Der zerbrochene Krug

by Heinrich von Kleist and Heinrich von Kleist

Published 1811


Der zerbrochene Krug, ein Lustspiel, von Heinrich von Kleist. Berlin. In der Realschulbuchhandlung. 1811.

Personen.

Walter, Gerichtsrat. Adam, Dorfrichter. Licht, Schreiber. Frau Marthe Rull. Eve, ihre Tochter. Veit Tümpel, ein Bauer. Ruprecht, sein Sohn. Frau Brigitte. Ein Bedienter, Büttel, Mägde, etc. Die Handlung spielt in einem niederländischen Dorfe bei Utrecht. Szene: Die Gerichtsstube.

Erster Auftritt.

Adam (sitzt und verbindet sich ein Bein). Licht (tritt auf).

Licht.

Ei, was zum Henker, sagt, Gevatter Adam! Was ist mit euch geschehen? Wie seht ihr aus?

Adam.

Ja, seht. Zum Straucheln braucht_es doch nichts, als Füße. Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier? Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt Den leidigen Stein zum Anstoß in sich selbst.

Licht.

Nein, sagt mir, Freund! Den Stein trüg' jeglicher --?

Adam.

Ja, in sich selbst!

Licht.

Verflucht das!

Adam.

Was beliebt?

Licht.

Ihr stammt von einem lockern Ältervater, Der so beim Anbeginn der Dinge fiel, Und wegen seines Falls berühmt geworden; Ihr seid doch nicht --?

Adam.

Nun?

Licht.

Gleichfalls --?

Adam.

Ob ich --? Ich glaube --? Hier bin ich hingefallen, sage ich euch.

Licht.

Unbildlich hingeschlagen?

Adam.

Ja, unbildlich. Es mag ein schlechtes Bild gewesen sein.

Licht.

Wann trug sich die Begebenheit denn zu?

Adam.

Jetzt, in dem Augenblick, da ich dem Bett' Entsteig'. Ich hatte noch das Morgenlied Im Mund, da stolpere ich in den Morgen schon, Und ehe ich noch den Lauf des Tags beginne, Renkt unser Herrgott mir den Fuß schon aus.

Licht.

Und wohl den linken obenein?

Adam.

Den linken?

Licht.

Hier, den gesetzten?

Adam.

Freilich!

Licht.

Allgerechter! Der ohnehin schwer den Weg der Sünde wandelt.

Adam.

Der Fuß! Was! Schwer! Warum?

Licht.

Der Klumpfuß?

Adam.

Klumpfuß! Ein Fuß ist, wie der andere, ein Klumpen.

Licht.

Erlaubt! Da tut ihr eurem rechten Unrecht. Der rechte kann sich dieser -- Wucht nicht rühmen, Und wagt sich ehe'r aufs Schlüpfrige.

Adam.

Ach, was! Wo sich der Eine hinwagt, folgt der Andere.

Licht.

Und was hat das Gesicht euch so verrenkt?

Adam.

Mir das Gesicht?

Licht.

Wie? Davon wißt ihr nichts?

Adam.

Ich müßte ein Lügner sein -- wie sieht_es denn aus?

Licht.

Wiees aussieht?

Adam.

Ja, Vaterchen.

Licht.

Abscheulich!

Adam.

Erklärt euch deutlicher.

Licht.

Geschunden ist_es, Ein Gräuel zu sehen. Ein Stück fehlt von der Wange, Wie groß? Nicht ohne Waage kann ich_es schätzen.

Adam.

Den Teufel auch!

Licht (bringt einen Spiegel).

Hier! Überzeugt euch selbst! Ein Schaf, das, eingehetzt von Hunden, sich Durch Dornen drängt, läßt nicht mehr Wolle sitzen, Als ihr, Gott weiß wo? Fleisch habt sitzen lassen.

Adam.

Hm! Ja! Es ist wahr. Unlieblich sieht es aus. Die Nase hat auch gelitten.

Licht.

Und das Auge.

Adam.

Das Auge nicht, Gevatter.

Licht.

Ei, hier liegt Querfeld ein Schlag, blutrünstig, straf mich Gott, Als hätte ein Großknecht wütend ihn geführt.

Adam.

Das ist der Augenknochen. -- Ja, nun seht, Das Alles hatte ich nicht einmal gespürt.

Licht.

Ja, ja! So gehtes im Feuer des Gefechts.

Adam.

Gefecht! Was! -- Mit dem verfluchten Ziegenbock, Am Ofen focht ich, wenn ihr wollt. Jetzt weiß iches. Da ich das Gleichgewicht verliere, und gleichsam Ertrunken in den Lüften um mich greife, Fasse ich die Hosen, die ich gestern Abend Durchnäßt an das Gestell des Ofens hing. Nun fasse ich sie, versteht ihr, denke mich, Ich Tor, daran zu halten, und nun reißt Der Bund; Bund jetzt und Hose und ich, wir stürzen, Und Häuptlings mit dem Stirnblatt schmettere ich auf Den Ofen hin, just wo ein Ziegenbock Die Nase an der Ecke vorgestreckt.

Licht (lacht).

Gut, gut.

Adam.

Verdammt!

Licht.

Der erste Adamsfall, Den ihr aus einem Bett hinaus getan.

Adam.

Mein Seele! -- Doch, was ich sagen wollte, was gibt_es Neues?

Licht.

Ja, was es Neues gibt! Der Henker hole_es, Hätte iches doch bald vergessen.

Adam.

Nun?

Licht.

Macht euch bereit auf unerwarteten Besuch aus Utrecht.

Adam.

So?

Licht.

Der Herr Gerichtsrat kommt.

Adam.

Wer kommt?

Licht.

Der Herr Gerichtsrat Walter kommt, aus Utrecht. Er ist in Revisions-Bereisung auf den Ämtern, Und heute noch trifft er bei uns ein.

Adam.

Noch heute! Seid ihr bei Trost?

Licht.

So wahr ich lebe. Er war in Holla, auf dem Grenzdorf, gestern, Hat das Justizamt dort schon revidiert. Ein Bauer sah zur Fahrt nach Huisum schon Die Vorspannpferde vor den Wagen schirren.

Adam.

Heute noch, er, der Gerichtsrat, her, aus Utrecht! Zur Revision, der wackere Mann, der selbst Sein Schäfchen schiert, dergleichen Fratzen haßt. Nach Huisum kommen, und uns kujonieren!

Licht.

Kam er bis Holla, kommt er auch bis Huisum. Nehmt euch in Acht.

Adam.

Ach geht!

Licht.

Ich sage es euch.

Adam.

Geht mir mit eurem Märchen, sage ich euch.

Licht.

Der Bauer hat ihn selbst gesehen, zum Henker.

Adam.

Wer weiß, wen der triefäugige Schuft gesehen. Die Kerle unterscheiden ein Gesicht Von einem Hinterkopf nicht, wenn er kahl ist. Setzt einen Hut dreieckig auf mein Rohr, Hängt ihm den Mantel um, zwei Stiefeln drunter, So hält so_ein Schubjak ihn für wen ihr wollt.

Licht.

Wohlan so zweifelt fort, ins Teufels Namen, Bis er zur Tür eintritt.

Adam.

Er, eintreten! -- Ohne uns ein Wort vorher gesteckt zu haben.

Licht.

Der Unverstand! Als obes der vorige Revisor noch, der Rat Wacholder, wäre! Es ist Rat Walter jetzt, der revidiert.

Adam.

Wenn gleich Rat Walter! Geht, laßt mich zufrieden. Der Mann hat seinen Amtseid ja geschworen, Und praktiziert, wie wir, nach den Bestehenden Edikten und Gebräuchen.

Licht.

Nun ich versichre' euch, der Gerichtsrat Walter Erschien in Holla unvermutet gestern, Vistirte Kassen und Registraturen, Und suspendierte Richter dort und Schreiber, Warum? ich weiß nicht, ab officio.

Adam.

Den Teufel auch? Hat das der Bauer gesagt?

Licht.

Dies und noch mehr --

Adam.

So?

Licht.

Wenn ihr_es wissen wollt. Denn in der Frühe heute sucht man den Richter, Dem man in seinem Haus' Arrest gegeben, Und findet hinten in der Scheuer ihn Am Sparren hoch des Daches aufgehangen.

Adam.

Was sagt ihr?

Licht.

Hilf inzwischen kommt herbei, Man löst ihn ab, man reibt ihn, und begießt ihn, Ins nackte Leben bringt man ihn zurück.

Adam.

So? Bringt man ihn?

Licht.

Doch jetzt wird versiegelt, In seinem Haus, vereidet und verschlossen, Es ist, als wäre er eine Leiche schon, Und auch sein Richteramt ist schon beerbt.

Adam.

Ei, Henker, seht! -- Ein liederlicher Hund wares -- Sonst eine ehrliche Haut, so wahr ich lebe, Ein Kerl, mit dem siches gut zusammen war; Doch grausam liederlich, das muß ich sagen. Wenn der Gerichtsrat heute in Holla war, So ginges ihm schlecht, dem armen Kauz, das glaube ich.

Licht.

Und dieser Vorfall einzig, sprach der Bauer, Sei Schuld, daß der Gerichtsrat noch nicht hier; Zu Mittag treffe er doch unfehlbar ein.

Adam.

Zu Mittag! Gut, Gevatter! Jetzt gilt_es Freundschaft. Ihr wißt, wie sich zwei Hände waschen können. Ihr wollt auch gern, ich weiß, Dorfrichter werden, Und ihr verdient_es, bei Gott, so gut wie Einer. Doch heute ist noch nicht die Gelegenheit, Heute laßt ihr noch den Kelch vorübergehen.

Licht.

Dorfrichter, ich! Was denkt ihr auch von mir?

Adam.

Ihr seit ein Freund von wohlgesetzter Rede, Und euren Cicero habt ihr studiert Trotz Einem auf der Schule in Amsterdam. Drückt euren Ehrgeiz heute hinunter, hörte ihr? Es werden wohl sich Fälle noch ergeben, Wo ihr mit eurer Kunst euch zeigen könnt.

Licht.

Wir zwei Gevatterleute! Geht mir fort.

Adam.

Zu seiner Zeit, ihr wißt_es, schwieg auch der große Demosthenes. Folgt hierin seinem Muster. Und bin ich König nicht von Mazedonien, Kann ich auf meine Art doch dankbar sein.

Licht.

Geht mir mit eurem Argwohn, sage ich euch. Hab ich jemals --?

Adam.

Seht, ich, ich, für mein Teil, Dem großen Griechen folge ich auch. Es ließe Von Depositionen sich und Zinsen Zuletzt auch eine Rede ausarbeiten: Wer wollte solche Perioden drehen?

Licht.

Nun, also!

Adam.

Von solchem Vorwurf bin ich rein, Der Henker holees! Und alles, was es gilt, Ein Schwank istes etwa, der zur Nacht geboren, Des Tags vorwitzigen Lichtstrahl scheut.

Licht.

Ich weiß.

Adam.

Mein Seele! Es ist kein Grund, warum ein Richter, Wenn er nicht auf dem Richtstuhl sitzt, Soll gravitätisch, wie ein Eisbär, sein.

Licht.

Das sage ich auch.

Adam.

Nun denn, so kommt Gevatter, Folgt mir ein wenig zur Registratur; Die Aktenstöße setze ich auf, denn die, Die liegen wie der Turm zu Babylon.

Zweiter Auftritt.

Ein Bedienter (tritt auf). Die Vorigen. -- Nachher: Zwei Mägde.

Der Bediente.

Gott helfe, Herr Richter! Der Gerichtsrat Walter Läßt seinen Gruß vermelden, gleich wird er hier sein.

Adam.

Ei, du gerechter Himmel! Ist er mit Holla Schon fertig?

Der Bediente.

Ja, er ist in Huisum schon.

Adam.

He! Liese! Grete!

Licht.

Ruhig, ruhig jetzt.

Adam.

Vaterchen!

Licht.

Laßt euren Dank vermelden.

Der Bediente.

Und morgen reisen wir nach Hussahe.

Adam.

Was tue ich jetzt? Was laß ich? (Er greift nach seinen Kleidern.)

Erste Magd (tritt auf.)

Hier bin ich, Herr.

Licht.

Wollt ihr die Hosen anziehen? Seid ihr toll?

Zweite Magd (tritt auf.)

Hier bin ich, Herr Dorfrichter.

Licht.

Nehmt den Rock.

Adam (sieht sich um).

Wer? Der Gerichtsrat?

Licht.

Ach, die Magd ist es.

Adam.

Die Beffchen! Mantel! Kragen!

Erste Magd.

Erst die Weste!

Adam.

Was? -- Rock aus! Hurtig!

Licht (zum Bedienten).

Der Herr Gerichtsrat werden Hier sehr willkommen sein. Wir sind sogleich Bereit ihn zu empfangen. Sagt ihm das.

Adam.

Den Teufel auch! Der Richter Adam läßt sich Entschuldigen.

Licht.

Entschuldigen!

Adam.

Entschuldigen. Ist er schon unterwegs etwa?

Der Bediente.

Er ist Im Wirtshaus noch. Er hat den Schmidt bestellt; Der Wagen ging entzwei.

Adam.

Gut. Mein Empfehl. Der Schmidt ist faul. Ich ließe mich entschuldigen. Ich hätte Hals und Beine fast gebrochen, Schaut selbst, s' ist ein Spektakel, wie ich aussehe; Und jeder Schreck purgiert mich von Natur. Ich wäre krank.

Licht.

Seid ihr bei Sinnen? -- Der Herr Gerichtsrat wäre sehr angenehm. -- Wollt ihr?

Adam.

Zum Henker!

Licht.

Was?

Adam.

Der Teufel soll mich holen, Istes nicht so gut, als hätte ich schon ein Pulver!

Licht.

Das fehlt noch, daß ihr auf den Weg ihm leuchtet. Adam. Margrethe! he! Der Sack voll Knochen! Liese! Die beiden Mägde. Hier sind wir ja. Was wollt ihr? Adam. Fort! sage ich. Kuhkäse, Schinken, Butter, Würste, Flaschen, Aus der Registratur geschafft! Und flink! -- Du nicht. Die Andere. -- Maulaffe! Du ja! -- Gottes Blitz, Margrethe! Liese soll, die Kuhmagd, In die Registratur! Die zweite Magd. Sprecht, soll man euch verstehen! Adam. Haltes Maul jetzt, sage ich --! Fort! schaffe mir die Perücke! Marsch! Aus dem Bücherschrank! Geschwind! Pack dich! Licht (zum Bedienten). Es ist dem Herrn Gerichtsrat, will ich hoffen, Nichts Böses auf der Reise zugestoßen? Der Bediente. Je, nun! Wir sind im Hohlweg umgeworfen. Adam. Pest! Mein geschundener Fuß! Ich kriege die Stiefeln -- Licht. Ei, du mein Himmel! Umgeworfen, sagt ihr? Doch keinen Schaden weiter --? Der Bediente. Nichts von Bedeutung. Der Herr verstauchte sich die Hand ein wenig. Die Deichsel brach. Adam. Daß er den Hals gebrochen! Licht. Die Hand verstaucht! Ei, Herr Gott! Kam der Schmidt schon? Der Bediente. Ja, für die Deichsel. Licht. Was? Adam. Ihr meint, der Doktor. Licht. Was? Der Bediente. Für die Deichsel? Adam. Ach, was! Für die Hand. Der Bediente. Adies, ihr Herrn. -- Ich glaube, die Kerls sind toll. Licht. Den Schmidt meinte ich. Adam. Ihr gebt euch bloß, Gevatter. Licht. Wie so? Adam. Ihr seid verlegen. Licht. Was! Die erste Magd (tritt auf). He! Liese! Adam. Was hast du da? Erste Magd. Braunschweiger Wurst, Herr Richter. Adam. Das sind Pupillenakten. Licht. Ich, verlegen! Adam. Die kommen wieder zur Registratur. Erste Magd. Die Würste? Adam. Würste! Was! Der Einschlag hier. Licht. Es war ein Mißverständnis. Die zweite Magd (tritt auf). Im Bücherschrank, Herr Richter, finde ich die Perücke nicht. Adam. Warum nicht? Zweite Magd. Hm! Weil ihr -- Adam. Nun? Zweite Magd. Gestern Abend -- Glocke elf -- Adam. Nun? Werde iches hören? Zweite Magd. Ei, ihr kamt ja, Besinnt euch, ohne die Perücke' ins Haus. Adam. Ich, ohne die Perücke? Zweite Magd. In der Tat. Da ist die Liese, die_es bezeugen kann. Und eure andere ist beim Perückenmacher. Adam. Ich wäre --? Erste Magd. Ja, meiner Treue, Herr Richter Adam! Kahlköpfig wart ihr, als ihr wiederkamt; Ihr spracht, ihr wärt gefallen, wißt ihr nicht? Das Blut mußt ich euch noch vom Kopfe waschen. Adam. Die Unverschämte! Erste Magd. Ich will nicht ehrlich sein. Adam. Haltes Maul, sage ich, es ist kein wahres Wort. Licht. Habt ihr die Wunde seit gestern schon? Adam. Nein, heute. Die Wunde heute und gestern die Perücke. Ich trug sie weiß gepudert auf dem Kopfe, Und nahm sie mit dem Hut, auf Ehre, bloß, Als ich ins Haus trat, aus Versehen ab. Was die gewaschen hat, das weiß ich nicht. -- Scher dich zum Satan, wo du hingehörst! In die Registratur! Gehe, Margarethe! Gevatter Küster soll mir seine borgen; In meine hätte die Katze heute Morgen Gejungt, das Schwein! Sie läge eingesäuet Mir unterm Bette da, ich weiß nun schon. Licht. Die Katze? Was? Seid ihr --? Adam. So wahr ich lebe. Fünf Junge, gelb und schwarz, und eins ist weiß. Die schwarzen will ich in der Vecht ersäufen. Was soll man machen? Wollt ihr eine haben? Licht. In die Perücke? Adam. Der Teufel soll mich holen! Ich hatte die Perücke aufgehängt, Auf einen Stuhl, da ich zu Bette ging, Den Stuhl berühr ich in der Nacht, sie fällt -- Licht. Drauf nimmt die Katze sie ins Maul -- Adam. Mein Seele -- Licht. Und trägt sie unter's Bett und jungt darin. Adam. Ines Maul? Nein -- Licht. Nicht? Wie sonst? Adam. Die Katze? Ach, was! Licht. Nicht? Oder ihr vielleicht? Adam. Ines Maul! Ich glaube --! Ich stieß sie mit dem Fuße heute hinunter, Als ich es sah. Licht. Gut, gut. Adam. Kanaillen die! Die balzen sich und jungen, wo ein Platz ist. Zweite Magd (kichernd). So soll ich hingehen? Adam. Ja, und meinen Gruß An Muhme Schwarzgewand, die Küsterin. Ich schickte ihr die Perücke unversehrt Noch heute zurück -- ihm brauchst du nichts zu sagen. Verstehst du mich? Zweite Magd. Ich werde es schon bestellen.

Dritter Auftritt.

Adam und Licht.

Adam. Mir ahndet heute nichts Gutes, Gevatter Licht. Licht. Warum? Adam. Es geht bunt Alles über Ecke mir. Ist nicht auch heute Gerichtstag? Licht. Allerdings. Die Kläger stehen vor der Türe schon. Adam. -- Mir träumte, es hätte ein Kläger mich ergriffen, Und schleppte vor den Richtstuhl mich; und ich, Ich säße gleichwohl auf dem Richtstuhl dort, Und schälte und hunzte und schlingelte mich herunter, Und judiziert den Hals ins Eisen mir. Licht. Wie? Ihr euch selbst? Adam. So wahr ich ehrlich bin. Drauf wurden Beide wir zu Eins, und flohen, Und mußten in den Fichten übernachten. Licht. Nun? Und der Traum meint ihr? Adam. Der Teufel hole_es. Wennes auch der Traum nicht ist, ein Schabernack, Seies, wie es wolle, ist wider mich im Werk! Licht. Die läppische Furcht! Gebt ihr nur vorschriftsmäßig, Wenn der Gerichtsrat gegenwärtig ist, Recht den Parteien auf dem Richterstuhle, Damit der Traum vom ausgehunzten Richter Auf andere Art nicht in Erfüllung geht.

Vierter Auftritt.

Der Gerichtsrat Walter (tritt auf). Die Vorigen.

Walter. Gott grüße euch, Richter Adam. Adam. Ei willkommen! Willkommen, gnädiger Herr, in unserem Huisum! Wer konnte, du gerechter Gott, wer konnte So freudigen Besuches sich gewärtigen. Kein Traum, der heute früh Glocke achte noch Zu solchem Glücke sich versteigen durfte. Walter. Ich komme ein wenig schnell, ich weiß; und muß Auf dieser Reis, in unserer Staaten Dienst, Zufrieden sein, wenn meine Wirte mich Mit wohlgemeintem Abschiedsgruß entlassen. Inzwischen ich, was meinen Gruß betrifft, Ich mein's von Herzen gut, schon wenn ich komme. Das Obertribunal in Utrecht will Die Rechtspflege auf dem platten Land verbessern, Die mangelhaft von mancher Seite scheint, Und strenge Weisung hat der Mißbrauch zu erwarten. Doch mein Geschäft auf dieser Reis ist noch Ein strenges nicht, sehen soll ich bloß, nicht strafen, Und finde ich gleich nicht Alles, wie es soll, Ich freue mich, wenn es erträglich ist. Adam. Fürwahr, so edle Denkart muß man loben. Ew. Gnaden werden hie und da, nicht zweifle ich, Den alten Brauch im Recht zu tadeln wissen; Und wenn er in den Niederlanden gleich Seit Kaiser Karl dem fünften schon besteht: Was läßt sich in Gedanken nicht erfinden? Die Welt, sagt unser Sprichwort, wird stets klüger, Und Alles liest, ich weiß, den Puffendorff; Doch Huisum ist ein kleiner Teil der Welt, Auf den nicht mehr, nicht minder, als sein Teil nur Kann von der allgemeinen Klugheit kommen. Klärt die Justiz in Huisum gütigst auf, Und überzeugt euch, gnädiger Herr, ihr habt Ihr noch sobald den Rücken nicht gekehrt, Als sie auch völlig euch befriedigen wird; Doch fändet ihr sie heute im Amte schon Wie ihr sie wünscht, mein Seele, so wärees ein Wunder, Da sie nur dunkel weiß noch, was ihr wollt. Walter. Es fehlt an Vorschriften, ganz recht. Vielmehr Es sind zu viel, man wird sie sichten müssen. Adam. Ja, durch ein großes Sieb. Viel Spreu! Viel Spreu! Walter. Das ist dort der Herr Schreiber? Licht. Der Schreiber Licht, Zu Eurer hohen Gnaden Diensten. Pfingsten Neun Jahre, daß ich im Justizamt bin. Adam (bringt einen Stuhl). Setzt euch. Walter. Laßt sein. Adam. Ihr kommt von Holla schon. Walter. Zwei kleine Meilen -- Woher wißt ihr das? Adam. Woher? Ew. Gnaden Diener -- Licht. Ein Bauer sagte es, Der eben jetzt von Holla eingetroffen. Walter. Ein Bauer? Adam. Aufzuwarten. Walter. -- Ja! Es trug sich Dort ein unangenehmer Vorfall zu, Der mir die heitere Laune störte, Die in Geschäften uns begleiten soll. -- Ihr werdet davon unterrichtet sein? Adam. Wärees wahr, gestrenger Herr? Der Richter Pfaul, Weil er Arrest in seinem Haus' empfing, Verzweiflung hätte den Toren überrascht, Er hing sich auf? Walter. Und machte Übel ärger. Was nur Unordnung schien, Verworrenheit, Nimmt jetzt den Schein an der Veruntreuung, Die das Gesetz, ihr wißt_es, nicht mehr verschont. -- Wie viele Kassen habt ihr? Adam. Fünf, zu dienen. Walter. Wie, fünf! Ich stand im Wahn -- Gefüllte Kassen? Ich stand im Wahn, daß ihr nur vier -- Adam. Verzeiht! Mit der Rhein-Inundations-Collecten-Kasse? Walter. Mit der Inundations-Kollekten-Kasse! Doch jetzt ist der Rhein nicht inundiert, Und die Kollekten gehen mithin nicht ein. -- Sagt doch, ihr habt ja wohl Gerichtstag heute? Adam. Ob wir --? Walter. Was? Licht. Ja, den ersten in der Woche. Walter. Und jene Schar von Leuten, die ich draußen Auf eurem Flure sah, sind das --? Adam. Das werden -- Licht. Die Kläger sind_es, die sich bereits versammeln. Walter. Gut. Dieser Umstand ist mir lieb, ihr Herren. Laßt diese Leute, wennes beliebt, erscheinen. Ich wohne dem Gerichtsgang bei; ich sehe Wie er in eurem Huisum üblich ist. Wir nehmen die Registratur, die Kassen, Nachher, wenn diese Sache abgetan. Adam. Wie ihr befehlt. -- Der Büttel! He! Hanfriede!

Fünfter Auftritt.

Die zweite Magd (tritt auf). Die Vorigen.

Zweite Magd. Gruß von Frau Küsterin, Herr Richter Adam; So gern sie die Perücke euch auch -- Adam. Wie? Nicht? Zweite Magd. Sie sagt, es wäre Morgenpredigt heute; Der Küster hätte selbst die eine auf, Und seine andere wäre unbrauchbar, Sie sollte heute zu dem Perückenmacher. Adam. Verflucht! Zweite Magd. Sobald der Küster wieder kommt, Wird sie jedoch sogleich euch seine schicken. Adam. Auf meine Ehre, gnädiger Herr -- Walter. Was giebt's? Adam. Ein Zufall, ein verwünschter, hat um beide Perücken mich gebracht. Und jetzt bleibt mir Die dritte aus, die ich mir leihen wollte: Ich muß kahlköpfig den Gerichtstag halten. Walter. Kahlköpfig! Adam. Ja, beim ewigen Gott! So sehr Ich ohne der Perücke Beistand um Mein Richteransehen auch verlegen bin. -- Ich müßte es auf dem Vorwerk noch versuchen, Ob mir vielleicht der Pächter --? Walter. Auf dem Vorwerk! Kann jemand anders hier im Orte nicht --? Adam. Nein, in der Tat -- Walter. Der Prediger vielleicht. Adam. Der Prediger? Der -- Walter. Oder Schulmeister. Adam. Seit der Sackzehnde abgeschafft, Ew.

Gnaden, Wozu ich hier im Amte mitgewirkt, Kann ich auf beider Dienste nicht mehr rechnen.

Walter.

Nun, Herr Dorfrichter?

Nun?

Und der Gerichtstag?

Denkt ihr zu warten, bis die Haar' euch wachsen?

Adam.

Ja, wenn ihr mir erlaubt, schicke ich aufs Vorwerk.

Walter.

-- Wie weit istes auf das Vorwerk?

Adam.

Ei!

Ein kleines Halbstündchen.

Walter.

Eine halbe Stunde, was!

Und Eurer Sitzung Stunde schlug bereits.

Macht fort!

Ich muß noch heute nach Hussahe.

Adam.

Macht fort!

Ja --

Walter.

Ei, so pudert euch den Kopf ein!

Wo Teufel auch, wo liest ihr die Perücken? --

Helft euch so gut ihr könnt.

Ich habe Eile.

Adam.

Auch das.

Der Büttel (tritt auf).

Hier ist der Büttel!

Adam.

Kann ich inzwischen Mit einem guten Frühstück, Wurst aus Braunschweig, Ein Gläschen Danziger etwa --

Walter.

Danke sehr.

Adam.

Ohne' Umstände'!

Walter.

Danke, ihr hört_es, habe_es schon genossen.

Geht ihr, und nutzt die Zeit, ich brauche sie In meinem Büchlein etwas mir zu merken.

Adam.

Nun, wenn ihr so befehlt -- Komme, Margarethe!

Walter.

-- Ihr seid ja bös' verletzt, Herr Richter Adam.

Seid ihr gefallen?

Adam.

-- Habe einen wahren Mordschlag Heute früh, als ich dem Bett' entstieg, getan: Seht, gnädiger Herr Gerichtsrat, einen Schlag Ins Zimmer hin, ich glaubt' es wäre ins Grab.

Walter.

Das tut mir leid. --

Es wird doch weiter nicht Von Folgen sein?

Adam.

Ich denke nicht.

Und auch In meiner Pflicht solles weiter mich nicht stören. --

Erlaubt!

Walter.

Geht, geht!

Adam (zum Büttel).

Die Kläger rufst du -- Marsch!

(Adam, die Magd und der Büttel ab.)

Sechster Auftritt.

Frau Marthe, Eve, Veit und Ruprecht (treten auf).

-- Walter und Licht (im Hintergrunde).

Frau Marthe.

Ihr krugzertrümmerndes Gesindel, ihr!

Ihr sollt mir büßen, ihr!

Veit.

Sei sie nur ruhig, Frau Marth'!

Es wird sich Alles hier entscheiden.

Frau Marthe.

O ja.

Entscheiden.

Seht doch.

Den Klugschwätzer.

Den Krug mir, den zerbrochenen, entscheiden.

Wer wird mir den geschiedenen Krug entscheiden?

Hier wird entschieden werden, daß geschieden Der Krug mir bleiben soll.

Für so_ein Schiedsurteil Gebe ich noch die geschiedenen Scherben nicht.

Veit.

Wenn sie sich Recht erstreiten kann, sie hört_es, Ersetz ich ihn.

Frau Marthe.

Er mir den Krug ersetzen.

Wenn ich mir Recht erstreiten kann, ersetzen.

Setze er den Krug Mal hin, versuch eres Mal, Setze er'n Mal hin auf das Gesims!

Ersetzen!

Den Krug, der kein Gebein zum Stehen hat, Zum Liegen oder Sitzen hat, ersetzen!

Veit.

Sie hört_es!

Was geifert sie?

Kann man mehr tun?

Wenn Einer ihr von uns den Krug zerbrochen, Soll sie entschädigt werden.

Frau Marthe.

Ich entschädigt!

Als ob ein Stück von meinem Hornvieh spräche.

Meint er, daß die Justiz ein Töpfer ist?

Und kämen die Hochmögenden und bänden Die Schürze vor, und trügen ihn zum Ofen, Die könnten sonst was in den Krug mir tun, Als ihn entschädigen.

Entschädigen!

Ruprecht.

Laß er sie, Vater.

Folge er mir.

Der Drache!

Es ist der zerbrochene Krug nicht, der sie wurmt, Die Hochzeit ist es, die ein Loch bekommen, Und mit Gewalt hier denkt sie sie zu flicken.

Ich aber setze noch den Fuß Eins drauf: Verflucht bin ich, wenn ich die Metze nehme.

Frau Marthe.

Der eitle Flaps!

Die Hochzeit ich hier flicken!

Die Hochzeit, nicht des Flickdrahts, unzerbrochen Nicht Einen von des Kruges Scherben wert.

Und stünde die Hochzeit blankgescheuert vor mir, Wie noch der Krug auf dem Gesimse gestern, So faßt' ich sie beim Griff jetzt mit den Händen, Und schlüge sie gellendes ihm am Kopf entzwei, Nicht aber hier die Scherben möchte ich flicken!

Sie flicken!

Eve.

Ruprecht!

Ruprecht.

Fort du --!

Eve.

Liebster Ruprecht!

Ruprecht.

Mir aus den Augen!

Eve.

Ich beschwöre dich.

Ruprecht.

Die Liederliche --!

Ich mag nicht sagen, was.

Eve.

Laß mich ein einziges Wort dir heimlich --

Ruprecht.

Nichts!

Eve.

-- Du gehst zum Regimente jetzt, o Ruprecht, Wer weiß, wenn du erst die Muskete trägst, Ob ich dich je im Leben wieder sehe.

Krieg ist_es, bedenke, Krieg, in den du ziehst:

Willst du mit solchem Grolle von mir scheiden?

Ruprecht.

Groll?

Nein, bewahre mich Gott, das will ich nicht.

Gott schenke dir so viel Wohlergehen, als er Erübrigen kann.

Doch kehrt ich aus dem Kriege Gesund, mit erzgegoßenem Leib zurück, Und würde in Huisum achtzig Jahre alt, So sagt ich noch im Tode zu dir: Metze!

Du willst_es ja selber vor Gericht beschwören.

Frau Marthe (zu Eve).

Hinweg!

Was sagte ich dir?

Willst du dich noch Beschimpfen lassen?

Der Herr Korporal Ist was für dich, der würdige Holzgebein, Der seinen Stock im Militär geführt, Und nicht dort der Maulaffe, der dem Stock Jetzt seinen Rücken bieten wird.

Heute ist Verlobung, Hochzeit, wäre Taufe heute, Es wäre mir recht, und mein Begräbnis leide ich, Wenn ich dem Hochmut erst den Kamm zertreten, Der mir bis an die Krüge schwillt.

Eve.

Mutter!

Laßt doch den Krug!

Laßt mich doch in der Stadt versuchen, Ob ein geschickter Handwerksmann die Scherben, Nicht wieder euch zur Lust zusammenfügt.

Und wäre_es um ihn geschehen, nehmt meine ganze Sparbüchse hin, und kauft euch einen neuen.

Wer wollte doch um einen irdenen Krug, Und stammt er von Herodes Zeiten her, Solch einen Aufruhr, so viel Unheil stiften.

Frau Marthe.

Du sprichst, wie du_es verstehst.

Willst du etwa Die Fiedel tragen, Evchen, in der Kirche Am nächsten Sonntag reuig Buße tun?

Dein guter Name lag in diesem Topfe, Und vor der Welt mit ihm wurde er zerstoßen, Wenn auch vor Gott nicht, und vor mir und dir.

Der Richter ist mein Handwerksmann, der Schergen, Der Block ist_es, Peitschenhiebe, die es braucht, Und auf den Scheiterhaufen das Gesindel, Wennes unsere Ehre weiß zu brennen gilt, Und diesen Krug hier wieder zu glasieren.

Siebenter Auftritt.

Adam (im Ornat, doch ohne Perücke, tritt auf).

Die Vorigen. Adam (für sich).

Ei, Evchen.

Sieh!

Und der vierschrötige Schlingel, Der Ruprecht!

Ei, was Teufel, sieh! die ganze Sippschaft! --

Die werden mich doch nicht bei mir verklagen?

Eve.

O liebste Mutter, folgt mir, ich beschwöre' euch, Laßt diesem Unglückszimmer uns entfliehen!

Adam.

Gevatter!

Sagt mir doch, was bringen die?

Licht.

Was weiß ich?

Lärm um nichts; Lappalien.

Es ist ein Krug zerbrochen worden, höre ich.

Adam.

Ein Krug!

So!

Ei! --

Ei, wer zerbrach den Krug?

Licht.

Wer ihn zerbrochen?

Adam.

Ja, Vaterchen.

Licht.

Mein Seele, setzt euch: so werdet ihres erfahren.

Adam (heimlich).

Evchen!

Eve (gleichfalls).

Gehe er.

Adam.

Ein Wort.

Eve.

Ich will nichts wissen.

Adam.

Was bringt ihr mir?

Eve.

Ich sage ihm, er soll gehen.

Adam.

Evchen!

Ich bitte dich! Was soll mir das bedeuten?

Eve.

Wenn er nicht gleich --! Ich sage_es ihm, laß er mich.

Adam (zu Licht).

Gevatter, hört, mein Seele, ich haltees nicht aus.

Die Wunde am Schienbein macht mir Übelkeiten; Führt ihr die Sache, ich will zu Bette gehen.

Licht.

Zu Bett --?

Ihr wollt --?

Ich glaube, ihr seit verrückt.

Adam.

Der Henker hole_es.

Ich muß mich übergeben.

Licht.

Ich glaube, ihr rast, im Ernst.

So eben kommt ihr --?

-- Meinethalben.

Sagtes dem Herrn Gerichtsrat dort.

Vielleicht erlaubt er_es.

-- Ich weiß nicht, was euch fehlt?

Adam (wieder zu Even).

Evchen!

Ich flehe dich! Um alle Wunden!

Was ist_es, das ihr mir bringt?

Eve.

Er wird_es schon hören.

Adam.

Istes nur der Krug dort, den die Mutter hält, Den ich so viel --?

Eve.

Ja, der zerbrochene Krug nur.

Adam.

Und weiter nichts?

Eve.

Nichts weiter.

Adam.

Nichts?

Gewiß nichts?

Eve.

Ich sage ihm, gehe er.

Laß er mich zufrieden.

Adam.

Höre du, bei Gott, sei klug, ich rath' es dir.

Eve.

Er, Unverschämter!

Adam.

In dem Attest steht Der Nahme jetzt, Frakturschrift, Ruprecht Tümpel.

Hier trage iches fix und fertig in der Tasche; Hörst du es knackern, Evchen?

Sieh, das kannst du, Auf meine Ehre, heute übers Jahr dir holen.

Dir Trauerschürze und Mieder zuzuschneiden, Wennes heißt: der Ruprecht in Batavia Krepiert' -- ich weiß, an welchem Fieber nicht, War_es gelb, war_es Scharlach, oder war es faul.

Walter.

Sprecht nicht mit den Parteien, Herr Richter Adam, Vor der Session!

Hier setzt euch, und befragt sie.

Adam.

Was sagt er? --

Was befehlen Euer.

Gnaden?

Walter.

Was ich befehle? --

Ich sagte deutlich euch, Daß ihr nicht heimlich vor der Sitzung sollt Mit den Parteien zweideutige Sprache führen.

Hier ist der Platz, der eurem Amt gebührt, Und öffentlich Verhör, was ich erwarte.

Adam (für sich).

Verflucht!

Ich kann mich nicht dazu entschließen --! --

Es klirrte etwas, da ich Abschied nahm --

Licht (ihn aufschreckend).

Herr Richter!

Seid ihr --?

Adam.

Ich?

Auf Ehre nicht!

Ich hatte sie behutsam drauf gehängt, Und müßte ein Ochs gewesen sein --

Licht.

Was?

Adam.

Was?

Licht.

Ich fragte --?

Adam.

Ihr fragtet, ob ich --?

Licht.

Ob ihr taub seid, fragte ich.

Dort Sr. Gnaden haben euch gerufen.

Adam.

Ich glaubte --?

Wer ruft?

Licht.

Der Herr Gerichtsrat dort.

Adam (für sich).

Ei!

Hole_es der Henker auch!

Zwei Fälle giebt's, Mein Seele, nicht mehr, und wennes nicht biegt, so bricht_es. --

Gleich!

Gleich!

Gleich!

Was befehlen Ew. Gnaden?

Soll jetzt die Prozedur beginnen?

Walter.

Ihr seid ja sonderbar zerstreut.

Was fehlt euch?

Adam.

-- Auf Ehre!

Verzeiht.

Es hat ein Perlhuhn mir, Das ich von einem Indianfahrer kaufte, Den Pips:

ich soll es nudeln, und verstehe_es nicht, Und fragte dort die Jungfer bloß um Rat.

Ich bin ein Narr in solchen Dingen, seht, Und meine Hühner nenne ich meine Kinder.

Walter.

Hier.

Setzt euch.

Ruft den Kläger und vernehmt ihn.

Und ihr, Herr Schreiber, führt das Protokoll.

Adam.

Befehlen Ew. Gnaden den Prozeß Nach den Formalitäten, oder so, Wie er in Huisum üblich ist, zu halten?

Walter.

Nach den gesetzlichen Formalitäten, Wie er in Huisum üblich ist, nicht anders.

Adam.

Gut, gut.

Ich werde euch zu bedienen wissen.

Seid ihr bereit, Herr Schreiber?

Licht.

Zu euren Diensten.

Adam.

-- So nimm, Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!

Kläger trete vor.

Frau Marthe.

Hier, Herr Dorfrichter!

Adam.

Wer seid ihr?

Frau Marthe.

Wer --?

Adam.

Ihr.

Frau Marthe.

Wer ich --?

Adam.

Wer ihr seid!

Wes Namens, Standes, Wohnorts, und so weiter.

Frau Marthe.

Ich glaube, er spaßt, Herr Richter.

Adam.

Spaßen, was!

Ich sitze im Namen der Justiz, Frau Marthe, Und die Justiz muß wissen, wer ihr seid.

Laßt doch die sonderbare Frage --

Ihr guckt Mir alle Sonntag in die Fenster ja, Wenn ihr aufs Vorwerk geht!

Kennt ihr die Frau?

Sie wohnt hier um die Ecke, Ew. Gnaden, Wenn man den Fußsteig durch die Hecken geht; Witwe eines Kastellans, Hebamme jetzt, Sonst eine ehrliche Frau, von gutem Rufe.

Wenn ihr so unterrichtet seid, Herr Richter, So sind dergleichen Fragen überflüssig. Setzt ihren Namen in das Protokoll, Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt.

Auch das. Ihr seid nicht für Formalitäten. Tut so, wie Sr. Gnaden anbefohlen.

Fragt nach dem Gegenstand der Klage jetzt.

Jetzt soll ich --?

Ja, den Gegenstand ermitteln!

Das ist gleichfalls ein Krug, verzeiht.

Wie? Gleichfalls!

Ein Krug. Ein bloßer Krug. Setzt einen Krug, Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt.

Auf meine hingeworfene Vermutung Wollt ihr, Herr Richter --?

Mein Seele, wenn iches euch sage, So schreibt ihrs hin. Istes nicht ein Krug, Frau Marthe?

Ja, hier der Krug --

Da habt ihr_es.

Der zerbrochene --

Pedantische Bedenklichkeit.

Ich bitte euch --

Und wer zerbrach den Krug? Gewiß der Schlingel --?

Ja, er, der Schlingel dort --

Mehr brauche ich nicht.

Das ist nicht wahr, Herr Richter.

Auf, aufgelebt, du alter Adam!

Das lügt sie in den Hals hinein --

Schweige, Maulaffe! Du steckst den Hals noch früh genug ins Eisen. -- Setzt einen Krug, Herr Schreiber, wie gesagt, Zusamt dem Namen dessen, der ihn zerschlagen. Jetzt wird die Sache gleich ermittelt sein.

Herr Richter! Ei! Welch ein gewaltsames Verfahren.

Wie so?

Wollt ihr nicht förmlich --?

Nein! sage ich; Ihr Gnaden lieben Förmlichkeiten nicht.

Wenn ihr die Instruktion, Herr Richter Adam, Nicht des Prozesses einzuleiten weißt, Ist hier der Ort jetzt nicht, es euch zu lehren. Wenn ihr Recht anders nicht, als so, könnt geben, So tretet ab: vielleicht kannes euer Schreiber.

Erlaubt! Ich gab_es, wiees hier in Huisum üblich; Ew. Gnaden habenes also mir befohlen.

Ich hätte --?

Auf meine Ehre!

Ich befahl euch, Recht hier nach den Gesetzen zu erteilen; Und hier in Huisum glaubte ich die Gesetze, Wie anderswo in den vereinten Staaten.

Da muß submiß ich um Verzeihung bitten! Wir haben hier, mit Ew. Erlaubnis, Statuten, eigentümliche, in Huisum, Nicht aufgeschriebene, muß ich gestehen, doch durch Bewährte Tradition uns überliefert. Von dieser Form, getraue ich mir zu hoffen, Bin ich noch heute kein Jota abgewichen. Doch auch in eurer anderen Form bin ich, Wie sie im Reich mag üblich sein, zu Hause. Verlangt ihr den Beweis? Wohlan, befehlt! Ich kann Recht so jetzt, jetzt so erteilen.

Ihr gebt mir schlechte Meinungen, Herr Richter. Es sei. Ihr fangt von vorn die Sache an. --

Auf Ehre! Gebt Acht, ihr sollt zufrieden sein. -- Frau Marthe Rull! Bringt eure Klage vor.

Ich klage, ihr wißt_es, hier wegen dieses Krugs; Jedoch vergönnt, daß ich, bevor ich melde Was diesem Krug geschehen, auch beschreibe Was er vorher mir war.

Das Reden ist an euch.

Seht ihr den Krug, ihr wertgeschätzten Herren? Seht ihr den Krug?

O ja, wir sehen ihn.

Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr; Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen. Hier gerade auf dem Loch, wo jetzt nichts, Sind die gesamten niederländischen Provinzen Dem spanischen Philipp übergeben worden. Hier im Ornat stand Kaiser Carl der fünfte: Von dem seht ihr nur noch die Beine stehen. Hier kniete Philipp, und empfing die Krone: Der liegt im Topf, bis auf den Hinterteil, Und auch noch der hat einen Stoß empfangen. Dort wischten seine beiden Muhmen sich, Der Fransen und der Ungarn Königinnen, Gerührt die Augen aus; wenn man die Eine Die Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben, So ist_es, als weinte sie über sich. Hier im Gefolge stützt sich Philibert, Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen, Noch auf das Schwert; doch jetzt müßte er fallen, So gut wie Maximilian: der Schlingel! Die Schwerter unten jetzt sind weggeschlagen. Hier in der Mitte, mit der heiligen Mütze, Sah man den Erzbischof von Arras stehen; Den hat der Teufel ganz und gar geholt, Sein Schatten nur fällt lang noch übers Pflaster. Hier standen rings, im Grunde, Leibtrabanten, Mit Hellebarden, dicht gedrängt, und Spießen, Hier Häuser, seht, vom großen Markt zu Brüssel, Hier guckt noch ein Neugieriger aus dem Fenster: Doch was er jetzt sieht, das weiß ich nicht.

Frau Marth! Erlaßt uns das zerscherbte Pactum, Wenn es zur Sache nicht gehört. Uns geht das Loch -- nichts die Provinzen an, Die darauf übergeben worden sind.

Erlaubt! Wie schön der Krug, gehört zur Sache! -- Den Krug erbeutete sich Childerich, Der Kesselflicker, als Oranien Briel mit den Wassergeusen überrumpelte. Ihn hatte ein Spanier, gefüllt mit Wein, Just an den Mund gesetzt, als Childerich Den Spanier von hinten niederwarf, Den Krug ergriff, ihn leerte, und weiter ging.

Ein würdiger Wassergeuse.

Hierauf vererbte Der Krug auf Fürchtegott, den Totengräber; Der trank zu dreimal nur, der Nüchterne, Und stets vermischt mit Wasser aus dem Krug. Das erstemal, als er im Sechzigsten Ein junges Weib sich nahm; drei Jahre drauf, Als sie noch glücklich ihn zum Vater machte; Und als sie jetzt noch fünfzehn Kinder zeugte, Trank er zum drittenmal, als sie starb.

Gut. Das ist auch nicht übel.

Drauf fiel der Krug An den Zachäus, Schneider in Tirlemont, Der meinem Seelen Mann, was ich euch jetzt Berichten will, mit eigenem Mund erzählt. Der warf, als die Franzosen plünderten, Den Krug, samt allem Hausrat, aus dem Fenster, Sprang selbst, und brach den Hals, der Ungeschickte, Und dieser irdene Krug, der Krug von Ton, Aufes Bein kam er zu stehen, und blieb ganz.

Zur Sache, Wenns beliebt, Frau Marthe Rull! Zur Sache!

Drauf in der Feuersbrunst von Sechs und sechzig, Da hatte ihn schon mein Mann, Gott habe ihn selig --

Zum Teufel! Weib! So seid ihr noch nicht fertig?

-- Wenn ich nicht reden soll, Herr Richter Adam, So bin ich unnütz hier, so will ich gehen, Und ein Gericht mir suchen, das mich hört.

Ihr sollt hier reden: doch von Dingen nicht, Die eurer Klage fremd. Wenn ihr uns sagt, Daß jener Krug euch wert, so wissen wir So viel, als wir zum Richten hier gebrauchen.

Wie viel ihr brauchen möget, hier zu richten, Daß weiß ich nicht, und untersuch es nicht; Daß aber weiß ich, daß ich, um zu klagen, Muß vor euch sagen dürfen, über was.

Gut denn. Zum Schluß jetzt. Was geschah dem Krug? Was? -- Was geschah dem Krug im Feuer Von Anno sechs und sechzig? Wird man_es hören? Was ist dem Krug geschehen?

Was ihm geschehen? Nichts ist dem Krug, ich bitte euch sehr, ihr Herren, Nichts Anno sechs und sechzig ihm geschehen. Ganz blieb der Krug, ganz in der Flammen Mitte, Und aus des Hauses Asche zog ich ihn Hervor, glasiert, am anderen Morgen, glänzend, Als käme er eben aus dem Töpferofen.

Nun gut. Nun kennen wir den Krug. Nun wissen Wir Alles, was dem Krug geschehen, was nicht. Was gibtes jetzt weiter?

Nun diesen Krug jetzt setzt -- den Krug, Zertrümmert einen Krug noch wert, den Krug Für eines Fräuleins Mund, die Lippe selbst, Nicht der Frau Erbstatthalterin zu schlecht, Den Krug, ihr hohen Herren Richter beide, Den Krug hat jener Schlingel mir zerbrochen.

Wer?

Er, der Ruprecht dort.

Das ist gelogen, Herr Richter.

Schweig er, bis man ihn fragen wird. Auch heute an ihn noch wird die Reihe kommen. -- Habt ihres im Protokoll bemerkt?

O ja.

Erzählt den Hergang, würdige Frau Marthe.

Es war Uhr elf gestern --

Wann, sagt ihr?

Uhr elf.

Am Morgen!

Nein, verzeiht am Abend, Und schon die Lamm im Bette wollte ich löschen, Als laute Männerstimmen, ein Tumult, In meiner Tochter abgelegenen Kammer, Als ob der Feind einbräche, mich erschreckt. Geschwind die Treppe Eile' ich hinab, ich finde Die Kammertür gewaltsam eingesprengt, Schimpfreden schallen wütend mir entgegen, Und da ich mir den Auftritt jetzt beleuchte, Was finde ich jetzt, Herr Richter, was jetzt finde ich? Den Krug finde ich zerscherbt im Zimmer liegen, In jedem Winkel liegt ein Stück, Das Mädchen ringt die Hände, und er der Flaps dort, Der trotzt, wie toll, euch in des Zimmers Mitte.

Ei, Wetter!

Was?

Sieh da, Frau Marthe!

Ja! -- Drauf ist_es, als ob in so gerechtem Zorn, Mir noch zehn Arme wüchsen, jeglichen Fühle ich mir wie ein Geier ausgerüstet. Ihn stelle ich dort zu Rede, was er hier In später Nacht zu suchen, mir die Krüge Des Hauses tobend einzuschlagen habe: Und er, zur Antwort gibt er mir, jetzt ratet? Der Unverschämte! Der Halunke, der! Aufs Rad will ich ihn sehen, oder mich Nicht mehr geduldig auf den Rücken legen: Er spricht, es habe ein Anderer den Krug Vom Sims' gestürzt -- ein Anderer, ich bitte' euch, Der vor ihm aus der Kammer nur entwichen; -- Und überhäuft mit Schimpf mir da das Mädchen.

O! faule Fische -- Hierauf?

Auf dies Wort Sehe ich das Mädchen fragend an; die steht Gleich einer Leiche da, ich sage: Eve! -- Sie setzt sich; istes ein Anderer gewesen, Frage ich? Und Joseph und Marie, ruft sie, Was denkt ihr Mutter auch? -- So sprich! Wer war_es? Wer sonst, sagt sie, -- und wer auch konnte es anders? Und schwört mir zu, daß eres gewesen ist.

Was schwor ich euch? Was habe ich euch geschworen? Nichts schwor ich, nichts euch --

Eve!

Nein! Dies lügt ihr. --

Da hört ihr_es.

Hund, jetzt, verfluchter, schweige, Soll hier die Faust den Rachen dir noch stopfen! Nachher ist Zeit für dich, nicht jetzt.

Frau Marthe.

Du hättest nicht --?

Eve.

Nein, Mutter!

Dies verfälscht ihr.

Seht, leid tutes in der Tat mir tief zur Seele, Daß ich es öffentlich erklären muß: Doch nichts schwor ich, nichts, nichts habe ich geschworen.

Adam.

Seid doch vernünftig, Kinder.

Licht.

Das ist ja seltsam.

Frau Marthe.

Du hättest mir, o Eve, nicht versichert? Nicht Joseph und Marie angerufen?

Eve.

Beim Schwor nicht! Schwörend nicht! Seht dies jetzt schwöre ich, Und Joseph und Maria Ruf ich an.

Adam.

Ei, Leutchen! Ei, Frau Marthe! Was auch macht sie? Wie schüchtert sie das gute Kind auch ein. Wenn sich die Jungfer wird besonnen haben, Erinnert ruhig dessen, was geschehen, -- Ich sage was geschehen ist, und was, Spricht sie nicht, wie sie soll, geschehen noch kann: Gebt Acht, so sagt sie heute uns aus, wie gestern, Gleichviel, ob sie_es beschwören kann ob nicht. Laßt Joseph und Maria aus dem Spiele.

Walter.

Nicht doch, Herr Richter, nicht! Wer wollte den Parteien so zweideutige Lehren geben.

Frau Marthe.

Wenn sie ins Angesicht mir sagen kann, Schamlos, die liederliche Dirne, die, Daß es ein Anderer, als der Ruprecht war, So mag meinetwegen sie -- ich mag nicht sagen, was. Ich aber, ich versichere es euch, Herr Richter, Und kann ich gleich nicht, das sie_es schwor, behaupten, Daß sie_es gesagt hat gestern, daß beschwöre ich, Und Joseph und Maria rufe ich an.

Adam.

Nun weiter will ja auch die Jungfer --

Walter.

Herr Richter!

Adam.

Euer. Gnaden? -- Was sagt er? Nicht, Herzens- Evchen?

Frau Marthe.

Heraus damit! Hast dues mir nicht gesagt? Hast dues mir gestern nicht, mir nicht gesagt?

Eve.

Wer leugnet euch, daß ich_es gesagt --

Adam.

Da habt ihr_es.

Ruprecht.

Die Metze, die!

Adam.

Schreibt auf.

Veit.

Pfui, schäm sie sich.

Walter.

Von eurer Aufführung, Herr Richter Adam, Weiß ich nicht, was ich denken soll. Wenn ihr selbst Den Krug zerschlagen hättet, könntet ihr Von euch ab den Verdacht nicht eifriger Hinwälzen auf den jungen Mann, als jetzt. -- Ihr setzt nicht mehr ins Protokoll, Herr Schreiber, Als nur der Jungfer Eingeständnis, hoffe ich, Vom gestrigen Geständnis, nicht vom Facto. -- Istes an die Jungfer jetzt schon auszusagen?

Adam.

Mein Seele, wennes ihre Reihe noch nicht ist, In solchen Dingen irrt der Mensch, Ew. Gnaden. Wen hätte ich fragen sollen jetzt? Beklagten? Auf Ehre! Ich nehme gute Lehre an.

Walter.

Wie unbefangen! -- Ja, fragt den Beklagten. Fragt, macht ein Ende, fragt, ich bitte euch sehr: Dies ist die letzte Sache, die ihr führt.

Adam.

Die letzte! Was! Ei freilich! Den Beklagten! Wohin auch, alter Richter, dachtest du? Verflucht, das piepsige Perlhuhn mir! Daß es Krepiert wäre an der Pest in Indien! Stets liegt der Kloß von Nudeln mir im Sinn.

Walter.

Was liegt? Was für ein Kloß liegt euch --?

Adam.

Der Nudelkloß, Verzeiht, den ich dem Huhne geben soll. Schluckt mir das Aas die Pille nicht herunter, Mein Seele, so weiß ich nicht, wiees werden wird.

Walter.

Tut eure Schuldigkeit, sage ich, zum Henker!

Adam.

Beklagter trete vor.

Ruprecht.

Hier, Herr Dorfrichter. Ruprecht, Veits des Kossäten Sohn, aus Huisum.

Adam.

Vernahm er dort, was vor Gericht so eben Frau Marthe gegen ihn hat angebracht?

Ruprecht.

Ja, Herr Dorfrichter, das habe ich.

Adam.

Getraut er sich Etwas dagegen aufzubringen, was? Bekennt er, oder unterfängt er sich, Hier wie ein gottvergeßener Mensch zu leugnen?

Ruprecht.

Was ich dagegen aufzubringen habe, Herr Richter? Ei! Mit eurer Erlaubnis, Daß sie kein wahres Wort gesprochen hat.

Adam.

So? Und das denkt er zu beweisen?

Ruprecht.

O ja.

Adam.

Die würdige Frau Marthe, die. Beruhige sie sich. Es wird sich finden.

Walter.

Was geht ihn die Frau Marthe an, Herr Richter?

Adam.

Was mir --? Bei Gott! Soll ich als Christ --?

Walter.

Bericht Er, was er für sich anzuführen hat. -- Herr Schreiber, wißt ihr den Prozeß zu führen?

Adam.

Ach, was!

Licht.

Ob ich -- ei nun, wenn Ew. Gnaden --

Adam.

Was glotzt er da? Was hat er aufzubringen? Steht nicht der Esel, wie ein Ochse, da? Was hat er aufzubringen?

Ruprecht.

Was ich aufzubringen?

Walter.

Er ja, er soll den Hergang jetzt erzählen.

Ruprecht.

Mein Seele, wenn man zu Wort mich kommen ließe.

Walter.

Es ist in der Tat, Herr Richter, nicht zu dulden.

Ruprecht.

Glocke zehn Uhr mögt es etwa sein zu Nacht, -- Und warm, just diese Nacht des Januars Wie Mai, als ich zum Vater sage: Vater! Ich will ein Bissel noch zur Eve gehen. Denn heuern wollte ich sie, daß müßt ihr wissen, Ein rüstig Mädel ist_es, ich habees beim ernten Gesehen, wo Alles von der Faust ihr ging, Und ihr das Heu man flog, als wie gemaust. Da sagte ich: willst du? Und sie sagte: ach! Was du da gackelst. Und nachher sagt' sie, ja.

Adam.

Bleibe er bei seiner Sache. Gakeln! Was! Ich sagte, willst du? Und sie sagte, ja.

Ruprecht.

Ja, meiner Treue, Herr Richter.

Walter.

Weiter! Weiter!

Ruprecht.

Nun -- Da sagte ich: Vater, hört er? Laß er mich. Wir schwatzen noch am Fenster was zusammen. Na, sagt er, Lauf; bleibst du auch draußen, sagt er? Ja, meiner Seele, sage ich, das ist geschworen. Na, sagte er, Lauf, um elf bist du hier.

Adam.

Na, so sage du, und gackle, und kein Ende. Na, hat er bald sich ausgesagt?

Ruprecht.

Na, sage ich, Das ist ein Wort, und setze die Mütze auf, Und gehe; und über_den Steige will ich, und muß Durches Dorf zurückgehn, weil der Bach geschwollen. Ei, alle Wetter, denke ich, Ruprecht, Schlag! Nun ist die Gartentür bei Marthens zu: Denn bis um zehn läßt_es Mädel sie nur offen, Wenn ich um zehn nicht da bin, komme ich nicht.

Adam.

Die liederliche Wirtschaft, die.

Walter.

Drauf weiter?

Ruprecht.

Drauf -- wie ich über_den Lindengang mich nähere, Bei Marthens, wo die Reihen dicht gewölbt, Und dunkel, wie der Dom zu Utrecht, sind, Höre ich die Gartentüre fernher knarren. Sieh da! Da ist die Eve noch! sage ich, Und schicke freudig euch, von wo die Ohren Mir Kundschaft brachten, meine Augen nach -- -- Und schelte sie, da sie mir wiederkommen, Für blind, und schicke auf der Stelle sie Zum zweitenmal, sich besser umzusehen, Und schimpfe sie nichtswürdige Verleumder, Aufhetzer, niederträchtige Ohrenbläser, Und schicke sie zum drittenmal, und denke, Sie werden, weil sie ihre Pflicht getan, Unwillig los sich aus dem Kopf mir reißen, Und sich in einen anderen Dienst begeben: Die Eve ist_es, am Latz erkenne ich sie, Und Einer ist_es noch obenein.

Adam.

So? Einer noch? Und wer, er Klugschwätzer?

Ruprecht.

Wer? Ja, mein Seele, da fragt ihr mich --

Adam.

Nun also! Und nicht gefangen, denke ich, nicht gehangen.

Walter.

Fort! Weiter in der Rede! Laßt ihn doch! Was unterbrecht ihr ihn, Herr Dorfrichter?

Ruprecht.

Ich kann das Abendmahl darauf nicht nehmen, Stockfinster war_es, und alle Katzen grau. Doch müßt ihr wissen, daß der Flickschuster, Der Lebrecht, den man kürzlich losgesprochen, Dem Mädel längst mir auf die Fährte ging. Ich sagte vorigen Herbst schon: Eve, höre, Der Schuft schleicht mir um_das Haus, das mag ich nicht; Sage ihm, daß du kein Braten bist für ihn, Mein Seele', sonst werfe ich ihn vom Hof herunter. Die spricht: ich glaube', du schierst mich, sagt ihm was, Das ist nicht hin, nicht her, nicht Fisch, nicht Fleisch: Drauf gehe ich hin, und werfe den Schlingel herunter.

Adam.

So? Lebrecht heißt der Kerl?

Ruprecht.

Ja, Lebrecht.

Adam.

Gut. Das ist ein Name. Es wird sich Alles finden. -- Habt ihres bemerkt im Protokoll, Herr Schreiber?

Licht.

O ja, und Alles Andere, Herr Richter.

Adam.

Sprich weiter, Ruprecht, jetzt, mein Sohn.

Ruprecht.

Nun schießt, Da ich Glocke elf das Pärchen hier begegne, -- Glocke zehn Uhr zog ich immer ab -- das Blatt mir. Ich denke, halte, jetzt istes noch Zeit, o Ruprecht, Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht: -- Hier mußt du sorgsam dir die Stirn befühlen, Ob dir von fern hornartig etwas keimt. Und drücke sacht mich durch die Gartenpforte, Und Berg in einen Strauch von Taxus mich: Und höre euch ein Gefispere hier, ein Scherzen, Ein Zerren hin, Herr Richter, Zerren her, Mein Seele, ich denke, ich soll vor Lust --

Eve.

Du Bösewicht! Was das, o schändlich ist von dir!

Frau Marthe.

Halunke! Dir weiß' ich noch einmal, wenn wir allein sind, Die Zähne! Wart! Du weißt noch nicht, wo mir Die Haare wachsen! Du sollst_es erfahren!

Ruprecht.

Ein Viertelstündchen dauert_es so, ich denke, Was wird_es doch werden, ist doch heute nicht Hochzeit? Und ehe ich den Gedanken ausgedacht, Husch! sind sie beide ins Haus schon, vor dem Pastor.

Eve.

Geht, Mutter, mag es werden, wie es will --

Adam.

Schweige du mir dort, rat ich, das Donnerwetter Schlägt über dich ein, unberufene Schwätzerin! Wart, bis ich auf zur Rede dich rufen werde.

Walter.

Sehr sonderbar, bei Gott!

Ruprecht.

Jetzt hebt, Herr Richter Adam, Jetzt hebt sich_es, wie ein Blutsturz, mir. Luft! Da mir der Knopf am Brustlatz springt: Luft jetzt! Und reiße mir den Latz auf: Luft jetzt sage ich! Und gehe, und drücke, und trete und donnere, Da ich der Dirne Tür, verriegelt finde, Gestemmt, mit Macht, auf einen Tritt, sie ein.

Adam.

Blitzjunge, du!

Ruprecht.

Just da sie auf jetzt rasselt, Stürzt dort der Krug vom Sims ins Zimmer hin, Und husch! springt Einer aus dem Fenster euch: Ich sehe die Schöße noch vom Rocke wehen.

Adam.

War das der Leberecht?

Ruprecht.

Wer sonst, Herr Richter?

Das Mädchen steht, die werfe ich über_den Haufen, Zum Fenster eile ich hin, und finde den Kerl Noch in den Pfählen hängen, am Spalier, Wo sich das Weinlaub anfrankt bis zum Dach. Und da die Klinke in der Hand mir blieb, Als ich die Tür eindonnerte, so reiß ich Jetzt mit dem Stahl Eins pfundschwer über_den Dez ihm: Den just, Herr Richter, konnte ich noch erreichen.

Adam.

War_es eine Klinke?

Ruprecht.

Was?

Adam.

Obes --

Ruprecht.

Ja, die Türklinke.

Adam.

Darum.

Licht.

Ihr glaubtet wohl, es war ein Degen?

Adam.

Ein Degen? Ich -- wie so?

Ruprecht.

Ein Degen!

Licht.

Je nun! Man kann sich wohl verhören. Eine Klinke Hat sehr viel Ähnlichkeit mit einem Degen.

Adam.

Ich glaube --!

Licht.

Bei meiner Treue! Der Stiel, Herr Richter?

Adam.

Der Stiel!

Ruprecht.

Der Stiel! Der war_es nun aber nicht. Der Klinke umgekehrtes Ende war_es.

Adam.

Das umgekehrte Ende wares der Klinke!

Licht.

So!

So!

Ruprecht.

Doch auf dem Griffe lag ein Klumpen Blei, wie ein Degengriff, das muß ich sagen.

Adam.

Ja, wie ein Griff.

Licht.

Gut.

Wie ein Degengriff.

Doch irgend eine tückische Waffe musste es Gewesen sein.

Das wusste ich wohl.

Walter.

Zur Sache stets, ihr Herrn, doch!

Zur Sache!

Adam.

Nichts als Allotrien, Herr Schreiber! --

Er, weiter!

Ruprecht.

Jetzt stürzt der Kerl, und ich schon will mich wenden, Als iches im Dunklen auf sich rappeln sehe.

Ich denke, lebst du noch? und steige aufs Fenster Und will dem Kerl das Gehen unten legen:

Als jetzt, ihr Herrn, da ich zum Sprung just aushole, Mir eine Handvoll grobgekörnten Sandes -- --

Und Kerl und Nacht und Welt und Fensterbrett, Worauf ich stehe, denke ich nicht, straf mich Gott, Das Alles fällt in einen Sack zusammen -- Wie Hagel, stiebend, in die Augen fliegt.

Adam.

Verflucht!

Sieh da!

Wer tat das?

Ruprecht.

Wer?

Der Lebrecht.

Adam.

Halunke!

Ruprecht.

Meiner Treue!

Wenn eres gewesen.

Adam.

Wer sonst!

Ruprecht.

Als stürzte mich ein Schlossenregen Von eines Bergs zehn Klaftern hohen Abhang, So schlage ich jetzt vom Fenster euch ins Zimmer: Ich denke ich schmettere den Boden ein.

Nun breche ich mir den Hals doch nicht, auch nicht Das Kreuz mir, Hüften, oder sonst, inzwischen Konnte ich des Kerls doch nicht mehr habhaft werden, Und sitze auf, und wische mir die Augen.

Die kommt, und ach, Herr Gott! ruft sie, und Ruprecht!

Was ist dir auch?

Mein Seele, ich hob den Fuß, Gut war_es, das ich nicht sah, wohin ich stieß.

Adam.

Kam das vom Sande noch?

Ruprecht.

Vom Sandwurf, ja.

Adam.

Verdammt!

Der traf!

Ruprecht.

Da ich jetzt aufersteh

Was sollte ich auch die Fäuste hier mir schänden?

So schimpf ich sie, und sage liederliche Metze, Und denke, das ist gut genug für sie.

Doch Tränen, seht, ersticken mir die Sprache.

Denn da Frau Marthe jetzt ins Zimmer tritt, Die Lampe hebt, und ich das Mädchen dort Jetzt schlotternd, zum Erbarmen vor mir sehe, Sie, die so herzhaft sonst wohl um sich sah, So sage' ich zu mir, blind ist auch nicht übel.

Ich hätte meine Augen hingegeben, Knippkügelchen, wer will, damit zu spielen.

Eve.

Er ist nicht wert, der Bösewicht --

Adam.

Sie soll schweigen.

Ruprecht.

Das Weitere wißt ihr.

Adam.

Wie, das Weitere?

Ruprecht.

Nun ja, Frau Marthe kam, und geiferte, Und Ralf, der Nachbar, kam, und Hinz, der Nachbar, Und Muhme Sus' und Muhme Liese kamen, Und Knecht und Mägde' und Hund und Katzen kamen, Es war ein Spektakel, und Frau Marthe fragte Die Jungfer dort, wer ihr den Krug zerschlagen, Und die, die sprach, ihr wißt_es, das iches gewesen.

Mein Seele, sie hat so Unrecht nicht, ihr Herren.

Den Krug, den sie zu Wasser trug, zerschlug ich, Und der Flickschuster hat im Kopf ein Loch. --

Adam.

Frau Marthe!

Was entgegnet ihr der Rede?

Sagt an!

Frau Marthe.

Was ich der Rede entgegne?

Daß sie, Herr Richter, wie der Marder einbricht, Und Wahrheit wie ein gackelnd Huhn erwürgt.

Was Recht liebt, sollte zu den Keulen greifen, Um dieses Ungetüm der Nacht zu tilgen.

Adam.

Da wird sie den Beweis uns führen müssen.

Frau Marthe.

O ja, sehr gern.

Hier ist mein Zeuge. --

Rede!

Adam.

Die Tochter?

Nein, Frau Marthe.

Walter.

Nein?

Warum nicht?

Adam.

Als Zeugin, gnädiger Herr?

Steht im Gesetzbuch Nicht titulo, istes quarto? oder quinto?

Wenn Krüge oder sonst, was weiß ich?

Von jungen Bengeln sind zerschlagen worden, So zeugen Töchter ihren Müttern nicht?

Walter.

In eurem Kopf liegt Wissenschaft und Irrtum Geknetet, innig, wie ein Teig, zusammen; Mit jedem Schnitte gebt ihr mir von beidem.

Die Jungfer zeugt noch nicht, sie deklariert jetzt; Ob, und für wen, sie zeugen will und kann, Wird erst aus der Erklärung sich ergeben.

Adam.

Ja, deklarieren.

Gut. Titulo sexto.

Doch was sie sagt, das glaubt man nicht.

Walter.

Tritt vor, mein junges Kind.

Adam.

He!

Lies --! --

Erlaubt!

Die Zunge wird sehr trocken mir -- Margrethe!

Achter Auftritt.

Eine Magd (tritt auf).

Die Vorigen.

Adam.

Ein Glas mit Wasser! --

Die Magd.

Gleich!

Adam.

Kann ich euch gleichfalls --!

Walter.

Ich danke.

Adam.

Franz? oder Moseler?

Was ihr wollt.

Walter (verneigt sich; die Magd bringt Wasser und entfernt sich.)

Neunter Auftritt.

Walter.

Adam.

Frau Marthe u. s. w. ohne die Magd.

Adam.

-- Wenn ich freimütig reden darf, Ihr Gnaden, Die Sache eignet gut sich zum Vergleich.

Walter.

Sich zum Vergleich?

Das ist nicht klar, Herr Richter. Vernünftige Leute können sich vergleichen; Doch wie ihr den Vergleich schon wollt bewirken, Da noch durchaus die Sache nicht entworren, Das hätte ich wohl von euch zu hören Lust.

Wie denkt ihres anzustellen, sagt mir an?

Habt ihr ein Urteil schon gefaßt?

Adam.

Mein Seele!

Wenn ich, da das Gesetz im Stich mich läßt, Philosophie zu Hilfe nehmen soll, So wares -- der Leberecht --

Walter.

Wer?

Adam.

Oder Ruprecht --

Walter.

Wer?

Adam.

Oder Lebrecht, der den Krug zerschlug.

Walter.

Wer also war_es?

Der Lebrecht oder Ruprecht?

Ihr greift, ich sehe, mit eurem Urteil ein, Wie eine Hand in einen Sack voll Erbsen.

Adam.

Erlaubt!

Walter.

Schweigt, schweigt, ich bitte euch.

Adam.

Wie ihr wollt.

Auf meine Ehre, mir wäre_es vollkommen recht, Wenn sie es alle beide gewesen wären.

Walter.

Fragt dort, so werdet ihres erfahren.

Adam.

Sehr gern.

Doch wenn ihr_es heraus bekommt, bin ich ein Schuft.

-- Habt ihr das Protokoll da in Bereitschaft?

Licht.

Vollkommen.

Adam.

Gut.

Licht.

Und breche ein eigenes Blatt mir, Begierig, was darauf zu stehen kommt.

Adam.

Ein eigenes Blatt?

Auch gut.

Walter.

Sprich dort, mein Kind.

Adam.

Sprich, Evchen, hörst du, sprich jetzt, Jungfer Evchen!

Gib Gotte, hörst du, Herzchen, gib, mein Seele, Ihm und der Welt, gib ihm was von der Wahrheit.

Denke, daß du hier vor Gottes Richtstuhl bist, Und das du deinen Richter nicht mit Leugnen, Und Plappern, was zur Sache nicht gehört, Betrüben mußt.

Ach, was!

Du bist vernünftig.

Ein Richter immer, weißt du, ist ein Richter, Und Einer braucht ihn heute, und Einer morgen.

Sagst du, daß es der Lebrecht war: nun gut; Und sagst du, daß es Ruprecht war: auch gut!

Sprich so, sprich so, ich bin kein ehrlicher Kerl, Es wird sich Alles, wie du_es wünschest finden.

Willst du mir hier von einem anderen trätschen, Und dritten etwa, dumme Namen nennen: Sieh, Kind, nimm dich in Acht, ich sage nichts weiter.

In Huisum, holees der Henker, glaubt dires keiner, Und Keiner, Evchen, in den Niederlanden, Du weißt, die weißen Wände zeugen nicht, Der auch wird zu verteidigen sich wissen:

Und deinen Ruprecht holt die Schwerenot!

Walter.

Wenn ihr doch eure Reden lassen wolltet.

Geschwätz, gehauen nicht und nicht gestochen.

Adam.

Verstehen_es Ew. Gnaden nicht?

Walter.

Macht fort!

Ihr habt zulängst hier auf dem Stuhl gesprochen.

Adam.

Auf Ehre!

Ich habe nicht studiert, Ew. Gnaden.

Bin ich euch Herrn aus Utrecht nicht verständlich, Mit diesem Volk vielleicht verhält siches anders:

Die Jungfer weiß, ich wette, was ich will.

Frau Marthe.

Was soll das?

Dreist heraus jetzt mit der Sprache!

Eve.

O liebste Mutter!

Frau Marthe.

Du --!

Ich rate dir!

Ruprecht.

Mein Seele, es ist schwer, Frau Marthe, dreist zu sprechen, Wenn das Gewissen an der Kehle uns sitzt.

Adam.

Schweig er jetzt, Naseweis, mucks er nicht.

Frau Marthe.

Wer war_es?

Eve.

O Jesus!

Frau Marthe.

Maulaffe, der!

Der niederträchtige!

O Jesus!

Als ob sie eine Hure wäre.

Wares der Herr Jesus?

Adam.

Frau Marthe!

Unvernunft!

Was das für --!

Laß sie die Jungfer doch gewähren!

Das Kind einschrecken -- Hure -- Schafsgesicht!

So wird_es uns nichts.

Sie wird sich schon besinnen.

Ruprecht.

O ja, besinnen.

Adam.

Flaps dort, schweige er jetzt.

Ruprecht.

Der Flickschuster wird ihr schon einfallen.

Adam.

Der Satan!

Ruft den Büttel! He!

Hanfriede!

Ruprecht.

Nun, nun!

Ich schweige, Herr Richter, laßtes nur sein.

Sie wird euch schon auf meinen Namen kommen.

Frau Marthe.

Höre du, mache mir hier kein Spektakel, sage ich.

Höre, neun und vierzig bin ich alt geworden In Ehren: fünfzig möchte' ich gern erleben.

Den dritten Februar ist mein Geburtstag; Heute ist der erste.

Mache es kurz.

Wer war_es?

Adam.

Gut, meinethalben!

Gut, Frau Marthe Rull!

Frau Marthe.

Der Vater sprach, als er verschied: Höre, Marthe, Dem Mädel schaffe mir einen wackeren Mann; Und wird sie eine liederliche Metze, So gib dem Totengräber einen Groschen, Und laß mich wieder auf den Rücken legen: Mein Seele, ich glaube ich kehre im Grab mich um.

Adam.

Nun, das ist auch nicht übel.

Frau Marthe.

Willst du Vater Und Mutter jetzt, mein Evchen, nach dem vierten Gebot hoch ehren, gut, so sprich in meine Kammer Ließ ich den Schuster, oder einen dritten, Hörst du?

Der Bräutigam aber war es nicht.

Ruprecht.

Sie jammert mich.

Laßt doch den Krug, ich bitte euch; Ich will'n nach Utrecht tragen.

Solch ein Krug --.

Ich wollte ich hätte ihn nur entzwei geschlagen.

Eve.

Unedelmütiger, du!

Pfui, schäme dich, Daß du nicht sagst, gut, ich zerschlug den Krug!

Pfui, Ruprecht, pfui, o schäme dich, daß du Mir nicht in meiner Tat vertrauen kannst.

Gab ich die Hand dir nicht, und sagte, ja, Als du mich fragtest, Eve, willst du mich?

Meinst du, daß du den Flickschuster nicht wert bist?

Und hättest du durchs Schlüsselloch mich mit Dem Lebrecht aus dem Kruge trinken sehen, Du hättest denken sollen:

Ev' ist brav, Es wird sich alles ihr zum Ruhme lösen, Und istes im Leben nicht, so ist es jenseits, Und wenn wir auferstehen ist auch ein Tag.

Ruprecht.

Mein Seele, das dauert mir zu lange, Evchen.

Was ich mit Händen greife, glaube ich gern.

Eve.

Gesetzt, es wäre der Leberecht gewesen, Warum -- des Todes will ich ewig sterben, Hätte iches dir Einzigem nicht gleich vertraut; Jedoch warum vor Nachbarn, Knecht und Mägden -- Gesetzt, ich hätte Grund, es zu verbergen, Warum, o Ruprecht, sprich, warum nicht sollte ich, Auf dein Vertraun hin sagen, daß dues warst?

Warum nicht sollte iches?

Warum sollte iches nicht?

Ruprecht.

Ei, so zum Henker, sage_es, es ist mir Recht, Wenn du die Fiedel dir ersparen kannst.

Eve.

O du Abscheulicher!

Du Undankbarer!

Wert, daß ich mir die Fiedel spare!

Wert, Daß ich mit einem Wort zu Ehren mich, Und dich in ewiges Verderben bringe.

Walter.

Nun --?

Und dies einzige Wort --?

Halt uns nicht auf.

Der Ruprecht also war es nicht?

Eve.

Nein gnädiger Herr, weil er_es denn selbst so will, Um seinetwillen nur verschwieg ich es: Den irdenen Krug zerschlug der Ruprecht nicht, Wenn eres euch selber leugnet, könnt ihres glauben.

Frau Marthe.

Eve!

Der Ruprecht nicht?

Eve.

Nein, Mutter, nein!

Und wenn ich_es gestern sagte, war_es gelogen.

Frau Marthe.

Höre, dir zerschlage ich alle Knochen!

(sie setzt den Krug nieder).

Eve.

Tut, was ihr wollt.

Walter (drohend).

Frau Marthe!

Adam.

He!

Der Büttel!

-- Schmeißt sie heraus dort, die verwünschte Vettel!

Warum soll_es Ruprecht just gewesen sein.

Hat sie das Licht dabei gehalten, was?

Die Jungfer, denke ich, wird es wissen müssen:

Ich bin ein Schelm, wennes nicht der Lebrecht war.

Frau Marthe.

War es der Lebrecht etwa?

Wares der Lebrecht?

Adam.

Sprich, Evchen, war_es der Lebrecht nicht, mein Herzchen?

Eve.

Er Unverschämter, er!

Er Niederträchtiger!

Wie kann er sagen, daß es Lebrecht --

Walter.

Jungfer!

Was untersteht sie sich?

Ist das mir der Respekt, den sie dem Richter schuldig ist?

Eve.

Ei, was!

Der Richter dort!

Wert, selbst vor dem Gericht, ein armer Sünder, dazustehen -- --

Er, der wohl besser weiß, wer es gewesen!

(sich zum Dorfrichter wendend:)

Hat er den Lebrecht in die Stadt nicht gestern Geschickt nach Utrecht, vor die Kommission, Mit dem Attest, die die Rekruten aushebt?

Wie kann er sagen, daß es Lebrecht war, Wenn er wohl weiß, daß der in Utrecht ist?

Adam.

Nun wer denn sonst?

Wenn_es Lebrecht nicht, zum Henker -- Nicht Ruprecht ist, nicht Lebrecht ist -- --

Was machst du?

Ruprecht.

Mein Seele, Herr Richter Adam, laßt euch sagen, Hierin mag doch die Jungfer just nicht lügen, Dem Lebrecht bin ich selbst begegnet gestern, Als er nach Utrecht ging, früh wares Glocke acht, Und wenn er auf ein Fuhrwerk sich nicht lud, Hat sich der Kerl, krummbeinig wie er ist, Glocke zehn Uhr Nachts noch nicht zurück gehaspelt.

Es kann ein dritter wohl gewesen sein.

Adam.

Ach, was!

Krummbeinig!

Schafsgesicht!

Der Kerl Geht seinen Stiefel, der, trotz Einem.

Ich will von ungespaltenem Leibe sein, Wenn nicht ein Schäferhund von mäßiger Größe Muß seinen Trab gehen, mit ihm fortzukommen.

Walter.

Erzähle den Hergang uns.

Adam.

Verzeihn Ew. Gnaden!

Hierauf wird euch die Jungfer schwerlich dienen.

Walter.

Nicht dienen?

Mir nicht dienen?

Und warum nicht?

Adam.

Ein twatsches Kind.

Ihr seht_es.

Gut, aber twatsch.

Blutjung, gefirmelt kaum; das schämt sich noch, Wennes einen Bart von weitem sieht.

So'n Volk Im Finsteren leiden sie_es, und wenn es Tag wird, So leugnen siees vor ihrem Richter ab.

Walter.

Ihr seid sehr nachsichtsvoll, Herr Richter Adam, Sehr mild, in allem, was die Jungfer angeht.

Adam.

Die Wahrheit euch zu sagen, Herr Gerichtsrat, Ihr Vater war ein guter Freund von mir.

Wollen Ew. Gnaden heute huldreich sein, So tun wir hier nicht mehr, als unsere Pflicht, Und lassen seine Tochter gehen.

Walter.

Ich spüre große Lust in mir, Herr Richter, Der Sache völlig auf den Grund zu kommen. --

Sei dreist, mein Kind; sage, wer den Krug zerschlagen.

Vor niemand stehst du, in dem Augenblick, Der einen Fehltritt nicht verzeihen könnte.

Eve.

Mein lieber, würdiger und gnädiger Herr, Erlaßt mir, euch den Hergang zu erzählen.

Von dieser Weigerung denkt uneben nicht.

Es ist des Himmels wunderbare Fügung, Die mir den Mund in dieser Sache schließt.

Daß Ruprecht jenen Krug nicht traf, will ich Mit einem Eid, wenn ihr_es verlangt, Auf heiligem Altar bekräftigen.

Jedoch die gestrige Begebenheit, Mit jedem anderen Zuge, ist mein eigen, Und nicht das ganze Garnstück kann die Mutter, Um eines einzigen Fadens Willen, fordern, Der, ihr gehörig, durchs Gewebe läuft.

Ich kann hier, wer den Krug zerschlug, nicht melden, Geheimnisse, die nicht mein Eigentum, Müßte ich, dem Kruge völlig fremd, berühren.

Früh oder spät, will ich_es ihr anvertrauen, Doch hier das Tribunal ist nicht der Ort, Wo sie das Recht hat, mich danach zu fragen.

Adam.

Nein, Rechtens nicht.

Auf meine Ehre nicht.

Die Jungfer weiß, wo unsere Zäume hängen.

Wenn sie den Eid hier vor Gericht will schwören, So fällt der Mutter Klage weg: Dagegen ist nichts weiter einzuwenden.

Walter.

Was sagt zu der Erklärung sie, Frau Marthe?

Frau Marthe.

Wenn ich gleich was Erkleckliches nicht aufbringe, Gestrenger Herr, so glaubt, ich bitte euch sehr, Daß mir der Schlag bloß jetzt die Zunge lähmte.

Beispiele gibt_es, daß ein verlorener Mensch, Um vor der Welt zu Ehren sich zu bringen, Den Meineid vor dem Richterstuhle wagt; doch daß Ein falscher Eid sich schwören kann, auf heiligem Altar, um an den Pranger hinzukommen, Das heute erfährt die Welt zum erstenmal.

Wäre, daß ein Anderer, als der Ruprecht sich In ihre Kammer gestern schlich, gegründet, Wäre_es überall nur möglich, gnädiger Herr, Versteht mich wohl, -- so säumt ich hier nicht länger.

Den Stuhl setzt ich, zur ersten Einrichtung, Ihr vor die Tür, und sagte, gehe, mein Kind, Die Welt ist weit, da zahlst du keine Miete, Und lange Haare hast du auch geerbt, Woran du dich, kommt Zeit, kommt Rat, kannst hängen.

Walter.

Ruhig, ruhig, Frau Marthe.

Frau Marthe.

Da ich jedoch Hier den Beweis noch anders führen kann, Als bloß durch sie, die diesen Dienst mir weigert, Und überzeugt bin völlig, daß nur er Mir, und kein Anderer den Krug zerschlug, So bringt die Lust, es kurz hin abzuschwören, Mich noch auf einen schändlichen Verdacht.

Die Nacht von gestern birgt ein anderes Verbrechen noch, als bloß die Krugverwüstung.

Ich muß euch sagen, gnädiger Herr, daß Ruprecht Zur Konskription gehört, in wenig Tagen Soll er den Eid zur Fahne in Utrecht schwören.

Die jungen Landessöhne reißen aus.

Gesetzt, er hätte gestern Nacht gesagt:

Was meinst du, Evchen? Komme.

Die Welt ist groß.

Zu Kiste und Kasten hast du ja die Schlüssel -- Und sie, sie hätte' ein wenig sich gesperrt:

So hätte ungefähr, da ich sie störte, -- Bei ihm aus Rache, aus Liebe noch bei ihr -- Der Rest, so wie geschehen, erfolgen können.

Ruprecht.

Das Rabenaas! Was das für Reden sind! Zu Kiste und Kasten --

Walter.

Still!

Eve.

Er, austreten!

Walter.

Zur Sache hier.

Vom Krug ist hier die Rede.

-- Beweis, Beweis, daß Ruprecht ihn zerbrach!

Frau Marthe.

Gut, gnädiger Herr.

Erst will ich hier beweisen, Daß Ruprecht mir den Krug zerschlug, Und dann will ich im Hause untersuchen. --

Seht eine Zunge, die mir Zeugnis redet, Bringe ich für jedes Wort auf, das er sagte, Und hätte in Reihen gleich sie aufgeführt, Wenn ich von fern geahndet nur, daß diese Die ihrige für mich nicht brauchen würde.

Doch wenn ihr Frau Brigitte jetzt ruft, Die ihm die Muhme' ist, so genügt mir die, Weil die den Hauptpunkt just bestreiten wird.

Denn die, die hat Glocke halb auf elf im Garten, Merkt wohl, bevor der Krug zertrümmert worden, Wortwechselnd mit der Ev' ihn schon getroffen; Und wie die Fabel, die er aufgestellt, Vom Kopf zu Fuß dadurch gespalten wird, Durch diese einzige Zunge, ihr hohen Richter, Das überlaß ich selbst euch einzusehen.

Ruprecht.

Wer hat mich --?

Veit.

Schwester Briggy?

Ruprecht.

Mich mit Ev'?

Im Garten?

Frau Marthe.

Ihn mit der Ev', im Garten, Glocke halb elf, Bevor er noch, wie er geschwätzt, um elf Das Zimmer überrumpelnd eingesprengt:

Im Wortgewechsel, kosend bald, bald zerrend, Als wollte er sie zu etwas überreden.

Adam (für sich).

Verflucht! Der Teufel ist mir gut.

Walter.

Schafft diese Frau herbei.

Ruprecht.

Ihr Herrn, ich bitte euch:

Das ist kein wahres Wort, das ist nicht möglich.

Adam.

O wart, Halunke! --

He!

Der Büttel!

Hanfried!

-- Denn auf der Flucht zerschlagen sich die Krüge -- -- Herr Schreiber, geht, schafft Frau Brigitt' herbei!

Veit.

Höre, du verfluchter Schlingel, du, was machst du? Dir breche ich alle Knochen noch.

Ruprecht.

Weshalb auch?

Veit.

Warum verschwiegst du, daß du mit der Dirne Glocke halb auf elf im Garten schon scharwenzelt?

Warum verschwiegst du_es?

Ruprecht.

Warum iches verschwieg?

Gottes Schlag und Donner, weiles nicht wahr ist, Vater!

Wenn das die Muhme Briggy zeugt, so hängt mich.

Und bei den Beinen sie meinethalben dazu.

Veit.

Wenn aber sie_es bezeugt -- nimm dich in Acht!

Du und die saubere Jungfer Eve dort, Wie ihr auch vor Gericht euch stellt, ihr steckt Doch unter einer Decke noch.

Es ist irgend Ein schändliches Geheimnis noch, von dem Sie weiß, und nur aus Schonung hier nichts sagt.

Ruprecht.

Geheimnis! Welches?

Veit.

Warum hast du eingepackt?

He?

Warum hast du gestern Abend eingepackt?

Ruprecht.

Die Sachen?

Veit.

Röcke, Hosen, ja, und Wäsche; Ein Bündel, wie_es ein Reisender just auf Die Schultern wirft?

Ruprecht.

Weil ich nach Utrecht soll!

Weil ich zum Regiment soll! Himmel-Donner --!

Glaubt er, daß ich --?

Veit.

Nach Utrecht?

Ja, nach Utrecht!

Du hast geeilt, nach Utrecht hinzukommen!

Vorgestern wußtest du noch nicht, ob du Den fünften oder sechsten Tag wirst reisen.

Walter.

Weiß er zur Sache was zu melden, Vater?

Veit.

-- Gestrenger Herr, ich will noch nichts behaupten.

Ich war daheim, als sich der Krug zerschlug, Und auch von einer anderen Unternehmung Habe ich, die Wahrheit zugestehen, noch nichts, Wenn ich jedweden Umstand wohl erwäge, Das meinen Sohn verdächtig macht, bemerkt.

Von seiner Unschuld völlig überzeugt, Kam ich hierher, nach abgemachtem Streit Sein ehelich Verlöbnis aufzulösen, Und ihm das Silberkettlein einzufordern, Samt dem Schaupfennig, den er der Jungfer Bei dem Verlöbnis vorigen Herbst verehrt.

Wenn jetzt von Flucht was, und Verräterei An meinem grauen Haar zu Tage kommt, So ist mir das so neu, ihr Herrn, als euch:

Doch dann der Teufel soll den Hals ihm brechen.

Walter.

Schafft Frau Brigitt' herbei, Herr Richter Adam.

Adam.

-- Wird Ew. Gnaden diese Sache nicht Ermüden?

Sie zieht sich in die Länge. Ew. Gnaden haben meine Kassen noch, Und die Registratur -- Was ist die Glocke?

Licht.

Es schlug so eben halb.

Adam.

Auf elf!

Licht.

Verzeiht, auf zwölf.

Walter.

Gleichviel.

Adam.

Ich glaube, die Zeit ist, oder ihr verrückt.

(er sieht nach der Uhr)

Ich bin kein ehrlicher Mann. --

Ja, was befehlt ihr?

Walter.

Ich bin der Meinung --

Adam.

Abzuschließen?

Gut --!

Walter. Erlaubt! Ich bin der Meinung, fortzufahren. Adam. Ihr seid der Meinung -- Auch gut. Sonst würde ich Auf Ehre, morgen früh, Glocke neun, die Sache, Zu eurer Zufriedenheit beendigen. Walter. Ihr wißt um meinen Willen. Adam. Wie ihr befehlt. Herr Schreiber, schickt die Büttel ab; sie sollen Sogleich ins Amt die Frau Brigitte laden. Walter. Und nehmt euch -- Zeit, die mir viel wert, zu sparen -- Gefälligst selbst der Sache' ein wenig an. Zehnter Auftritt. Die Vorigen (ohne) Licht. Einige Mägde. Adam (aufstehend). Inzwischen könnte man, wennes so gefällig, Vom Sitze sich ein wenig lüften --? Walter. Hm! O ja. Was ich sagen wollte -- Adam. Erlaubt ihr gleichfalls, Daß die Parteien, bis Frau Brigitt' erscheint --? Walter. Was? Die Parteien? Adam. Ja, vor die Tür, wenn ihr -- Walter (für sich). Verwünscht! (laut.) Herr Richter Adam, wißt ihr was? Gebt ein Glas Wein mir in der Zwischenzeit. Adam. Von ganzem Herzen gern. He! Margarethe! Ihr macht mich glücklich, gnädiger Herr. -- Margrethe! (Die Magd tritt auf.) Die Magd. Hier. Adam. Was befehlt ihr? -- Tretet ab, ihr Leute. Franz? -- Auf dem Vorsaal draußen. -- Oder Rhein? Walter. Von unserem Rhein. Adam. Gut. -- Bis ich rufe. Marsch! Walter. Wohin? Adam. Gehe, vom Versiegelten, Margrethe. -- Was? Auf den Flur bloß draußen. -- Hier. -- Der Schlüssel. Walter. Hm! Bleibt. Adam. Fort! Marsch, sage ich! -- Gehe, Margarethe! Und Butter, frisch gestampft, Käse auch aus Limburg, Und von der fetten pommerschen Räuchergans. Walter. Halt! Einen Augenblick! Macht nicht so viel Umstände' ich bitte euch sehr, Herr Richter. Adam. Schert Zum Teufel euch, sage ich! Tue, wie ich sagte. Walter. Schickt ihr die Leute fort, Herr Richter? Adam. Ew. Gnaden? Walter. Ob ihr --? Adam. Sie treten ab, wenn ihr erlaubt. Bloß ab, bis Frau Brigitt' erscheint. Wie, oder solles nicht etwa --? Walter. Hm! Wie ihr wollt. Doch obes der Mühe sich verlohnen wird? Meint ihr, daß es so lange Zeit wird währen, Bis man im Ort sie trifft? Adam. Es ist heute Holztag, Gestrenger Herr. Die Weiber größtenteils Sind in den Fichten, Sträucher einzusammeln. Es könnte leicht -- Ruprecht. Die Muhme ist zu Hause. Walter. Zu Haus. Laßt sein. Ruprecht. Die wird sogleich erscheinen. Walter. Die wird uns gleich erscheinen. Schafft den Wein. Adam (für sich). Verflucht! Walter. Macht fort. Doch nichts zum Imbiß, bitte ich, Als ein Stück trockenen Brotes nur, und Salz. Adam (für sich). Zwei Augenblicke mit der Dirne allein -- (laut). Ach trockenes Brot! Was! Salz! Geht doch. Walter. Gewiß. Adam. Ei, ein Stück Käse' aus Limburg -- mindestens Käse -- Macht erst geschickt die Zunge, Wein zu schmecken. Walter. Gut. Ein Stück Käse denn, doch weiter nichts. Adam. So gehe. Und weiß, von Damast, aufgedeckt. Schlecht alles zwar, doch recht. (Die Magd ab). Das ist der Vorteil Von uns verrufenen hagestolzen Leuten, Daß wir, was Andere knapp und kummervoll, Mit Weib und Kindern täglich teilen müssen, Mit einem Freunde zur gelegenen Stunde, Vollauf genießen. Walter. Was ich sagen wollte -- Wie kamt ihr doch zu eurer Wunde, Herr Richter? Das ist ein böses Loch, fürwahr, im Kopf, das! Adam. -- Ich fiel. Walter. Ihr fielt. Hm! So. Wann? Gestern Abend? Adam. Heute, Glocke halb sechs, verzeiht, am Morgen, früh, Da ich so eben aus dem Bette stieg. Walter. Worüber? Adam. Über -- gnädiger Herr Gerichtsrat, Die Wahrheit euch zu sagen, über mich. Ich schlug euch häuptlings an den Ofen nieder, Bis diese Stunde weiß ich nicht, warum? Walter. Von hinten? Adam. Wie? Von hinten -- Walter. Oder vorn? Ihr habt zwei Wunden, vorne eine und hinten. Adam. Von vorn und hinten. -- Magarethe! Die beiden Mägde (mit Wein u. s. w. Sie decken auf, und gehen wieder ab.) Walter. Wie? Adam. Erst so, dann so. Erst auf die Ofenkante, Die vorn die Stirn mir einstieß, und sodann Vom Ofen rückwärts auf den Boden wieder, Wo ich mir noch den Hinterkopf zerschlug. (Er schenkt ein.) Istes euch gefällig? Walter (nimmt das Glas). Hättet ihr ein Weib, So würde ich wunderliche Dinge glauben, Herr Richter. Adam. Wie so? Walter. Ja, bei meiner Treue, So rings sehe ich zerkritzt euch und zerkratzt. Adam (lacht). Nein, Gott sei Dank! Frauennägel sind es nicht. Walter. Glaubees. Auch ein Vorteil noch der Hagestolzen. Adam (fortlachend). Strauchwerk, für Seidenwürmer, das man trocknend Mir an dem Ofenwinkel aufgesetzt. -- Auf euer Wohlergehen! (Sie trinken.) Walter. Und gerade auch heute Noch die Perücke seltsam einzubüßen! Die hätte euch eure Wunde noch bedeckt. Adam. Ja, ja. Jedwedes Übel ist ein Zwilling. -- Hier -- von dem fetten jetzt -- kann ich --? Walter. Ein Stückchen. Aus Limburg? Adam. Recte aus Limburg, gnädiger Herr. Walter. -- Wie Teufel aber, sagt mir, ging das zu? Adam. Was? Walter. Daß ihr die Perücke eingebüßt. Adam. Ja seht. Ich sitze und lese gestern Abend Ein Aktenstück, und weil ich mir die Brille Verlegt, duck ich so tief mich in den Streit, Daß bei der Kerze Flamme lichterloh Mir die Perücke angeht. Ich, ich denke, Feu'r fällt vom Himmel auf mein sündig Haupt, Und greife sie, und will sie von mir werfen; Doch ehe ich noch das Nackenband gelöst, Brennt sie wie Sodom und Gomorrha schon. Kaum daß ich die drei Haare noch mir rette. Walter. Verwünscht! Und eure andere ist in der Stadt. Adam. Bei dem Perückenmacher. -- Doch zur Sache. Walter. Nicht allzurasch, ich bitte, Herr Richter Adam. Adam. Ei, was! Die Stunde rollt. Ein Gläschen hier. (er schenkt ein). Walter. Der Lebrecht -- wenn der Kauz dort wahr gesprochen -- Er auch hat einen bösen Fall getan. Adam. Auf meine Ehre (er trinkt). Walter. Wenn hier die Sache, Wie ich fast fürchte, unentworren bleibt, So werdet ihr, in eurem Ort, den Täter Leicht noch aus seiner Wunde entdecken können. (er trinkt). Niersteiner? Adam. Was? Walter. Oder guter Oppenheimer? Adam. Nierstein. Sieh da! Auf Ehre! Ihr verstehtes. Aus Nierstein, gnädiger Herr, als hätte ich ihn geholt. Walter. Ich prüft ihn, vor drei Jahren, an der Kelter. Adam (schenkt wieder ein). Walter. -- Wie hoch ist euer Fenster -- dort! Frau Marthe. Frau Marthe. Mein Fenster? Walter. Das Fenster jener Kammer ja, Worin die Jungfer schläft? Frau Marthe. Die Kammer zwar Ist nur vom ersten Stock, ein Keller drunter, Mehr als neun Fuß das Fenster nicht vom Boden; Jedoch die ganze, wohlerwogene Gelegenheit sehr ungeschickt zum Springen. Denn auf zwei Fuß steht von der Wand ein Weinstock, Der seine knotigen Äste rankend hin Durch ein Spalier treibt, längs der ganzen Wand: Das Fenster selbst ist noch davon umstrickt. Es würde ein Eber, ein gewaffneter, Mühe mit den Fängern haben, durchzubrechen. Adam. Es hing auch keiner drin. (er schenkt sich ein). Walter. Meint ihr? Adam. Ach, geht! (er trinkt). Walter (zu Ruprecht). Wie traf er denn den Sünder? Auf den Kopf? Adam. Hier. Walter. Laßt. Adam. Gebt her. Walter. Es ist halb noch voll. Adam. Willes füllen. Walter. Ihr hörtes. Adam. Ei, für die gute Zahl. Walter. Ich bitte euch. Adam. Ach, was! Nach der Pythagoreer-Regel. (er schenkt ihm ein). Walter (wieder zu Ruprecht). Wie oft traf er dem Sünder denn den Kopf? Adam. Eins ist der Herr. Zwei ist das finstere Chaos; Drei ist die Welt. Drei Gläser lobe ich mir. Im dritten trinkt man mit den Tropfen Sonnen, Und Firmament mit den übrigen. Walter. Wie oftmals auf den Kopf traf er den Sünder? Er, Ruprecht, ihn dort frag ich! Adam. Wird manes hören? Wie oft trafst du den Sündenbock? Na, heraus! Gottes Blitz, seht, weiß der Kerl wohl selbst, ob er -- Vergaßt dues? Ruprecht. Mit der Klinke? Adam. Ja, was weiß ich. Walter. Vom Fenster, als er nach ihm herunter hieb? Ruprecht. Zweimal, ihr Herrn. Adam. Halunke! das behielt er! (er trinkt), Walter. Zweimal! Er kommt ihn mit zwei solchen Hieben Erschlagen, weiß er --? Ruprecht. Hätte ich ihn erschlagen, So hätte ich ihn. Es wäre mir gerade recht. Läge er hier vor mir, tot, so könnte ich sagen, Der wares, ihr Herrn, ich habe euch nicht belogen. Adam. Ja, tot! das glaube' ich. Aber so -- (er schenkt ein). Walter. Konnte er ihn denn im dunklen nicht erkennen? Ruprecht. Nicht einen Stich, gestrenger Herr. Wie sollt ich? Adam. Warum sperrtest du nicht die Augen auf -- Stoßt an! Ruprecht. Die Augen auf! Ich hatte sie aufgesperrt. Der Satan warf sie mir voll Sand. Adam (in den Bart). Voll Sand, ja! Warum sperrtest du deine großen Augen auf. -- Hier. Was wir lieben, gnädiger Herr! Stoßt an! Walter. -- Was recht und gut und treu ist, Richter Adam! (sie trinken). Adam. Nun denn, zum Schluß jetzt, wennes gefällig ist. (er schenkt ein). Walter. Ihr seid zuweilen bei Frau Marthe wohl, Herr Richter Adam. Sagt mir doch, Wer, außer Ruprecht, geht dort aus und ein. Adam. Nicht allzuoft, gestrenger Herr, verzeiht. Wer aus und eingeht, kann ich euch nicht sagen. Walter. Wie? Solltet ihr die Witwe nicht zuweilen Von eurem Seelen Freund besuchen? Adam. Nein, in der Tat, sehr selten nur. Walter. Frau Marthe! Habt ihres mit Richter Adam hier verdorben? Er sagt, er spräche nicht mehr bei euch ein? Fra Marthe. Hm! Gnädiger Herr, verdorben? Das just nicht. Ich denke er nennt mein guter Freund sich noch. Doch daß ich oft in meinem Haus ihn sähe, Das vom Herrn Vetter kann ich just nicht rühmen. Neun Wochen sindes, daß er_es zuletzt betrat, Und auch nur da noch im Vorübergehen. Walter. Wie sagt ihr? Frau Marthe. Was? Walter. Neun Wochen wärenes --? Frau Marthe. Neun, Ja -- Donnerstag sindes zehn. Er bat sich Samen Bei mir, von Nelken und Aurikeln aus. Walter. Und -- Sonntags -- wenn er auf das Vorwerk geht --? Frau Marthe. Ja, da -- da guckt er mir ins Fenster wohl, Und sagt guten Tag zu mir und meiner Tochter; Doch dann so geht er wieder seiner Wege. Walter (für sich). Hm! Sollt ich auch dem Manne wohl -- (er trinkt). Ich glaubte, Weil ihr die Jungfer Muhme dort zuweilen In eurer Wirtschaft braucht, so würdet ihr Zu Dank die Mutter dann und wann besuchen. Adam. Wie so, gestrenger Herr? Walter. Wie so? Ihr sagtet, Die Jungfer helfe euren Hühnern auf, Die euch im Hof erkranken. Hat sie nicht Noch heute in dieser Sache euch Rat erteilt?

Frau Marthe.

Ja, allerdings, gestrenger Herr, das tut sie, Vorgestern schickte er ihr ein krankes Perlhuhn Ins Haus, das schon den Tod im Leibe hatte. Vorm Jahr rettete sie ihm eins vom Pips, Und dies auch wird sie mit der Nudel heilen: Jedoch zum Dank ist er noch nicht erschienen.

Walter (verwirrt).

-- Schenkt ein, Herr Richter Adam, seid so gut. Schenkt gleich mir ein. Wir wollen eins noch trinken.

Adam.

Zu eurem Dienst. Ihr macht mich glücklich. Hier. (er schenkt ein).

Walter.

Auf euer Wohlergehen! -- Der Richter Adam, Er wird früh oder spät schon kommen.

Frau Marthe.

Meint ihr? Ich zweifle. Könnte ich Niersteiner, solchen, wie ihr trinkt, Und wie mein seliger Mann, der Kastellan, Wohl auch, von Zeit zu Zeit, im Keller hatte, Vorsetzen dem Herrn Vetter, wärees was anders: Doch so besitz ich nichts, ich arme Witwe, In meinem Hause, das ihn lockt.

Walter.

Um so viel besser.

Eilfter Auftritt.

Licht.

Frau Brigitte (mit einer Perücke in der Hand).

Die Mägde.

Die Vorigen.

Licht.

Hier, Frau Brigitte, herein.

Walter.

Ist das die Frau, Herr Schreiber Licht?

Licht.

Das ist die Frau Brigitte, Ew. Gnaden.

Walter.

Nun denn, so laßt die Sache uns jetzt beschließen. Nehmt ab, ihr Mägde. Hier. (Die Mägde mit Gläsern u. s. w. ab). Adam (während dessen). Nun, Evchen, höre, Drehe du mir deine Pille ordentlich, Wie sich_es gehört, so spreche ich heute Abend Auf ein Gericht Karauschen bei euch ein. Dem Luder muß sie ganz jetzt durch die Gurgel, Ist sie zu groß, so mages den Tod dran fressen.

Walter (erblickt die Perücke).

Was bringt uns Frau Brigitte dort für eine Perücke?

Licht.

Gnädiger Herr?

Walter.

Was jene Frau uns dort für eine Perücke bringt?

Licht.

Hm!

Walter.

Was!

Licht.

Verzeiht --

Walter.

Werde iches erfahren?

Licht.

Wenn Ew. Gnaden gütigst Die Frau, durch den Herrn Richter fragen wollen, So wird, wem die Perücke angehört, Sich, und das Weitere, zweifle ich nicht ergeben.

Walter.

-- Ich will nicht wissen, wem sie angehört. Wie kam die Frau dazu? Wo fand sie sie?

Licht.

Die Frau fand die Perücke im Spalier Bei Frau Margrethe Rull. Sie hing gespießt, Gleich einem Nest, im Kreuzgeflecht des Weinstocks, Dicht unterm Fenster, wo die Jungfer schläft.

Frau Marthe.

Was? Bei mir? Im Spalier?

Walter (heimlich).

Herr Richter Adam, Habt ihr mir etwas zu vertraun, So bitte' ich, um die Ehre des Gerichtes, Ihr seid so gut, und sagt mires an.

Adam.

Ich euch --?

Walter.

Nicht? Habt ihr nicht --?

Adam.

Auf meine Ehre -- (er ergreift die Perücke).

Walter.

Hier die Perücke ist die eure nicht?

Adam.

Hier die Perücke' ihr Herren, ist die meine! Das ist, Blitz-Element, die nämliche, Die ich dem Burschen vor acht Tagen gab, Nach Utrecht sie zum Meister Mehl zu bringen.

Walter.

Wem? Was?

Licht.

Dem Ruprecht?

Ruprecht.

Mir?

Adam.

Hab ich ihm Schlingel, Als er nach Utrecht vor acht Tagen ging, Nicht die Perücke' hier anvertraut, sie zum Friseur, daß er sie renoviere, hinzutragen?

Ruprecht.

Ob er --! Nun ja. Er gab mir --

Adam.

Warum hat er Nicht die Perücke, Halunke, abgegeben? Warum nicht hat er sie, wie ich befohlen, Beim Meister in der Werkstatt abgegeben?

Ruprecht.

Warum ich sie --? Gottes, Himmel-Donner -- Schlag! Ich habe sie in der Werkstatt abgegeben. Der Meister Mehl nahm sie --

Adam.

Sie abgegeben? Und jetzt hängt sie im Weinspalier bei Marthens? O wart, Canaille! So entkommst du nicht. Dahinter steckt mir von Verkappung was, Und Meuterei, was weiß ich? -- Wollt ihr erlauben, Daß ich sogleich die Frau nur inquiriere?

Walter.

Ihr hättet die Perücke --?

Adam.

Gnädiger Herr, Als jener Bursche dort, vergangenen Dienstag, Nach Utrecht fuhr mit seines Vaters Ochsen, Kam er ines Amt, und sprach, Herr Richter Adam, Habt ihr im Städtlein etwas zu bestellen? Mein Sohn, sage ich, wenn du so gut willst sein, So laß mir die Perücke' hier auftoupieren -- Nicht aber sagte ich ihm, gehe und bewahre Sie bei dir auf, verkappe dich darin, Und laß sie im Spalier bei Marthens hängen.

Frau Brigitte.

Ihr Herrn, der Ruprecht, meine ich, halte zu Gnaden, Der wares wohl nicht. Denn da ich gestern Nacht Hinaus aufs Vorwerk gehe, zu meiner Muhme, Die schwer im Kindbett liegt, hörte ich die Jungfer Gedämpft, im Garten hinten jemand schelten: Wut scheint und Furcht die Stimme ihr zu rauben. Pfui, schäm er sich, er Niederträchtiger, Was macht er? Fort. Ich werde die Mutter rufen; Als ob die Spanier im Lande wären. Drauf: Eve! durch den Zaun hin: Eve! rufe ich. Was hast du? Was auch giebt's? -- Und still wird es: Nun? Wirst du antworten? -- Was wollt ihr, Muhme? Was hast du vor, frag ich? -- Was werde ich haben. Ist es der Ruprecht? -- "Ei so ja, der Ruprecht. Geht euren Weg doch nur." -- So Koch dir Tee. Das liebt sich, denke ich, wie sich andere zanken.

Frau Marthe.

Mithin --?

Ruprecht.

Mithin --?

Walter.

Schweigt! Laßt die Frau vollenden.

Frau Brigitte.

Da ich vom Vorwerk nun zurückkehre Zur Zeit der Mitternacht etwa, und just, Im Lindengang, bei Marthens Gartens bin, Huscht euch ein Kerl bei mir vorbei, kahlköpfig, Mit einem Pferdefuß, und hinter ihm Erstinkt_es wie Dampf von Pech und Haar und Schwefel. Ich spreche ein Gott sei bei uns aus, und drehe Entsetzensvoll mich um, und sehe, mein Seele, Die Glatz ihr Herrn im Verschwinden noch, Wie faules Holz, den Lindengang durchleuchten.

Ruprecht.

Was! Himmel -- Tausend --!

Frau Marthe.

Ist sie toll, Frau Briggy?

Ruprecht.

Der Teufel, meint sie, wärees --?

Licht.

Still! Still!

Frau Brigitte.

Mein Seele! Ich weiß, was ich gesehen und gerochen.

Walter (ungeduldig).

Frau, ob_es der Teufel war, will ich nicht untersuchen, Ihn aber, ihn denunziert man nicht. Kann sie von einem anderen melden, gut: Doch mit dem Sünder da verschont sie uns.

Licht.

Wollen Ew. Gnaden sie vollenden lassen.

Walter.

Blödsinnig Volk, das!

Frau Brigitte.

Gut, wie ihr befehlt. Doch der Herr Schreiber Licht sind mir ein Zeuge.

Walter.

Wie? Ihr ein Zeuge?

Licht.

Gewissermaßen, ja.

Walter.

Fürwahr, ich weiß nicht --

Licht.

Bitte ganz submiß, Die Frau in dem Berichte nicht zu stören. Daß es der Teufel war, behaupte ich nicht; Jedoch mit Pferdefuß, und kahler Glatze Und hinten Dampf, wenn ich nicht sehr mich irre, Hates seine völlige Richtigkeit! -- Fahrt fort!

Frau Brigitte.

Da ich nun mit Erstaunen heute vernehme, Was bei Frau Marthe Rull geschehen, und ich Den Krugzertrümmrer auszuspionieren, Der mir zu Nacht begegnet am Spalier Den Platz, wo er gesprungen, untersuche, Finde ich im Schnee, ihr Herrn, euch eine Spur -- Was finde ich euch für eine Spur im Schnee? Rechts fein und scharf und nett gekantet immer, Ein ordentlicher Menschenfuß, Und links unförmig grobhin eingetölpelt Ein ungeheurer klotziger Pferdefuß.

Walter (ärgerlich).

Geschwätz, wahnsinniges, verdammenswürdiges --!

Veit.

Es ist nicht möglich, Frau!

Frau Brigitte.

Bei meiner Treue! Erst am Spalier, da, wo der Sprung geschehen, Seht, einen weiten, schneezerwühlten Kreis, Als ob sich eine Sau darin gewälzt; Und Menschenfuß und Pferdefuß von hier, Und Menschenfuß und Pferdefuß, und Menschenfuß und Pferdefuß, Quer durch den Garten, bis in alle Welt.

Adam.

Verflucht! -- hat sich der Schelm vielleicht erlaubt, Verkappt des Teufels Art --?

Ruprecht.

Was! Ich!

Licht.

Schweigt! Schweigt!

Frau Brigitte.

Wer einen Dachs sucht, und die Fährt' entdeckt, Der Waidmann, triumphiert nicht so, als ich. Herr Schreiber Licht, sage ich, denn eben sehe ich Von euch geschickt, den Würdigen zu mir treten, Herr Schreiber Licht, spart eure Session, Den Krugzertrümmerer judiziert ihr nicht, Der sitzt nicht schlechter euch, als in der Hölle: Hier ist die Spur die er gegangen ist.

Walter.

So habt ihr selbst euch überzeugt?

Licht.

Ew. Gnaden, Mit dieser Spur hates völlige Richtigkeit.

Walter.

Ein Pferdefuß?

Licht.

Fuß eines Menschen, bitte, Doch praeter propter wie ein Pferdehuf.

Adam.

Mein Seele, ihr Herrn, die Sache scheint mir ernsthaft. Man hat viel beißend abgefaßte Schriften, Die, daß ein Gott sei, nicht gestehen wollen; Jedoch den Teufel hat, so viel ich weiß, Kein Atheist noch bündig wegbewiesen. Der Fall, der vorliegt, scheint besonderer Erörterung wert. Ich trage darauf an, Bevor wir ein Konklusum fassen, Im Haag bei der Synode anzufragen Ob das Gericht befugt sei, anzunehmen, Daß Beelzebub den Krug zerbrochen hat.

Walter.

Ein Antrag, wie ich ihn von euch erwartet. Was wohl meint ihr, Herr Schreiber?

Licht.

Ew. Gnaden werden Nicht die Synode brauchen, um zu urteilen. Vollendet -- mit Erlaubnis! -- den Bericht, Ihr Frau Brigitte, dort; so wird der Fall Aus der Verbindung, hoffe ich, klar konstieren.

Frau Brigitte.

Hierauf: Herr Schreiber Licht, sage ich, laßt uns Die Spur ein wenig doch verfolgen, sehen, Wohin der Teufel wohl entwischt mag sein. Gut, sagt er, Frau Brigitt', ein guter Einfall; Vielleicht gehen wir uns nicht weit um, Wenn wir zum Herrn Dorfrichter Adam gehen.

Walter.

Nun? Und jetzt fand sich --?

Frau Brigitte.

Zuerst jetzt finden wir Jenseits des Gartens, in dem Lindengange, Den Platz, wo Schwefeldämpfe von sich lassend, Der Teufel bei mir angeprellt: ein Kreis, Wie scheu ein Hund etwa zur Seite weicht, Wenn sich die Katze prustend vor ihm setzt.

Walter.

Drauf weiter?

Frau Brigitte.

Nicht weit davon jetzt steht ein Denkmal seiner, An einem Baum, daß ich davor erschrecke.

Walter.

Ein Denkmal? Wie?

Frau Brigitte.

Wie? Ja, da werdet ihr --

Adam (für sich).

Verflucht mein Unterleib.

Licht.

Vorüber, bitte, Vorüber hier, ich bitte, Frau Brigitte.

Walter.

Wohin die Spur euch führte, will ich wissen!

Frau Brigitte.

Wohin? Mein Treue, den nächsten Weg zu euch, Just wie Herr Schreiber Licht gesagt.

Walter.

Zu uns? Hierher?

Frau Brigitte.

Vom Lindengange, ja, Aufes Schulzenfeld, den Karpfenteich entlang, Den Steg, quer über_den Gottesacker dann, Hier, sage ich, her, zum Herrn Dorfrichter Adam.

Walter.

Zum Herrn Dorfrichter Adam?

Adam.

Hier zu mir?

Frau Brigitte.

Zu euch, ja.

Ruprecht.

Wird doch der Teufel nicht In dem Gerichtshof wohnen?

Frau Brigitte.

Mein Treue, ich weiß nicht, Ob er in diesem Hause wohnt; doch hier, Ich bin nicht ehrlich, ist er abgestiegen: Die Spur geht hinten ein bis an die Schwelle.

Adam.

Sollte er vielleicht hier durchpassiert --?

Frau Brigitte.

Ja, oder durchpassiert. Kann sein. Auch das. Die Spur vornaus --

Walter.

War eine Spur vornaus?

Licht.

Vornaus, verzeihn Ew. Gnaden, keine Spur.

Frau Brigitre.

Ja, vornaus war der Weg zertreten.

Adam.

Zertreten. Durchpassiert. Ich bin ein Schuft. Der Kerl, paßt auf, hat den Gesetzen hier Was angehängt. Ich will nicht ehrlich sein, Wenn es nicht stinkt in der Registratur. Wenn meine Rechnungen, wie ich nicht zweifle, Verwirrt befunden werden sollten, Auf meine Ehre, ich stehe für nichts ein.

Walter.

Ich auch nicht.

(für sich).

Hm! Ich weiß nicht, war_es der Linke, War es der Rechte? Seiner Füße Einer -- Herr Richter! Eure Dose! -- Seid so gefällig.

Adam.

Die Dose?

Walter.

Die Dose. Gebt! hier!

Adam (zu Licht).

Bringt dem Herrn Gerichtsrat.

Walter.

Wozu die Umstände? Einen Schritt gebraucht_es.

Adam.

Es ist schon abgemacht. Gebt. Sr. Gnaden.

Walter.

Ich hätte euch was ins Ohr gesagt.

Adam.

Vielleicht, daß wir nachher Gelegenheit --

Walter.

Auch gut.

(nachdem sich Licht wieder gesetzt).

Sagt doch, ihr Herrn, ist jemand hier im Orte, Der mißgeschaffene Füße hat?

Licht.

Hm! Allerdings ist jemand hier in Huisum --

Walter.

So? Wer?

Licht.

Wollen Ew. Gnaden den Herrn Richter fragen --

Walter.

Den Herrn Richter Adam?

Adam.

Ich weiß von nichts. Zehn Jahre bin ich hier im Amt zu Huisum, So viel ich weiß, ist Alles gerade gewachsen.

Walter (zu Licht).

Nun? Wen hier meint ihr?

Frau Marthe.

Laß er doch seine Füße draußen! Was steckt er unter_den Tisch verstört sie hin, Das man fast meint, er wäre die Spur gegangen.

Walter.

Wer? Der Herr Richter Adam?

Adam.

Ich? die Spur? Bin ich der Teufel? Ist das ein Pferdefuß?

(er zeigt seinen linken Fuß).

Walter.

Auf meine Ehre. Der Fuß ist gut.

(heimlich)

Macht jetzt mit der Session sogleich ein Ende.

Adam.

Ein Fuß, wenn den der Teufel hätte, So könnte er auf die Bälle gehen und tanzen.

Frau Marthe.

D as sage ich auch. Wo wird der Herr Dorfrichter --

Adam.

Ach, was! Ich!

Walter.

Macht, sage ich, gleich ein Ende.

Frau Brigitte.

Den einzigen Skrupel nur, ihr würdigen Herrn, Macht, dünkt mich, dieser feierliche Schmuck!

Adam.

Was für ein feierlicher --?

Frau Brigitte.

Hier, die Perücke! Wer sah den Teufel je in solcher Tracht? Ein Bau, getürmter, strotzender von Talg, Als eines Domdechanten auf der Kanzel!

Adam.

Wir wissen hier zu Land nur unvollkommen, Was in der Hölle Mod' ist, Frau Brigitte! Man sagt, gewöhnlich trägt er eigenes Haar. Doch auf der Erde, bin ich überzeugt, Wirft er in die Perücke sich, um sich Den Honoratioren beizumischen.

Walter.

Nichtswürdiger! Wert, vor allem Volk ihn schmachvoll Vom Tribunal zu jagen! Was euch schützt, Ist einzig nur die Ehre des Gerichts. Schließt eure Session!

Adam.

Ich will nicht hoffen --

Walter.

Ihr hofft jetzt nichts. Ihr zieht euch aus der Sache.

Adam.

Glaubt ihr, ich hätte, ich, der Richter, gestern, Im Weinstock die Perücke eingebüßt?

Walter.

Behüte Gott! Die Eure ist ja im Feuer, Wie Sodom und Gomorrha, aufgegangen.

Licht.

Vielmehr -- vergebt mir, gnädiger Herr! die Katze Hat gestern in die seinige gejungt.

Adam.

Ihr Herrn, wenn hier der Anschein mich verdammt: Ihr übereilt euch nicht, bitte ich. Es gilt Mir Ehre oder Prostitution. So lang die Jungfer schweigt, begreif ich nicht, Mit welchem Recht ihr mich beschuldiget. Hier auf dem Richtstuhl von Huisum sitze ich, Und lege die Perücke auf den Tisch: Den der behauptet, daß sie mein gehört Fordere ich vors Oberlandgericht in Utrecht.

Licht.

Hm! Die Perücke paßt euch doch, mein Seele, Als wäre auf euren Scheiteln sie gewachsen.

(er setzt sie ihm auf).

Adam.

Verleumdung!

Licht.

Nicht?

Adam.

Als Mantel um die Schultern Mir noch zu weit, wie viel mehr um den Kopf.

(er besieht sich im Spiegel). Ruprecht.

Ei, solch ein Donnerwetter-Kerl!

Walter.

Still, er!

Frau Marthe.

Ei, solch ein Blitz verfluchter Richter, das!

Walter.

Noch einmal, wollt ihr gleich, soll ich die Sache enden?

Adam.

Ja, was befehlt ihr?

Ruprecht (zu Eve).

Eve, sprich, ist er_es?

Walter.

Was untersteht der Unverschämte sich?

Veit.

Schweige du, sage ich.

Adam.

Wart, Bestie! Dich fasse' ich.

Ruprecht.

Ei, du Blitz-Pferdefuß!

Walter.

Heda! der Büttel!

Veit.

Haltes Maul, sage ich.

Ruprecht.

Wart! Heute reiche ich dich. Heute streust du keinen Sand mir in die Augen.

Walter.

Habt ihr nicht so viel Witz, Herr Richter --?

Adam.

Ja, wenn Ew. Gnaden Erlauben, fälle ich jetzt die Sentenz.

Walter.

Gut. Tut das. Fällt sie.

Adam.

Die Sache jetzt konstiert, Und Ruprecht dort, der Racker, ist der Täter.

Walter.

Auch gut das.Weiter

Adam.

Den Hals erkenne ich Ins Eisen ihm, und weil er ungebührlich Sich gegen seinen Richter hat betragen, Schmeiß ich ihn ins vergitterte Gefängnis. Wie lange, werde ich noch bestimmen.

Eve.

Den Ruprecht --?

Ruprecht.

Ines Gefängnis mich?

Eve.

Ines Eisen? Walter. Spart eure Sorgen Kinder, -- Seid ihr fertig?

Adam.

Den Krug meinethalben mag er ersetzen, oder nicht.

Walter.

Gut denn. Geschlossen ist die Session. Und Ruprecht appelliert an die Instanz zu Utrecht.

Eve.

Er soll, er, erst nach Utrecht appellieren?

Ruprecht.

Was? Ich --?

Walter.

Zum Henker, ja! Und bis dahin --

Eve.

Und bis dahin --?

Ruprecht.

In das Gefängnis gehen?

Eve.

Den Hals ins Eisen stecken? Seid ihr auch Richter? Er dort, der Unverschämte, der dort sitzt, Er selber wares --

Walter.

Du hörst_es, zum Teufel! Schweige! Ihm bis dahin krümmt sich kein Haar --

Eve.

Auf, Ruprecht! Der Richter Adam hat den Krug zerbrochen!

Ruprecht.

Ei, wart, du!

Frau Marthe.

Er?

Frau Brigitte.

Der dort?

Eve.

Er, ja! Auf Ruprecht! Er war bei deiner Eve gestern! Auf! Fasse ihn! Schmeiß ihn jetzt, wie du willst.

Walter (steht auf).

Halt dort! Wer hier Unordnung --

Eve.

Gleichviel! Das Eisen ist verdient, gehe Ruprecht! Gehe schmeiße ihn von dem Tribunal herunter.

Adam.

Verzeiht, ihr Herrn.

(läuft weg).

Eve.

Hier! Auf!

Ruprecht.

Halte ihn!

Eve.

Geschwind!

Adam.

Was?

Ruprecht.

Blitz-Hinketeufel!

Eve.

Hast du ihn?

Ruprecht.

Gotts Schlag und Wetter! Es ist sein Mantel bloß!

Walter.

Fort! Ruft den Büttel!

Ruprecht (schlägt den Mantel).

Ratz! Das ist Eins. Und Ratz! Und Ratz! Noch Eins. Und noch Eins! In Ermangelung des Buckels.

Walter.

Er ungezogener Mensch! -- Schafft hier mir Ordnung! -- An ihm, wenn er sogleich nicht ruhig ist, Ihm wird der Spruch vom Eisen heute noch wahr.

Veit.

Sei ruhig, du vertrackter Schlingel!

Zwölfter Auftritt.

Die Vorigen (ohne Adam. -- Sie begeben sich alle in den Vordergrund der Bühne). Ruprecht. Ei, Evchen! Wie habe ich heute schändlich dich beleidigt! Ei Gott's Blitz, alle Wetter; und wie gestern! Ei, du mein goldenes Mädchen, Herzens-Braut! Wirst du dein Lebtag mir vergeben können?

Eve (wirft sich dem Gerichtsrat zu Füßen).

Herr! Wenn ihr jetzt nicht helft, sind wir verloren!

Walter.

Verloren? Warum das?

Ruprecht.

Herr Gott! Was giebt's?

Eve.

Errettet Ruprecht von der Konskription! Denn diese Konskription -- der Richter Adam Hat mires als ein Geheimnis anvertraut, Geht nach Ostindien; und von dort, ihr wißt, Kehrt von drei Männern Einer nur zurück!

Walter.

Was! Nach Ostindien! Bist du bei Sinnen?

Eve.

Nach Bantam, gnädiger Herr; verleugnet nicht! Hier ist der Brief, die stille heimliche Instruktion, die Landmiliz betreffend, Die die Regierung jüngst deshalb erließ: Ihr seht, ich bin von Allem unterrichtet.

Walter (nimmt den Brief und liest ihn).

O unerhört, arglistiger Betrug! -- Der Brief ist falsch!

Eve.

Falsch?

Walter.

Falsch, so wahr ich lebe! Herr Schreiber Licht, sagt selbst, ist das die Ordre, Die man aus Utrecht jüngst an euch erließ?

Licht.

Die Ordre! Was! Der Sünder, der! Ein Wisch, Den er mit eigenen Händen aufgesetzt! -- Die Truppen, die man anwarb, sind bestimmt Zum Dienst im Landesinneren; kein Mensch Denkt dran, sie nach Ostindien zu schicken!

Eve.

Nein, nimmermehr, ihr Herrn?

Walter.

Bei meiner Ehre! Und zum Beweise meines Worts: den Ruprecht, Wäre_es so, wie du mir sagst: ich Kauf' ihn frei!

Eve (steht auf).

O Himmel! Wie belog der Böswicht mich! Denn mit der schrecklichen Besorgnis eben, Quält er mein Herz, und kam, zur Zeit der Nacht, Mir ein Attest für Ruprecht aufzudringen; Bewies, wie ein erlogenes Krankheitszeugnis, Von allem Kriegsdienst ihn befreien könnte; Erklärte und versicherte und schlich, Um es mir auszufertigen, in mein Zimmer: So Schändliches, ihr Herren, von mir fordernd, Daß es kein Mädchenmund wagt auszusprechen!

Frau Brigitte.

Ei, der nichtswürdig-schändliche Betrüger!

Ruprecht.

Laß, laß den Pferdehuf, mein süßes Kind! Sieh, hätte ein Pferd bei dir den Krug zertrümmert, Ich wäre so eifersüchtig just, als jetzt!

(sie küssen sich).

Veit.

Das sage ich auch! Küßt und versöhnt und liebt euch; Und Pfingsten, wenn ihr wollt, mag Hochzeit sein!

Licht (am Fenster).

Seht, wie der Richter Adam, bitte ich euch, Berg auf, Berg ab, als flöhe er Rad und Galgen, Das aufgepflügte Winterfeld durchstampft!

Walter.

Was? Ist das Richter Adam?

Licht.

Allerdings!

Mehrere.

Jetzt kommt er auf die Straße. Seht! seht! Wie die Perücke ihm den Rücken peitscht!

Walter.

Geschwind, Herr Schreiber, fort! Holt ihn zurück! Daß er nicht Übel rettend ärger mache. Von seinem Amt zwar ist er suspendiert, Und euch bestell ich, bis auf weitere Verfügung, hier im Ort es zu verwalten; Doch sind die Kassen richtig, wie ich hoffe, Zur Desertion ihn zwingen will ich nicht. Fort! Tut mir den Gefallen, holt ihn wieder!

Letzter Auftritt.

Die Vorigen (ohne Licht). Frau Marthe. Sagt doch, gestrenger Herr, wo finde ich auch Den Sitz in Utrecht der Regierung?

Walter.

Weshalb, Frau Marthe?

Frau Marthe (empfindlich).

Hm! Weshalb? Ich weiß nicht -- Soll hier dem Kruge nicht sein Recht geschehen?

Walter.

Verzeiht mir! Allerdings. Am großen Markt, Und Dienstag ist und Freitag Session.

Frau Marthe.

Gut! Auf die Woche stelle' ich dort mich ein.

(Alle ab).

Ende.

Variant.

Zwölfter Auftritt.

Die Vorigen (ohne Adam.

Ruprecht.

Ei, Evchen! Wie habe ich heute schändlich dich beleidigt! Ei, Gott's Blitz, alle Wetter, und wie gestern! Ei, du mein goldenes Mädchen, Herzens-Braut! Wirst du dein Lebtag mir vergeben können?

Eve.

Gehe, laß mich sein.

Ruprecht.

Ei, ich verfluchter Schlingel! Könnte ich die Hände brauchen, mich zu prügeln. Nimm, weißt du was? höre: tue mir den Gefallen, Dein Päschen, holees der Henker, nimmes und ball's, Und schlage tüchtig Eins mir hinters Ohr. Willst du_es mir tun? Mein Seele, ich bin nicht ruhig.

Eve.

Du hörst. Ich will nichts von dir wissen.

Ruprecht.

Ei, solch ein Tölpel! Der Lebrecht denke ich, Schafsgesicht, und gehe. Mich beim Dorfrichter ehrlich zu beklagen, Und er, vor dem ich klage, ist es selbst: Den Hals noch judiziert er mir ins Eisen.

Walter.

Wenn sich die Jungfer gestern gleich der Mutter Eröffnet hätte züchtig, so hätte Sie dem Gerichte Schande' erspart, und sich Zweideutige Meinungen von ihrer Ehre.

Ruprecht.

Sie schämte sich. Verzeiht ihr, gnädiger Herr! Es war ihr Richter doch, sie musste ihn schonen. -- Komme nur jetzt fort zu Haus'. Es wird sich finden.

Eve.

Ja, schämen!

Ruprecht.

Gut. So war_es was Anderes. Behalt für dich, was brauchen wires zu wissen. Du wirst_es schon auf der Flieder-Bank mir Eins, Wenn von dem Turm die Vesper geht, erzählen. Komme, sei nur gut.

Walter.

Was wires zu wissen brauchen? So denke ich nicht. Wenn Jungfer Eve will, Daß wir an ihre Unschuld glauben sollen: So wird sie, wie der Krug zerbrochen worden, Umständlich nach den Hergang uns berichten. Ein Wort keck hingeworfen, macht den Richter In meinem Auge' der Sünde noch gar nicht schuldig.

Ruprecht.

Nun denn, so faß ein Herz! Du bist ja schuldlos. Sage_es, was er dir gewollt, der Pferdefuß. Sieh, hätte ein Pferd bei dir den Krug zertrümmert, Ich wäre so eifersüchtig just, als jetzt.

Eve.

Was hilft_es, daß ich jetzt schuldlos mich erzähle? Unglücklich sind wir beide auf immerdar.

Ruprecht.

Unglücklich, wir?

Walter.

Warum ihr unglücklich?

Ruprecht.

Was gilt_es, da ist die Konskription im Spiele.

Eve (wirft sich Waltern zu Füßen).

Herr, wenn ihr jetzt nicht helft, sind wir verloren!

Walter.

Wenn ich nicht --?

Ruprecht.

Ewiger Gott!

Walter.

Stehe auf, mein Kind.

Eve.

Nicht eher, Herr, als bis ihr eure Züge, Die menschlichen, die euch vom Antlitz strahlen, Wahr macht durch eine Tat der Menschlichkeit.

Walter.

Mein liebenswertes Kind! Wenn du mir deine Unschuldigen bewährst, wie ich nicht zweifle, Bewähr ich auch dir meine menschlichen. Stehe auf!

Eve.

Ja, Herr, das werde ich.

Walter.

Gut. So sprich.

Eve.

Ihr wißt, daß ein Edikt jüngst ist erschienen, Das von je hundert Söhnen jeden Orts Zehn für dies Frühjahr zu den Waffen ruft, Der rüstigsten. Denn der Hispanier Versöhnt sich mit dem Niederländer nicht, Und die Tyrannenrute will er wieder Sich, die zerbrochene, zusammenbinden. Kriegshaufen sieht man ziehen auf allen Wegen, Die Flotten rings, die er uns zugesendet, Von unserer Staaten Küsten abzuhalten, Und die Miliz steht auf, die Thor inzwischen In den verlaßenen Städten zu besetzen.

Walter.

So ist es.

Eve.

Ja, so heißt_es, ich weiß.

Walter.

Nun? Weiter?

Eve.

Wir eben sitzen, Mutter, Vater, Ruprecht Und ich, an dem Kamin, und halten Rat, Ob Pfingsten sich, ob Pfingsten übers Jahr, Die Hochzeit feiern soll: als plötzlich jetzt Die Kommission, die die Rekruten aushebt, Ines Zimmer tritt, und Ruprecht aufnotiert, Und unseren frohen Streit mit schneidendem Machtspruch, just da er sich zu Pfingsten neigte, Für, Gott weiß, welches Pfingstfest nun? -- entscheidet.

Walter.

Mein Kind --

Eve.

Gut, gut.

Walter.

Das allgemeine Los.

Eve.

Ich weiß.

Walter.

Dem kann sich Ruprecht gar nicht weigern.

Ruprecht.

Ich denke auch nicht daran.

Eve.

Er denkt nicht dran, Gestrenger Herr, und Gott behüte mich, Daß ich in seiner Sinnesart ihn störte. Wohl uns, daß wir was Heiliges, jeglicher, Wir freien Niederländer, in der Brust, Des Streites wert bewahren: so gebe jeder denn Die Brust auch her, es zu verteidigen. Müßte er dem Feinde im Treffen selbst begegnen, Ich spräche noch, zieh hin, und Gott mit dir: Was werde ich jetzt ihn weigern, da er nur Die Wälle, die geebneten, in Utrecht, Vor Knaben soll, und ihren Spielen schützen. Inzwischen, lieber Herr, ihr zürnt mir nicht -- Wenn ich die Mai'n in unserem Garten rings Dem Pfingstfest rötlich sehe' entgegen knospen, So kann ich mich der Tränen nicht enthalten: Denke ich doch sonst, und tue, wie ich soll.

Walter.

Verhüte auch Gott, daß ich darum dir zürne. Sprich weiter.

Eve.

Nun schickt die Mutter gestern Mich in gleichgültigem Geschäft ines Amt, Zum Richter Adam. Und da ich in das Zimmer trete, "Gott grüße dich, Evchen! Ei, warum so traurig? Spricht er. "Das Köpfchen hängt dir ja wie'n Maienglöckchen! Ich glaubte fast, du weißt, daß es dir steht. Der Ruprecht! Geld? Der Ruprecht!" -- Je nun freilich, Der Ruprecht, sage ich; wenn der Mensch was liebt, Muß er schon auch auf Erden etwas leiden. Drauf er: "du armes Ding! Hm! Was wohl gäbst du, Wenn ich den Ruprecht dir von der Miliz befreite? Und ich: wenn ihr den Ruprecht mir befreitet? Ei nun, dafür möchte ich euch schon was geben. Wie fingt ihr das wohl an? -- "Du Närrchen, sagt er, Der Physikus, der kann, und ich kann schreiben, Verborgene Leibesschäden sieht man nicht, Und bringt der Ruprecht ein Attest darüber Zur Kommission, so gibt die ihm den Abschied: Das ist ein Handel, wie um eine Semmel." -- So, sage ich. -- "Ja" -- So, so! Nun, laßtes nur sein, Herr Dorfrichter, spreche ich. Daß Gott der Herr Gerade den Ruprecht mir zur Lust erschaffen, Mag ich nicht vor der Kommission verleugnen. Des Herzens innerliche Schäden sieht er, Und ihn irrt kein Attest vom Physikus.

Walter.

Recht! Brav!

Eve.

"Gut," spricht er. "Wie du willst. So mag Er seiner Wege gehen. Doch was ich sagen wollte -- Die hundert Gulden, die er kürzlich erbte, Läßt du dir doch, bevor er geht, verschreiben?" -- Die hundert Gulden, frag ich? Ei, warum? Was hates mir für Gefahr auch mit den Gulden? Wird er denn weiter, als nach Utrecht gehen? -- "Ob er dir weiter als nach Utrecht geht? Ja, du gerechter Gott, spricht er, was weiß ich, Wohin der jetzt geht. Folgt er einmal der Trommel Die Trommel folgt dem Fähndrich, der dem Hauptmann, Der Hauptmann folgt dem Obersten, der folgt Dem General, und der folgt den vereinten Staaten wieder, Und die vereinten Staaten, holees der Henker, Die ziehen in Gedanken weit herum. Die lassen trommeln, daß die Felle platzen."

Walter.

Der Schändliche.

Eve.

Bewahre mich Gott, spreche ich, Ihr habt, als ihr den Ruprecht aufnotiert, Ja die Bestimmung deutlich ihm verkündigt. "Ja! Die Bestimmung!" spricht er: "Speck für Mäuse! Wenn sie die Landmiliz in Utrecht haben, So klappt die Falle hinten schnappend zu. Laß du die hundert Gulden dir verschreiben." -- Ist das gewiß, frag ich, Herr Richter Adam? Will man zum Kriegsdienst förmlich sie gebrauchen? "Ob man zum Kriegsdienst sie gebrauchen will?" -- Willst du Geheimnis, unverbrüchliches, Mir angeloben gegen jedermann? Ei, Herr Gott, spreche ich, was auch giebt's, Herr Richter! Was sieht er so bedenklich? Sage eres heraus.

Walter.

Nun? Nun? Was wird das werden?

Eve.

Was das wird werden? Herr, jetzt sagt er mir, was ihr wohl wißt, Daß die Miliz sich einschifft nach Batavia, Den eingeborenen Königen dort, von Bantam, Von Java, Jakatra, was weiß ich? Raub Zum Heil der Haager Krämer abzujagen.

Walter.

Was? nach Batavia?

Ruprecht.

Ich, nach Asien?

Walter.

Davon weiß ich kein Wort.

Eve.

Gestrenger Herr, Ich weiß, ihr seid verbunden, so zu reden.

Walter.

Auf meine Pflicht!

Eve.

Gut, gut. Auf eure Pflicht. Und die ist, uns, was wahr ist, zu verbergen.

Walter.

Du hörst_es. Wenn ich --

Eve.

Ich sah den Brief, verzeiht, den ihr Aus Utrecht an die Ämter habt erlassen.

Walter.

Welch einen Brief?

Eve.

Den Brief, Herr, die geheime Instruktion, die Landmiliz betreffend, Und ihre Stellung aus den Dörfern rings.

Walter.

Den hast du?

Eve.

Herr, den sah ich.

Walter.

Und darin?

Eve.

Stand, daß die Landmiliz, im Wahn, sie sei Zum inneren Friedensdienste nur bestimmt, Soll hingehalten werden bis zum März: Im März dann schiffe sie nach Asien ein.

Walter.

Das in dem Brief selbst hättest du gelesen?

Eve.

Ich nicht. Ich las es nicht. Ich kann nicht lesen. Doch er, der Richter, las den Brief mir vor.

Walter.

So. Er, der Richter.

Eve.

Ja. Und Wort vor Wort.

Walter.

Gut, gut. Nun weiter.

Eve.

Gott im Himmel, rufe ich, Das junge Volk, das blühende, nach Batavia! Das Eiland, das entsetzliche, wovon Jedweden Schiffes Mannschaft, das ihm naht, Die eine Hälfte stets die andere begräbt. Das ist ja keine offen ehrliche Konskription, das ist Betrug, Herr Richter, Gestohlen ist dem Land die schöne Jugend, Um Pfeffer und Muskaten einzuhandeln. List gegen List jetzt, schaffe er das Attest Für Ruprecht mir, und alles gebe ich ihm Zum Dank, was er nur redlich fordern kann.

Walter.

Das machtest du nicht gut.

Eve.

List gegen List.

Walter.

Drauf er?

Eve.

"Das wird sich finden," spricht er, "Evchen, Vom Dank nachher, jetzt gilt es das Attest. Wann soll der Ruprecht gehen?" -- In diesen Tagen. Gut," spricht er, "gut. Es trifft sich eben günstig. Denn heute noch kommt der Physikus ines Amt; Da kann ich gleich mein Heil mit ihm versuchen. Wie lange bleibt der Garten bei dir offen? Bei mir der Garten, frag ich? -- "Ja, der Garten. Bis gegen Zehn, sage ich. Warum, Herr Richter? "Vielleicht kann ich den Schein dir heute noch bringen." -- Er mir den Schein! Ei, wohin denkt er auch? Ich werde den Schein mir morgen früh schon holen. -- "Auch gut," spricht er. "Gleichviel. So holst du ihn. Glocke halb auf neun früh Morgens bin ich auf."

Walter.

Nun?

Eve.

Nun -- gehe ich zur Mutter heim, und harre, Den Kummer, den verschwiegenen, in der Brust, In meiner Klause, durch den Tag, und harre, Bis zehn zu Nacht auf Ruprecht, der nicht kommt.

Und gehe verstimmt Glocke zehn die Treppe hinab, Die Gartentür zu schließen, und erblicke, Da ich sie öffne, im Dunkel fernhin wen, Der schleichend von den Linden her mir naht. Und sage: Ruprecht! -- "Evchen," heisset es. -- Wer ist da? frag ich. -- "St! Wer wird es sein?" -- Ist er_es, Herr Richter? -- "Ja, der alte Adam" -- Ruprecht. Gottes Blitz! Eve. Er selbst -- Ruprecht. Gottes Donnerwetter! Eve. Ist_es, Und kommt, und scherzt, und kneift mir in die Backen, Und fragt, ob Mutter schon zu Bette sei. Ruprecht. Geht, den Halunken! Eve. Drauf ich: Ei, was Herr Richter, Was will er auch so spät zu Nacht bei mir? "Je, Närrchen," spricht er -- Dreist heraus, sage ich; Was hat er hier Glocke zehn bei mir zu suchen? "Was ich Glocke zehn bei dir zu suchen habe?" -- Ich sage, laß er die Hand mir weg! Was will er? -- "Ich glaube wohl, du bist verrückt," spricht er. Warst du nicht heute Glocke elf im Amt bei mir, Und wolltest ein Attest für Ruprecht haben? Ob ich? -- Nun ja. -- "Nun gut. Das bringe ich dir. Ich sagt_es ihm ja, daß ich_es mir holen wollte. -- "Bei meiner Treue! Die ist nicht recht gescheut. Ich muß Glocke fünf Uhr morgen früh verreisen, Und ungewiß, wann ich zurück kehre, Liefre ich den Schein noch heute ihr in die Hände; Und sie, nichts fehlt, sie zeigt die Türe mir; Sie will den Schein sich morgen bei mir holen." -- Wenn er verreisen will Glocke fünf Uhr morgen -- Davon ja wusste er heute noch nichts Glocke elf? "Ich sagees," spricht er, "die ist nicht recht bei Troste. Glocke zwölf bekam ich heute die Ordre erst." -- Das ist was Anderes, das wusste ich nicht. "Du hörst es ja," spricht er. -- Gut, gut, Herr Richter. So danke ich herzlich ihm für seine Mühe. Verzeih er mir. Wo hat er das Attest? Walter. Wißt ihr was von der Ordre? Licht. Nicht ein Wort. Vielmehr bekam er kürzlich noch die Ordre, Sich nicht von seinem Amte zu entfernen. Auch habt ihr heute zu Haus ihn angetroffen. Walter. Nun? Eve. Wenn er log, ihr Herrn, konnte iches nicht prüfen. Ich mußte seinem Wort vertraun. Walter. Ganz recht. Du konntest es nicht prüfen. Weiter nur. Wo ist der Schein, sprachst du? Eve. "Hier," sagt er, "Evchen; Und zieht ihn vor. "Doch höre," fährt er fort, Du mußt, so wahr ich lebe, mir vorher Noch sagen, wie der Ruprecht zubenamst? Heißt er nicht Ruprecht Gimpel?" -- Wer? Der Ruprecht? "Ja. Oder Simpel? Simpel oder Gimpel. Ach, Gimpel! Simpel! Tümpel heißt der Ruprecht. "Gott's Blitz, ja," spricht er; "Tümpel! Ruprecht Tümpel! Hab ich, Gott töte mich, mit dem Wetternamen Auf meiner Zunge nicht Versteck gespielt!" -- Ich sage, Herr Richter Adam, weiß er nicht --? "Der Teufel soll mich holen, nein!" spricht er. -- Steht denn der Name hier im Attest noch nicht? "Ob er in dem Attest --?" -- Ja, hier im Scheine. Ich weiß nicht, wie du heute bist," spricht er. Du hörst_es, ich sucht' und fand ihn nicht, als ich Heute Nachmittag bei mir den Schein hier mit Dem Physikus zusammen fabrizierte. Das ist ja aber dann kein Schein, spreche ich. Das ist, nehme eres mir übel nicht, ein Wisch, das! Ich brauche ein ordentlich Attest, Herr Richter. -- "Die ist, mein Seele, heute," spricht er, "ganz von Sinnen. Der Schein ist fertig, ge- und unterschrieben, Datiert, besiegelt auch, und in der Mitte Ein Platz, so groß just, wie ein Tümpel, offen; Den fülle ich jetzt mit Tinte aus, so ist_es Ein Schein, nach allen Regeln, wie du brauchst." -- Doch ich: wo will er in der Nacht, Herr Richter, Hier unterm Birnbaum auch den Platz erfüllen? -- "Gott's Menschenkind auch, unvernünftiges! Spricht er; "du hast ja in der Kammer Licht, Und dient und Feder führe ich in der Tasche. Fort! Zwei Minuten braucht_es, so ist_es geschehen. Ruprecht. Ei, solch ein blitz-verfluchter Kerl! Walter. Und darauf gingst du mit ihm in die Kammer? Eve. Ich sage: Herr Dorfrichter, was das auch für Anstalten sind! Ich werde jetzt mit ihm, Da Mutter schläft, in meine Kammer gehen. Daraus wird nichts, das konnte er sich wohl denken. "Gut," spricht er, "wie du willst. Ich bin_es zufrieden. So bleibt die Sache bis auf ein andermal. In Tagner drei bis acht bin ich zurück." -- Herr Gott, sage ich, er in acht Tagen erst! Und in drei Tagen geht der Ruprecht schon -- Walter. Nun, Evchen, kurz -- Eve. Kurz, gnädiger Herr -- Walter. Du gingst -- Eve. Ich ging. Ich führte ihn in die Kammer ein. Frau Marthe. Ei, Eve! Eve! Eve. Zürnt nicht! Walter. Nun jetzt -- weiter? Eve. Da wir jetzt in der Stube sind -- zehnmal Verwünschte iches schon, ehe wir sie noch erreicht -- Und ich die Tür behutsam zugedrückt, Legt er Attest und dient' und Feder auf den Tisch, Und rückt den Stuhl herbei sich, wie zum Schreiben. Ich denke, setzen wird er sich: doch er, Er geht und schiebt den Riegel vor die Türe, Und räuspert sich, und lüftet sich die Weste, Und nimmt sich die Perücke förmlich ab, Und hängt, weil der Perückenstock ihm fehlt, Sie auf den Krug dort, den zum Scheuern ich Bei mir aufs Wandgesimse hingestellt. Und da ich frag, was dies auch mir bedeute? Läßt er am Tisch jetzt auf den Stuhl sich nieder, Und faßt mich so, bei beiden Händen, seht, Und sieht mich an. Frau Marthe. Und sieht --? Ruprecht. Und sieht dich an --? Eve. Zwei abgemessene Minuten starr mich an. Frau Marthe. Und spricht --? Ruprecht. Spricht nichts --? Eve. Er, Niederträchtiger, sage ich, Da er jetzt spricht; was denkt er auch von mir? Und stoße ihm, vor die Brust daß er euch taumelt -- Und: Jesus Christus! rufe ich: Ruprecht kommt! -- Denn an der Tür ihn draußen höre ich donnern. Ruprecht. Ei, sieh! da kam ich recht. Eve. "Verflucht!" spricht er, Ich bin verraten!" -- und springt, den Schein ergreifend, Und Dient und Feder, zu dem Fenster hin. "Du!" sagt er jetzt, "sei klug!" -- und öffnet es. Den Schein holst du dir morgen bei mir ab. Sagst du ein Wort, so nehme ich ihn, und reiß ihn, Und mit ihm deines Lebens Glück, entzwei." Ruprecht. Die Bestie! Eve. Und tappt sich auf die Hitsche, Und auf den Stuhl, und steigt aufs Fensterbrett, Und untersucht, ob er wohl springen mag. Und wendet sich, und beugt sich zum Gesimse, Wo die Perücke' hängt, die er noch vergaß. Und greift und reißt vom Kruge sie, und reißt Von dem Gesims den Krug herab: Der stürzt; er springt; und Ruprecht kracht ins Zimmer. Ruprecht. Gottes Schlag und Wetter! Eve. Jetzt will, ich jetzt will reden, Gott der Allwissende bezeugt es mir! Doch dieser -- schnaubend fliegt er euch durchs Zimmer, Und stößt -- Ruprecht. Verflucht! Eve. Mir vor die Brust -- Ruprecht. Mein Evchen! Eve. Ich taumle sinnlos nach dem Bette hin. Veit. Verdammter Hitzkopf, du! Eve. Jetzt stehe ich noch, Goldgrün, wie Flammen rings, umspielt es mich, Und wank, und halte am Bette mich; da stürzt Der von dem Fenster schmetternd schon herab; Ich denke, er steht im Leben nicht mehr auf. Ich rufe: Heiland der Welt! und spring' und neige Mich über ihn, und nehme ihn in die Arme, Und sage: Ruprecht! Lieber Mensch! Was fehlt dir? Doch er -- Ruprecht. Fluch mir! Eve. Er wütet -- Ruprecht. Traf ich dich? Eve. Ich weiche mit Entsetzen aus. Frau Marthe. Der Grobian! Ruprecht. Daß mir der Fuß erlahmte! Frau Marthe. Nach ihr zu stoßen! Eve. Jetzt erscheint die Mutter, Und stutzt, und hebt die Lamm und fällt ergrimmt, Da sie den Krug in Scherben sieht, den Ruprecht Als den unzweifelhaften Täter an. Er, wutvoll steht er, sprachlos da, will sich verteidigen: doch Nachbar Ralf fällt ihn, Vom Schein getäuscht, und Nachtbar Hinz ihn an, Und Muhme Sus' und Lies' und Frau Brigitte, Die das Geräusch zusamt herbeigezogen, Sie Alle, taub, sie schmähen ihn und schimpfen, Und sehen großen Auges auf mich ein, Da er mit Flüchen, schäumenden, beteuert, Daß nicht er, daß ein Anderer das Geschirr, Der eben nur entwichen sei, zerschlagen. Ruprecht. Verwünscht! Daß ich nicht schwieg! Ein Anderer! Mein liebes Evchen! Eve. Die Mutter stellt sich vor mich, Blaß, ihre Lippe zuckt, sie stemmt die Arme. "Ist_es," fragt sie, "ist_es ein Anderer gewesen? Und: Joseph, sage ich, und Maria, Mutter; Was denkt ihr auch? -- "Und was noch fragt ihr sie, Schreit Muhme Sus' und Liese: "Ruprecht war_es! Und alle schreien: "der Schändliche! Der Lügner! Und ich -- ich schwieg, ihr Herrn; ich log, ich weiß, Doch log ich anders nicht, ich schwöre_es, als schweigend. Ruprecht. Mein Seele, sie sprach kein Wort, das muß ich sagen. Frau Marthe. Sie sprach nicht, nein, sie nickte mit dem Kopf bloß, Wenn man sie, obs der Ruprecht war, befragte. Ruprecht. Ja, nicken. Gut. Eve. Ich nickte? Mutter! Ruprecht. Nicht? Auch gut. Eve. Wann hätte ich --? Frau Marthe. Nun? Du hättest nicht, Als Muhme Suse vor dir stand, und fragte: Nicht, Evchen, Ruprecht war es? ja genickt? Eve. Wie? Mutter? Wirklich? Nickte ich? Seht -- Ruprecht. Beim Schnauben, Beim Schnauben, Evchen! Laß die Sache gut sein. Du hieltst das Tuch, und schneuztest heftig drein; Mein Seele, es schien, als ob du_ein bissel nicktest. Eve (verwirrt). Es muß unmerklich nur gewesen sein. Frau Marthe. Es war zum Merken just genug. Walter. Zum Schluß jetzt --? Eve. Nun war auch heute am Morgen noch mein erster Gedanke, Ruprecht alles zu vertraun. Denn weiß er nur der Lüge wahren Grund, Was gilt_es, denke ich, so lügt er selbst noch mit, Und sagt, nun ja, den irdenen Krug zerschlug ich, Und dann so kriegt ich auch wohl noch den Schein. Doch Mutter, da ich in das Zimmer trete, Die hält den Krug schon wieder, und befiehlt, Sogleich zum Vater Tümpel ihr zu folgen; Dort fordert sie den Ruprecht vor Gericht. Vergebens, daß ich um Gehör ihn bitte, Wenn ich ihm nah, so schmäht und schimpft er mich, Und wendet sich, und will nichts von mir wissen. Ruprecht. Vergib mir. Walter. Nun laß dir sagen, liebes Kind, Wie zu so viel, stets tadelnswerten, Schritten -- -- Ich sage tadelnswert, wenn sie auch gleich Verzeihlich sind -- dich ein gemeiner, grober Betrug verführt. Eve. So? Wirklich? Walter. Die Miliz Wird nach Batavia nicht eingeschifft: Sie bleibt, bleibt in der Tat bei uns, in Holland. Eve. Gut, gut, gut. Denn der Richter log; nicht wahr? So oft: und also log er gestern mir. Der Brief, den ich gesehen, war verfälscht; Er las mires aus dem Stegreif nur so vor.

Walter.

Ja, ich versichere es dich.

Eve.

O gnädiger Herr! -- O Gott! Wie könnt ihr mir das tun? O sagt --

Walter.

Herr Schreiber Licht! Wie lautete der Brief? Ihr müßt ihn kennen.

Licht.

Ganz unverfänglich. Wiees überall bekannt ist. Die Miliz Bleibt in dem Land, es ist eine Landmiliz.

Eve.

O Ruprecht! O mein Leben! Nun istes aus.

Ruprecht

Evchen! Hast du dich wohl auch überzeugt? Besinne dich!

Eve.

Ob ich --? Du wirst_es erfahren.

Ruprecht.

Standes wirklich so --?

Eve.

Du hörst es, Alles, Alles; Auch dies, daß sie uns täuschen sollen, Freund.

Walter.

Wenn ich mein Wort dir gebe --

Eve.

O gnädiger Herr!

Ruprecht.

Wahr ist_es, es wäre das erstemal wohl nicht --

Eve.

Schweige! Es ist umsonst --

Walter.

Das erstemal wärees nicht?

Ruprecht.

Vor sieben Jahren soll was Ähnliches Im Land geschehen sein --

Walter.

Wenn die Regierung Ihn hinterginge, wärees das erstemal. So oft sie Truppen noch nach Asien schickte, Hat sie_es den Truppen noch gewagt zu sagen. Er geht --

Eve.

Du gehst. Komme.

Walter.

Wo er hinbeordert; In Utrecht wird er merken, daß er bleibt.

Eve.

Du gehst nach Utrecht. Komme. Da wirst dues merken. Komme, folge. Es sind die letzten Abschiedsstunden, Die die Regierung uns zum Weinen läßt; Die wird der Herr uns nicht verbittern wollen.

Walter.

Sieh da! So arm dein Busen an Vertrauen?

Eve.

O Gott! Gott! Daß ich jetzt nicht schwieg.

Walter.

Dir glaubte ich Wort vor Wort, was du mir sagtest; Ich fürchte fast, daß ich mich übereilt.

Eve.

Ich glaube euch ja, ihr hört_es, so wie ihres meint. Komme fort.

Walter.

Bleibe. Mein Versprechen will ich lösen. Du hast mir deines Angesichtes Züge Bewährt, ich will die meinen dir bewähren; Müßt ich auf andere Art dir den Beweis Auch führen, als du mir. Nimm diesen Beutel.

Eve.

Ich soll --

Walter.

Den Beutel hier mit zwanzig Gulden! Mit so viel Geld kaufst du den Ruprecht los.

Eve.

Wie? Damit --?

Walter.

Ja, befreist du ganz vom Dienst ihn. Doch so. Schifft die Miliz nach Asien ein, So ist der Beutel ein Geschenk, ist dein. Bleibt sie im Land, wie ich_es vorher dir sagte, So trägst du deines bösen Mißtrauens Strafe, Und zahlst, wie billig, Beutel, samt Interessen, Vom Hundert vier, terminlich mir zurück.

Eve.

Wie, gnädiger Herr? Wenn die --

Walter.

Die Sache ist klar.

Eve.

Wenn die Miliz nach Asien sich einschifft, So ist der Beutel ein Geschenk, ist mein. Bleibt sie im Land, wie ihrs vorher mir sagtet, So soll ich bösen Mißtrauens Straf' erdulden, Und Beutel, samt, wie billig, Interessen --

(sie sieht Ruprecht an).

Ruprecht.

Pfui! Es ist nicht wahr! Es ist kein wahres Wort!

Walter.

Was ist nicht wahr?

Eve.

Da nehmt ihn! Nehmt ihn! Nehmt ihn!

Walter.

Wie?

Eve.

Nehmt, ich bitte' euch, gnädiger Herr, nehmt, nehmt ihn!

Walter.

Den Beutel?

Eve.

O Herr Gott!

Walter.

Das Geld? Warum das? Vollwichtig neugeprägte Gulden sind_es. Sieh her, das Antlitz hier des Spanierkönigs: Meinst du, daß dich der König wird betrügen?

Eve.

O lieber, guter, edler Herr, verzeiht mir. -- O der verwünschte Richter!

Ruprecht.

Ei, der Schurke!

Walter.

So glaubst du jetzt, daß ich dir Wahrheit gab?

Eve.

Ob ihr mir Wahrheit gabt? O scharfgeprägte, Und Gottes leuchtend Antlitz drauf. O Himmel! Daß ich nicht solche Münze mehr erkenne!

Walter.

Höre, jetzt gebe ich dir einen Kuß. Darf ich?

Ruprecht.

Und einen tüchtigen. So. Das ist brav.

Walter.

Du also gehst nach Utrecht?

Ruprecht.

Nach Utrecht gehe ich, Und stehe ein Jahrlang auf den Wällen Schildwache, Und wenn ich das getan, u. s. w....... ist Eve mein!