedesmal bis die Schuhe entzwei waren; nur das drittemal nahm er noch einen Becher mit zum Wahrzeichen.
Zu der Stunde nun, wo er antworten sollte, nahm er die drei Zweige und den Becher zu sich, und ging vor den König, und die zwölf standen hinter der Türe, und horchten was er sagen würde.
Wie der König nun fragte 'wo haben meine zwölf Töchter ihre Schuhe in der Nacht vertanzt?' antwortete er 'mit zwölf Prinzen in einem unterirdischen Schloß,' und erzählte alles, und holte die Wahrzeichen hervor.
Da rief der König seine Töchter, und fragte sie ob der Soldat die Wahrheit gesagt hätte, und da sie sahen daß sie verraten waren, und Leugnen nichts half, gestanden sie alles.
Darauf fragte ihn der König 'welche er zur Frau haben wolle.' Er antwortete 'ich bin nicht mehr jung, so gebt mir die älteste.' Da wurde noch an selbigem Tage die Hochzeit gehalten, und ihm das Reich nach des Königs Tode versprochen; aber die Prinzen wurden auf so viel Tage wieder verwünscht, als sie Nächte mit den Zwölfen getanzt hatten.
134. Die sechs Diener
Vor Zeiten lebte eine alte Königin, die war eine Zauberin, und ihre Tochter war das schönste Mädchen unter der Sonne.
Sie dachte aber nur darauf, wie sie die Menschen ins Verderben locken könnte, und wenn ein Freier kam, so sprach sie wer ihre Tochter haben wollte, müsse einen Bund (eine Aufgabe) lösen oder sterben.
Viele, von der Schönheit der Jungfrau verblendet, wagten es wohl, aber sie konnten nicht vollbringen was die Alte ihnen auflegte, und dann war keine Gnade, sie mußten niederknien, und das Haupt wurde ihnen abgeschlagen.
Nun geschah es, daß ein Königssohn auch von der großen Schönheit der Jungfrau hörte, und zu seinem Vater sprach 'lieber Vater, laßt mich hinziehen, ich will um sie werben.' 'Nimmermehr,' antwortete der König, 'gehst du fort, so gehst du in deinen Tod.'
Da legte der Sohn sich nieder, und wurde sterbenskrank, und lag sieben Jahre lang, und kein Arzt konnte ihm helfen.
Als der Vater nun sah daß er doch verloren wäre, sprach er voll Herzenstraurigkeit zu ihm 'ziehe hin, und versuche dein Glück, ich weiß dir sonst nicht zu helfen.' Wie der Sohn das hörte, stand er auf von seinem Lager, war gesund, und machte sich fröhlich auf den Weg.
Es trug sich zu, als er durch ein Holz zu reiten kam, daß er von weitem etwas großes auf der Erde liegen sah, und wie er sich näherte, konnte er unterscheiden daß es der Bauch eines Menschen war, der sich dahin gestreckt hatte; der Bauch aber sah aus, wie ein kleiner Berg.
Der Dicke, wie er den Reisenden erblickte, richtete sich in die Höhe, und sprach 'wenn ihr jemand braucht, so nehmt mich in eure Dienste.' Der Königssohn antwortete 'was soll ich mit einem so dicken Mann anfangen?' 'O,' sprach der Dicke, 'das will nichts sagen, wenn ich mich recht aus einander tue, bin ich noch dreitausendmal so dick.' Wenn das ist,' sagte der Königssohn, 'so kann ich dich brauchen, komme mit mir.' Da ging der Dicke hinter dem Königssohn her, und über eine Weile fanden sie einen anderen, der lag da auf der Erde, und hatte das Ohr auf den Rasen gelegt.
Fragte der Königssohn 'was machst du da?' 'Ich horche,' antwortete der Mann.' 'Wonach horchst du so aufmerksam?' 'Ich horche nach dem was in der Welt sich eben zuträgt, denn ich höre alles, so gar das Gras höre ich wachsen.' Fragte der Königssohn 'sage mir, was hörst du am Hofe der alten Königin, welche die schöne Tochter hat.'
Da antwortete er 'ich höre das Schwert sausen, das einem Freier den Kopf abschlägt.
Der Königssohn sprach 'ich kann dich brauchen, komme mit mir.' Da zogen sie weiter, und sahen einmal ein paar Füße da liegen und auch etwas von den Beinen, aber das Ende konnten sie nicht sehen.
Als sie eine gute Strecke fortgegangen waren, kamen sie zu dem Leib und endlich auch zu dem Kopf.
'Ei,' sprach der Königssohn, 'was bist du für ein langer Strick!' 'O,' antwortete der Lange, 'das ist noch gar nichts, wenn ich mich erst recht ausstrecke, bin ich noch dreitausendmal so lang, und größer, als der höchste Berg auf Erden.
Ich will euch gerne dienen, wenn ihr mich wollt.' 'Komm mit,' sprach der Königssohn, 'ich kann dich brauchen.' Sie zogen weiter, und fanden einen am Weg sitzen, der hatte die Augen zugebunden.
Sprache der Königssohn zu ihm 'bist du blind? oder hast du blöde Augen, daß du nicht in das Licht sehen kannst?' 'Nein,' antwortete der Mann, 'ich darf die Binde nicht abnehmen, denn was ich mit meinen Augen ansehe, das springt alsbald aus einander, solch eine große Gewalt liegt in meinem Blick.
Kann euch das nützen, so will ich euch gern dienen.' 'Komm mit,' antwortete der Königssohn, 'ich kann dich brauchen.' Sie zogen weiter, und fanden einen Mann, der lag mitten im heißen Sonnenschein, und zitterte, und fror am ganzen Leibe, so daß ihm kein Glied still stand.
'Wie kannst du frieren?' sprach der Königssohn, 'die Sonne scheint ja warm genug.' 'Ach,' antwortete der Mann, 'meine Natur ist ganz anderer Art,' je heißer es ist, desto mehr frier ich, und der Frost dringt mir dann durch alle Knochen, und je kälter es ist, desto heißer wird mir, und mitten im Eis kann ich_es vor Hitze, und mitten im Feuer vor Kälte nicht aushalten.' 'Du bist ein wunderlicher Kerl,' sprach der Königssohn, 'aber wenn du mir dienen willst, so komme mit.' Nun zogen sie weiter, und sahen einen Mann stehen, der machte einen langen Hals, und schaute sich um, und schaute über alle Berge hinauf.
Sprache der Königssohn 'wonach siehst du so eifrig?' Da antwortete der Mann 'ich habe so helle Augen, daß ich über alle Wälder und Felder, Täler und Berge hinaus und durch die ganze Welt sehen kann.' Der Königssohn sprach 'willst du, so komme mit mir, denn so einer fehlte mir noch.'
Nun zog der Königssohn mit seinen sechs Dienern in die Stadt ein, wo die alte Königin lebte, trat vor sie, und sprach 'so ihr mir eure schöne Tochter geben wollt, will ich vollbringen, was ihr auferlegt.' 'Ja,' antwortete die Zauberin, 'dreimal will ich dir einen Bund aufgeben, lösest du ihn jedesmal, so sollst du der Herr und Gemahl meiner Tochter werden.' Sprache er 'was wollt ihr mir zuerst aufgeben.' 'Daß du mir einen Ring wiederbringst, den ich ins rote Meer habe fallen lassen.' Da ging der Königssohn heim zu seinen Dienern, und sprach 'der erste Bund ist nicht leicht, ein Ring soll aus dem roten Meer geholt werden, nun schafft Rat.' Da sprach der mit den hellen Augen 'ich will sehen wo er liegt,' und schaute in das Meer hinab, und sagte 'dort liegt er, neben einem Stein.' 'Ich wollte ihn wohl herausholen,' sprach der Lange, 'wenn ich ihn nur sehen könnte.' 'Da will ich dir helfen' rief der Dicke, legte sich nieder, und hielt seinen Mund ins Wasser, und ließ die Wellen hineinlaufen, und trank das ganze Meer aus, daß es trocken wurde wie eine Wiese.
Nun bückte sich der Lange nur ein wenig, und holte den Ring mit der einen Hand heraus.
Da war der Königssohn froh, und brachte ihn der Alten.
Sie sah den Ring an, und sprach mit Verwunderung 'ja, es ist der rechte; den ersten Bund hast du glücklich gelöst, aber nun kommt der zweite.
Siehst du dort auf der Wiese vor meinem Schlosse, da weiden dreihundert fette Ochsen, die mußt du mit Haut und Haar, Knochen und Hörnern verzehren, und unten im Keller liegen dreihundert Fässer Wein, die mußt du dazu austrinken, und bleibt von den Ochsen ein Haar, und von dem Wein ein Tröpfchen übrig, so ist mir dein Leben verfallen.' Sprache der Königssohn 'darf ich mir keine Gäste dazu laden? ohne Gesellschaft schmeckt keine Mahlzeit.' Die Alte lachte in Bosheit, und antwortete 'einen darfst du dir dazu laden, damit du Gesellschaft hast, aber weiter keinen.'
Da ging der Königssohn zu seinen Dienern, und sprach zu dem Dicken 'du sollst heute mein Gast sein, und dich einmal satt essen.' Da tat sich der Dicke von einander, und aß die dreihundert Ochsen, daß kein Haar übrig blieb, und fragte ob weiter nichts als das Frühstück da wäre; den Wein aber trank er gleich aus den Fässern, ohne daß er ein Glas nötig hatte, und trank den letzten Tropfen vom Nagel herunter.
Als die Mahlzeit zu Ende war, ging der Königssohn zur Alten, und sagte ihr der zweite Bund wäre gelöst.
Sie verwunderte sich, und sprach 'so weit wie du hat_es noch keiner gebracht, aber es ist noch ein Bund übrig,' und dachte 'du sollst mir nicht entgehen, und sollst deinen Kopf nicht oben erhalten.' 'Heut Abend,' sprach sie, 'bringe ich meine Tochter zu dir in deine Kammer und in deinen Arm, da sollt ihr beisammen sitzen, aber hüte dich daß du nicht einschläfst; ich komme Schlag zwölf Uhr, und ist sie dann nicht mehr in deinen Armen, so hast du verloren.'
'O,' dachte der Königssohn, 'der Bund ist leicht, ich will wohl meine Augen offen behalten,' doch rief er seine Diener, erzählte ihnen was die Alte gesagt hatte, und sprach 'wer weiß, was für eine List dahinter steckt, Vorsicht ist gut, haltet Wache, und sorgt daß die Jungfrau nicht wieder aus meiner Kammer kommt.' Als es nun Nacht wurde, da brachte die Alte ihre Tochter, und führte sie in die Arme des Königssohns, und danach schlang sich der Lange um sie beide in einen Kreis, und der Dicke stellte sich vor die Türe, also daß keine lebendige Seele herein konnte. Da saßen sie beide, und die Jungfrau sprach kein Wort, aber der Mond schien durchs Fenster auf ihr Angesicht, daß er ihre wunderbare Schönheit sehen konnte. Er tat nichts als sie anschauen, und war voll Freude und Liebe, und seine Augen wurden nicht müde; das dauerte bis elf Uhr, da fiel, durch die Künste der Alten, ein Zauber über alle, daß sie sich_es nicht erwehren konnten und einschliefen, und in dem Augenblick war auch die Jungfrau entrückt. Nun schliefen sie hart bis ein Viertel vor zwölf, da war der Zauber kraftlos, und sie erwachten alle wieder. 'O Jammer und Unglück,' rief der Königssohn, 'nun bin ich verloren!' Die treuen Diener fingen auch an zu klagen, aber der Horcher sprach 'seid einmal still, ich will horchen,' da horchte er einen Augenblick, und dann sprach er 'sie sitzt in einem Felsen dreihundert Stunden von hier, und bejammert ihr Schicksal; du kannst hier helfen, Langer, wenn du dich aufrichtest, so bist du mit ein paar Schritten dort.' 'Ja,' antwortete der Lange, 'aber der mit den scharfen Augen muß mitgehen, damit wir den Felsen wegschaffen.' Da huckte der Lange den mit verbundenen Augen auf, und im Augenblick, wie man eine Hand umwendet, waren sie vor dem verwünschten Felsen. Alsbald nahm der Lange dem anderen die Binde von den Augen, der sich nur umschaute, so zersprang der Felsen in tausend Stücke. Da nahm der Lange die Jungfrau auf den Arm, trug sie in einem Nun zurück, und kam wieder, und holte auch noch seinen Kameraden, und ehe es zwölf schlug, saßen sie alle wieder, wie vorher, und waren munter und guter Dinge. Im Schlag zwölf schlich die alte Zauberin herzu mit einem höhnischen Gesicht, als wollte sie sagen 'nun ist er mein,' und glaubte nicht anders, als ihre Tochter säße dreihundert Stunden weit im Felsen. Als sie aber herbei kam, und ihre Tochter in den Armen des Königssohns sah, erschrak sie, und sprach 'da ist einer, der kann mehr als ich.' Aber sie durfte nichts einwenden, und mußte ihm die Jungfrau zusagen. Doch sprach sie ihr ins Ohr 'es ist eine Schande für dich, daß du so gemeinem Volk gehorchen sollst, und dir einen Gemahl nicht nach deinem Gefallen wählen darfst.' Nun hatte die Jungfrau wirklich ein so stolzes Herz, daß sie darüber mit Zorn erfüllt wurde, und am anderen Morgen ließ sie dreihundert Malter Holz zusammenfahren, und sprach zu dem Königssohn, die drei Bünde wären gelöst, aber wenn sie ihn heiraten sollte, müßte jemand sich mitten in das Holz setzen, und das Feuer aushalten. Dabei dachte sie wenn die Diener ihm auch alles täten, würde sich doch keiner für ihn verbrennen, und aus Liebe zu ihr würde er selber sich hinein setzen, und dann wäre sie frei. Wie aber die Diener das hörten, sprachen sie 'wir haben alle etwas getan, nur der Frostige noch nicht, der muß auch daran,' und nahmen ihn, und trugen ihn ins Holz hinein, und steckten an. Da hob das Feuer an, und brannte drei Tage, bis alles Holz verzehrt war, und als es verlosch, stand der Frostige mitten in der Asche, zitterte wie ein Espenlaub, und sprach 'so habe ich mein Lebtage nicht gefroren, und wenn_es länger gedauert hätte, wäre ich im Frost erstarrt.' Nun war keine Ausflucht mehr zu finden, die schöne Jungfrau mußte mit dem Königssohn sich vermählen. Als sie aber nach der Kirche fuhren, sprach die Alte 'ich kann_es nimmermehr zugeben,' und schickte ihr Kriegsvolk nach, das sollte alles niedermachen, was ihm vorkäme, und ihr die Tochter zurückbringen. Der Horcher aber hatte die Ohren gespitzt, und die heimlichen Reden der Alten angehört, und sagte es dem Dicken, der wußte Rat, spiee einmal oder zweimal aus hinter dem Wagen, da entstand ein groß Wasser, worin die Kriegsvölker stecken blieben und ertranken. Als sie nicht zurückkamen, schickte die Alte ganz geharnischte Reiter, aber der Horcher hörte sie kommen, und band dem einen die Augen auf, der guckte die Feinde ein bisschen scharf an, da sprangen sie aus einander wie Glas. Nun fuhren sie ungestört weiter, und als sie zu der Kirche verheiratet und eingesegnet waren, nahmen die sechs Diener ihren Abschied, und sprachen 'wir wollen weiter unser Glück in der Welt versuchen.' Eine halbe Stunde vor dem Schloß war ein Dorf, vor dem hütete ein Schweinehirt seine Herde; wie sie dahin kamen, sprach er zu seiner Frau 'weißt du auch recht wer ich bin? ich bin kein Königssohn, sondern ein Schweinehirt, und der mit der Herde dort, das ist mein Vater, und nun müssen wir zwei auch daran, und ihm helfen hüten.' Dann stieg er mit ihr in ein Wirtshaus ab, und sagte heimlich zu den Wirtsleuten in der Nacht sollten sie ihr die königlichen Kleider wegnehmen. Wie sie nun am Morgen aufwachte, hatte sie nichts anzutun, und die Wirtin gab ihr einen alten Rock, und ein Paar alte wollene Strümpfe, und tat noch als wäre_es ein großes Geschenk, und sprach 'wenn nicht euer Mann wäre, hätte ich_es euch gar nicht gegeben.' Da glaubte sie er wäre wirklich ein Schweinehirt, und hütete mit ihm die Herde, und dachte 'ich habe es verdient mit meinem Übermut und Stolz.' Das dauerte acht Tage, da konnte sie es nicht mehr aushalten, denn die Füße waren ihr ganz wund geworden. Da kamen ein paar Leute, und fragten ob sie recht wüßte wer ihr Mann wäre. 'Ja,' antwortete sie, 'er ist ein Schweinehirt, und ist eben ausgegangen mit ein wenig Band zu handeln.' Sie sprachen aber 'kommt einmal mit, wir wollen euch zu ihm hinführen,' und brachten sie ins Schloß hinauf; und wie sie in den Saal kam, stand da ihr Mann in königlichen Kleidern. Sie erkannte ihn aber nicht, bis er ihr um den Hals fiel, sie küßte, und sprach 'ich habe so viel für dich gelitten, da hast du auch für mich leiden sollen.' Nun wurde erst recht die Hochzeit gefeiert, und des erzählt hat, wollte er wäre auch dabei gewesen.
135. Die weiße und die schwarze Braut.
Eine Frau ging mit ihrer Tochter und Stieftochter über Feld, Futter zu schneiden. Da kam der liebe Gott als ein armer Mann zu ihnen gegangen, und fragte 'wo führt der Weg ins Dorf?' 'Ei,' sprach die Mutter, 'sucht ihn selber,' und die Tochter setzte noch hinzu 'habt ihr Sorge daß ihr ihn nicht findet, so bringt euch einen Wegweiser mit.' Die Stieftochter aber sprach 'armer Mann, ich will dich führen, komme mit mir.' Da erzürnte der liebe Gott über die Mutter und Tochter, wendete ihnen den Rücken zu, und verwünschte sie, daß sie sollten schwarz werden wie die Nacht, und häßlich wie die Sünde. Der armen Stieftochter aber war Gott gnädig, und ging mit ihr, und als sie nahe am Dorf waren, sprach er einen Segen über sie, und sagte 'wähle dir drei Sachen aus, die will ich dir gewähren.' Da sprach das Mädchen 'ich möchte gern schön und rein werden wie die Sonne;' alsbald wurde sie weiß und schön wie der Tag. 'Dann möchte ich einen Geldbeutel haben, der nie leer würde;' den gab ihr der liebe Gott auch, sprach aber 'vergiß das Beste nicht, meine Tochter.' Sagte sie 'ich wünsche mir zum dritten das ewige Himmelreich nach meinem Tode.' Das wurde ihr auch zugesagt, und also schied der liebe Gott von ihr. Wie nun die Stiefmutter mit ihrer Tochter nach Hause kam, und sah daß sie beide kohlschwarz und häßlich waren, die Stieftochter aber weiß und schön, wurde sie ihr im Herzen noch böser, und hatte nur im Sinn wie sie ihr ein Leid antun könnte. Die Stieftochter aber hatte einen Bruder Namens Reginer, den liebte sie sehr, und erzählte ihm alles was geschehen war. Nun sprach Reginer einmal zu ihr 'liebe Schwester, ich will dich abmalen, damit ich dich beständig vor Augen sehe, denn meine Liebe zu dir ist so groß, daß ich dich immer in Gedanken habe.' Da antwortete sie 'aber laß niemand das Bild sehen.' Er malte sich nun seine Schwester ab, und hing das Bild in seiner Stube auf, in des Königs Schloß, bei dem er Kutscher war, und alle Tage ging er davor stehen, und dankte Gott für das Glück seiner lieben Schwester. Nun war aber gerade dem König, bei dem er diente, seine Gemahlin verstorben welche so schön gewesen war, daß man keine finden konnte, die ihr gliche, und der König war darüber in tiefer Trauer. Die Hofdiener sahen es indessen dem Kutscher ab wie er täglich vor dem schönen Bilde stand, mißgönnten ihm, und meldeten es dem König. Da ließ dieser das Bild vor sich bringen, und sah daß es in allem seiner verstorbenen Frau glich, nur noch schöner war, so daß er sich sterblich hinein verliebte. Er ließ den Kutscher vor sich kommen, und fragte wen das Bild vorstellte. Als der Kutscher gesagt hatte daß es seine Schwester wäre, entschloß sich der König keine andere als diese zur Gemahlin zu nehmen, gab ihm Wagen und Pferde und prächtige Goldkleider, und schickte ihn fort, seine erwählte Braut ab zu holen. Wie Reginer mit der Botschaft an kam, freute sich seine Schwester, allein die Schwarze war eifersüchtig über das Glück ihrer Schwester, ärgerte sich über alle Maßen, und sprach zu ihrer Mutter 'was helfen nun all eure Künste, da ihr mir kein solches Glück verschaffen könnt.' Da sagte die Alte 'sei still, ich will dir_es schon zuwenden;' und durch ihre Hexenkünste trübte sie dem Kutscher die Augen, daß er halb blind war, und der Weißen verstopfte sie die Ohren, daß sie halb taub war. Darauf stiegen sie in den Wagen, erst die Braut in den herrlichen königlichen Kleidern, dann die Stiefmutter mit ihrer Tochter, und Reginer saß auf dem Bock, um zu fahren.
Wie sie eine Weile gereist waren, unterwegs, rief der Kutscher
'deck dich zu, mein Schwesterlein, daß Regen dich nicht näßt, daß Wind dich nicht bestäubt, daß du fein schön zum König kommst.'
Die Braut fragte 'was sagt mein lieber Bruder?' 'Ach,' sprach die Alte, 'er hat gesagt du solltest dein gülden Kleid aus ziehen, und es deiner Schwester geben.' Da zog sie es aus, und tat es der Schwarzen an, die gab ihr dafür einen schlechten grauen Kittel.
So fuhren sie weiter; über ein Weilchen rief der Bruder abermals
'deck dich zu, mein Schwesterlein, daß Regen dich nicht näßt, daß Wind dich nicht bestäubt, und du fein schön zum König kommst.'
Die Braut fragte 'was sagt mein lieber Bruder?' 'Ach,' sprach die Alte, 'er hat gesagt du solltest deine güldene Haube ab tun, und deiner Schwester geben.' Da tat sie die Haube ab und der Schwarzen auf, und saß im bloßen Haar.
So fuhren sie weiter; wiederum über ein Weilchen rief der Bruder
'deck dich zu, mein Schwesterlein, daß Regen dich nicht näßt, daß Wind dich nicht bestäubt, und du fein schön zum König kommst.'
Die Braut fragte 'was sagt mein lieber Bruder?' 'Ach,' sprach die Alte, 'er hat gesagt du möchtest einmal aus dem Wagen sehen;' sie fuhren aber gerade über ein tiefes Wasser.
Wie nun die Braut aufstand und aus dem Fenster sah, da stießen sie die beiden anderen hinaus, daß sie gerade ins Wasser fiel.
Als sie aber versunken war, in demselben Augenblick, stieg eine schneeweiße Ente hervor, und schwamm den Fluß hinab.
Der Bruder hatte gar nichts davon gemerkt, und fuhr den Wagen weiter, bis sie an den Hof kamen, da brachte er dem König die Schwarze als seine Schwester, und meinte auch sie wäre es, weil es ihm trübe vor den Augen war, und er doch die Goldkleider schimmern sah.
Der König, wie er die grundlose Häßlichkeit an seiner vermeinten Braut erblickte, wurde sehr bös, und befahl den Kutscher in eine Grube zu werfen, die voll Ottern und Schlangengezücht war.
Die alte Hexe aber wußte den König doch so zu bestricken, und durch ihre Künste ihm die Augen zu verblenden, daß er sie und ihre Tochter behielt und zu sich nahm, ja daß sie ihm ganz leidlich vorkam, und er sich wirklich mit ihr verheiratete.
Einmal Abends, während die schwarze Braut dem König auf dem Schoße saß, kam eine weiße Ente zum Gossenstein in die Küche geschwommen, und sagte zum Küchenjungen
'Jüngelchen, mache Feuer an, daß ich meine Federn wärmen kann.'
Das tat der Küchenjunge, und machte ihr ein Feuer auf dem Herd, da kam die Ente, und setzte sich daneben, schüttelte sich und strich sich die Federn mit dem Schnabel zurecht.
Während sie so saß und sich wohltat, fragte sie
'was macht mein Bruder Reginer?'
Der Küchenjunge antwortete
'liegt tief bei Ottern und Schlangen.'
Fragte sie weiter
'was macht die schwarze Hexe im Haus?'
Der Küchenjunge antwortete
'die sitzt warm ins Königs Arm.'
Sagte die Ente
'daß Gott erbarm!'
und schwamm den Gossenstein hinaus.
Den folgenden Abend kam sie wieder, und tat dieselben Fragen, und den dritten Abend noch einmal.
Da konnte es der Küchenjunge nicht länger übers Herz bringen, und sagte dem König alles.
Der König aber ging den anderen Abend hin, und wie die Ente den Kopf durch den Gossenstein herein streckte, nahm er sein Schwert, und hieb ihr den Hals durch, da wurde sie auf einmal zum schönsten Mädchen, und glich genau dem Bild, das der Bruder von ihr gemacht hatte.
Der König aber war voll Freuden, und weil sie ganz naß da stand, ließ er ihr köstliche Kleider bringen, und ließ sie damit bekleiden.
Dann erzählte sie ihm wie sie war betrogen und endlich in den Fluß hinab geworfen worden; und ihre erste Bitte war daß ihr Bruder aus der Schlangenhöhle herausgeholt würde.
Und als der König diese Bitte erfüllt hatte, ging er in die Kammer, wo die alte Hexe saß, und fragte 'was verdient die, welche das und das tut?' und erzählte den ganzen Hergang.
Da war sie verblendet, merkte nichts, und sprach 'die verdient daß man sie nackt auszieht, und in ein Fass mit Nägeln legt, und vor das Fass ein Pferd spannt, und das Pferd in alle Welt schickt.' Das geschah alles an ihr und ihrer schwarzen Tochter.
Der König heiratete die weiße schöne Braut, und belohnte den treuen Bruder, indem er ihn zu einem reichen und angesehenen Mann machte.
136. De wilde Mann.
Et was emoel en wilden Mann, de was verwünsket, un genk bie de Bueren in den Goren (Garten) un im Korn un moek alles to Schande. Da klagten se an Ehren Gutsheeren, se können eere Pacht nig mehr bezahlen, un da leit de Gutsheer alle Jägers bie eine kommen: we das Tier fangen könne, de soll 'ne graute Belohnung haben.
Da kommt da en ollen Jäger an, de segd, he wüll das Tier will fangen.
Da mött se em 'ne Pulle met Fusel (Branntwein), un 'ne Pulle met Wien, un 'ne Pulle met Beer gierwen (geben), de settet he an das Water, wo sich das Tier alle Dage wäskt.
Un da geit he achter en Baum stehen, da kommt das Tier, un trinkt ut de Pullen, da leckt et alle de Mund un guckt herum ov das auch well süht.
Da werde et drunken, un da geit et liegen un schlöpd.
Da geit de Jäger to, un binde et an Händen un Föten, da weckt he et wir up, un segd: 'du wilde Mann, goh met, sock fast du alle Dage trinken.'
Da nimmt he et mit nach das adlige Schloß, da settet se et da in den Thornt, un de Heer geit to andere Nobers, de söllt seihn (sehen) was he för'n Tier fangen hed.
Da spierlt eine von de jungen Heerens met'n Ball, un let de in den Thornt fallen, un das Kind segd 'wilde Mann, schmiet mie den Ball wir to.'
Da segd de wilde Mann 'den Ball most du sölvst wir hahlen.' 'Je,' segd das Kind, 'ich heve keinen Schlürtel.' 'Dann mache du das du bie diene Moder eere Tasken kümmst, un stehle Ehre den Schlürtel.' Da schlüt das Kind den Thornt orpen, un de wilde Mann löpd derut.
Da fängt das Kind an to schreien 'o wilde Mann, bleibe doch hier, ich kriege süß Schläge.' Da niermt de wilde Mann das Kind up de Nacken, un lopd damit de Wildnis herin; de wilde Mann was weg, das Kind was verloren!
De wilde Mann de tüt das Kind en schlechten Kiel (Kittel) an, un schickt et nach den Görner an den Kaisers Hof, da mot et fragen ov de keinen Görnersjungen van dohn (nötig) hed.
Da segd de he wäre so schmeerig antrocken, de anderen wollen nig bie em schlopen.
Da seg he he will int Strauh liegen, un geit alltied des Morgens früh in den Goren, da kommt em de wilde Mann entgiergen, da seg he, 'nun waske die, nun kämme die.' Un de wilde Mann macht de Goren so schön, das de Görner et sölvst nig so gut kann.
Un de Prinzessin süt alle Morgen den schönen Jungen, da seg se to den Görner de kleine Lehrjunge söll Ehre en Busk Blumen brengen.
Un se frög das Kind van was för Stand das et wäre, da seg et ja das wüs et nig; da gib se em en broden Hohn vull Ducoeten.
Es he in kommt, gib he das Geld seinen Heeren, un seg 'was sall ich da met dohn, das bruckt ji men.' Un he moste Ehre nach einen Busk Blumen brengen, da gib se em 'ne Aant (Ente) vull Ducoeten, de gib he wir an seinen Heeren.
Un da nach enmoel, da gib se em 'ne Gans vull Ducoeten, de gib de Junge wir an seinen Heeren.
Da meent de Prinzessin he hev Geld, un he hev nix, un da hierothet se em im geheim, un da weeret eere Oeldern so beise, un fetten se in das Brauhuse, da mot se sick met spinnen ernähren, un he geit in de Küche, un hilft den Kock de Broden drei, un steld manxden (zuweilen) en Stück Fleisch, un bringt et an sine Frau.
Da kommt so'n gewaltigen Krieg in England, wo de Kaiser hin mott un alle de grauten Heerens, da segd de junge Mann he will da auch hen, ov se nig no en Pferd in Stall hedden, un se saden se hedden nach ent, das gönk up drei Beinen, das wör em gut genug.
He settet sick up das Pferd, das Pferd das geit alle husepus husepus.
Da kommt em de wilde Mann in de möte (entgegen), da döt sick so'n grauten Berg up, da sind will dusend Regimenter Soldaten un Offiziere in, da dät he schöne Kleider an, un kriegt so'n schön Pferd.
Da tüt (zieht) he met alle sin Volk in den Krieg nach England, de Kaiser enfänk en so freundlich, un begerd en he möge em doh biestoen.
He gewinnt de Schlacht, un verschleit alles.
Da dät sick de Kaiser so bedanken vör em, un fragt was he för'n Heer wäre, he segd 'das froget mie men nig, das kann ich ju nig sagen.'
He ritt met sin Volk wir ut England, da kommt em de wilde Mann wir entgiergen, un döt alle das Volk wir in den Berg, un he geit wir up sein dreibeinige Pferd Sitten.
Da seget de Luide 'da kümmet usse Hunkepus wir an met das dreibeinige Pferd,' un se froget 'wo hest du achter de Hierge (Hecke) lägen, un hest schlopen?' 'Je,' segd he, 'wenn ich der nig wör Weste, dann hädde et in England nig gut gohn.' Se segget 'Junge, schwieg stille, süß gib die de Heer was up d' Jack.' Un so genk et nach tweenmoel, un Ton derdenmoel gewient he alles; da kriege he en Stick in den Arm, da niermt de Kaiser seinen Dock (Tuch), und verbinde em de Wunden.
Da neidigt (nötigt) se em he möge da bliewen, 'ne, ich bleibe nig bie ju, un was ich sin, geit ju nig an.'
Da kümmet em de wilde Mann wir entgiergen, un deih alle das Volk wir in den Berg, un he genk wir up sin Pferd Sitten, un genk wir nach Hues. Da lachten de Luide, un sagten 'da kommt usse Hunkepus wir an, wo hest du doh lägen un schlopen?' He seg 'ich heve fürwahr nig slopen, nun is ganz England gewonnen, un et is en wohren Frerden (Frieden).'
Da segde de Kaiser von den schönen Ritter, de em hev biestohen; da seg de junge Mann to en Kaiser 'wäre ich nig bie ju Weste, et wäre nig gut gahen.' Da will de Kaiser em was upn Buckel gierwen, 'ji,' seg he, 'wenn ji das nig gleiwen willst, will ich ju meinen Arm wiesen.' Un asse he den Arm wiest, un asse de Kaiser de Wunde süt, da wert he gans verwundert un segd 'villicht büst du Gott sölvst ader en Engel, den mie Gott toschickt hev,' un bat em um Verzeihnüs das he so grov met em handelt hädde, un schenket em sin ganse Kaisersgut.
Un de wilde Mann was erlöset, un stand Ase en grauten König för em, un vertelde em de ganse Sacke, un de Berg was en gans Königsschloß, un he trock met sine Frau derup, un lerweten vergnügt bis an Ehren Daud.137. De drei schwatten Prinzessinnen.
Ostindien was von den Fiend belagert, he will de Stadt nig verloeten, he will ersten seshundert Dahler haben. Da leiten se das ut trummen, well de schaffen könne, de soll Bürgermeister wären. Da was der en armen Fisker, de fiskede up de See mit seinen Sohn, da kam de Fiend un nahm den Sohn gefangen, un gav em dafür seshundert Dahler. Da genk de Vader hen, un gav das de Heerens in de Stadt, un de Fiend trock av, un de Fisker wurde Bürgermeister. Da word utropen wer nig 'Heer Bürgermeister' segde, de soll an de Galge richtet wären. De Sohn de kam de Fiend wir ut de Hände, un kam in en grauten Wald up en haujen Berg. De Berg de deih sick up, da kam he in en graut verwünsket Schloß, woin Stohle, Diske un Bänke alle schwatt behangen wören. Da queimen drei Prinzessinnen, de gans schwatt antrocken wören, de men en lück (wenig) witt im Gesicht hädden, de sagten to em he soll men nig bange sein, se wollen em nix dohn, he könn Ehre erlösen. Da seg he je das will he gern dohn, wann he men wüsste wo he das macken söll. Da segget se he söll en gans Jahr nig met en kühren (sprechen), un söll se auch nig anseihen; was he gern haben will, das söll he men sagen, wann se Antwort gierwen dröfden (geben dürften), wollen se et dohn. As he 'ne Tied lang der Weste was, sede he he will asse gern nach sin Vader gohn, da segget se das söll he men dohn, düssen Buel (Beutel) met Geld söll he met niermen, düsse Klöter söll he antrecken, un in acht Dage möst he der wir sein. Da werde he upnurmen (aufgehoben), un is glik in Ostindien, da kann he sin Vader in de Fiskhütte nig mehr finden, un frög de Luide wo doh de arme Fisker blierwen wäre, da segget se das möst he nig sagen, dann queim he an de Galge. Da kommt he bi sin Vader, da seg he 'Fisker, wo sin ji da to kommen?' Da seg de 'das möt ji nig sagen, wann das de Heerens van de Stadt gewahr weeret, kümme ji an de Galge.' He willst oder gar nig loten, he werde nach de Galge brachte. Es he da is, seg he 'o mine Heerens, gierwet mie doh Verlöv das ich nach de olle Fiskhütte gohn mag.' Da tüt he seinen ollen Kiel an, da kümmet he wir nach de Heerens, un seg 'seih ji et nun will, sin ich nig en armen Fisker seinen Sohn? in düt Tueg heve ich meinen Vader und Moder das Braud gewonnen.' Da erkennt se en, un baten um Vergiebnüs, un niermt en met nach sin Hues, da verteld he alle wü et em gohn hev, das he wäre in en Wald kommen up en haujen Berg, da hädde sick de Berg updohn, da wäre he in en verwünsket Schloß kommen, wo alles schwatt Weste wäre, un drei Prinzessinnen wören der an kommen, de wören schwatt Weste, men en lück witt im Gesicht. De hädden em segd he söll nig bange sein, he könn Ehre erlösen. Da seg sine Moder das möge will nig gut sein, he soll 'ne gewiehte Wasskeefze met niermen un drüppen (tropfen) Ehre gleinig (glühend) Wass im Gesicht. He geit wir hen, un da gruelte (graute) em so, un he drüppde er Wass im Gesicht, asse se sleipen, un se wören all halv witt. Da sprüngen alle de drei Prinzessinnen up, un sagten 'de verfluchte Hund, usse Blöd soll örfer die Rache schreien, nun is kein Mensch up de Welt geboren un werde geboren, de us erlösen kann, wie hevet nach drei Bröders, de sind in siewen Ketten anschloeten, de söllt die terreiten.' Da givt et en Gekriesk im ganse Schloß, un he sprank nach ut das Fenster, un terbrack das Been, un das Schloß sank wir in de Grunde, de Berg was wir to, un nümmes wusste wo et Weste was.
138. Knoist un sine dre Sühne.
Twisken Werrel un Soist, da wuhnde 'n Mann, un de hede Knoist, de hatte dre Sühne, de eine was blind, de annre was lahm, un de dridde was splenternaket. Da gingen se mol öwer Feld, da sehen se einen Hasen. De blinne de schöt en, de lahme de fienk en, de nackede de stack en in de Tasken. Da käimen se für en groß allmächtig Waater, da wuren dre Schippe uppe, das eine das rann, das annre das sank, das dridde, da was kein Buoden inne. Wo kein Buoden inne was, da gingen se olle dre inne. Da käimen se an einen allmächtig grooten Walle (Wald), da was en groß allmächtig Boom inne, in den Boom was eine allmächtig groote Kapelle, in de Kapelle was ein hageböcken Köster un ein bußboomen Pastoer, de deelden das Wiggewaater mit Knüppeln uit. Sielig is de Mann, de den Wiggewaater entlaupen kann.
139. Das Mäken von Brakel.
Et gienk Mal 'n Mäken von Brackel na de sünt Annen Kapellen unter de Hinnenborg, un weil et gerne 'n Mann heven wolle, un ock meinde et wäre süß neimes in de Kapellen, sau sank et 'O hilge sünte Anne, help mie doch bald tom Manne, du kennst 'n ja will: he wuhnt var'm Suttmerdore, hed gele Hore: du kennst 'n ja will.' De Köster stand awerst hünner de Altare, un höre das, da rep he mit 'ner gans schrögerigen Stimme 'du kriegst 'n nig, du kriegst 'n nig.' Das Mäken awerst meinde das Marienkinneken, das bie de Mudder Anne steiht, hätte um das to ropen, da wor et beuse, un reip 'pepperlepep, dumme Blae, halte de Schnuten, un lat de Möhme kühren (die Mutter reden).'
140. Das Hausgesinde.
'Wo wusste du henne?' 'Nah Walpe.' 'Jck nah Walpe, du nah Walpe; sam, sam, goh wie dann.' 'Häst du auch 'n Mann? wie hedd dein Mann?' 'Cham.' 'Mein Mann Cham, dein Mann Cham; ich nah Walpe, du nah Walpe; sam, sam, goh wie dann.' 'Häst du auch 'n Kind? wie hedd dein Kind?' 'Grind.' 'Mein Kind Grind, dein Kind Grind; mein Mann Cham, dein Man Cham; ich nah Walpe, du nah Walpe; sam, sam, goh wie dann.' 'Häst du auch 'n Weige? wie hedd dine Weige?' 'Hippodeige.' 'Mine Weige Hippodeige, dine Weige Hippodeige: mein Kind Grind, dein Kind Grind; mein Mann Cham, dein Mann Cham; ich nah Walpe, du nah Walpe; sam, sam, goh wie dann.' 'Häst du auch 'n Knecht? wie hedd dein Knecht?' 'Mach mir_es recht.' 'Mein Knecht Mache mir_es Recht, dein Knecht Mache mir_es recht; mine Weige Hippodeige, dine Weige Hippodeige; mein Kind Grind, dein Kind Grind; mein Mann Cham, dein Mann Cham; ich nah Walpe, du nah Walpe; sam, sam, goh wie dann.'
141. Das Lämmchen und Fischchen.
Es war einmal ein Brüderchen und Schwesterchen, die hatten sich herzlich lieb, ihre rechte Mutter war aber tot, und sie hatten eine Stiefmutter, die war ihnen nicht gut, und tat ihnen heimlich alles Leid an. Es trug sich zu, daß die zwei mit anderen Kindern auf einer Wiese vor dem Haus spielten, und an der Wiese war ein Teich, der ging bis an die eine Seite vom Haus. Die Kinder liefen da herum, kriegten sich, und spielten Abzählens: 'Enecke, Benecke, lat mi liewen, will die ock mein Vügelken geben. Vügelken sall mie Strau söken, Strau will ich den Köseken geben, Köseken sall mi Melk geben, Melk will ich den Bäcker geben, Bäcker sall mie 'n Kuchen backen, Kuchen will ich den Kätken geben, Kätken sall mie Müse fangen, Müse will ich in 'n Rauck hängen un will se anschnien.' Dabei standen sie in einem Kreis, und auf welchem nun das Wort 'anschnien' fiel, der mußte fortlaufen, und die anderen liefen ihm nach, und fingen ihn. Wie sie so fröhlich dahinsprangen, sahes die Stiefmutter vom Fenster mit an, und ärgerte sich. Weil sie aber Hexenkünste verstand, so verwünschte sie beide, das Brüderchen in einen Fisch, und das Schwesterchen zu ein Lamm. Da schwamm das Fischchen im Teich hin und her, und war traurig, das Lämmchen ging auf der Wiese hin und her, und war traurig, und fraß nicht, und rührte kein Hälmchen an. So ging eine lange Zeit hin, da kamen fremde Gäste auf das Schloß. Die falsche Stiefmutter dachte 'jetzt ist die Gelegenheit gut,' rief den Koch, und sprach zu ihm 'gehe und hole das Lamm von der Wiese, und schlachte_es, wir haben sonst nichts für die Gäste.' Da ging der Koch hin, und holte das Lämmchen, und führte es in die Küche, band ihm die Füßchen, das litt es alles geduldig. Wie er nun sein Messer herausgezogen hatte und auf der Schwelle wetzte, um es abzustechen, sah es, wie ein Fischlein in dem Wasser vor dem Gossenstein hin und herschwamm, und zu ihm hinaufblickte. Das war aber das Brüderchen, denn als das Fischchen gesehen hatte, wie der Koch das Lämmchen fortführte, war es im Teich mitgeschwommen bis zum Haus. Da rief das Lämmchen hinab 'ach Brüderchen im tiefen See, wie tut mir doch mein Herz so weh! der Koch der wetzt das Messer, will mir mein Herz durchstechen.' Das Fischchen antwortete 'ach Schwesterchen in der Höhe, wie tut mir doch mein Herz so weh in dieser tiefen See!' Wie der Koch hörte, daß das Lämmchen sprechen konnte, und so traurige Worte zu dem Fischchen hinabrief, erschrak er, und dachte es müßte kein natürliches Lämmchen sein, sondern von der bösen Frau im Haus verwünscht. Da sprach er 'sei ruhig, ich will dich nicht schlachten,' nahm ein anderes Tier, und bereitete das für die Gäste, und brachte das Lämmchen zu einer guten Bäuerin, der erzählte er alles, was er gesehen und gehört hatte. Die Bäuerin war aber gerade die Amme von dem Schwesterchen gewesen, vermutete gleich wer_es sein würde, und ging mit ihm zu einer weisen Frau. Da sprach die weise Frau einen Segen über das Lämmchen und Fischchen, wovon sie ihre menschliche Gestalt wieder bekamen, und danach führte sie beide in einen großen Wald in ein klein Häuschen, wo sie einsam, aber zufrieden und glücklich lebten.
142. Simeliberg.
Es waren zwei Brüder, einer war reich, der andere arm. Der Reiche aber gab dem Armen nichts, und er mußte sich vom Kornhandel kümmerlich ernähren, da ging es ihm oft so schlecht, daß er für seine Frau und Kinder kein Brot hatte. Einmal fuhr er mit seinen Karren durch den Wald, da erblickte er zur Seite einen großen kahlen Berg, und weil er den noch nie gesehen hatte, hielt er still, und betrachtete ihn mit Verwunderung. Wie er so stand, sah er zwölf wilde große Männer daher kommen; weil er nun glaubte das wären Räuber, schob er seinen Karren ins Gebüsch, und stieg auf einen Baum, und wartete was da geschehen würde.
Die zwölf Männer gingen aber vor den Berg und riefen 'Berg Semsi, Berg Semsi, tue dich auf.' Alsbald tat sich der kahle Berg in der Mitte von einander, und die zwölf gingen hinein, und wie sie drin waren, schloß er sich zu. Über eine kleine Weile aber tat er sich wieder auf, und die Männer kamen, mit schweren Säcken auf den Rücken, heraus, und wie sie alle wieder am Tageslicht waren, sprachen sie 'Berg Semsi, Berg Semsi, tue dich zu.' Da fuhr der Berg zusammen, und war kein Eingang mehr an ihm zu sehen, und die Zwölf gingen fort. Als sie ihm nun ganz aus den Augen waren, stieg der Arme vom Baum herunter, und war neugierig was wohl im Berge heimliches verborgen wäre. Also ging er davor, und sprach 'Berg Semsi, Berg Semsi, tue dich auf,' und der Berg tat sich auch vor ihm auf. Da trat er hinein, und der ganze Berg war eine Höhle voll Silber und Gold, und hinten lagen große Haufen Perlen und blitzende Edelsteine, wie Korn aufgeschüttet. Der Arme wußte gar nicht, was er anfangen sollte, und ob er sich etwas von den Schätzen nehmen dürfte; endlich füllte er sich die Taschen mit Gold, die Perlen und Edelsteine aber ließ er liegen. Als er wieder herauskam sprach er gleichfalls 'Berg Semsi, Berg Semsi, tue dich zu,' da schloß sich der Berg, und er fuhr mit seinem Karren nach Haus. Nun brauchte er nicht mehr zu sorgen, und konnte mit seinem Golde für Frau und Kind Brot und auch Wein dazu kaufen, lebte fröhlich und redlich, gab den Armen, und tat jedermann Gutes. Als aber das Gold zu Ende war, ging er zu seinem Bruder, lieh einen Scheffel, und holte sich von neuem; doch rührte er von den großen Schätzen nichts an. Wie er sich zum drittenmal etwas holen wollte, borgte er bei seinem Bruder abermals den Scheffel. Der Reiche war aber schon lange neidisch über sein Vermögen und den schönen Haushalt, den er sich eingerichtet hatte, und konnte nicht begreifen woher der Reichtum käme, und was sein Bruder mit dem Scheffel anfinge. Da dachte er eine List aus, und bestrich den Boden mit Pech, und wie er das Maß zurück bekam, so war ein Goldstück darin hängen geblieben. Alsbald ging er zu seinem Bruder, und fragte ihn 'was hast du mit dem Scheffel gemessen?' 'Korn und Gerste' sagte der andere. Da zeigte er ihm das Goldstück, und drohte ihm, wenn er nicht die Wahrheit sagte, so wollt er ihn beim Gericht verklagen. Er erzählte ihm nun alles, wie es zugegangen war; der Reiche aber ließ gleich einen Wagen anspannen, fuhr hinaus, und dachte ganz andere Schätze mitzubringen. Wie er vor dem Berg kam, rief er 'Berg Semsi, Berg Semsi, tue dich auf.' Der Berg tat sich auf, und er ging hinein. Da lagen die Reichtümer alle vor ihm, und er wußte lange nicht wozu er am ersten greifen sollte, endlich lud er Edelsteine auf, so viel er tragen konnte. Er wollte seine Last hinausbringen, weil aber Herz und Sinn ganz voll von den Schätzen waren, hatte er darüber den Namen des Berges vergessen, und rief 'Berg Simeli, Berg Simeli, tue dich auf.' Aber das war der rechte Name nicht, und der Berg regte sich nicht, und blieb verschlossen. Da wurde ihm Angst, aber je länger er nachsann, desto mehr verwirrten sich seine Gedanken, und halfen ihm alle Schätze nichts mehr. Am Abend tat sich der Berg auf, und die zwölf Räuber kamen herein, und als sie ihn sahen, lachten sie, und riefen 'Vogel, haben wir dich endlich, meinst du wir hätten_es nicht gemerkt daß du zweimal hereingekommen bist, aber wir konnten dich nicht fangen, zum drittenmal sollst du nicht wieder heraus.' Da rief er 'ich war_es nicht; mein Bruder war_es,' aber er mochte bitten um sein Leben, und sagen was er wollte, sie schlugen ihm das Haupt ab.143. Up Reisen gohn.
Et was emol ne arme Frau, de hatte einen Suhn, de will so gerne reisen, da seg de Mohr 'wu kannst du reisen? wie hebt je gar Kien Geld, das du mitnehmen kannst.' Da seg de Suhn 'ich will mi gut behelpen, ich will alltied sagen 'nig viel, nig viel, nig viel.'
Da genk he eine gute Tied, un sede alltied 'nig viel, nig viel, nig viel.' Kam da bi en Trop Fisker, un seg 'Gott helfe ju! nig viel, nig viel, nig viel.' 'Was sägst du, Kerl, nig viel?' Un asse das Gören (Garn) uttrocken, kregen se auch nig viel Fiske.
So met einen Stock up de Jungen, un 'hest du mi nig dresken (dreschen) seihn?' 'Was sall ich denn sagen?' seg de Junge.
'Du sollst sagen 'fang vull, fank vull.'
Da geit he wir eine ganze Tied, un seg 'fank vull, fang vull,' bis he kommt an einen Galgen, da hebt se en armen Sünder, den willst se richten.
Da seg he 'guden Morgen, fang vull, fang vull.' 'Was sägst du, Kerl, fang vull? söllt der noch mehr liege (leidige, böse) Lude in de Welt sein? is düt noch nig genug?' He krieg wir was up den Buckel.
'Was sall ik denn sagen?' 'Du sollst sagen 'Gott tröste de arme Seele.'
De Junge geit wir eine ganze Tied, un seg 'Gott tröste de arme Seele!' Da kümmet he an en Grawen, da steit en vieler (Schinder), de tüt en Pferd af.
De Junge seg 'guden Morgen, Gott tröste de arme Seele!' 'Was sägst du, liege Kerl?' un schleit en met seinen Filhacken um de Ohren, das he ut den Augen nig seihen kann.
'Wu sall ich denn sagen?' 'Du sollst sagen 'da ligge du Aas in en Gran.'
Da geit he un seg alltied 'da ligge du Aas in en Gran! da ligge du Aas in en Gran!' Nun kommt he bi einen Wagen vull Lüde, da seg he 'guden Morgen, da ligge du Aas in en Gran!' Da füllt de Wagen um in en Gran, de Knecht kreg de Pietske, un knapt den Jungen, das he wir to sine Mohr krupen moste, un he is sein Lewen nig wir up reisen gohn.
144. Das Eselein.
Es lebte einmal ein König und eine Königin, die waren reich und hatten alles, was sie sich wünschten, nur keine Kinder. Darüber klagte sie Tag und Nacht, und sprach 'ich bin wie ein Acker, auf dem nichts wächst.' Endlich erfüllte Gott ihre Wünsche, als das Kind aber zur Welt kam, sah_es nicht aus wie ein Menschenkind, sondern war ein junges Eselein. Wie die Mutter das erblickte, fing ihr Jammer und Geschrei erst recht an, sie hätte lieber gar kein Kind gehabt, als einen Esel, und sagte man sollt ihn ins Wasser werfen, damit ihn die Fische fräßen. Der König aber sprach 'nein, hat Gott ihn gegeben, soll er auch mein Sohn und Erbe sein, nach meinem Tod auf dem königlichen Thron sitzen, und die königliche Krone tragen.'
Also wurde das Eselein aufgezogen, nahm zu, und die Ohren wuchsen ihm auch fein hoch und gerade hinauf. Es war aber sonst fröhlicher Art, sprang herum, spielte, und hatte besonders seine Lust an der Musik, so daß es zu einem berühmten Spielmann ging, und sprach 'lehr mich deine Kunst, daß ich so gut die Leute schlagen kann, als du.' 'Ach, liebes Herrlein,' antwortete der Spielmann, 'das sollt euch schwer fallen, eure Finger sind nicht allerdings dazu gemacht, und gar zu groß; ich Sorge die Saiten halten_es nicht aus.' Es half aber keine Ausrede, das Eselein wollt und mußte die Laute schlagen, war beharrlich und fleißig, und lernte es am Ende so gut als sein Meister selber.
Einmal ging das junge Herrlein nachdenklich spazieren, und kam an einen Brunnen, da schaute es hinein, und sah im spiegelhellen Wasser seine Eseleinsgestalt, darüber wurde es so betrübt, daß es in die weite Welt ging, und nur einen treuen Gesellen mitnahm. Sie zogen auf und ab, zuletzt kamen sie in ein Reich, wo ein alter König herrschte, der nur eine einzige aber wunderschöne Tochter hatte. Das Eselein sagte 'hier wollen wir weilen,' klopfte ans Tor, und rief 'es ist ein Gast haußen, macht auf, damit er eingehen kann.' Als aber nicht aufgetan wurde, setzte es sich hin, nahm seine Laute, und schlug sie mit seinen zwei Vorderfüßen aufs lieblichste. Da sperrte der Türhüter gewaltig die Augen auf, lief zum König und sprach 'da draußen sitzt ein junges Eselein vor dem Tor, das schlägt die Laute so gut als ein gelernter Meister.' 'So laß nur den Musikant hereinkommen' sprach der König. Wie aber ein Eselein hereintrat, fing alles an über den Lautenschläger zu lachen. Nun sollte das Eselein unten zu den Knechten gesetzt und gespeist werden, es wurde aber unwillig, und sprach 'ich bin kein gemeines Stalleselein, ich bin ein vornehmes.' Da sagten sie 'wenn du das bist, so setze dich zu dem Kriegsvolk.' 'Nein,' sprach es, 'ich will beim König sitzen.'
Der König lachte, und sagte in gutem Mut 'ja, es soll so sein, wie du verlangst, Eselein, komme her zu mir.' Danach fragte er 'Eselein, wie gefällt dir meine Tochter?' Das Eselein drehte den Kopf nach ihr, schaute sie an, nickte und sprach 'aus der Maßen wohl, sie ist so schön wie ich noch keine gesehen habe.' 'Nun, so sollst du auch neben ihr sitzen' sagte der König. 'Das ist mir eben recht sprach das Eselein, und setzte sich an ihre Seite, aß und trank, und wußte sich fein und säuberlich zu betragen. Als das edle Tierlein eine gute Zeit an des Königs Hof geblieben war, dachte es 'was hilft das alles, du mußt wieder heim,' ließ den Kopf traurig hängen, trat vor den König, und verlangte seinen Abschied. Der König hatte es aber lieb gewonnen, und sprach 'Eselein, was ist dir, du schaust ja sauer, wie ein Essigkrug, bleibe bei mir, ich will dir geben, was du verlangst; willst du Gold?' 'Nein' sagte das Eselein, und schüttelte mit dem Kopf. 'Willst du Kostbarkeiten und Schmuck?' 'Nein.' 'Willst du mein halbes Reich?' 'Ach nein.' Da sprach der König 'wenn ich nur wüßte was dich vergnügt machen könnte; willst du meine schöne Tochter zur Frau?' 'Ach ja,' sagte das Eselein, 'die möchte ich wohl haben,' war auf einmal ganz lustig und guter Dinge, denn das war_es gerade, was es sich gewünscht hatte. Also wurde eine große und prächtige Hochzeit gehalten. Abends, wie Braut und Bräutigam in ihr Schlafkämmerlein geführt wurden, wollte der König wissen ob sich das Eselein auch fein artig und manierlich betrüge, und hieß einem Diener sich dort verstecken.
Wie sie nun beide drinnen waren, schob der Bräutigam den Riegel vor die Türe, blickte sich um, und wie er glaubte daß sie ganz allein wären, da warf er auf einmal seine Eselhaut ab, und stand da als ein schöner königlicher Jüngling, 'stehst du,' sprach er 'wer ich bin, und daß ich deiner wert war.' Da wurde die Braut froh, küßte ihn, und hatte ihn von Herzen lieb. Als aber der Morgen herankam, sprang er auf, zog seine Tierhaut wieder über, und hätte kein Mensch gedacht was für einer dahinter steckte. Bald kam auch der alte König gegangen, 'ei,' rief er, 'ist das Eselein schon munter! Du bist wohl recht traurig,' sagte er zu seiner Tochter, 'daß du keinen ordentlichen Menschen zum Mann bekommen hast?' 'Ach nein, lieber Vater, ich habe ihn so lieb, als wenn er der allerschönste wäre, und will ihn mein Lebtag behalten.' Der König wunderte sich, aber der Diener, der sich versteckt hatte, kam, und offenbarte ihm alles. Der König sprach 'das ist nimmermehr wahr.' 'So wacht selber die folgende Nacht, ihr werdets mit eigenen Augen sehen; und wißt ihr was, Herr König, nehmt ihm die Haut weg, und werft sie ins Feuer, so muß er sich wohl in seiner rechten Gestalt zeigen.' 'Dein Rat ist gute sprach der König, und Abends, als sie schliefen, schlich er sich hinein, und wie er zum Bett kam, sah er im Mondschein einen stolzen Jüngling da ruhen, und die Haut lag abgestreift auf der Erde. Da nahm er sie weg, und ließ draußen ein gewaltiges Feuer anmachen, und die Haut hineinwerfen, und blieb selber dabei, bis sie ganz zu Asche verbrannt war. Weil er aber sehen wollte wie sich der Beraubte anstellen würde, blieb er die Nacht wach, und lauschte. Als der Jüngling ausgeschlafen hatte, beim ersten Morgenschein, stand er auf, und wollte die Eselshaut anziehen, aber sie war nicht zu finden. Da erschrak er, und sprach voll Trauer und Angst 'nun muß ich sehen daß ich entfliehe.' Wie er hinaustrat, stand aber der König da, und sprach 'mein Sohn, wohin so eilig, was hast du im Sinn? Bleibe hier, du bist ein so schöner Mann, du sollst nicht wieder von mir; ich gebe dir jetzt mein Reich halb, und nach meinem Tod bekommst du es ganz.' 'So wünsche ich daß der gute Anfang auch ein gutes Ende nehme' sprach der Jüngling, 'ich bleibe bei euch.' Da gab ihm der Alte das halbe Reich, und als er nach einem Jahr starb, hatte er das ganze, und nach dem Tode seines Vaters noch eins dazu, und lebte in aller Herrlichkeit.145. Der undankbare Sohn.
Es saß einmal ein Mann mit seiner Frau vor der Haustür, und hatten ein gebraten Huhn vor sich stehen, und wollten das zusammen verzehren. Da sah der Mann wie sein alter Vater daher kam, geschwind nahm er das Huhn, und versteckte es, weil er ihm nichts davon gönnte. Der Alte kam, tat einen Trunk, und ging fort. Nun wollte der Sohn das gebratene Huhn wieder auf den Tisch tragen, aber als er danach griff, war es eine große Kröte geworden, die sprang ihm ins Angesicht, und saß da, und ging nicht wieder weg; und wenn sie jemand wegtun wollte, sah sie ihn giftig an, als wollte sie ihm ins Angesicht springen, so daß keiner sie anzurühren getraute. Und die Kröte mußte der undankbare Sohn alle Tage füttern, sonst fraß sie ihm aus seinem Angesicht, und also ging er ohne Ruhe in der Welt hin und her.
146. Die Rübe.
Es waren einmal zwei Brüder, die dienten beide als Soldaten, und war der eine reich, der andere arm. Da wollte der Arme sich aus seiner Not helfen, zog den Soldatenrock aus, und wurde ein Bauer. Also grub und hackte er sein Stückchen Acker, und säte Rübsamen. Der Same ging auf, und es wuchs da eine Rübe, die wurde groß und stark, und zusehends dicker, und wollte gar nicht aufhören zu wachsen, so daß sie eine Fürstin aller Rüben heißen konnte, denn nimmer war so eine gesehen, und wird auch nimmer wieder gesehen werden. Zuletzt war sie so groß, daß sie allein einen ganzen Wagen anfüllte, und zwei Ochsen daran ziehen mußten, und der Bauer wußte nicht was er damit anfangen sollte, und obs sein Glück oder sein Unglück wäre. Endlich dachte er 'verkaufst du sie, was wirst du großes dafür bekommen, und willst du sie selber essen, so tun die kleinen Rüben denselben Dienst, am besten ist, du bringst sie dem König, und machst ihm eine Verehrung damit.' Also lud er sie auf den Wagen, spannte zwei Ochsen vor, brachte sie an den Hof, und schenkte sie dem König. 'Was ist das für ein seltsam Ding?' sagte der König, 'mir ist viel Wunderliches vor die Augen gekommen, aber so ein Ungetüm noch nicht; aus was für Samen mag die gewachsen sein? oder dir Geräts allein, und du bist ein Glückskind.' 'Ach nein,' sagte der Bauer, 'ein Glückskind bin ich nicht, ich bin ein armer Soldat, der, weil er sich nicht mehr nähren konnte, den Soldatenrock an den Nagel hing, und das Land baute; ich habe noch einen Bruder, der ist reich, und Euch, Herr König, auch wohl bekannt, ich aber, weil ich nichts habe, bin von aller Welt vergessen.' Da empfand der König Mitleid mit ihm, und sprach 'deiner Armut sollst du überhoben und so von mir beschenkt werden, daß du wohl deinem reichen Bruder gleich kommst.' Da schenkte er ihm eine Menge Gold, Äcker, Wiesen und Herden, und machte ihn steinreich, so daß des anderen Bruders Reichtum gar nicht konnte damit verglichen werden. Als dieser hörte was sein Bruder mit einer einzigen Rübe erworben hatte, beneidete er ihn, und sann hin und her wie er sich auch ein solches Glück zuwenden könnte. Er wollte es aber noch viel gescheiter anfangen, nahm Gold und Pferde, und brachte sie dem König, und meinte nicht anders, der würde ihm ein viel größeres Gegengeschenk machen, denn hätte sein Bruder so viel für eine Rübe bekommen, was würde es ihm für so schöne Dinge nicht alles tragen. Der König nahm das Geschenk, und sagte er wüßte ihm nichts wieder zu geben, das seltener und besser wäre, als die große Rübe. Also mußte der Reiche seines Bruders Rübe auf einen Wagen legen, und nach Haus fahren lassen. Daheim wußte er nicht an wem er seinen Zorn und Ärger auslassen sollte, bis ihm böse Gedanken kamen, und er beschloß seinen Bruder zu töten. Er gewann Mörder, die mußten sich in einen Hinterhalt stellen, und darauf ging er zu seinem Bruder, und sprach 'lieber Bruder, ich weiß einen heimlichen Schatz, den wollen wir mit einander heben, und teilen.' Der andere ließ sich es auch gefallen, und ging ohne Arg mit; als sie aber hinauskamen, stürzten die Mörder über ihn her, banden ihn, und wollten ihn an einen Baum hängen. Indem sie eben darüber waren, erscholl aus der Ferne lauter Gesang und Hufschlag, daß ihnen der Schrecken in den Leib fuhr, und sie über Hals und Kopf ihren Gefangenen in den Sack steckten, am Ast hinaufwanden, und die Flucht ergriffen. Er aber arbeitete oben bis er ein Loch im Sack hatte, wodurch er den Kopf stecken konnte. Wer aber des Wegs kam, war nichts als ein fahrender Schüler, ein junger Geselle, der fröhlich sein Lied singend durch den Wald auf der Straße daher ritt. Wie der oben nun merkte daß einer unter ihm vorbei ging, rief er 'sei mir gegrüßt, zu guter Stunde.' Der Schüler guckte sich überall um, wußte nicht, wo die Stimme herschallte, endlich sprach er 'wer ruft mir?' Da antwortete es aus dem Wipfel 'erhebe deine Ahnen, ich sitze hier oben im Sack der Weisheit: in kurzer Zeit habe ich große Dinge gelernt, dagegen sind alle Schulen ein Wind, um ein Weniges, so werde ich ausgelernt haben, herabsteigen und weiser sein als alle Menschen. Ich verstehe die Gestirne und Himmelszeichen, das Wehen aller Winde, den Sand im Meer, Heilung der Krankheit, die Kräfte der Kräuter, Vögel und Steine. Wärst du einmal darin, du würdest fühlen was für Herrlichkeit aus dem Sack der Weisheit fließt.' Der Schüler, wie er das alles hörte, erstaunte, und sprach 'gesegnet sei die Stunde, wo ich dich gefunden habe, könnt ich nicht auch ein wenig in den Sack kommen?' Oben der antwortete, als täte er es nicht gerne, 'eine kleine Weile will ich dich wohl hinein lassen für Lohn und gute Worte, aber du mußt doch noch eine Stunde warten, es ist ein Stück übrig, das ich erst lernen muß.' Als der Schüler ein wenig gewartet hatte, war ihm die Zeit zu lang, und er bat daß er doch möchte hineingelassen werden, sein Durst nach Weisheit wäre gar zu groß. Da stellte sich der oben als gäbe er endlich nach und sprach 'damit ich aus dem Haus der Weisheit heraus kann, mußt du den Sack am Strick herunterlassen, so sollst du eingehen.' Also ließ der Schüler ihn herunter, band den Sack auf, und befreite ihn, dann rief er selber 'nun zieh mich recht geschwind hinauf, und wollt geradstehend in den Sack einschreiten. 'Halt!' sagte der andere, 'so geht es nicht an,' packte ihn beim Kopf, steckte ihn umgekehrt in den Sack, schnürte zu, und zog den Jünger der Weisheit am Strick baumwärts; dann schwengelte er ihn in der Luft, und sprach 'wie steht es, mein lieber Geselle? siehe, schon fühlst du daß dir die Weisheit kommt, und machst gute Erfahrung, sitze also fein ruhig, bis du klüger wirst.' Damit stieg er auf des Schülers Pferd, und ritt fort.
147. Das junggeglühte Männlein.
Zur Zeit da unser Herr noch auf Erden ging, kehrte er eines Abends mit dem heiligen Petrus bei einem Schmied ein, und bekam willig Herberge. Nun geschah, daß ein armer Bettelmann, von Alter und Gebrechen hart gedrückt, in dieses Haus kam, und vom Schmied Almosen forderte. Des erbarmte sich Petrus und sprach 'Herr und Meister, so dir es gefällt, heil ihm doch seine Plage, daß er sich selbst sein Brot möge gewinnen.' Sanftmütig sprach der Herr 'Schmied, leihe mir deine Esse, und lege mir Kohlen an, so will ich den alten kranken Mann zu dieser Zeit verjüngen.' Der Schmied war ganz bereit, und St. Petrus zog die Bälger, und als das Kohlenfeuer auffunkte, groß und hoch, nahm unser Herr das alte Männlein, schob in die Esse, mitten ins rote Feuer, daß es drin glühte wie ein Rosenstock, und Gott lobte mit lauter Stimme.
Nachdem trat der Herr zum Löschtrog, zog das glühende Männlein hinein, daß das Wasser über ihn zusammenschlug, und nachdem er es fein sittlich abgekühlt, gab er ihm seinen Segen; siehe, zuhand sprang das Männlein heraus, zart, gerade, gesund, und wie von zwanzig Jahren. Der Schmied, der eben und genau zugesehen hatte, lud sie alle zum Nachtmahl. Er hatte aber eine alte halbblinde bucklige Schwieger, die machte sich zum Jüngling hin, und forschte ernstlich ob ihn das Feuer hart gebrannt habe. Nie sei ihm besser gewesen antwortete jener, er habe da in der Glut gesessen, wie in einem kühlen Tau. Was der Jüngling gesagt hatte, das klang die ganze Nacht in den Ohren der alten Frau, und als der Herr frühmorgens die Straße weiter gezogen war, und dem Schmied wohl gedankt hatte, meinte dieser er könnte seine alte Schwieger auch jung machen, da er fein ordentlich alles mit angesehen habe, und es zu seine Kunst schlage. Rief sie deshalb an, ob sie auch wie ein Mägdlein von achtzehn Jahren in Sprüngen daher wolle gehen. Sie sprach 'von ganzem Herzen,' weil es dem Jüngling auch so sanft angekommen war. Machte also der Schmied große Glut, und stieß die Alte hinein, die sich hin und wieder bog, und grausames Mordgeschrei anstimmte. 'Sitz still, was schreist und hüpfst du, ich will erst weidlich zublasen; zog damit die Bälger von neuem bis ihr alle Haderlumpen brannten. Das alte Weib schrie ohne Ruhe, und der Schmied dachte 'Kunst geht nicht recht zu,' nahm sie heraus, und warf sie in den Löschtrog. Da schrie sie ganz überlaut, daß es droben im Haus die Schmiedin und ihre Schnur hörten: die liefen beide die Stiegen herab, und sahen die Alte heulend und maulend ganz zusammen geschnurrt im Trog liegen, das Angesicht gerunzelt, gefaltet und ungeschaffen. Darob sich die zwei, die beide mit Kindern gingen, so entsetzten, daß sie noch dieselbe Nacht zwei Junge gebaren, die waren nicht wie Menschen geschaffen, sondern wie Affen, liefen zum Wald hinein; und von ihnen stammt das Geschlecht der Affen her.148. Des Herrn und des Teufels Getier.
Gott der Herr hatte alle Tiere erschaffen, und sich die Wölfe zu seinen Hunden auserwählet; bloß der Geiß hatte er vergessen. Da richtete sich der Teufel an, wollte auch schaffen, und machte die Geise mit seinen langen Schwänzen. Wenn sie nun zur Weide gingen, blieben sie gewöhnlich mit ihren Schwänzen in den Dornhecken hängen, da mußte der Teufel hineingehen, und sie mit vieler Mühe losknüpfen. Das verdroß ihn zuletzt, war her, und bis jeder Geiß den Schwanz ab, wie noch heute des Tags an den Stümpfen zu sehen ist. Nun ließ er sie zwar allein weiden, aber es geschah, daß Gott der Herr zusah wie sie bald einen fruchtbaren Baum benagten, bald die edlen Reben beschädigten, bald andere zarte Pflanzen verderbten. Daß jammerte ihn, so daß er aus Güte und Gnaden seine Wölfe dran hetzte, welche die Geise die da gingen, bald zerrissen. Wie der Teufel das vernahm, trat er bald vor den Herrn, und sprach 'dein Geschöpf hat mir das meine zerrissen.' Der Herr antwortete 'was hattest du es zu Schaden erschaffen?' Der Teufel sagte 'ich mußte das; gleichwie selbst mein Sinn auf Schaden geht, konnte, was ich erschaffen, keine andere Natur haben, und mußt mir es teuer zahlen.' 'Ich Zahl dir es sobald das Eichenlaub abfällt, dann komme, dein Geld ist schon gezählt.' Als das Eichenlaub abgefallen war, kam der Teufel, und forderte seine Schuld. Der Herr aber sprach 'in der Kirche zu Konstantinopel steht eine hohe Eiche, die hat noch alles ihr Laub.' Mit Toben und Fluchen entwich der Teufel, und wollte die Eiche suchen, irrte sechs Monate in der Wüstenei, ehe er sie befand, und als er wieder kam, waren derweil wieder alle andere Eichen voll grüner Blätter. Da mußte er seine Schuld fahren lassen, stach im Zorn allen übrigen Geissen die Augen aus, und setzte ihnen seine eigene ein. Darum haben alle Geise Teufelsaugen und abgebißene Schwänze, und er nimmt gern ihre Gestalt an.
149. Der Hahnenbalken.
Es war einmal ein Zauberer, der stand mitten in einer großen Menge Volks, und vollbrachte seine Wunderdinge. Da ließ er auch einen Hahn einher schreiten, der hob einen schweren Balken, und trug ihn als wäre er federleicht. Nun war aber ein Mädchen, das hatte eben ein vierblättriges Kleeblatt gefunden, und war dadurch klug geworden, so daß kein Blendwerk vor ihm bestehen konnte, und es sah daß der Balken nichts war als ein Strohhalm. Da rief es 'ihr Leute, seht ihr nicht, das ist ein bloßer Strohhalm und kein Balken, was der Hahn da trägt.' Alsbald verschwand der Zauber, und die Leute sahen was es war, und jagten den Hexenmeister mit Schimpf und Schande fort. Er aber, voll innerlichen Zornes, sprach 'ich will mich schon rächen.' Nach einiger Zeit hielt das Mädchen Hochzeit, war geputzt, und ging in einem großen Zug über das Feld nach dem Ort, wo die Kirche stand. Auf einmal kamen sie an einen stark angeschwollenen Bach, und war keine Brücke und kein Steg, darüber zu gehen. Da war die Braut flink, hob ihre Kleider auf, und wollte durchwaten. Wie sie nun eben im Wasser so steht, ruft ein Mann, und das war der Zauberer, neben ihr ganz spöttisch 'ei! wo hast du deine Augen, daß du das für ein Wasser hältst?' Da gingen ihr die Augen auf, und sie sah daß sie mit ihren aufgehobenen Kleidern mitten in einem blaublühenden Flachsfeld stand. Da sahen es die Leute auch allesamt, und jagten sie mit Schimpf und Gelächter fort.
150. Die alte Bettelfrau.
Es war einmal eine alte Frau, du hast wohl ehe eine alte Frau sehen betteln gehen? diese alte Frau bettelte auch, und wann sie etwas bekam, dann sagte sie 'Gott Lohn euch.' Die Bettelfrau kam an die Tür, da stand ein freundlicher Schelm von Jungen am Feuer, und wärmte sich. Der Junge sagte freundlich zu der armen alten Frau, wie sie so an der Tür stand, und zitterte 'kommt, Altmutter, und erwärmt euch.' Sie kam herzu, ging aber zu nahe ans Feuer stehen, und ihre alten Lumpen fingen an zu brennen, und sie wurde es nicht gewahr. Der Junge stand und sah das, er hätte es doch löschen sollen? Nicht wahr, er hätte löschen sollen? Und wenn er kein Wasser gehabt hätte, dann hätte er alles Wasser in seinem Leibe zu den Augen herausweinen sollen, das hätte so zwei hübsche Bächlein gegeben zu löschen.
151. Die drei Faulen.
Ein König hatte drei Söhne, die waren ihm alle gleich lieb, und er wußte nicht welchen er zum König nach seinem Tode bestimmen sollte. Als die Zeit kam, daß er sterben wollte, rief er sie vor sich, und sprach 'liebe Kinder, ich habe etwas bei mir bedacht, das will ich euch eröffnen: welcher von euch der Faulste ist, der soll nach mir König werden.' Da sprach der älteste 'Vater, so gehört das Reich mir, denn ich bin so faul, wenn ich liege und will schlafen, und es fällt mir ein Tropfen in die Augen, so mag ich sie nicht zutun, damit ich einschlafe.' Der zweite sprach 'Vater, das Reich gehört mir, denn ich bin so faul wenn ich beim Feuer sitze mich zu wärmen, so ließ ich mir eher die Fersen verbrennen, ehe ich die Beine zurückzöge.' Der dritte sprach 'Vater, das Reich ist mein, denn ich bin so faul, sollt ich aufgehenkt werden, und hätte den Strick schon um den Hals, und einer gäbe mir ein scharf Messer in die Hand, damit ich den Strick zerschneiden dürfte, so ließ ich mich eher erhängen, ehe ich meine Hand aufhöbe zum Strick.' Wie der Vater das hörte sprach er 'du sollst der König sein.'
152. Das Hirtenbüblein.
Es war einmal ein Hirtenbübchen, das war wegen seiner weisen Antworten, die es auf alle Fragen gab, weit und breit berühmt. Der König des Landes hörte auch davon, glaubte es nicht, und ließ das Bübchen kommen. Da sprach er zu ihm 'kannst du mir auf drei Fragen, die ich dir vorlegen will, Antwort geben, so will ich dich ansehen wie mein eigen Kind, und du sollst bei mir in meinem königlichen Schloß wohnen.' Sprache das Büblein 'wie lauten die drei Fragen?' Der König sagte 'die erste lautet wie viel tropfen Wasser sind in dem Weltmeer?' Das Hirtenbüblein antwortete 'Herr König, laßt alle Flüsse auf der Erde verstopfen, damit kein Tröpflein mehr daraus ins Meer lauft, das ich nicht erst gezählt habe, so will ich euch sagen, wie viel Tropfen im Meere sind.' Sprache der König 'die andere Frage lautet wie viel Sterne stehen am Himmel?' Das Hirtenbübchen sagte 'gebt mir einen großen Bogen weiß Papier,' und dann machte es mit der Feder so viel feine Punkte darauf, daß sie kaum zu sehen, und fast gar nicht zu zählen waren, und einem die Augen vergingen, wenn man darauf blickte. Darauf sprach es 'so viel Sterne stehen am Himmel, als hier Punkte auf dem Papier; zählt sie nur.' Aber niemand war dazu im Stand. Sprache der König 'die dritte Frage lautet wie viel Sekunden hat die Ewigkeit?' Da sagte das Hirtenbüblein 'in Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Stunde in die Höhe, eine Stunde in die Breite, und eine Stunde in die Tiefe; dahin kommt alle hundert Jahr ein Vögelein, und wetzt sein Schnäblein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Sekunde von der Ewigkeit vorbei.' Sprache der König 'du hast die drei Fragen aufgelöst wie ein Weiser, und sollst fortan bei mir in meinem königlichen Schlosse wohnen, und ich will dich ansehen wie mein eigenes Kind.'
153. Die Sterntaler.
Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, daß es kein Kämmerchen mehr hatte darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr darin zu schlafen, und gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib, und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach 'ach, gib mir doch etwas zu essen, ich bin so hungrig.' Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot, und sagte 'Gott segne dir es,' und ging weiter. Da kam ein Kind das jammerte, und sprach 'es friert mich so an meinem Kopfe, schenke mir doch etwas, womit ich ihn bedecken kann.'
Da tat es seine Mütze ab, und gab sie ihm.
Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind, und hatte kein Leibchen an, und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin.
Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins, und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte 'es ist dunkle Nacht, niemand sieht dich, da kannst du wohl dein Hemd weg geben;' und gab das Hemd auch noch hin.
Und wie es so stand, und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter harte blanke Taler: und ob es gleich sein Hemdlein weg gegeben, so hatte es ein neues an vom allerfeinsten Linnen.
Da sammelte es sich die Taler hinein, und war reich für sein Lebtag.
154. Der gestohlene Heller.
Es saß einmal ein Vater mit seiner Frau und seinen Kindern Mittags am Tisch, und ein guter Freund, der zum Besuch gekommen war, aß mit ihnen.
Und wie sie so saßen, und es zwölf Uhr schlug, da sah der Fremde die Türe aufgehen, und ein schneeweiß gekleidetes, ganz blasses Kindlein hereinkommen.
Es blickte sich nicht um, und sprach auch nichts, sondern ging geradezu in die Kammer neben an.
Bald darauf kam es zurück, und ging eben so still wieder zur Türe hinaus.
Am zweiten und am dritten Tag kam es auf eben diese Weise.
Da fragte endlich der Fremde den Vater wem das schöne Kind gehörte das alle Mittag in die Kammer ginge.
'Ich habe es nicht gesehen,' antwortete er, 'und wüßte auch nicht wem es gehören könnte.' Am anderen Tage, wie es wieder kam, zeigte es der Fremde dem Vater, der sah es aber nicht, und die Mutter und die Kinder alle sahen auch nichts.
Nun stand der Fremde auf, ging zur Kammertüre, öffnete sie ein wenig, und schaute hinein.
Da sah er das Kind auf der Erde sitzen, und emsig mit den Fingern in den Dielenritzen graben und wühlen; wie es aber den Fremden bemerkte, verschwand es.
Nun erzählte er was er gesehen hatte, und beschrieb das Kind genau, da erkannte es die Mutter und sagte 'ach, das ist mein liebes Kind, das vor vier Wochen gestorben ist.' Sie brachen die Dielen auf, und fanden zwei Heller, die hatte einmal das Kind von der Mutter erhalten, um sie einem armen Manne zu geben, es hatte aber gedacht 'dafür kannst du dir einen Zwieback kaufen,' die Heller behalten, und in die Dielenritzen versteckt; und da hatte es im Grabe keine Ruhe gehabt, und war alle Mittage gekommen um nach den Helleren zu suchen.
Die Eltern gaben darauf das Geld einen Armen, und nachher ist das Kind nicht wieder gesehen worden.
155. Die Brautschau.
Es war ein junger Hirte, der wollte gern heiraten, und kannte drei Schwestern, davon war eine so schön wie die andere, daß ihm die Wahl schwer wurde, und er sich nicht entschließen konnte einer davon den Vorzug zu geben.
Da fragte er seine Mutter um Rat, die sprach 'lad alle drei ein, und setze ihnen Käse vor, und habe acht wie sie ihn anschneidend.' Das tat der Jüngling, die erste aber verschlang den Käse mit der Rinde, die zweite schnitt in der Hast die Rinde vom Käse ab, weil sie aber so hastig war, ließ sie noch viel Gutes daran, und warf das mit weg; die dritte schälte ordentlich die Rinde ab, nicht zu viel und nicht zu wenig.
Der Hirte erzählte das alles seiner Mutter, da sprach sie 'nimm die dritte zu deiner Frau.' Das tat er, und lebte zufrieden und glücklich mit ihr.
156. Die Schlickerlinge.
Es war einmal ein Mädchen, das war schön, aber faul und nachlässig.
Wenn es spinnen sollte, so war es so verdrießlich daß wenn ein kleiner Knoten im Flachs war, es gleich einen ganzen Haufen mit herausriß, und neben sich zur Erde schlickerte.
Nun hatte es ein Dienstmädchen, das war arbeitsam, suchte den weggeworfenen Flachs zusammen, reinigte ihn, spann ihn fein, und ließ sich ein hübsches Kleid daraus weben.
Als nun das faule Mädchen eine Braut war, und die Hochzeit sollte gehalten werden, tanzte das fleißige in seinem schönen Kleide lustig herum, da sprach die Braut
'ach, was kann das Mäken springen in meinen Slickerlingen!'
Das hörte der Bräutigam, und fragte die Braut was sie damit sagen wollte.
Da erzählte sie ihm daß das Mädchen ein Kleid von dem Flachs trüge, den sie weggeworfen hätte.
Wie der Bräutigam das hörte, und ihre Faulheit und dagegen den Fleiß des armen Mädchens sah, ließ er sie stehen, ging zu jener, und nahm sie zur Frau.
157. Der Sperling und seine vier Kinder.
Ein Sperling hatte vier Junge in einem Schwalbennest; wie sie nun flügge sind, stoßen böse Buben das Nest ein, sie kommen aber alle glücklich in Windbraus davon.
Nun ist dem Alten leid, weil seine Söhne in die Welt kommen, daß er sie nicht vor allerlei Gefahr erst verwarnet, und ihnen gute Lehren vorgesagt habe.
Auf den Herbst kommen in einem Weizenacker viel Sperlinge zusammen, allda trifft der Alte seine vier Jungen an, die führt er voll Freuden mit sich heim.
'Ach, meine lieben Söhne, was habt ihr mir den Sommer über Sorge gemacht, dieweil ihr ohne meine Lehre in Winde kamt; höret meine Worte, und folget eurem Vater, und sehet euch wohl vor; kleine Vöglein haben große Gefährlichkeit auszustehen!' Darauf fragte er den älteren wo er sich den Sommer über aufgehalten, und wie er sich ernähret hätte.
'Ich habe mich in den Gärten gehalten, Rauplein und Würmlein gesucht, bis die Kirschen reif wurden.' 'Ach, mein Sohn,' sagte der Vater, 'die Schnabelweide ist nicht bös, aber es ist große Gefahr dabei, darum habe fortan deiner wohl Acht, und sonderlich wenn Leute in Gärten umher gehen, die lange grüne Stangen tragen, die inwendig hohl sind, und oben ein Löchlein haben.' 'Ja, mein Vater, wenn dann ein grün Blättlein aufs Löchlein mit Wachs geklebt wäre?' spricht der Sohn.
'Wo hast du das gesehen?' 'Jn eines Kaufmanns Garten' sagt der Junge.
'O mein Sohn,' spricht der Vater, 'Kaufleut, geschwinde Leute! bist du um die Weltkinder gewesen, so hast du Weltgeschmeidigkeit genug gelernt, siehe und brauche es nur recht wohl, und traue dir nicht zu viel.'
Darauf befragt er den anderen 'wo hast du dein Wesen gehabt?' 'Zu Hofe' spricht der Sohn.
'Sperling und alberne Vöglein dienen nicht an diesem Ort, da viel Gold, Samt, Seiden, Wehr, Harnisch, Sperber, Kauzen und Blaufüße sind, halte dich zum Roßstall, da man den Hafer schwingt, oder wo man drischt, so kann dir es Glück mit gutem Frieden, auch dein täglich Körnlein bescheren.' 'Ja, Vater,' sagt dieser Sohn, 'wenn aber die Stalljungen Hebritzen machen, und ihre Maschen und Schlingen ins Stroh binden, da bleibt auch mancher behenken.' 'Wo hast du das gesehen?' sagte der Alte.
'Zu Hof, beim Roßbuben.' 'O, mein Sohn, Hofbuben, böse Buben! bist du zu Hof und um die Herren gewesen, und hast keine Federn da gelassen, so hast du ziemlich gelernt, du wirst dich in der Welt wohl wissen auszureißen, doch siehe dich um und auf; die Wölfe fressen auch oft die gescheiten Hündlein.'
Der Vater nimmt den dritten auch vor sich, 'wo hast du dein Heil versucht?' Auf den Fahrwegen und Landstraßen habe ich Kübel und Seil eingeworfen, und da bisweilen ein Körnlein oder Grauplein angetroffen.' 'Dies ist ja,' sagt der Vater, 'eine seine Nahrung, aber merke gleich wohl auf die Schanz, und siehe fleißig auf, sonderlich wenn sich einer bücket, und einen Stein aufheben will, da ist dir nicht lang zu bleiben.' 'Wahr ist es,' sagt der Sohn, 'wenn aber einer zuvor einen Wand- oder Handstein im Busen oder Tasche trüge?' 'Wo hast du dies gesehen?' 'Bei den Bergleuten,' lieber Vater, 'wenn sie ausfahren, führen sie gemeinlich Handsteine bei sich.' 'Bergleut, Werkleut, anschlägige Leute! bist du um Bergburschen gewesen, so hast du etwas gesehen und erfahren.
Fahre hin und nimm deiner Sachen gleichwohl gut Acht, Bergbuben haben manchen Sperling mit Kobold umbracht.'
Endlich kommt der Vater an jüngsten Sohn, 'du mein liebes Gackennestle, du warst allzeit der alberst und schwächest, bleibe du bei mir, die Welt hat viel grober und böser Vögel, die krumme Schnäbel und lange Krallen haben, und nur auf arme Vöglein lauern, und sie verschlucken, halte dich zu deinesgleichen, und lies die Spinnlein und Rauplein von den Bäumen oder Häuslein, so bleibst du lang zufrieden.' 'Du, mein lieber Vater, wer sich nährt ohne anderer Leute Schaden, der kommt lang hin, und kein Sperber, Habicht, Aar oder Weih wird ihm nicht schaden, wenn er zumal sich und seine ehrliche Nahrung dem lieben Gott all Abend und Morgen treulich befiehlt, welcher aller Wald- und Dorfvöglein Schöpfer und Erhalter ist, der auch der jungen Rablein Geschrei und Gebet höret, denn ohne seinen Willen fällt auch kein Sperling oder Schneekinglein auf die Erde.' 'Wo hast du dies gelernt?' Antwortet der Sohn 'wie mich der große Windbraus von dir wegriß, kam ich in eine Kirche, da las ich den Sommer die Fliegen und Spinnen von den Fenstern ab, und höret diese Sprüche predigen, da hat mich der Vater aller Sperlinge den Sommer über ernährt und behütet vor allem Unglück und grimmigen Vögeln.' 'Traun!
mein lieber Sohn, fleuchst du in die Kirchen, und hilfst Spinnen und die sumsenden Fliegen aufräumen und zirpst zu Gott wie die jungen Rablein, und befiehlst dich dem ewigen Schöpfer, so wirst du wohl bleiben, und wenn die ganze Welt voll wilder tückischer Vögel wäre.
Denn wer dem Herrn befiehlt seine Sache, schweigt, leidet, wartet, betet, braucht Glimpf, tut gemach, bewahrt Glaube und gut Gewissen rein, dem will Gott Schutz und Helfer sein.'
158. Das Märchen vom Schlaraffenland.
In der Schlaraffenzeit da ging ich, und sah an einem kleinen Seidenfaden hing Rom und der Lateran, und ein fußloser Mann der überlief ein schnelles Pferd, und ein bitterscharfes Schwert das durchhieb eine Brücke.
Da sah ich einen jungen Esel mit einer silbernen Nase, der jagte hinter zwei schnellen Hasen her, und eine Linde, die war breit, aus der wuchsen heiße Fladen.
Da sah ich eine alte dürre Geiß, trug wohl hundert Fuder Schmalzes an ihrem Leibe und sechzig Fuder Salzes.
Ist das nicht gelogen genug?
Da sah ich zackern einen Pflug ohne Roß und Rinder, und ein jähriges Kind warf vier Mühlensteine von Regensburg bis nach Trier und von Trier hinein in Straßburg; und ein Habicht schwamm über den Rhein, das tat er mit vollem Recht.
Da hört ich Fische mit einander Lärm anfangen, daß es in den Himmel hinauf scholl, und ein süßer Honig floß wie Wasser von einem tiefen Tal auf einen hohen Berg; das waren seltsame Geschichten.
Da waren zwei Krähen, mähten eine Wiese, und ich sah zwei Mücken an einer Brücke bauen, und zwei Tauben zerrupften einen Wolf, zwei Kinder die warfen zwei Zicklein, aber zwei Frösche droschen mit einander Getreide aus.
Da sah ich zwei Mäuse einen Bischof weihen, zwei Katzen, die einem Bären die Zunge auskratzten.
Da kam eine Schnecke gerannt, und erschlug zwei wilde Löwen.
Da stand ein Barscherer, schor einer Frauen ihren Bart ab, und zwei säugende Kinder hießen ihrer Mutter stillschweigen.
Da sah ich zwei Windhunde, brachten eine Mühle aus dem Wasser getragen, und eine alte Schindmähre stand dabei, die sprach es wäre Recht.
Und im Hof standen vier Rosse, die droschen Korn aus allen Kräften, und zwei Ziegen, die den Ofen heizten, und eine rote Kuh schoß das Brot in den Ofen.
Da krähte ein Huhn 'kikeriki, daß Märchen ist auserzählt, kikeriki.'
159. Das Dietmarsische Lügenmärchen.
Ich will euch etwas erzählen.
Ich sah zwei gebratene Hühner fliegen, flogen schnell, und hatten die Bäuche gen Himmel gekehrt, die Rücken nach der Hölle, und ein Amboß und ein Mühlstein schwammen über den Rhein, fein langsam und leise, und ein Frosch saß und fraß eine Pflugschaar zu Pfingsten auf dem Eis; da waren drei Kerls wollten einen Hasen fangen, gingen auf Krücken und Stelzen, der eine war taub, der zweite blind, der dritte stumm, und der vierte konnte keinen Fuß rühren.
Wollt ihr wissen, wie das geschah?
Der Blinde der sah zuerst den Hasen über Feld traben, der Stumme der rief dem Lahmen zu, und der Lahme faßte ihn beim Kragen.
Etliche die wollten zu Land segeln, und spannten die Segel im Wind, und schifften über große Äcker hin; da segelten sie über einen hohen Berg, da mußten sie elendig versaufen.
Ein Krebs jagte einen Hasen in die Flucht, und hoch auf dem Dach lag eine Kuh, die war hinauf gestiegen.
In dem Lande sind die Fliegen so groß als hierzu Land die Ziegen.
160. Rätselmärchen.
Drei Frauen waren verwandelt in Blumen, die auf dem Felde standen, doch deren eine durfte des Nachts in ihrem Hause sein.
Da sprach sie auf eine Zeit zu ihrem Mann, als sich der Tag nahte, und sie wiederum zu ihren Gespielen auf das Feld gehen und eine Blume werden mußte, 'so du heute Vormittag kommst, und mich abbrichst, werde ich erlöst, und fürder bei dir bleiben;' als dann auch geschah.
Nun ist die Frage, wie sie ihr Mann erkannt habe, so die Blumen ganz gleich und ohne Unterschied waren?
Antwort, 'dieweil sie die Nacht in ihrem Haus und nicht auf dem Feld war, fiel der Tau nicht auf sie, als auf die anderen zwei, dabei sie der Mann erkannte.'
161. Schneeweißchen und Rosenrot.
Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttchen, und vor dem Hüttchen war ein Garten, darin standen zwei Rosenbäumchen, davon trug das eine weiße, das andere rote Rosen: und sie hatte zwei Kinder, die glichen den beiden Rosenbäumchen, und das eine hieß Schneeweißchen, das andere Rosenrot.
Sie waren aber so fromm und gut, so arbeitsam und unverdrossen, als je zwei Kinder auf der Welt gewesen sind:
Schneeweißchen war nur stiller und sanfter als Rosenrot.
Rosenrot sprang lieber in den Wiesen und Feldern umher, suchte Blumen und fing Sommervögel: Schneeweißchen aber saß daheim bei der Mutter, half ihr im Hauswesen, oder las ihr vor, wenn nichts zu tun war.
Die beiden Kinder hatten einander so lieb, daß sie sich immer an den Händen faßten, so oft sie zusammen aus gingen, und wenn Schneeweißchen sagte 'wir wollen uns nicht verlassen,' so antwortete Rosenrot 'so lange wir leben nicht,' und die Mutter setzte hinzu 'was das eine hat soll_es mit dem anderen teilen.' Oft liefen sie im Walde allein umher, und sammelten rote Beeren, aber kein Tier tat ihnen etwas zu leid, sondern sie kamen vertraulich herbei: das Häschen fraß ein Kohlblatt aus ihren Händen; das Reh graste an ihrer Seite; der Hirsch sprang ganz lustig vorbei; die Vögel blieben auf den Ästen sitzen, und sangen was sie nur wußten.
Kein Unfall traf sie:
wenn sie sich im Walde verspätet hatten, und die Nacht sie überfiel, so legten sie sich nebeneinander auf das Moos, und schliefen bis der Morgen kam, und die Mutter wußte das, und hatte ihretwegen keine Sorge.
Einmal, als sie im Walde übernachtet hatten, und das Morgenrot sie aufweckte, da sahen sie ein schönes Kind in einem weißen glänzenden Kleidchen neben ihrem Lager sitzen.
Es stand auf, und blickte sie ganz freundlich an, sprach aber nichts, und ging in den Wald hinein.
Und als sie sich umsahen, so hatten sie ganz nahe bei einem Abgrunde geschlafen, und wären gewiß hinein gefallen, wenn sie in der Dunkelheit noch ein paar Schritte weiter gegangen wären.
Die Mutter aber sagte ihnen das müsste der Engel gewesen sein, der gute Kinder bewache.
Schneeweißchen und Rosenrot hielten das Hüttchen der Mutter so reinlich, daß es eine Freude war hinein zu schauen.
Im Sommer besorgte Rosenrot das Haus, und stellte der Mutter jeden Morgen, ehe sie aufwachte, einen Blumenstrauß vors Bett, darin war von jedem Bäumchen eine Rose.
Im Winter zündete Schneeweißchen das Feuer an, und hing den Kessel an den Feuerhacken, und der Kessel war von Messing, glänzte aber wie Gold, so rein war er gescheuert.
Abends, wenn die Flocken fielen, sagte die Mutter 'gehe, Schneeweißchen, und schiebe den Riegel vor,' und dann setzten sie sich an den Herd, und die Mutter nahm die Brille, und las aus einem großen Buche vor, und die beiden Mädchen hörten zu, saßen und spannen; neben ihnen lag ein Lämmchen auf dem Boden, und hinter ihnen auf einer Stange saß ein weißes Täubchen, und hatte seinen Kopf unter den Flügel gesteckt.
Eines Abends, als sie so vertraulich beisammen saßen, klopfte jemand an die Türe, als wollte er eingelassen sein.
Die Mutter sprach 'geschwind, Rosenrot, mache auf, es wird ein Wanderer sein, der Obdach sucht.' Rosenrot ging, und schob den Riegel weg, aber statt daß ein Mensch gekommen wäre, streckte ein Bär seinen dicken schwarzen Kopf zur Türe herein.
Rosenrot schrie laut, und sprang zurück: das Lämmchen blökte, das Täubchen flatterte auf, und Schneeweißchen versteckte sich hinter der Mutter Bett.
Der Bär aber fing an zu sprechen, und sagte 'fürchtet euch nicht, ich tue euch nichts zu leid, ich bin halb erfroren, und will mich nur ein wenig bei euch wärmen.' 'Ei, du armer Bär,' sprach die Mutter, 'leg dich ans Feuer, und gib nur acht daß dir dein Pelz nicht brennt.' Dann rief sie 'Schneeweißchen, Rosenrot, kommt hervor, der Bär tut euch nichts, er meint_es ehrlich.' Da kamen sie beide heran, und nach und nach näherten sich auch das Lämmchen und Täubchen, und hatten keine Furcht mehr.
Der Bär sprach 'ihr Kinder, klopft mir den Schnee ein wenig aus dem Pelzwerk,' und sie holten den Besen, und kehrten dem Bär das Fell rein, er aber streckte sich ans Feuer, und brummte ganz vergnügt und behaglich.
Nicht lange, so wurden sie ganz vertraut, und trieben Mutwillen mit dem unbeholfenen Gast, zausten ihm das Fell mit den Händen, setzten ihre Füßchen auf seinen Rücken, und walgerten ihn hin und her, oder nahmen eine Haselrute, und schlugen auf ihn los, und wenn er brummte, so lachten sie.
Der Bär ließ sich_es aber gerne gefallen, nur wenn sie_es gar zu arg machten, rief er 'laßt mich am Leben, ihr Kinder:
Schneeweißchen, Rosenrot, schlägst dir den Freier tot.'
Als Schlafenszeit war, und die anderen zu Bett gingen, sagte die Mutter zu dem Bär 'du kannst in Gottes Namen da am Herde liegen bleiben, so bist du vor der Kälte und dem bösen Wetter geschützt.' Als der Tag graute, ließen ihn die beiden Kinder hinaus, und er trabte über den Schnee in den Wald hinein.
Von nun an kam der Bär jeden Abend zu der bestimmten Stunde, legte sich an den Herd, und erlaubte den Kindern Kurzweil mit ihm zu treiben, so viel sie wollten; und sie waren so gewöhnt an ihn, daß die Türe nicht eher zugeriegelt wurde, als bis der schwarze Gesell angelangt war.
Als das Frühjahr heran gekommen und draußen alles grün war, sagte der Bär eines Morgens zu Schneeweißchen 'nun muß ich fort, und darf den ganzen Sommer nicht wieder kommen.' 'Wo gehst du denn hin, lieber Bär?' fragte Schneeweißchen.
'Ich muß in den Wald und meine Schätze vor den bösen Zwergen hüten: im Winter, wenn die Erde hart gefroren ist, müssen sie wohl unten bleiben, und können sich nicht durcharbeiten, aber jetzt, wenn die Sonne die Erde aufgetaut und erwärmt hat, da brechen sie durch, steigen herauf, suchen und stehlen: und was einmal in ihren Händen ist und in ihren Höhlen liegt, das kommt so leicht nicht wieder an des Tages Licht.' Schneeweißchen war ganz traurig über den Abschied, und riegelte ihm die Türe auf, und als der Bär sich hinaus drängte, blieb er an dem Türhacken hängen, und ein Stück seiner Haut riß auf, und da war es Schneeweißchen, als hätte es Gold durchschimmern gesehen:
aber es war seiner Sache nicht gewiß, weil der Bär eilig fort lief und bald hinter den Bäumen verschwunden war.
Nach einiger Zeit schickte die Mutter die Kinder in den Wald, Reisig zu sammeln.
Da fanden sie draußen einen großen Baum, der lag gefällt auf dem Boden, und an dem Stamm sprang zwischen dem Gras etwas auf und ab, sie konnten aber nicht unterscheiden was es war.
Als sie näher kamen, sahen sie einen Zwerg mit einem alten verwelkten Gesicht und einem ellenlangen schneeweißen Bart.
Das Ende des Bartes war in eine Spalte des Baums eingeklemmt, und der Kleine sprang hin und her wie ein Hündchen an einem Seil, und wußte nicht wie er sich helfen sollte.
Er glotzte die Mädchen mit seinen roten feurigen Augen an, und schrie 'was steht ihr da! könnt ihr nicht herbei gehen und mir Beistand leisten?' 'Was hast du angefangen, kleines Männchen?'
fragte Rosenrot.
'Dumme, neugierige Gans,' antwortete der Zwerg, 'den Baum habe ich mir spalten wollen, um kleines Holz in der Küche zu haben; bei den dicken Klötzen verbrennt gleich das Bisschen Speise, das unser einer braucht, der nicht so viel hinunter schlingt als ihr, grobes Volk.
Ich hatte einen Keil hinein getrieben, und es wäre alles nach Wunsch gegangen, aber das verwünschte Holz war zu glatt, und sprang unversehens heraus, und der Baum fuhr so geschwind zusammen, daß ich meinen schönen weißen Bart nicht mehr herausziehen konnte; nun steckt er drin, und ich kann nicht fort.
Da lachen die albernen glatten Milchgesichter! pfui, was seid ihr garstig!' Die Kinder gaben sich alle Mühe, aber sie konnten den Bart nicht heraus ziehen, er steckte zu fest.
'Ich will laufen, und Leute herbei holen sagte Rosenrot.
'Wahnsinnige Schafsköpfe,' schnarrte der Zwerg, 'wer wird gleich Leute herbeirufen, ihr seid mir schon um zwei zu viel; fällt euch nicht besseres ein?' 'Sei nur nicht ungeduldig,' sagte Schneeweißchen, ich will schon Rat schaffen,' und holte sein Scherchen aus der Tasche, und schnitt das Ende des Bartes ab.
Sobald der Zwerg sich frei fühlte, griff er nach einem Sack, der zwischen den Wurzeln des Baums steckte, und mit Gold gefüllt war, hob ihn heraus, und brummte vor sich hin 'ungehobeltes Volk, schneidet mir ein Stück von meinem stolzen Barte ab! Lohns euch der Guckguck!' damit schwang er seinen Sack auf den Rücken, und ging fort ohne die Kinder nur noch einmal anzusehen.
Einige Zeit danach wollten Schneeweißchen und Rosenrot ein Gericht Fische angeln.
Als sie auf den Bach zu gingen, sahen sie daß etwas wie eine große Heuschrecke nach dem Wasser zu hüpfte, als wollte es hinein springen.
Sie liefen heran, und erkannten den Zwerg.
'Wo willst du hin?' sagte Rosenrot, 'du willst doch nicht ins Wasser?' 'Solch ein Narr bin ich nicht,' schrie der Zwerg, 'seht ihr nicht, der verwünschte Fisch will mich hinein ziehen?' Der Kleine hatte da gesessen und geangelt, und unglücklicher Weise hatte der Wind seinen Bart mit der Angelschnur verflochten: als gleich darauf ein großer Fisch anbiß, fehlten dem schwachen Geschöpf die Kräfte ihn herauszuziehen, der Fisch behielt die Oberhand, und riß den Zwerg zu sich hin.
Zwar hielt er sich an allen Halmen und Binsen, aber das half nicht viel, er mußte den Bewegungen des Fisches folgen, und war in beständiger Gefahr ins Wasser gezogen zu werden.
Die Mädchen kamen zu rechter Zeit, hielten ihn fest, und versuchten den Bart von der Schnur loszumachen, aber vergebens, Bart und Schnur waren fest in einander verwirrt.
Es blieb nichts übrig, als das Scherchen hervor zu holen und den Bart abzuschneiden: dabei ging ein kleiner Teil desselben verloren.
Als der Zwerg das sah, schrie er sie an, 'ist das Manier, ihr Lurche, einem das Gesicht zu schänden! nicht genug, daß ihr mir den Bart unten abgestutzt habt, jetzt schneidet ihr mir den besten Teil davon ab:
ich darf mich vor den Meinigen gar nicht sehen lassen.
Daß ihr laufen müßtet und die Schuhsohlen verloren hättet!' Dann holte er einen Sack Perlen, der im Schilfe lag, und ohne ein Wort weiter zu sagen, schleppte er ihn fort, und verschwand hinter einem Stein.
Es trug sich zu, daß bald hernach die Mutter die beiden Mädchen nach der Stadt schickte, Zwirn, Nadeln, Schnüre und Bänder einzukaufen.
Der Weg führte sie über eine Heide, auf der hier und da mächtige Felsenstücke zerstreut lagen, da sahen sie einen großen Vogel in der Luft schweben, der langsam über ihnen kreiste, sich immer tiefer herab senkte, und endlich nicht weit bei einem Felsen niederstieß.
Gleich darauf hörten sie einen durchdringenden, jämmerlichen Schrei.
Sie liefen herzu, und sahen mit Schrecken daß der Adler ihren alten Bekannten, den Zwerg, gepackt hatte und ihn forttragen wollte.
Die mitleidigen Kinder hielten gleich das Männchen fest, und zerrten sich so lange mit dem Adler herum, bis er seine Beute fahren ließ.
Als der Zwerg sich von dem ersten Schrecken erholt hatte, sprach er 'konntet ihr nicht säuberlicher mit mir umgehen, gerissen habt ihr an meinem dünnen Röckchen daß es überall zerfetzt und durchlöchert ist, unbeholfenes und täppisches Gesindel, das ihr seid!' Dann nahm er einen Sack mit Edelsteinen, und schlüpfte wieder unter den Felsen in seine Höhle.
Die Mädchen waren an seinen Undank schon gewöhnt, setzten ihren Weg fort, und verrichteten ihr Geschäft in der Stadt.
Als sie beim Heimweg wieder auf die Heide kamen, überraschten sie den Zwerg, der auf einem reinlichen Plätzchen seinen Sack mit Edelsteinen ausgeschüttet und nicht gedacht hatte daß so spät noch jemand daher kommen würde.
Die Abendsonne schien über die glänzenden Steine, und sie schimmerten und leuchteten so prächtig in allen Farben, daß die Kinder stehen blieben, und sie betrachteten.
'Was steht ihr da, und habt Maulaffen feil!' schrie der Zwerg, und sein aschgraues Gesicht wurde zinnoberrot vor Zorn.
Er wollte mit seinen Scheltworten fortfahren, als sich ein lautes Brummen hören ließ, und ein schwarzer Bär aus dem Walde herbei trabte.
Erschrocken sprang der Zwerg auf, aber er konnte nicht mehr zu seinem Schlupfwinkel gelangen, der Bär war schon in seiner Nähe.
Da rief er in Herzensangst 'lieber Herr Bär, verschont mich, ich will euch alle meine Schätze geben, seht, die schönen Edelsteine, die da liegen.
Schenkt mir das Leben, was habt ihr an mir kleinen schmächtigen Kerl?
ihr spürt mich nicht zwischen den Zähnen: da, die beiden gottlosen Mädchen packt, das sind für euch zarte Bissen, fett wie junge Wachteln, die freßt in Gottes Namen.' Der Bär kümmerte sich um seine Worte nicht, gab dem boshaften Geschöpf einen einzigen Schlag mit der Tatze, und es regte sich nicht mehr.
Die Mädchen waren fortgesprungen, aber der Bär rief ihnen nach 'Schneeweißchen und Rosenrot, fürchtet euch nicht, wartet ich will mit euch gehen.' Da erkannten sie seine Stimme und blieben stehen, und als der Bär bei ihnen war, fiel plötzlich die Bärenhaut ab, und er stand da als ein schöner Mann, und war ganz in Gold gekleidet.
Er sagte 'ich bin eines Königs Sohn, und war von dem gottlosen Zwerg, der mir meine Schätze gestohlen hatte, verwünscht als ein wilder Bär in dem Walde zu laufen, bis ich durch seinen Tod erlöst würde.
Jetzt hat er seine wohlverdiente Strafe empfangen.'
Schneeweißchen wurde mit ihm, und Rosenrot mit seinem Bruder vermählt, und sie teilten die großen Schätze mit einander, die der Zwerg in seiner Höhle zusammen getragen hatte.
Die alte Mutter lebte noch lange Jahre ganz glücklich bei ihren Kindern.
Die zwei Rosenbäumchen aber nahm sie mit, und sie standen vor ihrem Fenster, und trugen jedes Jahr die schönsten Rosen, weiß und rot.
162. Der kluge Knecht.
Wie glücklich ist der Herr, und wie wohl steht es mit seinem Hause, wenn er einen klugen Knecht hat, der auf seine Worte zwar hört, aber nicht danach tut, sondern lieber seiner eigenen Weisheit folgt.
Ein solcher kluger Hans wurde einmal von seinem Herrn ausgeschickt, eine verlorene Kuh zu suchen.
Er blieb lange aus, und der Herr dachte 'der treue Hans, er läßt sich in seinem Dienste doch keine Mühe verdrießen.' Als er aber gar nicht wiederkommen wollte, fürchtete der Herr es möchte ihm etwas zugestoßen sein, machte sich selbst auf, und wollte sich nach ihm umsehen.
Er mußte aber lange suchen, bis er den Knecht endlich im weiten Feld herumlaufen sah.
'Nun, lieber Hans,' sagte der Herr, als er ihn eingeholt hatte, 'hast du die Kuh gefunden, nach der ich dich ausgeschickt habe?' 'Nein, Herr,' antwortete er, 'die Kuh habe ich nicht gefunden, aber auch nicht gesucht.'
'Was hast du gesucht, Hans?' 'Etwas Besseres, und das habe ich auch glücklich gefunden.'
'Was ist das, Hans?' 'Drei Amseln ' antwortete der Knecht.
'Und wo sind sie?' fragte der Herr.
'Eine sehe ich, die andere höre ich, die dritte jage ich antwortete der kluge Knecht.
Nehmt euch daran ein Beispiel, bekümmert euch nicht um euren Herrn und seine Befehle, tut lieber was euch einfällt und wozu ihr Lust habt, dann werdet ihr eben so weise handeln, als der kluge Hans.
163. Der gläserne Sarg.
Sage niemand daß ein armer Schneider es nicht weit bringen und nicht zu hohen Ehren gelangen könne, es ist weiter gar nichts nötig als daß er an die rechte Schmiede kommt, und, was die Hauptsache ist, daß es ihm glückt.
Ein solches artiges und behendes Schneiderbürschchen ging einmal seiner Wanderschaft nach, und kam in einen großen Wald, und weil es den Weg nicht wußte, verirrte es sich.
Die Nacht brach ein, und es blieb ihm nichts übrig als in dieser schauerlichen Einsamkeit ein Lager zu suchen.
Auf dem weichen Mose hätte er freilich ein gutes Bett gefunden, allein die Furcht vor den wilden Tieren ließ ihm da keine Ruhe, und er mußte sich endlich entschließen auf einem Baume zu übernachten.
Er suchte eine hohe Eiche, stieg bis in den Gipfel hinauf, und dankte Gott daß er sein Bügeleisen bei sich trug, weil ihn sonst der Wind, der über die Gipfel der Bäume wehte, weggeführt hätte.
Nachdem er einige Stunden in der Finsternis, nicht ohne Zittern und Zagen, zugebracht hatte, erblickte er in geringer Entfernung den Schein eines Lichtes; und weil er dachte daß da eine menschliche Wohnung sein möchte, wo er sich besser befinden würde als auf den Ästen eines Baums, so stieg er vorsichtig herab, und ging dem Lichte nach.
Es leitete ihn zu einem kleinen Häuschen, das aus Rohr und Binsen geflochten war.
Er klopfte mutig an, die Türe öffnete sich, und bei dem Scheine des herausfallenden Lichtes sah er ein altes eisgraues Männchen, das ein von buntfarbigen Lappen zusammengesetztes Kleid an hatte.
'Wer seid ihr, und was wollt ihr?' fragte es mit einer schnarrenden Stimme.
'Jch bin ein armer Schneider,' antwortete er, 'den die Nacht hier in der Wildnis überfallen hat, und bitte euch inständig mich bis Morgen in eurer Hütte aufzunehmen.'
'Gehe deiner Wege,' erwiderte der Alte mit mürrischem Tone, 'mit Landstreichern will ich nichts zu schaffen haben; suche dir anderwärts ein Unterkommen.'
Nach diesen Worten wollte er wieder in sein Haus schlüpfen, aber der Schneider hielt ihn am Rockzipfel fest, und bat so beweglich, daß der Alte, der so böse nicht war als er sich anstellte, endlich erweicht wurde, und ihn mit in seine Hütte nahm, wo er ihm zu essen gab, und dann in einem Winkel ein ganz gutes Nachtlager anwies.
Der müde Schneider brauchte keines Einwiegens, sondern schlief sanft bis an den Morgen, würde auch noch nicht an das Aufstehen gedacht haben, wenn er nicht von einem lauten Lärm wäre aufgeschreckt worden.
Ein heftiges Schreien und Brüllen drang durch die dünnen Wände des Hauses.
Der Schneider, den ein unerwarteter Mut überkam, sprang auf, zog in der Hast seine Kleider an, und eilte hinaus.
Da erblickte er nahe bei dem Häuschen einen großen schwarzen Stier und einen schönen Hirsch, die in dem heftigsten Kampfe begriffen waren.
Sie gingen mit so großer Wut aufeinander los, daß von ihrem Getrampel der Boden erzitterte, und die Luft von ihrem Geschrei erdröhnte.
Es war lange ungewiß, welcher von beiden den Sieg davon tragen würde: endlich stieß der Hirsch seinem Gegner das Geweih in den Leib, worauf der Stier mit entsetzlichem Brüllen zur Erde sank, und durch einige Schläge des Hirsches völlig getötet wurde.
Der Schneider, welcher dem Kampfe mit Erstaunen zugesehen hatte, stand noch unbeweglich da, als der Hirsch in vollen Sprüngen auf ihn zu eilte und ihn, ehe er entfliehen konnte, mit seinem großen Geweihe geradezu aufgabelte.
Er konnte sich nicht lange besinnen, denn es ging schnellen Laufes fort über Stock und Stein, Berg und Tal, Wiese und Wald.
Er hielt sich mit beiden Händen an die Enden des Geweihes fest, und überließ sich seinem Schicksal.
Es kam ihm aber nicht anders vor als fliege er davon.
Endlich hielt der Hirsch vor einer Felsenwand still, und ließ den Schneider sanft herabfallen.
Der Schneider, mehr tot als lebendig, bedurfte einiger Zeit um wieder zur Besinnung zu kommen.
Als er sich einigermaßen erholt hatte, stieß der Hirsch, der neben ihm stehen geblieben war, sein Geweih mit solcher Gewalt gegen eine in dem Felsen befindliche Türe daß sie aufsprang.
Feuerflammen schlugen heraus, auf welche ein großer Dampf folgte, der den Hirsch seinen Augen entzog.
Der Schneider wußte nicht was er tun und wohin er sich wenden sollte, um aus dieser Einöde wieder unter Menschen zu gelangen.
Indem er also unschlüssig stand, tönte eine Stimme aus dem Felsen, die ihm zurief 'tritt ohne Furcht herein, dir soll kein Leid widerfahren.' Er zauderte zwar, doch, von einer heimlichen Gewalt angetrieben, gehorchte er der Stimme, und gelangte durch die eiserne Türe in einen großen geräumigen Saal, dessen Decke, Wände und Boden aus glänzend geschliffenen Quadratsteinen bestanden, auf deren jedem ihm unbekannte Zeichen eingehauen waren.
Er betrachtete alles voll Bewunderung, und war eben im Begriffe wieder hinaus zu gehen, als er abermals die Stimme vernahm, welche ihm sagte 'tritt auf den Stein, der in der Mitte des Saales liegt, und dein wartet großes Glück.'
Sein Mut war schon so weit gewachsen daß er dem Befehle Folge leistete.
Der Stein begann unter seinen Füßen nachzugeben, und sank langsam in die Tiefe hinab.
Als er wieder feststand, und der Schneider sich umsah, befand er sich in einem Saale, der an Umfang dem vorigen gleich war.
Hier aber gab es mehr zu betrachten und zu bewundern.
In die Wände waren Vertiefungen eingehauen, in welchen Gefäße von durchsichtigem Glase standen, welche mit farbigem Spiritus oder mit einem blaulichen Rauche angefüllt waren.
Auf dem Boden des Saales standen, einander gegenüber, zwei große gläserne Kasten, die sogleich seine Neugierde reizten.
Indem er zu dem einen trat, erblickte er darin ein schönes Gebäude, einem Schlosse ähnlich, von Wirtschaftsgebäuden, Ställen und Scheuern und einer Menge anderer artigen Sachen umgeben.
Alles war klein, aber überaus sorgfältig und zierlich gearbeitet, und schien von einer kunstreichen Hand mit der höchsten Genauigkeit ausgeschnitzt zu sein.
Er würde seine Augen von der Betrachtung dieser Seltenheiten noch nicht abgewendet haben, wenn sich nicht die Stimme abermals hätte hören lassen.
Sie forderte ihn auf sich umzukehren, und den gegenüberstehenden Glaskasten zu beschauen.
Wie stieg seine Verwunderung als er darin ein Mädchen von größter Schönheit erblickte.
Es lag wie im Schlafe, und war in lange blonde Haare wie in einen kostbaren Mantel eingehüllt.
Die Augen waren fest geschlossen, doch die lebhafte Gesichtsfarbe, und ein Band, das der Atem hin und her bewegte, ließen keinen Zweifel an ihrem Leben.
Der Schneider betrachtete die Schöne mit klopfendem Herzen, als sie plötzlich die Augen aufschlug, und bei seinem Anblick in freudigem Schrecken zusammenfuhr.
'Gerechter Himmel,' rief sie, 'meine Befreiung naht! geschwind, geschwind, hilf mir aus meinem Gefängnis: wenn du den Riegel an diesem gläsernen Sarge wegschiebst, so bin ich erlöst.' Der Schneider gehorchte ohne Zaudern, alsbald hob sie den Glasdeckel in die Höhe, stieg heraus, und eilte in die Ecke des Saals, wo sie sich in einen weiten Mantel verhüllte.
Dann setzte sie sich auf einen Stein nieder, hieß den jungen Mann heran gehen, und nachdem sie einen freundlichen Kuß auf seinen Mund gedrückt hatte, sprach sie 'mein lang ersehnter Befreier, der gütige Himmel hat mich zu dir geführt, und meinen Leiden ein Ziel gesetzt.
An demselben Tage, wo sie endigen, soll dein Glück beginnen.
Du bist der vom Himmel mir bestimmte Gemahl, und sollst, von mir geliebt und mit allen irdischen Gütern überhäuft, zu ungestörter Freude dein Leben zubringen.
Sitz nieder, und höre die Erzählung meines Schicksals.
'Jch bin die Tochter eines reichen Grafen.
Meine Eltern starben als ich noch in zarter Jugend war, und empfahlen mich in ihren letzten Willen meinem älteren Bruder, bei dem ich auferzogen wurde.
Wir liebten uns so zärtlich, und waren so übereinstimmend in unserer Denkungsart und unseren Neigungen, daß wir beide den Entschluß faßten uns niemals zu verheiraten, sondern bis an das Ende unseres Lebens beisammen zu bleiben.
In unserem Hause war an Gesellschaft nie Mangel: Nachbarn und Freunde besuchten uns häufig, und wir übten gegen alle die Gastfreundschaft in vollem Maße.
So geschah es auch eines Abends, daß ein Fremder in unser Schloß geritten kam, und unter dem Vorgeben den nächsten Ort nicht mehr erreichen zu können um ein Nachtlager bat.
Wir gewährten seine Bitte mit zuvorkommender Höflichkeit, und er unterhielt uns während des Abendessens mit seinem Gespräche und eingemischten Erzählungen auf das anmutigste.
Mein Bruder hatte ein so großes Wohlgefallen an ihm, daß er ihn bat ein paar Tage bei uns zu verweilen, wozu er nach einigem Weigern einwilligte.
Wir standen erst spät in der Nacht vom Tische auf, dem Fremden wurde ein Zimmer angewiesen, und ich eilte, ermüdet wie ich war, meine Glieder in die weichen Federn zu senken.
Kaum war ich ein wenig eingeschlummert, so weckten mich die Töne einer zarten und lieblichen Musik.
Da ich nicht begreifen konnte woher sie kämen, so wollte ich mein im Nebenzimmer schlafendes Kammermädchen rufen, allein zu meinem Erstaunen fand ich daß mir, als lastete ein Alp auf meiner Brust, von einer unbekannten Gewalt die Sprache benommen und ich unvermögend war den geringsten Laut von mir zu geben.
Indem sah ich bei dem Schein der Nachtlampe den Fremden in mein durch zwei Türen fest verschlossenes Zimmer eintreten.
Er näherte sich mir, und sagte daß er durch Zauberkräfte, die ihm zu Gebote ständen, die liebliche Musik habe ertönen lassen um mich aufzuwecken, und dringe jetzt selbst durch alle Schlösser in der Absicht, mir Herz und Hand anzubieten.
Mein Widerwille aber gegen seine Zauberkünste war so groß, daß ich ihn keiner Antwort würdigte.
Er blieb eine Zeit lang unbeweglich stehen, wahrscheinlich in der Absicht einen günstigen Entschluß zu erwarten, als ich aber fortfuhr zu schweigen, erklärte er zornig daß er sich rächen und Mittel finden werde meinen Hochmut zu bestrafen, worauf er das Zimmer wieder verließ.
Ich brachte die Nacht in höchster Unruhe zu, und schlummerte erst gegen Morgen ein.
Als ich erwacht war, eilte ich zu meinem Bruder, um ihn von dem was vorgefallen war zu benachrichtigen, allein ich fand ihn nicht auf seinem Zimmer, und der Bediente sagte mir daß er bei anbrechendem Tage mit dem Fremden auf die Jagd geritten sei.
Mir ahnte gleich nichts gutes; ich kleidete mich schnell an, ließ meinen Leibzelter satteln, und ritt, nur von einem Diener begleitet, in vollem Jagen nach dem Walde.
Der Diener stürzte mit dem Pferde, und konnte mir, da das Pferd den Fuß gebrochen hatte, nicht folgen.
Ich setzte, ohne mich aufzuhalten, meinen Weg fort, und in wenigen Minuten sah ich den Fremden mit einem schönen Hirsch, den er an der Linie führte, auf mich zukommen.
Ich fragte ihn wo er meinen Bruder gelassen habe, und wie er zu diesem Hirsche gelangt sei, aus dessen großen Augen ich Tränen fließen sah.
Anstatt mir zu antworten fing er an laut aufzulachen.
Ich geriet darüber in höchsten Zorn, zog eine Pistole, und drückte sie gegen das Ungeheuer ab, aber die Kugel prallte von seiner Brust zurück, und fuhr in den Kopf meines Pferdes.
Ich stürzte zur Erde, der Fremde aber murmelte einige Worte, die mir das Bewußtsein raubten.
Als ich wieder zur Besinnung kam fand ich mich in dieser unterirdischen Gruft in einem gläsernen Sarge.
Der Schwarzkünstler erschien nochmals, sagte daß er meinen Bruder in einen Hirsch verwandelt, mein Schloß, mit allem Zubehör, verkleinert, in den anderen Glaskasten eingeschlossen, und meine in Rauch verwandelten Leute in Glasflaschen gebannt hätte.
Wolle ich mich jetzt seinem Wünsche fügen, so sei ihm ein leichtes, alles wieder in den vorigen Stand zu setzen: er brauche nur die Gefäße zu öffnen, so werde alles wieder in die natürliche Gestalt zurückkehren.
Ich antwortete ihm so wenig als das erste Mal.
Er verschwand, und ließ mich in meinem Gefängnisse liegen, in welchem mich ein tiefer Schlaf befiel.
Unter den Bildern, welche an meiner Seele vorübergingen, war auch das tröstliche, daß ein junger Mann kam und mich befreite, und als ich heute die Augen öffne, so erblicke ich dich und sehe meinen Traum erfüllt. Hilf mir vollbringen was in jenem Gesichte noch weiter geschah. Das erste ist daß wir den Glaskasten, in welchem mein Schloß sich befindet, auf jenen breiten Stein heben.' Der Stein, sobald er beschwert war, hob sich mit dem Fräulein und dem Jüngling in die Höhe, und stieg durch die Öffnung der Decke in den oberen Saal, wo sie dann leicht ins Freie gelangen konnten. Hier öffnete das Fräulein den Deckel, und es war wunderbar anzusehen, wie Schloß, Häuser und Gehöfte sich ausdehnten, und in größter Schnelligkeit zu natürlicher Größe heranwuchsen. Sie kehrten darauf in die unterirdische Höhle zurück, und ließen die mit Rauch gefüllten Gläser von dem Steine herauftragen. Kaum hatte das Fräulein die Flaschen geöffnet, so drang der blaue Rauch heraus, und verwandelte sich in lebendige Menschen, in welchen das Fräulein ihre Diener und Leute erkannte. Ihre Freude wurde noch vermehrt als ihr Bruder, der den Zauberer in dem Stiere getötet hatte, in menschlicher Gestalt aus dem Walde heran kam, und noch denselben Tag reichte das Fräulein, ihrem Versprechen gemäß, dem glücklichen Schneider die Hand am Altare.
164. Der faule Heinz.
Heinz war faul, und obgleich er weiter nichts zu tun hatte, als seine Ziege täglich auf die Weide zu treiben, so seufzte er dennoch, wenn er nach vollbrachtem Tagewerk Abends nach Hause kam. 'Es ist in Wahrheit eine schwere Last,' sagte er, 'und ein mühseliges Geschäft, so eine Ziege Jahr aus Jahr ein bis in den späten Herbst ins Feld zu treiben. Und wenn man sich noch dabei hinlegen und schlafen könnte! aber nein, da muß man die Augen auf haben, damit sie die jungen Bäume nicht beschädigt, durch die Hecke in einen Garten dringt, oder gar davon läuft. Wie soll da einer zur Ruhe kommen, und seines Lebens froh werden!' Er setzte sich, sammelte seine Gedanken, und überlegte wie er seine Schultern von dieser Bürde frei machen könnte. Lange war alles Nachsinnen vergeblich, plötzlich fiel_es ihm wie Schuppen von den Augen. 'Ich weiß was ich tue,' rief er aus, 'ich heirate die dicke Trine; die hat auch eine Ziege, und kann meine mit austreiben, so brauche ich mich nicht länger zu quälen.' Heinz erhob sich also, setzte seine müden Glieder in Bewegung, ging quer über die Straße, denn weiter war der Weg nicht, zu den Eltern der dicken Trine, und hielt um ihre arbeitsame und tugendreiche Tochter an. Die Eltern besannen sich nicht lange, 'gleich und gleich gesellt sich gern meinten sie, und willigten ein. Nun wurde die dicke Trine Heinzens Frau, und trieb die beiden Ziegen aus; Heinz hatte gute Tage, und brauchte sich von keiner anderen Arbeit zu erholen, als von seiner eigenen Faulheit. Nur dann und wann ging er mit hinaus, und sagte 'es geschieht bloß damit mir die Ruhe hernach desto besser schmeckt; man verliert sonst alles Gefühl dafür.' Aber die dicke Trine war nicht minder faul. 'Lieber Heinz,' sprach sie eines Tages, 'warum sollen wir uns das Leben ohne Not sauer machen, und unsere beste Jugendzeit verkümmern? Ist es nicht besser, wir geben die beiden Ziegen, die jeden Morgen einen mit ihrem Meckern im besten Schlafe stören, unserem Nachbar, und der gibt uns einen Bienenstock dafür? den Bienenstock stellen wir an einem sonnigen Platz hinter das Haus, und bekümmern uns weiter nicht darum. Die Bienen brauchen nicht gehütet und nicht ins Feld getrieben zu werden: sie fliegen aus, finden den Weg nach Haus von selbst wieder, und sammeln Honig ohne daß es uns die geringste Mühe macht.' 'Du hast wie eine verständige Frau gesprochen,' antwortete Heinz; deinen Vorschlag wollen wir ohne Zaudern ausführen: außerdem schmeckt und nährt der Honig besser als die Ziegenmilch, und läßt sich auch länger aufbewahren.' Der Nachbar gab für die beiden Ziegen gerne einen Bienenstock. Die Bienen flogen unermüdlich vom frühen Morgen bis zum späten Abend aus und ein, und füllten den Stock mit dem schönsten Honig, so daß Heinz im Herbst einen ganzen Krug voll heraus nehmen konnte. Sie stellten den Krug auf ein Brett, das oben an der Wand in ihrer Schlafkammer befestigt war, und weil sie fürchteten es könnte ihnen gestohlen werden, oder die Mäuse könnten darüber geraten, so holte Trine einen starken Haselstock herbei, und legte ihn neben ihr Bett, damit sie ihn, ohne unnötigerweise aufzustehen, mit der Hand erreichen, und die ungebetenen Gäste von dem Bette aus verjagen könnte. Der faule Heinz verließ das Bett nicht gerne vor Mittag: 'wer früh aufsteht,' sprach er, 'sein Gut verzehrt.' Eines Morgens als er so am hellen Tage noch in den Federn lag, und von dem langen Schlaf ausruhte, sprach er zu seiner Frau 'die Weiber lieben die Süßigkeit, und du naschest von dem Honig, es ist besser, ehe er von dir allein ausgegessen wird, daß wir dafür eine Gans mit einem jungen Gänslein erhandeln.' 'Aber nicht eher,' erwiderte Trine, 'als bis wir ein Kind haben, das sie hütet. Soll ich mich etwa mit den jungen Gänsen plagen, und meine Kräfte unnötigerweise dabei zusetzen?' 'Meinst du,' sagte Heinz, 'der Junge werde Gänse hüten? heutzutage gehorchen die Kinder nicht mehr: sie tun nach ihrem eigenen Willen, weil sie sich klüger dünken als die Eltern, gerade wie jener Knecht, der die Kuh suchen sollte, und drei Amseln nachjagte.' 'O,' antwortete Trine, 'dem soll es schlecht bekommen, wenn er nicht tut was ich sage. Einen Stock will ich nehmen, und mit ungezählten Schlägen ihm die Haut gerben. Siehst du, Heinz,' rief sie in ihrem Eifer, und faßte den Stock, mit dem sie die Mäuse verjagen wollte, siehst du, so will ich auf ihn losschlagen.' Sie holte aus, traf aber unglücklicherweise den Honigkrug über dem Bette. Der Krug sprang wider die Wand, und fiel in Scherben herab, und der schöne Honig floß auf den Boden. 'Da liegt nun die Gans mit den jungen Gänslein,' sagte Hans, 'und braucht nicht gehütet zu werden. Aber ein Glück ist es, daß mir der Krug nicht auf den Kopf gefallen ist, wir haben alle Ursache mit unserem Schicksal zufrieden zu sein.' Und da er in einer Scherbe noch etwas Honig bemerkte, so langte er danach, und sprach ganz vergnügt 'das Restchen, Frau, wollen wir uns noch schmecken lassen, und dann nach dem gehabten Schrecken ein wenig ausruhen, was tut_es, wenn wir etwas später als gewöhnlich aufstehen, der Tag ist doch noch lang genug.'
165. Der Vogel Greife.
Sisch einisch e König gsi, Wohner gregiert hat und wiener Geheisse hat weiß i nümme. De hat kei Son gha, nummene einzige Tochter, die isch immer krank gsi, und kei Dokter hat se könne heile. Da isch em König Profizeit worde si Tochter werde se an Öpfle gesund esse. Da Lot er Dur sis ganz Land bchant mache wer seiner Tochter Öpfel bringe, daß se se gesund dra chönn esse, de müsse zur Frau ha, und König werde. Das hat au ne Pur verno, de drei Sön gha hat. Da seit er zum elste 'gang aufs Gade Uffe, nimm e Chratte (Handkorb) voll vo denen schöne Öpfle mit rote Bagge und träg se a Hof; vielleicht cha se d' Königstochter gesund dra esse und de darfsche hürothe, und wirsch König.' De Kerle hets e so gemacht, und der Weg unter d' Füße gno. Wohner e Zeitlang Gange gsi isch, begegnet em es chlis isigs Mandel, das frogt ne was er da e dem Kratte häig, da seit der Uele, denn so hat er Geheisse, 'Fröschebäi.' Das Mandel seit druf 'no es solle si und bliebe,' und isch witter Gange. Endle kund der Uele fürs Schloß, un Lot se amelde, er hebe Öpfel, die d' Tochter gesund mache, wenn se dervo äße tue. Das hat der König grusele gefreut und Lot der Uele vor se cho, aber, o häie! Wohner aufdeckt, so heter anstatt Öpfel Froschebäi e dem Kratte, die no zapled Hände. Drob isch der König bös worde, und Lot ne zum Hause us jage. Wohner häi cho isch, so Zelter dem Ätte wies em Gange isch. Da schickt der Ätte der nölst Son, de Säme Geheisse hat; aber dem isch es ganz glich Gange wie im Uele. Es isch em halte au es chlis isigs Mandel begegnet, und das hat ne gfrogt was er da e dem Kratte häig, der Säme seit 'Seüborst,' und das isigs Mandel seit 'no es söll si und bliebe.' Wohner da vor es Chönigsschloß cho isch, und seit er hebe Öpfel, a denen se d' Königstochter gesund chönn esse, so Hände se ne nid welle inne lo, und Hände gsäit es sig scho eine da gsi, und hebe se führe Nare gha. Der Säme hat aber aghalte, er hebe gewiß derer Öpfel, se solle ne nume inne lo. Endle Hände sein glaubt, und führe ne vor der König. Aber Wohner si Kratte aufdeckt, so hat er halte Seüborst. Das hat der König gar schröckele erzürnt, so daß er der Säme us em Hause hat lo peitsche. Wohner häi cho isch, so hat er gsäit wies em Gange isch. Da kund der jüngst Bueb, dem händse nume der dumm Hans gsäit, und frogt der Ätte ob er au mit Öpfle goh Dorf. 'Jo,' seit da der Ätte, 'du wärst der rächt Kerle derzue, wenn die gescheite nüt usrichte, was wettest denn du usrichte.' Der Bueb hat aber nicht no glo: 'e wohl, Ätte, i will au goh.' 'Gang mehr doch ewäg; du dumme Kerle, du müsst warte bis gescheiter wirsch' seit druf der Ätte, und kehrt em der Rüge. Der Hans aber zupft ne Hinde am Kittel, 'e wohl, Ätte, i will au goh.' 'No minetwäge, so Gang, de wirsch wohl wieder ome cho,' gitt der Ätte zur Antwort eme neidige Ton. Der Bueb hat se aber grusele gefreut und isch ufgumpet. 'Jo, tue jetzt no wie Nar, du wirsch vo äim Tag zum andere no dümmer' seit der Ätte wieder. Das hat aber im Hans nüt gemacht, und hat se e seiner Freude nid lo störe. Will_es aber gli Nacht gsi isch, so hat er denkt er well warte bis am Morge, er möchte hüte doch nümme na Hof gcho. Z' Nacht im Bett hat er nid könne schloffe, und wenn er au ne ihli igschlummert isch, so hets em traumt vo schöne Jumpfee, vo Schlössern, Gold und Silber, und allerhand derer Sache meh. Am Morge frühe macht er se auf der Wäg, und gli drufe bchuntem es chlis mutzigs Mandel, eme isige Chläidle, und frogt ne was er da e dem Kratte häig.
Der Hans gitt em zur Antwort er hebe Öpfel, a denen d' Königstochter se gesund äße sötte. 'No,' seit das Mandel, 'es solle sättige (solche) si und bliebe.' Aber am Hof Hände se der Hans partu nicht welle inne lo, denn es Siege scho zwei da gsi, und hebe gsäit se bringe Öpfel, und da hebe eine Fröschebäi, und der ander Seüborst gha. Der Hans hat aber gar grusele aghalte, er hebe gwöß keine Fröschebäi, sondern von de schönste Öpfle, die im ganze Chönigrich wachse. Wohner de so ordele geredet hat, so denke d' Torhüter de chönn nid lüge und lönde inne, und se Hände au rächt gha, denn wo der Hans si Kratte vor em König abdeckt, so sind goldgäle Öpfel führe cho. Der König hat se gefreut, und Lot gli der Tochter dervo bringe, und wartet jetzt e banger Erwartig bis Menem der Bericht bringt, was se für Würkig Too hebe. Aber nid lange Zeit Gott, so bringt em öpper Bricht: aber was meineder wer isch das gsi? d' Tochter selber isch es gsi. So bald se vo denen, Öpfle ggäße gha hat, isch e gesund us em Bett gsprunge. Wie der König e Freude gha hat, chame nid beschriebe. Aber jetzt hat er d' Tochter dem Hans nid welle zur Frau ge, und seit er müße em zerst none Wäidlig (Nachen) mache, de ufem drochne Land weidlicher Goi as im Wasser. Der Hans nimmt die Betingig a, und Gott häi, und Zelts wies eme gegangen seig. Da schickt der Ätte der Uele is Holz um e sättige Wäidlig z' mache. Er hat fleißig gewähret (gearbeitet), und derzue gepfiffen. Z' Mittag, wo d' Sonne am höchste gestand isch, kund es chlis isigs Mandel, und frogt was er da mache. Der Uele gitt em zur Antwort 'Chelle (hölzernes Gerät).' Das isig mendle seit 'no es solle si und bliebe.' Z' Ob meint der Uele er hebe jetzt e Wäidlig gemacht, aber Wohner hat welle isitze, so sind_es alles Chelle gsi. Der anner Tag Gott der Säme e Wald, aber s' isch em ganz glich Gange wie im Uele. Am dritte Tag Gott der dumm Hans. Er schafft rächt fleißig, daß es im ganze Wald tönt vo sine kräftige Schläge, derzue singt er und pfifft er rächt lustig. Da kund wieder das chli Mandel z' Mittag, was am heißeste gsi isch, und frogt was er da mache. 'E Weidlich, de auf em drochne Land weidlicher Gott as auf em Wasser,' un wenn er damit fertig seig, so komm er d' Königstochter zur Frau über. 'No,' seit das Mandel, 'es söll e so eine ge und bliebe.' Z' Ob, wo d' Sonne aber z' Gold Gange isch, isch der Hans au fertig gsi mit sim Wäidlig und Schiff und Gescher. Er sitzt i, und rudert der Residenz zu. Der Weidlich isch aber so geschwind Gange wie der Wind. Der König hets vo wieten gseh, will aber im Hans si Tochter nonig ge, und seit er müße Gest no hundert Hase hüte vom Morge früh bis z' Ob Spott, und wenn em eine fort Köm, so Köm er d' Tochter nicht über. Der Hans isch e des z' Friede gsi, und gli am andere Tag Gott er mit seiner Herd auf d' Waid, und paßt verwändet auf daß em keine dervo Lauf. Nid Menge Stunde isch Gange, so kund e Magd vom Schloß, und seit zum Hans er söll Ehre geschwind e Hase ge, so hebe Wisite über cho. Der Hans hat aber wohl gemerkt wo das use will, und seit er gäbe e keine, der König chön denn morn seiner Wisite mit Haasepfäffer aufwarte. D' Magd hat aber nid no glo, und am Änd fot so no a resniere. Da seit der Hans wenn d' Königstochter selber Köm, so well er eine Hase ge. Das hat d' Magd im Schloß gsäit, und d' Tochter isch selber Gange. Underdesse isch aber zum Hans das chli Mandel wieder cho, und frogt der Hans was er da thüej. 'He, da müße er hundert Hase hüte, daß em keine dervo Lauf, und denn Dorf er d' Königstochter hürothe, und wäre König.' 'Guet,' seit das Mandel, 'da hasch es Pfifle, und wenn der eine fortlauft, so Pfiff nume, denn kund er wieder ume.' Wo da d' Tochter cho isch, so gitt Ehre der Hans e Hase is Fürtüchle. Aber wo se öppe hundert Schritt mit gsi isch, so pfifft der Hans, und de Hase springt Ehre us em Schäubele use, und, was gisch was hasch, wieder zu der Herd. Woes Ob gsi isch, so pfifft de Hasehirt no emol und lügt ob all da Siege, und treibt se da zum Schloß. Der König hat se verwundert wie au der Hans im Stand gsi seig hundert Hase z' hüte, daß em keine dervo glofe isch; er will em aber d' Tochter eine weg nonig ge, und seit er müße em no ne Federe us d' Vogelgriffe Stehle bringe. Der Hans macht se gerade auf der Wäg, und marschiert rächt handle vorwärts. Z' Ob kund er zu nehme Schloß, da frogt er umenes Nachtlager, denn sälbesmol hat me no keine Wirthshüser gha, das seit em der Herr vom Schloß mit vele Freude zu, und frogt ne woner he well. Der Hans git druf zur Antwort 'zum Vogelgriff.' 'So, zum Vogelgriff, me seit ame er wuß alles, und i hane Schlössel zu nere isige Gäldchiste verlore; Ehre chöntet doch so gut si, und ne froge Wohner seig.' 'Jo frile,' seit der Hans, 'das Willi scho tue.' Am Morgen frühe isch er da witter Gange, und kund unterwegs zu Mähne andere Schloß, i dem er wieder über_Nacht bliebt. Wo d' Lütt Druse verno Hände daß er zum Vogelgriff well, so säge se es sig im Hause ne Tochter krank, und se hebe scho alle Mittel bruch, aber es well Kais aschlo, er söll doch so gut si, und der Vogelgriff froge was die Tochter wieder chön gesund mache. Der Hans seit das weller gern tue, und Gott witter. Da kund er zu emne Wasser, und anstatt eme fair isch e große große Ma da gsi, de all Lütt hat müsse über träge. De Ma hat der Hans gfrogt wo si Rais ohne Goi. 'Zum Vogelgriff' seit der Hans. 'No, wenn er zu nme chömet,' seit da de Ma, 'so froget ne an worum i all Lütt müße über das Wasser träge.' Da seit der Hans 'jo, mein Gott jo, das Willi scho tue.' De Ma hat ne da auf d' Achsle gno, und über träit. Endle kund da der Hans zum Hause vom Vogelgriff, aber da isch nume d' Frau dehäime gsi, und der Vogelgriff selber nid. Da frogt ne d' Frau was er well. Da hat Ehre der Hans alles Zelt, daß Ehre Federe sölt ha us s' Vogelgriffe Stehle, und denn hebe se emene Schloß der Schlüssel zu nere Gäldchiste Lore, und er sötte der Vogelgriff froge wo der Schlüssel seig; denn seig eme andere Schloß e Tochter krank, und er söt wiße was die Tochter könnt gesund mache; denn seig nig Wit vo da es Wasser und e Ma derbe, de d' Lütt müße über träge, und er möchte au gern wisse worum de Ma all Lütt müße über träge. Da seit die Frau 'ja lüget, mi gute Freund, s' cha käi Christ mit em Vogelgriff rede, er frißt se all; wenn er aber wähnt, so chönneder under sis Bett undere ligge, und z' Nacht, wenn er rächt fest schlofft, so chönneder denn use Länge, und em e Federe usem Stehle riße; und wäge denen Sache, die einer wiße söttet, will i ne selber froge. Der Hans isch e das alles z'friede gsi, und lit unters Bett undere. Z' Ob kund der Vogelgriff häi, und wiener i d' Stube kund, so seit er 'Frau, i schmöke ne Christ.' 'Jo,' seit da d' Frau, 's' isch hüte eine da gsi, aber er isch wieder fort;' und mit dem hat der Vogelgriff nüt me gsäit. Z' metzt e der Nacht, wo der Vogelgriff rächt Geschnarchlet hat, so längt der Hans Uffe, und rißt em e Federe usem Stehle. Da isch der Vogelgriff plötzle ufgjuckt, und seit 'Frau, i schmöke ne Christ, und s' isch mehr s' hebe me öpper am Stehle zehrt.' De seit d' Frau 'de hasch gewiß Traumet, und i ho der jo hüte scho gsäit, s' isch e Christ da gsi, aber isch wieder fort. Da hat mehr allerhand Sache Zelt. Si hebe ime Schloß der Schlüssel zu nere Gäldchiste Lore, und chönnene numme finde.' 'O di Nare,' seit der Vogelgriff, 'de Schlüssel lit im Holzhus hinter der Thor undere Holzbig.' 'Und denn hat er au gsäit imene Schloß seig e Tochter krank, und se wiße Kais Mittel für se gesund z' mache.' 'O di Nare,' seit der Vogelgriff, 'unter der Chällerstäge hat e Chrot es Nascht gemacht von Ehre Hoore, und wenn se die Hoor wieder hat, so wer_es se gesund.' 'Und denn hat er au no gsäit s' sig amene Ort es Wasser un e Ma derbe, der müße all Lütt drüber träge.' 'O de Nar,' seit de Vogelgriff, 'täter nome emol eine z' metzt dri stelle, er müßt denn keine me über träge.' Am Morge frue isch der Vogelgriff auf gestand, und isch fort Gange. Da kund der Hans unterem Bett führe, und hat e schöne Federe gha; au hat er gehört was der Vogelgriff gsäit hat wäge dem Schlüssel und der Tochter und dem Ma. D' Frau vom Vogelgriff hat em da alles no nemol Zelt, daß er nüt vergäße, und denn isch er wieder häi zu Gange. Gest kund er zum Ma bim Wasser, de frogt ne gli was der Vogelgriff gsäit hebe, da seit der Hans er söll ne Gest über träge, es well emes denn Däne säge. Da träit ne der Ma übere. Wohner Däne gsi isch, so seit em der Hans er söllt nume äinisch eine z' metzt dri stelle, er müße denn keine me über träge. Da hat se de Ma grusele gefreut, und seit zum Hans er well ne zum dank none mol ume und äne trage. Da seit der Hans näi, er well em die Müh erspare, er seig sust mit em z'friede, und isch witter Gange. Da kund er zu dem Schloß, wo die Tochter krank gsi isch, die nimmt er da auf d' Achsle, denn se hat nicht könne laufe, und träit se d' Chellerstäge ab, und nimmt das Chrotenäst unter dem unterste Tritt führe, und gits der Tochter i d' Hände, und die springt em ab der Achsle ab, und vor im d' Stege auf, und isch ganz gesund gsi. Jets Hände der Vater und d' Mütter e grüschliche Freude gha, und Hände dem Hans Geschenke gemacht vo Gold und Silber, und was er nume hat welle, das Hände sein gge. Wo da der Hans is an der Schloß cho isch, isch er gli is Holzhus Gange, und hat hinter der Thor unter der Holzbige de Schlüssel richtig gesunde, und hat ne da dem Herr brocht. De hat se au nid wenig gefreut, und hat dem Hans zur Belohnig viel vo dem Gold geh, das e der Kiste gsi isch, und sust no aller derhand für Sache, so Chüe und Schof und Gäiße. Wo der Hans zum König cho isch mit denen Sache alle, mit dem Geld, und dem Gold und Silber, und denen Chüene, Schofe und Gäiße, so frogt ne der König, Wohner au das alles Überecho hebe. Da seit der Hans der Vogelgriff gäbe ein so viel me well.
Da denkt der König, er könnt das au bruche, und macht se au auf der Wäg zum Vogelgriff, aber Wohner zu dem Wasser cho isch, so isch er halte der erst gsi, der sid em Hans cho isch, und de Ma stellt e z' metzt ab, und Gott fort, und der König isch ertrunken. Der Hans hat da d' Tochter ghürothet, und isch König worde.166. Der starke Hans.
Es war einmal ein Mann und eine Frau, die hatten nur ein einziges Kind, und lebten in einem abseits gelegenen Tale ganz allein.
Es trug sich zu, daß die Mutter einmal ins Holz ging, Tannenreiser zu lesen, und den kleinen Hans, der erst zwei Jahr alt war, mitnahm.
Da es gerade in der Frühlingszeit war, und das Kind seine Freude an den bunten Blumen hatte, so ging sie immer weiter mit ihm in den Wald hinein.
Plötzlich sprangen aus dem Gebüsch zwei Räuber hervor, packten die Mutter und das Kind, und führten sie tief in den schwarzen Wald, wo Jahr aus Jahr ein kein Mensch hinkam.
Die arme Frau bat die Räuber inständig sie mit ihrem Kinde frei zu lassen, aber das Herz der Räuber war von Stein: sie hörten nicht auf ihr Bitten und Flehen, und trieben sie mit Gewalt an weiter zu gehen.
Nachdem sie etwa zwei Stunden durch Stauden und Dornen sich hatten durcharbeiten müssen, kamen sie zu einem Felsen, wo eine Türe war, an welche die Räuber klopften, und die sich alsbald öffnete.
Sie mußten durch einen langen dunklen Gang, und kamen endlich in eine große Höhle, die von einem Feuer, das auf dem Herd brannte, erleuchtet war.
An der Wand hingen Schwerter, Säbel und andere Mordgewehre, die in dem Lichte blinkten, und in der Mitte stand ein schwarzer Tisch, an dem vier andere Räuber saßen, und spielten, und oben an saß der Hauptmann.
Dieser kam, als er die Frau sah, herbei, redete sie an, und sagte sie sollte nur ruhig und ohne Angst sein, sie täten ihr nichts zu Leid, aber sie müsse das Hauswesen besorgen, und wenn sie alles in Ordnung hielte, so sollte sie es nicht schlimm bei ihnen haben.
Darauf gaben sie ihr etwas zu essen, und zeigten ihr ein Bett, wo sie mit ihrem Kinde schlafen könnte.
Die Frau blieb viele Jahre bei den Räubern, und Hans wurde groß und stark.
Die Mutter erzählte ihm Geschichten, und lehrte ihn in einem alten Ritterbuch, das sie in der Höhle fand, lesen.
Als Hans neun Jahr alt war, machte er sich aus einem Tannenast einen starken Knüttel, und versteckte ihn hinter das Bett; dann ging er zu seiner Mutter, und sprach 'liebe Mutter, sage mir jetzt einmal wer mein Vater ist, ich will und muß es wissen.' Die Mutter schwieg still, und wollte es ihm nicht sagen, damit er nicht das Heimweh bekäme; und die gottlosen Räuber hätten den Hans doch nicht fortgelassen.
Aber es hätte ihr fast das Herz zersprengt, daß Hans nicht sollte zu seinem Vater kommen.
In der Nacht als die Räuber von ihrem Raubzug heimkehrten, holte Hans seinen Knüttel hervor, stellte sich vor den Hauptmann, und sagte 'jetzt will ich wissen wer mein Vater ist, und wenn du mir_es nicht gleich sagst, so Schlag ich dich nieder.' Da lachte der Hauptmann, und gab dem Hans eine Ohrfeige, daß er unter den Tisch kugelte.
Hans machte sich wieder auf, schwieg und dachte 'ich will noch ein Jahr warten, und es dann noch einmal versuchen, vielleicht geht_es besser.' Als das Jahr herum war, holte er seinen Knüttel wieder hervor, wischte den Staub ab, betrachtete ihn, und sprach 'es ist ein tüchtiger wackerer Knüttel.' Nachts kamen die Räuber heim, tranken Wein, einen Krug nach dem anderen, und fingen an die Köpfe zu hängen.
Da holte der Hans seinen Knüttel herbei, stellte sich wieder vor den Hauptmann, und fragte ihn wer sein Vater wäre.
Der Hauptmann gab ihm abermals eine so kräftige Ohrfeige, daß Hans unter den Tisch rollte, aber es dauerte nicht lange, so war er wieder oben, und schlug mit seinem Knüttel auf den Hauptmann und die Räuber, daß sie Arme und Beine nicht mehr regen konnten.
Die Mutter stand in einer Ecke, und sah voll Verwunderung über seine Tapferkeit und Stärke zu, und als Hans mit seiner Arbeit fertig war, ging er zu seiner Mutter, und sagte 'jetzt ist mir_es Ernst gewesen, aber jetzt muß ich auch wissen wer mein Vater ist.' 'Lieber Hans,' antwortete die Mutter, 'komme wir wollen gehen und ihn suchen bis wir ihn finden.' Sie nahm dem Hauptmann den Schlüssel zu der Eingangstüre ab, aber Hans holte einen großen Mehlsack, packte Gold, Silber, und was er sonst noch für schöne Sachen fand, zusammen, bis er voll war, und nahm ihn dann auf den Rücken.
Sie verließen die Höhle, aber was tat Hans die Augen auf, als er aus der Finsternis heraus in das Tageslicht kam, und den grünen Wald, Blumen und Vögel, und die Morgensonne am Himmel erblickte.
Er stand da, und staunte alles an, als wenn er nicht recht gescheit wäre.
Die Mutter suchte den Weg nach Haus, und als sie ein paar Stunden gegangen waren, so kamen sie glücklich in ihr einsames Tal und zu ihrem Häuschen.
Der Vater saß unter der Türe, er weinte vor Freude als er seine Frau erkannte und hörte daß Hans sein Sohn war, die er beide längst für tot gehalten hatte.
Aber Hans, obgleich erst zwölf Jahr alt, war doch einen Kopf größer als sein Vater.
Sie gingen zusammen in das Stübchen, aber kaum hatte Hans seinen Sack auf die Ofenbank gestellt, so fing das ganze Haus an zu krachen, die Bank brach ein, und dann auch der Fußboden, und der schwere Sack sank in den Keller hinab.
'Gott behüte uns,' rief der Vater, 'was ist das? jetzt hast du unser Häuschen zerbrochen.' 'Laßt euch keine graue Haare darüber wachsen, lieber Vater,' antwortete Hans, 'da in dem Sack steckt mehr als für ein neues Haus nötig ist.' Der Vater und Hans fingen auch gleich an ein neues Haus zu bauen, Vieh zu erhandeln und Land zu kaufen, und zu wirtschaften.
Hans ackerte die Felder, und wenn er hinter dem Pflug ging und ihn in die Erde hinein schob, so hatten die Stiere fast nicht nötig zu ziehen.
Den nächsten Frühling sagte Hans 'Vater, behaltet alles Geld, und laßt mir einen zentnerschweren Spazierstab machen, damit ich in die Fremde gehen kann.' Und als er den verlangten Stab hatte, verließ er seines Vaters Haus, zog fort, und kam in einen tiefen und finsteren Wald.
Da hörte er etwas knistern und knastern, und schaute um sich, und sah eine Tanne, die von unten bis oben wie ein Seil gewunden war; und wie er die Augen in die Höhe richtete, so erblickte er einen großen Kerl, der den Baum gepackt hatte, und ihn wie eine Weidenrute umdrehte.
'He!' rief Hans, 'was machst du da droben?' Der Kerl antwortete 'ich habe gestern Reiswellen zusammen getragen, und will mir jetzt ein Seil dazu drehen.' 'Das laß ich mir gefallen,' dachte Hans, 'der hat noch Kräfte,' und rief ihm zu, 'laß du das gut sein, und komme mit mir.' Der Kerl kletterte von oben herab, und war einen ganzen Kopf größer als Hans, und der war doch auch nicht klein.
'Du heißest jetzt Tannendreher' sagte Hans zu ihm.
Sie gingen darauf weiter, und hörten etwas klopfen und hämmern, so stark daß bei jedem Schlag der Erdboden zitterte.
Bald darauf kamen sie zu einem mächtigen Felsen, vor dem stand ein Riese, und schlug mit der Faust große Stücke davon ab.
Als Hans fragte was er da triebe, antwortete er 'wenn ich Nachts schlafen will, so kommen Bären, Wölfe und anderes Ungeziefer der Art, die schnuppern und schnuffeln an mir herum, und lassen mich nicht schlafen, da will ich mir ein Haus bauen, und mich hinein legen, damit ich Ruhe habe.
'Ei ja wohl,' dachte Hans, 'den kannst du auch noch brauchen, und sprach zu ihm 'laß das Haus bauen gut sein, und gehe mit mir, du sollst der Felsenklierer heißen.'
Er willigte ein, und sie strichen alle drei durch den Wald hin, und wo sie hinkamen, da wurden die wilden Tiere aufgeschreckt, und liefen vor ihnen weg.
Abends kamen sie in ein altes verlassenes Schloß, stiegen hinauf, und legten sich in den Saal schlafen.
Am anderen Morgen ging Hans hinab in den Garten, der war ganz verwildert, und stand voll Dornen und Gebüsch.
Und wie er so herum ging, sprang ein Wildschwein auf ihn los, er aber gab ihm mit seinem Stab einen Schlag daß es gleich niederfiel.
Dann nahm er es auf die Schulter, und brachte es hinauf; da steckten sie es an einen Spieß, und machten sich einen Braten zurecht, und waren guter Dinge.
Nun verabredeten sie daß jeden Tag, der Reihe nach, zwei auf die Jagd gehen sollten, und einer daheim bleiben und kochen, für jeden neun Pfund Fleisch.
Den ersten Tag blieb der Tannendreher daheim, und Hans und der Felsenklierer gingen auf die Jagd.
Als der Tannendreher beim Kochen beschäftigt war, kam ein kleines altes zusammengeschrumpelt Männchen zu ihm auf das Schloß und forderte Fleisch.
'Pack dich, Duckmäuser,' antwortete er, 'du brauchst kein Fleisch.' Aber wie verwunderte sich der Tannendreher, als das kleine unscheinbare Männlein an ihm hinauf sprang, und mit Fäusten so auf ihn losschlug, daß er sich nicht wehren konnte, zur Erde fiel, und nach Atem schnappte.
Und das Männlein ging nicht eher fort, als bis es seinen Zorn völlig an ihm ausgelassen hatte.
Als die zwei anderen von der Jagd heimkamen, sagte ihnen der Tannendreher nichts von dem alten Männchen und den Schlägen, die er bekommen hatte, und dachte 'wenn sie daheim bleiben, so können sie_es auch einmal mit dem kleinen Ungeheuer versuchen,' und der bloße Gedanke machte ihm schon Vergnügen.
Den folgenden Tag blieb der Steinklierer daheim, und dem ging es gerade so wie dem Tannendreher, und er wurde von dem Männlein übel zugerichtet, weil er ihm kein Fleisch hatte geben wollen.
Als die anderen Abends nach Haus kamen, sah es ihm der Tannendreher wohl an was er erfahren hatte, aber beide schwiegen still, und dachten 'der Hans muß auch von der Suppe kosten.' Der Hans, der den nächsten Tag daheim bleiben mußte, tat seine Arbeit in der Küche, wie sich_es gebührte, und als er oben stand, und den Kessel abschaumte, kam das Männchen, und forderte ohne weiteres ein Stück Fleisch.
Da dachte Hans 'es ist ein armer Wicht, ich will ihm von meinem Anteil geben, damit die anderen nicht zu kurz kommen,' und reichte ihm ein Stück Fleisch.
Als es der Zwerg verzehrt hatte, verlangte er nochmals Fleisch, und der gutmütige Hans gab es ihm, und sagte da wäre noch ein schönes Stück, damit sollte er zufrieden sein. Der Zwerg forderte aber zum drittenmal. 'Du wirst unverschämt sagte Hans, und gab ihm nichts. Da wollte der boshafte Zwerg an ihm hinaufspringen, und ihn wie den Tannendreher und Felsenklierer behandeln, aber er kam an den unrechten. Hans gab ihm, ohne sich anzustrengen, ein paar Hiebe, daß er die Schloßtreppe hinabsprang; dann wollte er ihm nachlaufen, fiel aber, so lang er war, über ihn hin. Als Hans sich wieder aufgerichtet hatte, war ihm der Zwerg voraus; Hans eilte ihm nach, und in den Wald hinein, und sah wie er in eine Felsenhöhle schlüpfte. Hans merkte sich die Stelle, und ging heim. Die beiden anderen, als sie nach Haus kamen, wunderten sich daß Hans so wohl auf war. Er erzählte ihnen was sich zugetragen hatte, und da verschwiegen sie nicht länger wie es ihnen ergangen war. Hans lachte, und sagte 'es ist euch ganz recht, warum seid ihr so geizig mit eurem Fleisch gewesen; aber es ist eine Schande, ihr seid so groß, und habt euch von dem Zwerg Schläge geben lassen.' Sie nahmen darauf Korb und Seil, und gingen alle drei zu der Felsenhöhle, in welche der Zwerg geschlüpft war, und ließen den Hans mit seinem Stab im Korb hinab. Als Hans auf dem Grund angelangt war, fand er eine Türe, und als er sie öffnete, saß da eine bildschöne Jungfrau, nein so schön, daß es nicht zu sagen ist, und neben ihr saß der Zwerg, und grinste den Hans an wie eine Meerkatze. Sie aber war mit Ketten gebunden, und blickte ihn so traurig an, daß Hans großes Mitleid empfand, und dachte du mußt sie aus der Gewalt des bösen Zwerges erlösen, und gab ihm einen Streiche mit seinem Stab, daß er tot niedersank. Alsbald fielen die Ketten von der Jungfrau ab, und Hans war wie verzückt über ihre Schönheit. Sie erzählte ihm sie wäre eine Königstochter, die ein wilder Graf aus ihrer Heimat geraubt, und hier in den Felsen eingesperrt hätte, weil sie nichts von ihm hätte wissen wollen; den Zwerg aber hätte der Graf zum Wächter gegeben, und er hätte ihr Leid und Drangsal genug angetan. Darauf setzte Hans die Jungfrau in den Korb, und ließ sie hinauf ziehen. Der Korb kam wieder herab, aber Hans traute den beiden Gesellen nicht, und dachte 'sie haben sich schon falsch gezeigt, und dir nichts von dem Zwerg gesagt, wer weiß was sie gegen dich im Schild führen.' Da legte er seinen Stab in den Korb, und das war sein Glück, denn als der Korb halb in der Höhe war, ließen sie ihn fallen, und hätte Hans wirklich darin gesessen, so wäre er tot gefallen. Aber nun wußte er nicht wie er sich aus der Tiefe herausarbeiten sollte, und wie er hin und her dachte, er fand keinen Rat. 'Es ist doch traurig,' sagte er 'daß du da unten verschmachten sollst.' Und als er so auf und ab ging, kam er wieder zu den Kämmerchen, wo die Jungfrau gesessen hatte, und sah das der Zwerg einen Ring am Finger hatte, der glänzte und schimmerte. Da zog er ihn ab, und steckte ihn an, und als er ihn am Finger umdrehte, so hörte er plötzlich etwas über seinem Kopf rauschen. Er blickte in die Höhe, und sah da Luftgeister schweben, die sagten er wäre ihr Herr, und fragten was sein Begehren wäre. Hans war anfangs ganz verstummt, dann aber sagte er sie sollten ihn hinauf tragen. Augenblicklich gehorchten sie, und es war nicht anders als flöge er hinauf. Als er aber oben war, so war kein Mensch mehr zu sehen, und als er in das Schloß ging, so fand er auch dort niemand. Der Tannendreher und der Felsenklierer waren fortgeeilt, und hatten die schöne Jungfrau mit geführt. Aber Hans drehte den Ring, da kamen die Luftgeister, und sagten ihm die zwei wären auf dem Meer. Da lief Hans, und lief in einem fort bis er zu dem Meeresstrand kam, da erblickte er weit weit auf dem Wasser ein Schiffchen, in welchem seine treulosen Gefährten saßen. Und in heftigen Zorn sprang er, ohne sich zu besinnen, mit samt seinem Stab ins Wasser, und fing an zu schwimmen, aber der zentnerschwere Stab zog ihn so tief hinab, daß er fast ertrunken wäre. Da drehte er noch zu rechter Zeit den Ring, alsbald kamen die Luftgeister, und trugen ihn, so schnell wie der Blitz, in das Schiffchen. Da schwang er seinen Stab, und gab den bösen Gesellen den verdienten Lohn, und warf sie hinab ins Wasser; dann aber ruderte er mit der schönen Jungfrau, die in den größten Ängsten gewesen war, und die er zum zweiten Male befreit hatte, heim zu ihrem Vater und ihrer Mutter, und wurde mit ihr verheiratet, und alle haben sich gewaltig gefreut.167. Das Bürle im Himmel.
S isch emol es Arms fromm Bürle gestorben, und kund da vor d' Himmelspforte. Zur gliche Zeit isch au e riche riche Herr da gsi, und hat au i Himmel welle. Da kund der heilige Pedrus mitem Schlüssel, und macht auf, und Lot der Herr inne; das Bürle hat er aber, wies schind, nid gseh, und macht d' Pforte ämel wieder zu. Da hat das Bürle vorruße gehört wie de Herr mit alle Freude im Himmel auf gno worde isch, und wie se drin musiziert und gsunge Hände. Endle isch es da wider still worde, und der heilig Petrus kund, macht d' Himmelspforte auf, und Lot das Bürle au ine. S Bürle hat da gemeint s werde jetzt au musiziert und gsunge, wenn es Köm, aber da isch alles still gsi; me hets frile mit aller Liebe ufgno, und d' Ängele sind em egäge cho, aber gsunge hat nimmer (niemand). Da frogt das Bürle der heilig Petrus worum das me bei im nid singe wie bei dem riche Herr, s Goi, schints, da im Himmel au parteiisch zu wie auf der Erde. Da seit der heilig Petrus 'nai wäger, du bisch is so lieb wie alle andere, und muesch alle himmlische Freude genieße wie de riech Herr, aber lüg, so arme Bürle, wie du eis bisch, chömme alle Tag e Himmel, so ne riche Herr aber kund nume alle hundert Jahr öppe eine.'
168. Die hagere Liese.
Ganz anders als der faule Heinz und die dicke Trine, die sich von nichts aus ihrer Ruhe bringen ließen, dachte die hagere Liese. Sie äscherte sich ab von Morgen bis Abend, und lud ihrem Mann, dem langen Lenz, so viel Arbeit auf, daß er schwerer zu tragen hatte als ein Esel an drei Säcken. Es war aber alles umsonst, sie hatten nichts, und kamen zu nichts. Eines Abends, als sie im Bette lag, und vor Müdigkeit kaum ein Glied regen konnte, ließen sie die Gedanken doch nicht einschlafen. Sie stieß ihren Mann mit dem Ellenbogen in die Seite, und sprach 'hörst du, Lenz, was ich gedacht habe? wenn ich einen Gulden fände, und einer mir geschenkt würde, so wollte ich einen dazu borgen, und du solltest mir auch noch einen geben; so bald ich dann die vier Gulden beisammen hätte, so wollte ich eine junge Kuh kaufen.' Dem Mann gefiel das recht gut, 'ich weiß zwar nicht,' sprach er, 'woher ich den Gulden nehmen soll, den du von mir geschenkt haben willst, aber wenn du dennoch das Geld zusammenbringst, und du kannst dafür eine Kuh kaufen, so tust du wohl, wenn du dein Vorhaben ausführst. Ich freue mich,' fügte er hinzu, 'wenn die Kuh ein Kälbchen bringt, so werde ich doch manchmal zu meiner Erquickung einen Trunk Milch erhalten.' 'Die Milch ist nicht für dich,' sagte die Frau, 'wir lassen das Kalb saugen, damit es groß und fett wird, und wir es gut verkaufen können.' 'Freilich,' antwortete der Mann, 'aber ein wenig Milch nehmen wir doch, das schadet nichts.' 'Wer hat dich gelehrt mit Kühen umgehen?' sprach die Frau, 'es mag schaden oder nicht, ich will es nicht haben: und wenn du dich auf den Kopf stellst, du kriegst keinen Tropfen Milch. Du langer Lenz, weil du nicht zu ersättigen bist, meinst du du wolltest verzehren was ich mit Mühe erwerbe. 'Frau,' sagte der Mann, 'sei still, oder ich hänge dir eine Maultasche an.' 'Was,' rief sie, 'du willst mir drohen, du Nimmersatt, du Strick, du fauler Heinz.' Sie wollte ihm in die Haare fallen, aber der lange Lenz richtete sich auf, packte mit seiner einen Hand die dürren Arme der hagern Liese zusammen, mit der anderen drückte er ihr den Kopf auf das Kissen, ließ sie schimpfen, und hielt sie so lange bis sie vor großer Müdigkeit eingeschlafen war. Ob sie am anderen Morgen beim Erwachen fortfuhr zu zanken, oder ob sie ausging den Gulden zu suchen, den sie finden wollte, das weiß ich nicht.
169. Das Waldhaus.
Ein armer Holzhauer lebte mit seiner Frau und drei Töchtern in einer kleinen Hütte an dem Rande eines einsamen Waldes. Eines Morgens, als er wieder an seine Arbeit wollte, sagte er zu seiner Frau 'laß mir mein Mittagsbrot von dem ältesten Mädchen hinaus in dem Wald bringen, ich werde sonst nicht fertig. Und damit es sich nicht verirrt,' setzte er hinzu, 'so will ich einen Beutel mit Hirsen mitnehmen, und die Körner auf den Weg streuen.'
Als nun die Sonne mitten über dem Walde stand, machte sich das Mädchen mit einem Topf voll Suppe auf den Weg. Aber die Feld- und Waldsperlinge, die Lerchen und Finken, Amseln und Zeisige hatten den Hirsen schon längst aufgepickt, und das Mädchen konnte die Spur nicht finden. Da ging es auf gut Glück immer fort, bis die Sonne sank, und die Nacht einbrach. Die Bäume rauschten in der Dunkelheit, die Eulen schnarrten, und es fing an ihm Angst zu werden. Da erblickte es in der Ferne ein Licht, das zwischen den Bäumen blinkte. 'Dort sollten wohl Leute wohnen,' dachte es, 'die mich über Nacht behalten,' und ging auf das Licht zu. Nicht lange so kam es an ein Haus, dessen Fenster erleuchtet waren. Es klopfte an, und eine rauhe Stimme rief von innen 'herein.'
Das Mädchen trat auf die dunkle Diele, und pochte an der Stubentür. 'Nur herein ' rief die Stimme, und als es öffnete saß da ein alter eisgrauer Mann an dem Tisch, hatte das Gesicht auf die beide Hände gestützt, und sein weißer Bart floß über den Tisch herab fast bis auf die Erde. Am Ofen aber lagen drei Tiere, ein Hühnchen ein Hähnchen und eine buntgescheckte Kuh. Das Mädchen erzählte dem Alten sein Schicksal, und bat um ein Nachtlager. Der Mann sprach
'schön Hühnchen, schön Hähnchen, und du schöne bunte Kuh, was sagst du dazu?'
'duks!'
antworteten die Tiere, und das mußte wohl heißen 'wir sind es zufrieden,' denn der Alte sprach weiter 'hier ist Hülle und Fülle, gehe hinaus an den Herd, und Koch uns ein Abendessen.' Das Mädchen fand in der Küche Überfluß an allem, und kochte eine gute Speise, aber an die Tiere dachte es nicht.
Es trug die volle Schüssel auf den Tisch, setzte sich zu dem grauen Mann, aß und stillte seinen Hunger.
Als es satt war, sprach es 'aber jetzt bin ich müde, wo ist ein Bett, in das ich mich legen und schlafen kann?' Die Tiere antworteten
'du hast mit ihm gegessen, du hast mit ihm getrunken, du hast an uns gar nicht gedacht, nun sieh auch wo du bleibst die Nacht.'
Da sprach der Alte 'steige nur die Treppe hinauf, so wirst du eine Kammer mit zwei Betten finden, schüttle sie auf, und decke sie mit weißem Linnen, so will ich auch kommen und mich schlafen legen.
Das Mädchen stieg hinauf, und als es die Betten geschüttelt und frisch gedeckt hatte, legte es sich in das eine, ohne weiter auf den Alten zu warten.
Nach einiger Zeit aber kam der graue Mann beleuchtete das Mädchen mit dem Licht, und schüttelte mit dem Kopf.
Und als er sah daß es fest eingeschlafen war, öffnete er eine Falltüre, und ließ es in den Keller sinken.
Der Holzhauer kam am späten Abend nach Haus, und machte seiner Frau Vorwürfe, daß sie ihn den ganzen Tag habe hungern lassen.
'Ich habe keine Schuld' antwortete sie, 'das Mädchen ist mit dem Mittagsessen hinausgegangen, es muß sich verirrt haben; morgen wird es schon wiederkommen.' Vor Tag aber stand der Holzhauer auf, wollte in den Wald, und verlangte die zweite Tochter sollte ihm diesmal das Essen bringen.
'Ich will einen Beutel mit Linsen mitnehmen,' sagte er, 'die Körner sind größer als Hirsen, das Mädchen wird sie besser sehen, und kann den Weg nicht verfehlen.' Zur Mittagszeit trug auch das Mädchen die Speise hinaus, aber die Linsen waren verschwunden, die Waldvögel hatten sie, wie am vorigen Tag, aufgepickt, und keine übrig gelassen.
Das Mädchen irrte im Walde umher bis es Nacht wurde, da kam es ebenfalls zu dem Haus des Alten, wurde hereingerufen, und bat um Speise und Nachtlager.
Der Mann mit dem weißen Barte fragte wieder die Tiere
'schön Hühnchen, schön Hähnchen, und du schöne bunte Kuh, was sagst du dazu?'
Die Tiere antworteten abermals 'duks,' und es geschah alles wie am vorigen Tag.
Das Mädchen kochte eine gute Speise, aß und trank mit dem Alten, und kümmerte sich nicht um die Tiere.
Und als es sich nach seinem Nachtlager erkundigte, antworteten sie
'du hast mit ihm gegessen, du hast mit ihm getrunken, du hast an uns gar nicht gedacht, nun sieh auch wo du bleibst die Nacht.'
Als es eingeschlafen war, kam der Alte, betrachtete es mit Kopfschütteln, und ließ es in den Keller hinab.
Am dritten Morgen sprach der Holzhacker zu seiner Frau 'schicke mir heute unser jüngstes Kind mit dem Essen hinaus, das ist immer gut und Gehorsam gewesen, das wird auf dem rechten Weg bleiben, und nicht wie seine Schwestern, die wilden Hummeln, herum schwärmen.' Die Mutter wollte nicht, und sprach 'soll ich mein liebstes Kind auch noch verlieren?' 'Sei ohne Sorge,' antwortete er, 'das Mädchen verirrt sich nicht, es ist zu klug und verständig; zum Überfluß will ich Erbsen mitnehmen, und ausstreuen, die sind noch größer als Linsen, und werden ihm den Weg zeigen.'
Aber als das Mädchen mit dem Korb am Arm hinaus kam, so hatten die Waldtauben alle die Erbsen schon im Kropf, und es wußte nicht wohin es sich wenden sollte.
Es war voll Sorgen, und dachte beständig daran wie der arme Vater hungern und die gute Mutter jammern würde, wenn es ausbliebe.
Endlich als es finster wurde, erblickte es das Lichtchen, und kam an das Waldhaus.
Es bat ganz freundlich sie möchten es über Nacht beherbergen, und der Mann mit dem weißen Bart fragte wieder seine Tiere
'schön Hühnchen, schön Hähnchen, und du, schöne bunte Kuh, was sagst du dazu?'
'duks' sagten sie.
Da trat das Mädchen an den Ofen, wo die Tiere lagen, und liebkoste Hühnchen und Hähnchen indem es mit der Hand über die glatten Federn hinstrich, und die bunte Kuh kraute es zwischen den Hörnern.
Und als es auf Geheiß des Alten eine gute Speise bereitet hatte, und die Schüssel auf dem Tisch stand, so sprach es 'soll ich mich sättigen, und die guten Tiere sollen nichts haben?
Draußen ist die Hülle und Fülle, erst will ich für sie sorgen.' Da ging es, holte Gerste und streute sie dem Hühnchen und Hähnchen vor, und brachte der Kuh wohlriechendes Heu einen ganzen Arm voll.
'Laßts euch schmecken, ihr lieben Tiere,' sagte es, 'und wenn ihr durstig seid, sollt ihr auch einen frischen Trunk haben.' Dann trug es einen Eimer voll Wasser herein, und Hühnchen und Hähnchen sprangen auf den Rand, steckten den Schnabel hinein, und hielten den Kopf dann in die Höhe wie die Vögel trinken, und die bunte Kuh tat auch einen herzhaften Zug.
Als die Tiere gefüttert waren, setzte sich das Mädchen erst zu dem Alten an den Tisch, und aß was er ihm übrig gelassen hatte.
Nicht lange so fing Hühnchen und Hähnchen an das Köpfchen zwischen die Flügel zu stecken, und die bunte Kuh blinzelte mit den Augen.
Da sprach das Mädchen 'sollten wir uns nicht zur Ruhe begeben?
schön Hühnchen, schön Hähnchen, und du schöne bunte Kuh was sagst du dazu?'
Die Tiere antworteten 'duks,
du hast mit uns gegessen, du hast mit uns getrunken, du hast uns alle wohl bedacht, wir wünschen dir eine gute Nacht.'
Da ging das Mädchen die Treppe hinauf, schüttelte die Federkissen, und deckte frisches Linnen auf, und als es fertig war, kam der Alte, und legte sich in das eine Bett, und sein weißer Bart reichte ihm bis an die Füße.
Das Mädchen legte sich in das andere, tat sein Gebet, und schlief ein.
Es schlief ruhig bis Mitternacht, da wurde es so unruhig in dem Hause, daß das Mädchen erwachte.
Da fing es an in den Ecken zu knittern und zu knattern, und die Türe sprang auf und schlug an die Wand: die Balken dröhnten, als wenn sie aus ihren Fugen gerissen würden, und es war als wenn die Treppe herab stürzte, und endlich krachte es als wenn das ganze Dach zusammen fiele.
Da es aber wieder still wurde, und dem Mädchen nichts zu Leid geschah, so blieb es ruhig liegen, und schlief wieder ein.
Als es aber am Morgen bei hellem Sonnenschein aufwachte, was erblickten seine Augen?
Es lag in einem großen Saal, und rings umher glänzte alles in königlicher Pracht: an den Wänden wuchsen auf grün seidenem Grund goldene Blumen in die Höhe, das Bett war von Elfenbein, und die Decke darauf von rotem Samt, und auf einem Stuhl daneben standen ein paar mit Perlen gestickte Pantoffel.
Das Mädchen glaubte es wäre ein Traum, aber es traten drei reichgekleidete Diener herein, und fragten was es zu befehlen hätte 'Geht nur,' antwortete das Mädchen, 'ich will gleich aufstehen, und dem Alten eine Suppe kochen, und dann auch schön Hühnchen, schön Hähnchen und die schöne bunte Kuh füttern.' Es dachte der Alte wäre schon aufgestanden, und sah sich nach seinem Bette um, aber er lag nicht darin, sondern ein fremder Mann.
Und als es ihn betrachtete, und sah daß er jung und schön war, erwachte er, richtete sich auf, und sprach 'ich bin ein Königssohn, und war von einer bösen Hexe verwünscht worden als ein alter eisgrauer Mann in dem Wald zu leben; niemand durfte um mich sein als meine drei Diener in der Gestalt eines Hühnchens eines Hähnchens und einer bunten Kuh.
Und nicht eher sollte die Verwünschung aufhören, als bis ein Mädchen zu uns käme, so gut von Herzen, daß es nicht gegen die Menschen allein sondern auch gegen Tiere sich liebreich bezeigte, und das bist du gewesen, und heute um Mitternacht sind wir durch dich erlöst, und das alte Waldhaus ist wieder in meinen königlichen Palast verwandelt worden.' Und als sie aufgestanden waren, sagte der Königssohn den drei Dienern sie sollten hinfahren und Vater und Mutter des Mädchens zur Hochzeitsfeier herbei holen.
'Aber wo sind meine zwei Schwestern?' fragte das Mädchen.
'Die habe ich in den Keller gesperrt, und Morgen sollen sie in den Wald geführt werden, und sollen bei einem Köhler so lange als Mägde dienen, bis sie sich gebessert haben und auch die armen Tiere nicht hungern lassen.'
170. Liebe und Leid teilen.
Es war einmal ein Schneider, der war ein zänkischer Mensch, und seine Frau, die gut, fleißig und fromm war, konnte es ihm niemals recht machen.
Was sie tat, er war unzufrieden, brummte, schalt, raufte und schlug sie.
Als die Obrigkeit endlich davon hörte, ließ sie ihn vorfordern, und ins Gefängnis setzen, damit er sich besseren sollte.
Er saß eine Zeitlang bei Wasser und Brot, dann wurde er wieder frei gelassen, mußte aber geloben seine Frau nicht mehr zu schlagen, sondern friedlich mit ihr zu leben, Liebe und Leid zu teilen, wie sich_es unter Eheleuten gebührt.
Eine Zeitlang ging es gut, dann aber geriet er wieder in seine alte Weise, war mürrisch und zänkisch.
Und weil er sie nicht schlagen durfte, wollte er sie bei den Haaren packen und raufen.
Die Frau entwischte ihm, und sprang auf den Hof hinaus, er lief aber, mit der Elle und Schere hinter ihr her, jagte sie herum, und warf ihr die Elle und Schere, und was ihm sonst zur Hand war, nach.
Wenn er sie traf, so lachte er, und wenn er sie fehlte, so tobte und wetterte er.
Er trieb es so lange bis die Nachbaren der Frau zu Hilfe kamen.
Der Schneider wurde wieder vor der Obrigkeit gerufen und an sein Versprechen erinnert.
'Liebe Herrn,' antwortete er, 'ich habe gehalten was ich gelobt habe, ich habe sie nicht geschlagen, sondern Liebe und Leid mit ihr geteilt.' 'Wie kann das sein,' sprach der Richter, 'da sie abermals so große Klage über Euch führt?' 'Ich habe sie nicht geschlagen, sondern ihr nur, weil sie so wunderlich aussah, die Haare mit der Hand kämmen wollen:
sie ist mir aber entwichen, und hat mich böslich verlassen.
Da bin ich ihr nachgeeilt, und habe, damit sie zu ihrer Pflicht zurückkehre, als eine gutgemeinte Erinnerung nachgeworfen was mir eben zur Hand war.
Ich habe auch Liebe und Leid mit ihr geteilt, denn so oft ich sie getroffen habe, ist es mir lieb gewesen und ihr leid, habe ich sie aber gefehlt, so ist es ihr lieb gewesen mir aber leid.' Die Richter waren aber mit dieser Antwort nicht zufrieden, sondern ließen ihm seinen verdienten Lohn auszahlen.
171. Der Zaunkönig.
In den alten Zeiten da hatte jeder Klang noch Sinn und Bedeutung.
Wenn der Hammer des Schmieds ertönte, so rief er 'Schmied mi to! Schmied mit to! ' Wenn der Hobel des Tischlers schnarrte, so sprach er 'dor hast! dor, dor hast!' Fing das Räderwerk der Mühle an zu klappern, so sprach es 'help, Herr Gott! help, Herr Gott!' und war der Müller ein Betrüger, und ließ die Mühle an, so sprach sie hochdeutsch, und fragte erst langsam 'wer ist da? wer ist da,' dann antwortete sie schnell 'der Müller! der Müller!' und endlich ganz geschwind 'stiehlt tapfer, stiehlt tapfer, vom Achtel drei Sechter.'
Zu dieser Zeit hatten auch die Vögel ihre eigene Sprache, die jedermann verstand, jetzt lautet es nur wie ein Zwitschern, Kreischen und Pfeifen und bei einigen wie Musik ohne Worte.
Es kam aber den Vögeln in den Sinn, sie wollten nicht länger ohne Herrn sein, und einen unter sich zu ihrem König wählen.
Nur einer von ihnen, der Kiebitz, war dagegen: frei hatte er gelebt und frei wollte er sterben, und angstvoll hin und her fliegend rief er 'wo bliew ich? wo bliew ich?' Er zog sich zurück in einsame und unbesuchte Sümpfe, und zeigte sich nicht wieder unter Seinesgleichen.
Die Vögel wollten sich nun über die Sache besprechen, und an einem schönen Maimorgen kamen sie alle aus Wäldern und Feldern zusammen, Adler und Buchfinke, Eule und Krähe, Lerche und Sperling, was soll ich sie alle nennen? selbst der Kuckuck kam und der Wiedehopf, sein Küster, der so heißt, weil er sich immer ein paar Tage früher hören läßt; auch ein ganz kleiner Vogel, der noch keinen Namen hatte, mischte sich unter die Schar.
Das Huhn, das zufällig von der ganzen Sache nichts gehört hatte, verwunderte sich über die große Versammlung.
'Was, was, was is den dar to don?' gackerte es, aber der Hahn beruhigte seine liebe Henne, und sagte 'luter riek Leute,' und erzählte ihm was sie vor hätten.
Es wurde aber beschlossen daß der König sein sollte, der am höchsten fliegen könnte.
Ein Laubfrosch, der im Gebüsche saß, rief, als er das hörte, warnend 'naht, naht, naht! naht, naht, naht!' weil er meinte es würden deshalb viel Tränen vergossen werden.
Die Krähe aber sagte 'Quark ok!', es sollte alles friedlich abgehen.
Es wurde nun beschlossen, sie wollten gleich an diesem schönen Morgen aufsteigen, damit niemand hinterher sagen könnte 'ich wäre wohl noch höher geflogen, aber der Abend kam, da konnte ich nicht mehr.' Auf ein gegebenes Zeichen erhob sich also die ganze Schar in die Lüfte.
Der Staub stieg da von dem Felde auf, es war ein gewaltiges Sausen und Brausen und Fittichschlagen, und es sah aus als wenn eine schwarze Wolke dahin zöge.
Die kleineren Vögel aber blieben bald zurück, konnten nicht weiter, und fielen wieder auf die Erde.
Die größeren hielten länger aus, aber keiner konnte es dem Adler gleich tun, der stieg so hoch daß er der Sonne hätte die Augen aushacken können.
Und als er sah daß die anderen nicht zu ihm herauf konnten, so dachte er 'was willst du noch höher fliegen, du bist doch der König,' und fing an sich wieder herab zu lassen.
Die Vögel unter ihm riefen ihm alle gleich zu 'du mußt unser König sein, keiner ist höher geflogen als du.' 'Ausgenommen ich schrie der kleine Kerl ohne Namen, der sich in die Brustfedern des Adlers verkrochen hatte.
Und da er nicht müde war, so stieg er auf, und stieg so hoch, daß er Gott auf seinem Stuhle konnte sitzen sehen.
Als er aber weit gekommen war, legte er seine Flügel zusammen, sank herab, und rief unten mit seiner durchdringenden Stimme 'König bin ich! König bin ich!'
'Du unser König?' schrien die Vögel zornig, 'durch Ränke und Listen hast du es dahin gebracht.' Sie machten eine andere Bedingung, der sollte ihr König sein, der am tiefsten in die Erde fallen könnte.
Wie klatschte da die Gans mit ihrer breiten Brust wieder auf das Land!
Wie scharrte der Hahn schnell ein Loch!
Die Ente kam am schlimmsten weg, sie sprang in einen Graben, verrenkte sich aber die Beine, und watschelte fort zum nahen Teiche mit dem Ausruf 'Pracherwerk! Pracherwerk!' der kleine ohne Namen aber suchte ein Mäuseloch, schlüpfte hinab, und rief mit seiner feinen Stimme heraus 'König bin ich! König bin ich!'
'Du unser König?' riefen die Vögel noch zorniger, 'meinst du deine Listen sollten gelten?' Sie beschlossen ihn in seinem Loch gefangen zu halten und auszuhungern.
Die Eule wurde als Wache davor gestellt: sie sollte den Schelm nicht herauslassen, so lieb ihr das Leben wäre.
Als es aber Abend geworden war, und die Vögel von der Anstrengung beim Fliegen große Müdigkeit empfanden, so gingen sie mit Weib und Kind zu Bett.
Die Eule allein blieb bei dem Mäuseloch stehen, und blickte mit ihren großen Augen unverwandt hinein.
Indessen war sie auch müde geworden, und dachte 'ein Auge kannst du wohl zu tun, du wachst ja noch mit dem anderen, und der kleine Bösewicht soll nicht aus seinem Loch heraus.'
Also tat sie das eine Auge zu, und schaute mit dem anderen steif auf das Mäuseloch.
Der kleine Kerl guckte mit dem Kopf heraus, und wollte wegwitschen, aber die Eule trat gleich davor, und er zog den Kopf wieder zurück.
Dann tat die Eule das eine Auge wieder auf und das andere zu, und wollte so die ganze Nacht abwechseln.
Aber als sie das eine Auge wieder zu machte, vergaß sie das andere aufzutun, und sobald die beiden Augen zu waren, schlief sie ein.
Der Kleine merkte das bald, und schlüpfte weg.
Von der Zeit an darf sich die Eule nicht mehr am Tage sehen lassen, sonst sind die anderen Vögel hinter ihr her, und zerzausen ihr das Fell.
Sie fliegt nur zur Nachtszeit aus, haßt aber und verfolgt die Mäuse, weil sie solche böse Löcher machen.
Auch der kleine Vogel läßt sich nicht gerne sehen, weil er fürchtet es ginge ihm an den Kragen, wenn er erwischt würde.
Er schlüpft in den Zäunen herum, und wenn er ganz sicher ist, ruft er wohl zuweilen 'König bin ich!' und deshalb nennen ihn die anderen Vögel aus Spott Zaunkönig.
Niemand aber war froher als die Lerche, daß sie dem Zaunkönig nicht gehorchen brauchte.
Wie sich die Sonne blicken läßt, steigt sie in die Lüfte, und ruft 'ach, wo is das schön! schön is das! schön! schön! ach, wo is das schön!'
172. Die Scholle.
Die Fische waren schon lange unzufrieden daß keine Ordnung in ihrem Reich herrschte.
Keiner kehrte sich an den anderen, schwamm rechts und links, wie es ihm einfiel, fuhr zwischen denen durch, die zusammenbleiben wollten, oder sperrte ihnen den Weg, und der stärkere gab den schwächeren einen Schlag mit dem Schwanz, daß er weit weg fuhr, oder verschlang ihn ohne weiteres.
'Wie schön wäre es, wenn wir einen König hätten, der Recht und Gerechtigkeit bei uns übte sagten sie, und vereinigten sich den zu ihrem Herren zu wählen, der am schnellsten die Fluten durchstreichen, und dem schwachen Hilfe bringen könnte.
Sie stellten sich also am Ufer in Reihe und Glied auf, und der Hecht gab mit dem Schwanz ein Zeichen, worauf sie alle zusammen aufbrachen.
Wie ein Pfeil schoß der Hecht dahin, und mit ihm der Hering, der Gründling, der Barsch, die Karpfen, und wie sie alle heißen.
Auch die Scholle schwamm mit, und hoffte daß Ziel zu erreichen.
Auf einmal ertönte der Ruf 'der Hering ist vor! der Hering ist vor.' 'Wen is vör?' schrie verdrießlich die platte mißgünstige Scholle, die weit zurückgeblieben war, 'wen is vör?' 'Der Hering, der Hering war die Antwort.
'De nackte Hiering?' rief die neidische, 'de nackte Hiering?' Seit der Zeit steht der Scholle zur Strafe das Maul schief.
173. Rohrdommel und Wiedehopf.
'Wo weidet ihr eure Herde am liebsten?' fragte einer einen alten Kuhhirten.
'Hier, Herr, wo das Gras nicht zu fett ist, und nicht zu mager; es tut sonst kein gut.' 'Warum nicht?' fragte der Herr.
'Hört ihr dort von der Wiese her den dumpfen Ruf?' antwortete der Hirte, 'das ist der Rohrdommel, der war sonst sein Hirte, und der Wiedehopf war es auch. Ich will Euch die Geschichte erzählen.
Der Rohrdommel hütete seine Herde auf fetten grünen Wiesen, wo Blumen im Überfluß standen, davon wurden seine Kühe mutig und wild.
Der Wiedehopf aber trieb das Vieh auf hohe dürre Berge, wo der Wind mit dem Sand spielt, und seine Kühe wurden mager, und kamen nicht zu Kräften.
Wenn es Abend war, und die Hirten heimwärts trieben, konnte Rohrdommel seine Kühe nicht zusammenbringen, sie waren übermütig und sprangen ihm davon.
Er rief 'bunt herum' (bunte Kuh, herum), doch vergebens, sie hörten nicht auf seinen Ruf.
Wiedehopf aber konnte sein Vieh nicht auf die Beine bringen, matt und kraftlos war es geworden.
'Up, up, up!' schrie er, aber es half nicht, sie blieben auf den Sand liegen.
So geht_es wenn man kein Maß hält.
Noch heute, wo sie keine Herde mehr hüten, schreit Rohrdommel 'bunt herum', und der Wiedehopf 'up, up, up!'
174. Die Eule.
Vor ein paar hundert Jahren, als die Leute noch lange nicht so klug und verschmitzt waren, als sie heutzutage sind, hat sich zu einer kleinen Stadt eine seltsame Geschichte zugetragen.
Von Ungefähr war eine von den großen Eulen, die man Schuhu nennt, aus dem benachbarten Walde bei nächtlicher Weile in die Scheuer eines Bürgers geraten, und wagte sich, als der Tag anbrach, aus Furcht vor den anderen Vögeln, die, wenn sie sich blicken läßt, ein furchtbares Geschrei erheben, nicht wieder aus ihrem Schlupfwinkel heraus.
Als nun der Hausknecht Morgens in die Scheuer kam um Stroh zu holen, erschrak er bei dem Anblick der Eule, die da in einer Ecke saß, so gewaltig, daß er fortlief, und seinem Herrn ankündigte ein Ungeheuer, wie er Zeit seines Lebens keins erblickt hätte, säße in der Scheuer, drehte die Augen im Kopf herum, und könnte einen ohne Umstände verschlingen.
Jch kenne dich schon,' sagte der Herr, 'einer Amsel im Felde nachzujagen, dazu hast du Mut genug, aber wenn du ein totes Huhn liegen siehst, so holst du dir erst einen Stock, ehe du ihm nahe kommst. Ich muß nur selbst einmal nachsehen was das für ein Ungeheuer ist setzte der Herr hinzu, ging ganz tapfer zur Scheuer hinein, und blickte umher. Als er aber das seltsame und greuliche Tier mit eigenen Augen sah, so geriet er in nicht geringere Angst als der Knecht. Mit ein paar Sätzen sprang er hinaus, lief zu seinen Nachbarn, und bat sie flehentlich ihm gegen ein unbekanntes und gefährliches Tier Beistand zu leisten; ohnehin könnte die ganze Stadt in Gefahr kommen, wenn es aus der Scheuer, wo es säße, herausbräche. Es entstand großer Lärm und Geschrei in allen Straßen: die Bürger kamen mit Spießen Heugabeln Sensen und Äxten bewaffnet herbei als wollten sie gegen den Feind ausziehen; zuletzt erschienen auch die Herrn des Rats mit dem Bürgermeister an der Spitze. Als sie sich auf dem Markt geordnet hatten, zogen sie zu der Scheuer, und umringten sie von allen Seiten. Hierauf trat einer der beherztesten hervor, und ging mit gefälltem Spieß hinein, kam aber gleich darauf mit einem Schrei und totenbleich wieder heraus gelaufen, und konnte kein Wort hervorbringen. Noch zwei andere wagten sich hinein, es erging ihnen aber nicht besser. Endlich trat einer hervor, ein großer starker Mann, der wegen seiner Kriegstaten berühmt war, und sprach 'mit bloßem Ansehen werdet ihr das Ungetüm nicht vertreiben, hier muß Ernst gebraucht werden, aber ich sehe daß ihr alle zu Weibern geworden seid, und keiner den Fuchs beißen will.' Er ließ sich Harnisch Schwert und Spieß bringen, und rüstete sich. Alle rühmten seinen Mut, obgleich viele um sein Leben besorgt waren. Die beiden Scheuertore wurden aufgetan, und man erblickte die Eule, die sich indessen in die Mitte auf einen großen Querbalken gesetzt hatte. Er ließ eine Leiter herbeibringen, und als er sie anlegte, und sich bereitete hinaufzusteigen, so riefen ihm alle zu er solle sich männlich halten, und empfahlen ihn dem heiligen Georg, der den Drachen getötet hatte. Als er bald oben war, und die Eule sah daß er an sie wollte, auch von der Menge und dem Geschrei des Volks verwirrt war, und nicht wußte wohinaus, so verdrehte sie die Augen, sträubte die Federn, sperrte die Flügel auf, gnade mit dem Schnabel, und ließ ihr Schuhu, Schuhu, Schuhu mit rauher Stimme hören. 'Stoß zu, Stoß zu!' rief die Menge draußen dem tapferen Helden zu. 'Wer hier stände, wo ich stehe,' antwortete er, 'der würde nicht Stoß zu rufen.' Er setzte zwar den Fuß noch eine Staffel höher, dann aber fing er an zu zittern, und machte sich halb ohnmächtig auf den Rückweg. Nun war keiner mehr übrig, der sich in die Gefahr hätte begeben wollen. 'Das Ungeheuer', sagten sie, 'hat den stärksten Mann, der unter uns zu finden war, durch ihr Gnappen und Anhauchen allein, vergiftet und tödlich verwundet, sollen wir anderen auch unser Leben in die Schanze schlagen?' Sie ratschlagten was zu tun wäre, wenn die ganze Stadt nicht sollte zu Grunde gehen. Lange Zeit schien alles vergeblich, bis endlich der Bürgermeister einen Ausweg fand. 'Meine Meinung geht dahin,' sprach er, 'daß wir aus gemeinem Säckel diese Scheuer samt allem, was darin liegt, Getreide Stroh und Heu dem Eigentümer bezahlen, und ihn schadlos halten, dann aber das ganze Gebäude und mit ihm das fürchterliche Tier abbrennen, so braucht doch niemand sein Leben daran zu setzen. Hier ist keine Gelegenheit zu sparen, und Knauserei wäre übel angewendet.' Alle stimmten ihm bei. Also wurde die Scheuer an vier Ecken angezündet, und mit ihr die Eule jämmerlich verbrannt. Wer_es nicht glauben will, der gehe hin und frage selbst nach.
175. Das Unglück.
Wen das Unglück aufsucht, der mag sich aus einer Ecke in die andere verkriechen, oder ins weite Feld fliehen, es weiß ihn dennoch zu finden. Es war einmal ein Mann so arm geworden, daß er kein Scheit Holz mehr hatte, um das Feuer auf seinem Herde zu erhalten. Da ging er hinaus in den Wald, und wollte einen Baum fällen, aber sie waren alle zu groß und stark: er ging immer tiefer hinein, endlich fand er einen, den er wohl bezwingen konnte. Als er eben die Axt aufgehoben hatte, sah er aus dem Dickicht eine Schar Wölfe hervor brechen, und mit Geheul auf ihn eindringen. Er warf die Axt hin, floh, und erreichte eine Brücke. Das tiefe Wasser aber hatte die Brücke unterwühlt, und in dem Augenblick, wo er darauf treten wollte, krachte sie, und fiel zusammen. Was sollte er tun? Blieb er stehen, und erwartete die Wölfe, so zerrissen sie ihn. Er wagte in der Not einen Sprung in das Wasser, aber da er nicht schwimmen konnte, sank er hinab. Ein paar Fischer, die an dem jenseitigen Ufer saßen, sahen den Mann ins Wasser stürzen, schwammen herbei, und brachten ihn ans Land. Sie lehnten ihn an eine alte Mauer, damit er sich in der Sonne erwärmen und wieder zu Kräften kommen sollte. Als er aber aus der Ohnmacht erwachte, den Fischern danken und ihnen sein Schicksal erzählen wollte, fiel das Gemäuer über ihn zusammen, und erschlug ihn.
176. Die Lebenszeit.
Als Gott die Welt geschaffen hatte, und allen Kreaturen ihre Lebenszeit bestimmen wollte, kam der Esel, und fragte 'Herr, wie lange soll ich leben?' 'Dreißig Jahre' antwortete Gott. 'Herr,' sprach der Esel, 'das ist eine lange Zeit, bedenke mein mühseliges Dasein: von Morgen bis in die Nacht schwere Lasten schleppen, Kornsäcke in die Mühle tragen, damit andere das Brot essen, mit nichts als mit Schlägen und Fußtritten ermuntert und aufgefrischt zu werden! erlaße mir einen Teil der langen Zeit.' Da erbarmte sich Gott, und schenkte ihm achtzehn Jahre. Darauf kam der Hund; auch er jammerte über die dreißig Jahre, und bat Gott ihm die Zeit zu kürzen. 'Habe ich erst die Zähne verloren,' sprach er, 'und kann nicht mehr beißen, so achtet niemand mehr auf mich. Was bleibt mir übrig als aus einer Ecke in die andere zu laufen und zu knurren?' Der Herr erließ ihm zwölf Jahre. Der dritte der kam, war der Narr. Auch er sollte, wie die anderen, dreißig Jahre leben. 'O Herr,' sprach er, 'warum soll ich so lange kindisches und dummes Zeug reden? Die Leute werden_es schon früher müde, und lachen am Ende nicht mehr darüber.' Gott war gnädig, und schenkte ihm zehn Jahre. Endlich erschien der Mensch, war freudig, gesund und frisch, und bat Gott ihm seine Zeit zu bestimmen. 'Dreißig Jahre' sagte der Herr. 'Welch eine kurze Zeit!' sprach der Mensch, 'wenn ich mein Haus gebaut habe, und das Feuer auf meinem eigenen Herde brennt, wenn ich Bäume gepflanzt habe, die blühen und Früchte tragen, und meines Lebens froh zu werden gedenke, so soll ich sterben! o Herr, verlängere mir meine Zeit.' Gott gewährte seine Bitte, und legte ihm vierzig Jahre zu, die er dem Esel dem Hund und dem Narren abgenommen hatte. Also lebte der Mensch siebzig Jahre: dreißig gehen schnell dahin, und er ist gesund, heiter, arbeitet mit Lust, und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen die achtzehn Jahre des Esels, da wird ihm eine Last nach der anderen aufgelegt, er muß das Korn tragen, das andere nährt, und Schläge und Tritte sind der Lohn seiner treuen Dienste. Dann kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt er in den Ecken, und knurrt, und hat keine Zähne mehr zum beißen. Und wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die zehn Jahre des Narren den Beschluß. Da ist der Mensch schwachköpfig, und wird ein Spott der Kinder.
177. Die Boten des Todes.
Vor alten Zeiten wanderte einmal ein Riese auf der großen Landstraße, da sprang ihm plötzlich ein unbekannter Mann entgegen, und rief 'halt! keinen Schritt weiter!' 'Was,' sprach der Riese, 'du Wicht, den ich zwischen den Fingern zerdrücken kann, du willst mir den Weg vertreten? Wer bist du, daß du so keck reden darfst?' 'Jch bin der Tod,' erwiderte der andere, 'mir widersteht niemand, und auch du mußt meinen Befehlen gehorchen.' Der Riese aber weigerte sich, und fing an mit dem Tode zu ringen. Es war ein langer heftiger Kampf, zuletzt aber behielt der Riese die Oberhand, und schlug den Tod mit seiner Faust nieder, daß er neben einen Stein zusammensank. Der Riese ging seiner Wege, und der Tod lag da besiegt, und war so kraftlos, daß er sich nicht wieder erheben konnte. 'Was soll daraus werden,' sprach er, 'wenn ich da in der Ecke liegen bleibe? es stirbt niemand mehr auf Erden, und sie wird so mit Menschen angefüllt werden, daß sie nicht mehr Platz haben neben einander zu stehen.' Indem kam ein junger Mensch des Wegs, frisch und gesund, sang ein Lied, und warf seine Augen hin und her. Als er den halbohnmächtigen erblickte, ging er mitleidig heran, richtete ihn auf, flößte ihm aus seiner Flasche einen stärkenden Trank ein, und wartete bis er wieder zu Kräften kam. 'Weist du auch,' fragte der Fremde, indem er sich aufrichtete, 'wer ich bin, und wem du wieder auf die Beine geholfen hast?' 'Nein,' antwortete der Jüngling, 'ich kenne dich nicht.' 'Jch bin der Tod,' sprach er, 'ich verschone niemand, und kann auch mit dir keine Ausnahme machen. Damit du aber siehst daß ich dankbar bin, so verspreche ich dir daß ich dich nicht unversehens überfallen, sondern dir erst meine Boten senden will bevor ich komme und dich abhole.' 'Wohlan,' sprach der Jüngling, 'immer ein Gewinn, daß ich weiß wann du kommst, und so lange wenigstens sicher vor dir bin,' zog weiter, war lustig und guter Dinge, und lebte in den Tag hinein. Allein Jugend und Gesundheit hielten nicht lange aus, es kamen Krankheiten und Schmerzen, die ihn plagten. 'Sterben werde ich nicht,' sprach er zu sich selbst, 'den Tod sendet erst seine Boten, ich wollte nur die bösen Tage der Krankheit wären erst vorüber.' Sobald er sich gesund fühlte, fing er wider an in Freuden zu leben. Da klopfte ihn eines Tags jemand auf die Schulter, und als er sich umblickte, stand der Tod hinter ihm, und sprach 'folge mir, die Stunde deines Abschieds von der Welt ist gekommen.' 'Wie,' antwortete der Mensch, 'willst du dein Wort brechen?
hast du mir nicht versprochen daß du mir bevor du selbst kämest, deine Boten senden wolltest? ich habe keinen gesehen.' 'Schweig,' erwiderte der Tod, 'habe ich dir nicht einen Boten über den anderen geschickt? kam nicht das Fieber, stieß dich an, und warf dich nieder? hat der Schwindel dir nicht den Kopf betäubt? zwickte dich nicht die Gicht in allen Gliedern? brauste dir_es nicht in den Ohren? nagte nicht der Zahnschmerz in deinen Backen? wurde dir_es nicht dunkel vor den Augen? Über das alles, hat nicht mein leiblicher Bruder, der Schlaf, dich jeden Abend an mich erinnert? lagst du nicht in der Nacht, als wärst du schon gestorben?' Der Mensch wußte nichts zu erwidern, ergab sich in sein Geschick, und ging mit dem Tode fort.
178. Der goldene Schlüssel.
Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, mußte ein armer Junge hinausgehen, und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen, und sich ein bisschen wärmen. Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er wo der Schlüssel wäre, müßte auch das Schloß dazu sein, grub in der Erde, und fand ein eisernes Kästchen. 'Wenn der Schlüssel nur paßt!' dachte er, 'es sind gewiß kostbare Sachen in dem Kästchen.' Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, das man kaum sehen konnte, zu dem auch der Schlüssel glücklich paßte. Er drehte einmal herum, und nun müssen wir warten bis er vollends aufgeschlossen und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen.
Kinderlegenden.
1. Der heilige Joseph im Walde.
Es war einmal eine Mutter, die hatte drei Töchter, davon war die älteste unartig und bös, die zweite schon viel besser, obgleich sie auch ihre Fehler hatte, die jüngste aber war ein frommes gutes Kind. Die Mutter war aber so wunderlich, daß sie gerade die älteste Tochter am liebsten hatte, und die jüngste nicht leiden konnte. Daher schickte sie das arme Mädchen oft hinaus in einen großen Wald, um es sich vom Hals zu schaffen, denn sie dachte es würde sich verirren, und nimmermehr wieder kommen. Aber der Schutzengel, den jedes fromme Kind hat, verließ es nicht, sondern brachte es immer wieder auf den rechten Weg. Einmal indessen tat das Schutzenglein als wenn es nicht bei der Hand wäre, und das Kind konnte sich nicht wieder aus dem Walde herausfinden. Es ging immer fort bis es Abend wurde, da sah es in der Ferne ein Lichtchen brennen, auf das lief es zu, und kam vor eine kleine Hütte. Es klopfte an, die Türe ging auf, und es gelangte zu einer zweiten Türe, da klopfte es wieder an. Ein alter Mann, der einen schneeweißen Bart hatte, und ehrwürdig aussah, machte ihm auf, und das war niemand anders als der heilige Joseph. Er sprach ganz freundlich 'komme, liebes Kind, setze dich ans Feuer auf mein Stühlchen, und wärme dich, ich will dir klar Wässerchen holen, wenn du Durst hast; zu essen aber habe ich hier im Walde nichts für dich als ein paar Würzelche, die mußt du dir erst schaben und kochen.' Da reichte ihm der heil. Joseph die Wurzeln; das Mädchen schrappte sie säuberlich ab, dann holte es ein Stückchen Pfannkuchen, und das Brot, das ihm seine Mutter mitgegeben hatte, und tat alles zusammen in einem Kesselchen beiss Feuer, und kochte sich ein Muss. Als das fertig war, sprach der heil. Joseph 'ich bin so hungrig, gib mir etwas von deinem Essen.' Da gab ihm das Kind gleich, und gab ihm mehr als es für sich behielt, doch war Gottes Segen dabei, daß es satt wurde. Als sie nun gegessen hatten, sprach der heil. Joseph 'nun wollen wir zu Bett gehen, ich habe aber nur Ein Bett, leg du dich hinein, ich will mich ins Stroh auf die Erde legen.' 'Nein,' antwortete es, 'bleibe du nur in deinem Bett, für mich ist das Stroh weich genug.' Der heil. Joseph aber nahm das Kind auf dem Arm, und trug es ins Bettchen, da tat es sein Gebet, und schlief ein. Am anderen Morgen, als es aufwachte, wollte es dem heil. Joseph guten Morgen sagen, aber es sah ihn nicht. Da stand es auf, und suchte ihn, konnte ihn aber in keiner Ecke finden; endlich gewahrte es hinter der Türe einen Sack mit Geld, so schwer, als es ihn nur tragen konnte, darauf stand geschrieben das wäre für das Kind, das heute Nacht hier geschlafen hätte. Da nahm es den Sack, und sprang damit fort, und kam auch glücklich zu seiner Mutter, und weil es ihr alle das Geld schenkte, so konnte sie nicht anders, sie mußte mit ihm zufrieden sein.
Am folgenden Tag bekam das zweite Kind auch Lust in den Wald zu gehen. Die Mutter gab ihm ein viel größer Stück Pfannkuchen und Brot mit. Es erging ihm nun gerade wie dem ersten Kinde. Abends kam es in das Hüttchen des heil. Joseph, der ihm Wurzeln zu einem Muss reichte. Als das fertig war, sprach er gleichfalls zu ihm 'ich bin so hungrig, gib mir etwas von deinem Essen.' Da antwortete das Kind 'esse als mit.' Als ihm danach der heil. Joseph sein Bett anbot, und sich aufs Stroh legen wollte, antwortete es 'nein, leg dich als mit ins Bett, wir haben ja beide wohl Platz darin.' Der heil. Joseph nahm es auf den Arm, und legte es ins Bettchen, und legte sich ins Stroh. Morgens, als das Kind aufwachte und den heil. Joseph suchte, war er verschwunden, aber hinter der Türe fand es ein Säckchen mit Geld, das war händelang, und darauf stand geschrieben es wäre für das Kind, das heute Nacht hier geschlafen hätte. Da nahm es das Säckchen, und lief damit heim, und brachte es seiner Mutter, doch behielt es heimlich davon für sich.
Nun war die älteste Tochter neugierig geworden, und wollte den folgenden Morgen auch hinaus in den Wald. Die Mutter gab ihr Pfannkuchen mit, so viel sie wollte, Brot und auch Käse dazu. Abends fand sie den heil. Joseph in seinem Hüttchen gerade so, wie ihn die zwei anderen gefunden hatten. Als das Muss fertig war, und der heil. Joseph sprach 'ich bin so hungrig, gib mir etwas von deinem Essen,' antwortete das Mädchen 'warte, bis ich satt bin, was ich dann übrig lasse, das sollst du haben.' Es aß aber beinahe alles auf, und der heil. Joseph mußte das Schüsselchen ausschrappen. Der gute Alte bot ihm hernach sein Bett an, und wollte auf dem Stroh liegen, das nahm es ohne Widerrede an, legte sich in das Bettchen, und ließ dem Greis das harte Stroh. Am anderen Morgen, wie es aufwachte, war der heil. Joseph nicht zu finden, doch darüber machte es sich keine Sorgen: es suchte hinter der Türe nach einem Geldsack. Es kam ihm vor als läge etwas auf der Erde, doch weil es nicht recht unterscheiden konnte, was es war, bückte es sich, und stieß mit seiner Nase daran. Aber es blieb an der Nase hängen, und wie es sich aufrichtete, sah es zu seinem Schrecken, daß es noch eine zweite Nase war, die an der seinen festhing. Da hob es an zu schreien und zu heulen, aber das half nichts, es mußte immer auf seine Nase sehen, wie die so weit hinausstand. Da lief es in einem Geschrei fort, bis es dem heil. Joseph begegnete, dem fiel es zu Füßen, und bat so lange, bis er aus Mitleid ihm die Nase wieder abnahm, und noch zwei Pfennige schenkte. Als es daheim ankam, stand vor der Türe seine Mutter und fragte 'was hast du geschenkt kriegt?' Da log es, und antwortete 'einen großen Sack voll Gelds, aber ich habe ihn unterwegs verloren.' 'Verloren!' rief die Mutter, 'o den wollen wir schon wieder finden;' nahm es bei der Hand, und wollte mit ihm suchen. Zuerst fing es an zu weinen, und wollte nicht mit gehen, endlich aber ging es mit, doch auf dem Wege kamen so viele Eidechsen und Schlangen auf sie beide los, daß sie sich nicht zu retten wußten; sie stachen auch endlich das böse Kind tot, und die Mutter stachen sie in den Fuß, weil sie es nicht besser erzogen hatte.
2. Die zwölf Apostel.
Es war dreihundert Jahr vor des Herrn Christi Geburt, da lebte eine Mutter, die hatte zwölf Söhne, war aber so arm und dürftig, daß sie nicht wußte womit sie ihnen länger das Leben erhalten sollte. Sie betete aber täglich zu Gott, er möchte doch geben, daß alle ihre Söhne mit dem verheißenen Heiland auf Erden zusammen wären. Als nun ihre Not immer größer wurde, schickte sie einen nach dem anderen in die Welt, um sich ihr Brot zu suchen. Der älteste hieß Petrus, der ging aus, und war schon weit gegangen, eine ganze Tagereise, da geriet er zu einen großen Wald. Er suchte einen Ausweg, konnte aber keinen finden, und verirrte sich immer tiefer, dabei empfand er so großen Hunger, daß er sich kaum aufrecht erhalten konnte. Endlich wurde er so schwach, daß er liegen bleiben mußte, und glaubte dem Tode nahe zu sein. Da stand auf einmal neben ihm ein kleiner Knabe, der glänzte, und war so schön und freundlich wie ein Engel. Das Kind schlug seine Händchen zusammen, daß er aufschauen und es anblicken mußte. Da sprach es, 'warum sitzest du da so betrübt?' 'Ach,' antwortete Petrus, 'ich gehe umher in der Welt, und suche mein Brot, damit ich noch den verheißenen lieben Heiland sehe; das ist mein größter Wunsch.' Das Kind sprach 'komme mit, so soll dein Wunsch erfüllt werden.' Es nahm den armen Petrus an der Hand, und führte ihn zu einer Höhle. Wie sie hineinkamen, so blitzte alles von Gold Silber und Kristall, und in der Mitte standen zwölf Wiegen neben einander. Da sprach das Englein 'lege dich in die erste, und Schlaf ein wenig; ich will dich wiegen.' Das tat Petrus, und das Englein sang ihm, und wiegte ihn so lange bis er eingeschlafen war. Und wie er schlief kam der zweite Bruder, den auch sein Schutzenglein herein führte, und wurde auch in den Schlaf gewiegt, und so kamen die anderen nach der Reihe, bis alle zwölf da lagen in den goldenen Wiegen, und schliefen. Sie schliefen aber dreihundert Jahre, bis in der Nacht, worin der Weltheiland geboren wurde. Da erwachten sie auch, und waren mit ihm auf Erden, und wurden die zwölf Apostel genannt.
3. Die Rose.
Et was Mal eine arme Frugge, de hatte twei Kinder; das jungeste moste olle Dage in en Wald gohn, un langen (holen) Holt.
Asset nun Mal ganz wiet söken geit, kam so en klein Kind, das was awerst ganz wacker, to em, und holp (half) flietig Holt lesen, un drog et auch bis für das Hause; dann was et awerst, ehe en Augenschlägsken (Augenblick) vergienk, verswunnen.
Das Kind vertelde et seiner Moder, de wul et awerst nig glöven.
Up et lest brachte et en Raufe (Rose) mit, un vertelde das schöne Kind hädde em diese Raufe gieven, un hädde em sägt wenn de Raufe upblöhet wäre, dann will et wir kommen.
De Moder stellte dei Raufe im Water.
Einen Morgen kam das Kind gar nig ut dem Bedde, de Moder gink to dem Bedde hen, un Fund das Kind daude (tot); et lag awerst ganz anmotik.
Un de Raufe was den sulftigen Morgen upblöhet.
4. Armut und Demut führen zum Himmel.
Es war einmal ein Königssohn, der ging hinaus in das Feld, und war nachdenklich und traurig.
Er sah den Himmel an, der war so schön rein und blau, da seufzte er und sprach 'wie wohl muß es einem erst da oben im Himmel sein!' Da erblickte er einen greisen armen Mann, der des Weges daher kam, und redete ihn an, und fragte 'wie kann ich wohl in den Himmel kommen?' Der Mann antwortete 'durch Armut und Demuth. Lege an meine zerrissenen Kleider, wandere sieben Jahre in der Welt, und lerne ihr Elend kennen; nimm kein Geld, sondern wenn du hungerst, bitte mitleidige Herzen um ein Stückchen Brot, so wirst du dich dem Himmel nähern.' Da zog der Königssohn seinen prächtigen Rock aus, und hing dafür das Bettlergewand um, ging hinaus in die weite Welt, und duldete groß Elend.
Er nahm nichts als ein wenig Essen, sprach nichts, sondern betete zu dem Herrn daß er ihn einmal in seinen Himmel aufnehmen wollte.
Als die sieben Jahre herum waren, da kam er wieder an seines Vaters Schloß, aber niemand erkannte ihn.
Er sprach zu den Dienern 'geht und sagt meinen Eltern daß ich wiedergekommen bin.' Aber die Diener glaubten es nicht, lachten, und ließen ihn stehen.
Da sprach er 'geht und sagt_es meinen Brüdern, daß sie herab kommen, ich möchte sie so gerne wieder sehen.' Sie wollten auch nicht, bis endlich einer von ihnen hingieng, und es den Königskindern sagte, aber diese glaubten es nicht, und bekümmerten sich nicht darum.
Da schrieb er einen Brief an seine Mutter, und beschrieb ihr darin all sein Elend, aber er sagte nicht daß er ihr Sohn wäre.
Da ließ ihm die Königin aus Mitleid einen Platz unter der Treppe anweisen, und ihm täglich durch zwei Diener Essen bringen.
Aber der eine war bös, und sprach 'was soll dem Bettler das gute Essen!' behielt für sich oder gab_es den Hunden, und brachte dem Schwachen, Abgezehrten nur Wasser; doch der andere war ehrlich, und brachte ihm, was er für ihn bekam.
Es war wenig, doch konnte er davon eine Zeit lang leben; dabei war er ganz geduldig, bis er immer schwächer wurde.
Als aber seine Krankheit zunahm, da begehrte er das heil. Abendmahl zu empfangen.
Wie es nun unter der halben Messe ist, fangen von selbst alle Glocken in der Stadt und in der Gegend an zu läuten.
Der Geistliche geht nach der Messe zu dem armen Mann unter der Treppe, so liegt er da tot, in der einen Hand eine Rose, in der anderen eine Lilie, und neben ihm ein Papier, darauf steht seine Geschichte aufgeschrieben.
Als er begraben war, wuchs auf der einen Seite des Grabs eine Rose, auf der anderen eine Lilie heraus.
5. Gottes Speise.
Es waren einmal zwei Schwestern, die eine hatte keine Kinder und war reich, die andere hatte fünf Kinder, und war eine Witwe, und war so arm, daß sie nicht mehr Brot genug hatte, sich und ihre Kinder zu sättigen.
Da ging sie in der Not zu ihrer Schwester, und sprach 'meine Kinder leiden mit mir den größten Hunger, du bist reich, gib mir doch ein Bisschen Brot.' Die steinreiche war auch steinhart, sprach 'ich habe selbst nichts in meinem Hause,' und wies die Arme mit bösen Worten fort.
Nach einiger Zeit kam der Mann der reichen Schwester heim, und wollte sich ein Stück Brot schneiden, wie er aber den ersten Schnitt in den Laib tat, floß das rote Blut heraus.
Als die Frau das sah, erschrak sie, und erzählte ihm was geschehen war.
Er eilte hin, und wollte helfen, wie er aber in die Stube der Witwe trat, so fand er sie betend; die beiden jüngsten Kinder hatte sie auf den Armen, die drei ältesten lagen da, und waren gestorben.
Er bot ihr Speise an, aber sie antwortete 'nach irdischer Speise verlangen wir nicht mehr; drei hat Gott schon gesättigt, unser Flehen wird er auch erhören.' Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, so taten die beiden Kleinen ihren letzten Atemzug, und darauf brach ihr auch das Herz, und sie sank tot nieder.
6. Die drei grünen Zweige.
Es war einmal ein Einsiedler, der lebte in einem Walde, an dem Fuße eines Berges, und brachte seine Zeit in Gebet und guten Werken zu, und jeden Abend trug er noch zur Ehre Gottes ein paar Eimer Wasser den Berg hinauf.
Manches Tier wurde damit getränkt, und manche Pflanze damit erquickt, denn auf den Anhöhen weht beständig ein harter Wind, der die Luft und die Erde austrocknet, und die wilden Vögel, die vor den Menschen scheuen, kreißen dann hoch, und suchen mit ihren scharfen Augen nach einem Trunk.
Und weil der Einsiedler so fromm war, so ging ein Engel Gottes, seinen Augen sichtbar, mit ihm hinauf, zählte seine Schritte, und brachte ihm, wenn die Arbeit vollendet war, sein Essen, so wie jener Prophet auf Gottes Geheiß von den Raben gespeist wurde.
Als der Einsiedler in seiner Frömmigkeit schon zu einem hohen Alter gekommen war, da trug es sich zu, daß er einmal von weitem sah wie ein armer Sünder zum Galgen geführt wurde, und er zu sich selber sprach 'jetzt widerfährt diesem sein Recht.' Abends, als er das Wasser den Berg hinauftrug, erschien der Engel nicht, der ihn sonst begleitete, und brachte ihm auch nicht seine Speise.
Da erschrak er, prüfte sein Herz, und bedachte womit er wohl könnte gesündigt haben, weil Gott also zürne; aber er wußte es nicht.
Da aß und trank er nicht, warf sich nieder auf die Erde, und betete Tag und Nacht.
Und als er einmal in dem Walde so recht bitterlich weinte, hörte er ein Vöglein, das sang so schön und herrlich, da wurde er noch betrübter, und sprach 'wie singst du so fröhlich! dir zürnt der Herr nicht; ach, wenn du mir sagen könntest womit ich ihn beleidigt habe, damit ich Buße täte, und mein Herz auch wieder fröhlich würde!' Da fing das Vöglein an zu sprechen, und sagte 'du hast Unrecht getan, weil du einen armen Sünder verdammt hast, der zum Galgen geführt wurde, darum zürnt dir der Herr; doch wenn du Buße tun, und deine Sünde bereuen willst, so wird er dir verzeihen.' Da stand der Engel neben ihm, und hatte einen trockenen Ast in der Hand, und sprach 'diesen trockenen Ast sollst du so lange tragen, bis drei grüne Zweige aus ihm hervorsprießen, aber Nachts, wenn du schlafen willst, sollst du ihn unter dein Haupt legen.
Dein Brot sollst du dir an den Türen erbitten, und in demselben Hause nicht länger als eine Nacht verweilen.
Das ist die Buße, die dir der Herr auflegt.'
Da nahm der Einsiedler das Stück Holz, und ging in die Welt zurück, die er so lange nicht gesehen hatte.
Er aß und trank nichts, als was man ihm an den Türen reichte, manche Bitte aber wurde nicht gehört, und manche Türe blieb ihm verschlossen, also daß er oft ganze Tage lang keinen Krumen Brot bekam.
Einmal war er vom Morgen bis Abend von Türe zu Türe gegangen, niemand hatte ihm etwas gegeben, niemand wollte ihn die Nacht beherbergen, da ging er hinaus in einen Wald, und fand endlich eine angebaute Höhle, und eine alte Frau saß darin.
Da sprach er 'gute Frau, behaltet mich diese Nacht in eurem Hause.' Aber sie antwortete 'nein, ich darf nicht, wenn ich auch wollte.
Ich habe drei Söhne, die sind bös und wild, wenn sie von ihrem Raubzug heim kommen, und finden euch, so würden sie uns beide umbringen.' Da sprach der Einsiedler 'laßt mich nur bleiben, sie werden euch und mir nichts tun,' und die Frau war mitleidig, und ließ sich bewegen.
Da legte sich der Mann unter die Treppe, und das Stück Holz unter seinen Kopf.
Wie die Alte das sah, fragte sie nach der Ursache, da erzählte er ihr daß er es zur Buße mit sich herum trage, und Nachts zu seinem Kissen brauche.
Er habe den Herrn beleidigt, denn als er einen armen Sünder auf dem Gang nach dem Gericht gesehen, habe er gesagt diesem widerfahre sein Recht.
Da fing die Frau an zu weinen, und rief 'ach, wenn der Herr ein einziges Wort also bestraft, wie wird es meinen Söhnen ergehen, wenn sie vor ihm im Gericht erscheinen.'
Um Mitternacht kamen die Räuber heim, lärmten und tobten.
Sie zündeten ein Feuer an, und als das die Höhle erleuchtete, und sie einen Mann unter der Treppe liegen sahen, gerieten sie in Zorn, und schrien ihre Mutter an, 'wer ist der Mann? haben wir_es nicht verboten irgend jemand aufzunehmen?' Da sprach die Mutter 'laßt ihn, es ist ein armer Sünder der seine Schuld büßt.'
Die Räuber fragten 'was hat er getan?' und riefen 'Alter, erzähle uns deine Sünden.' Der Alte erhob sich, und sagte ihnen wie er mit einem einzigen Wort schon so gesündigt habe, daß Gott ihm zürne, und er für diese Schuld jetzt büße.
Den Räubern wurde von seiner Erzählung das Herz so gewaltig gerührt, daß sie über ihr bisheriges Leben erschraken, in sich gingen, und mit herzlicher Reue ihre Buße begannen.
Der Einsiedler, nachdem er die drei Sünder bekehrt hatte, legte sich wieder zum Schlafe unter die Treppe.
Am Morgen aber fand man ihn tot, und aus dem trockenen Holz, auf welchem sein Haupt lag, waren drei grüne Zweige hoch empor gewachsen.
Also hatte ihn der Herr wieder in Gnaden zu sich aufgenommen.
7. Muttergottesgläschen.
Es hatte einmal ein Fuhrmann seinen Karren, der schwer mit Wein beladen war, festgefahren, so das er ihn trotz aller Mühe nicht wieder losbringen konnte.
Nun kam gerade die Mutter Gottes des Weges daher, und als sie die Not des armen Mannes sah, sprach sie zu ihm 'ich bin müde und durstig, gib mir ein Glas Wein, und ich will dir deinen Wagen frei machen.' 'Gerne, antwortete der Fuhrmann, aber ich habe kein Glas, worin ich dir den Wein geben könnte.' Da brach die Mutter Gottes ein weißes Blümchen mit roten Streifen ab, das Feldwinde heißt, und einem Glase sehr ähnlich sieht, und reichte es dem Fuhrmann. Der füllte es mit Wein, und die Mutter Gottes trank ihn, und in dem Augenblick wurde der Wagen frei, und der Fuhrmann konnte weiter fahren. Das Blümchen heißt noch immer Muttergottesgläschen.
8. Das alte Mütterchen.
Es war in einer großen Stadt ein altes Mütterchen, das saß Abends allein in seiner Kammer: es dachte so darüber nach, wie es erst den Mann, dann die beiden Kinder, nach und nach alle Verwandte, endlich auch heute noch den letzten Freund verloren hätte, und nun ganz allein und verlassen wäre. Da wurde es in tiefsten Herzen traurig, und vor allem schwer war ihm der Verlust der beiden Söhne, daß es in seinem Schmerz Gott darüber anklagte. So saß es still, und in sich versunken, als es auf einmal zur Frühkirche läuten hörte. Es wunderte sich daß es die ganze Nacht also in Leid zugebracht hätte, zündete seine Leuchte an, und ging zur Kirche. Bei seiner Ankunft war sie schon erhellt, aber nicht, wie gewöhnlich, von Kerzen, sondern von einem dämmernden Lichte. Sie war auch schon angefüllt mit Menschen, und alle Plätze waren besetzt, und als das Mütterchen zu seinem gewöhnlichen Sitz kam, war er auch nicht mehr ledig, sondern die ganze Bank gedrängt voll. Und wie es die Leute ansah, so waren es lauter verstorbene Verwandten, die saßen da in ihren altmodischen Kleidern aber mit blassem Angesicht. Sie sprachen auch nicht und sangen nicht, es ging aber ein leises Summen und Wehen durch die Kirche. Da stand eine Muhme auf, trat vor, und sprach zu dem Mütterlein 'dort sieh nach dem Altar, da wirst du deine Söhne sehen.' Die Alte blickte hin, und sah ihre beiden Kinder, der eine hing am Galgen, der andere war auf ein Rad geflochten. Da sprach die Muhme 'siehst du, so wäre es ihnen ergangen, wären sie im Leben geblieben, und hätte sie Gott nicht als unschuldige Kinder zu sich genommen.' Die Alte ging zitternd nach Haus, und dankte Gott auf den Knien daß er es besser mit ihr gemacht hätte, als sie hätte begreifen können; und am dritten Tag legte sie sich, und starb.
9. Die himmlische Hochzeit.
Es hörte einmal ein armer Bauernjunge in der Kirche wie der Pfarrer sprach 'wer da will ins Himmelreich kommen, muß immer gerade aus gehen.' Da machte er sich auf, und ging immer zu, ganz gerade ohne abzuweichen, über Berg und Tal. Endlich führte ihn sein Weg in eine große Stadt, und mitten in die Kirche, wo eben Gottesdienst gehalten wurde. Wie er nun all die Herrlichkeit sah, meinte er nun wäre er im Himmel angelangt, setzte sich hin, und war von Herzen froh. Als der Gottesdienst vorbei war, und der Küster ihn hinausgehen hieß, antwortete er 'nein, ich gehe nicht wieder hinaus, ich bin froh, daß ich endlich im Himmel bin.' Da ging der Küster zum Pfarrer, und sagte ihm es wäre ein Kind in der Kirche, das wollte nicht wieder heraus, weil es glaubte es wäre im Himmelreich. Der Pfarrer sprach 'wenn es das glaubt, so wollen wir es darin lassen.' Daraus ging er hin, und fragte ob es auch Lust hätte zu arbeiten. 'Ja,' antwortete der Kleine, 'ans Arbeiten wäre er gewöhnt, aber aus dem Himmel ginge er nicht wieder heraus.' Nun blieb er in der Kirche, und als er sah, wie die Leute zu dem Muttergottesbild mit dem Jesuskind, das aus Holz geschnitten war, kamen, knieten und beteten dachte er, 'das ist der liebe Gott,' und sprach 'höre einmal, lieber Gott, was bist du mager! gewiß lassen dich die Leute hungern: ich will dir aber jeden Tag mein halbes Essen bringen.' Von nun an brachte er dem Bilde jeden Tag die Hälfte von seinem Essen, und das Bild fing auch an die Speise zu genießen. Wie ein paar Wochen herum waren, merkten die Leute daß das Bild zunahm, dick und stark wurde, und wunderten sich sehr. Der Pfarrer konnte es auch nicht begreifen, blieb in der Kirche, und ging dem Kleinen nach, da sah er wie der Knabe sein Brot mit der Mutter Gottes teilte, und diese es auch annahm. Nach einiger Zeit wurde der Knabe krank, und kam acht Tage lang nicht aus dem Bett; wie er aber wieder aufstehen konnte, war sein erstes daß er seine Speise der Mutter Gottes brachte. Der Pfarrer ging ihm nach, und hörte wie er sprach 'lieber Gott, nimm nicht übel, daß ich dir so lange nichts gebracht habe: ich war aber krank, und konnte nicht aufstehen.' Da antwortete ihm das Bild, und sprach 'ich habe deinen guten Willen gesehen, das ist mir genug; nächsten Sonntag sollst du mit mir auf die Hochzeit kommen.' Der Knabe freute sich darüber, und sagte es dem Pfarrer, der bat ihn hinzugehen, und das Bild zu fragen ob er auch dürfte mitkommen. 'Nein,' antwortete das Bild, 'du allein.' Der Pfarrer wollte ihn erst vorbereiten, und ihm das Abendmahl geben, das war der Knabe zufrieden; und nächsten Sonntag, wie das Abendmahl an ihn kam, fiel er um, und war tot, und war zur ewigen Hochzeit.